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Wanderers Seelennot: Franz Schuberts „Winterreise“ im Konzerthaus Dortmund

Wanderers Seelennot: Franz Schuberts „Winterreise“ im Konzerthaus Dortmund

Mitten in der Nacht stapft er los. Hinaus in den Schnee, durch die schlafende Stadt, weit übers Land, unbemerkt und ohne Ziel. Der einsame Wanderer hat keinen Namen, aber alle Freunde der Musik von Franz Schubert kennen ihn aus zahllosen Liedern. In ihnen ist der rast- und heimatlose Geselle der Hauptdarsteller: ein ewig Unbehauster, der dem Glück vergeblich nachläuft. Schon einmal ist es ihm entwischt, in dem Zyklus „Die schöne Müllerin“, in dem die Geliebte seine … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Musik & Konzert

Was vom Monat übrig blieb: Das war der Januar

Was vom Monat übrig blieb: Das war der Januar

Es war ein trauriger Monat. Die terroristischen Anschläge von Paris ließen uns alle traurig und fassungslos zurück. Daran konnten auch mannigfache Solidaritätsbekundungen nichts ändern. Dazu in Deutschland dieses gida-istische Genöle, Gepöbel mit fast schon folgerichtiger Selbstzerfleischung. Lichtblicke – verzweifelt gesucht. Gut, dass wir diese ab und an noch in der Natur finden können. Und im kulturellen Geschehen natürlich. Und das war dem Ruhrpott sein Januar: Gedankenanstoß des Monats: Angesichts des “Charlie-Hebdo”-Anschlags ist es Zeit für eine … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Kultur an sich, Politik und so, Region Ruhr

Kunst als ewiger Kreislauf: Bilder von Friedensreich Hundertwasser in Hagen

Kunst als ewiger Kreislauf: Bilder von Friedensreich Hundertwasser in Hagen

Man ist beileibe kein Prophet, wenn man dieser Ausstellung ganz profan einen zählbaren Erfolg vorhersagt. Hundertwasser „zieht“ immer. Sicherlich auch in Hagen. Tayfun Belgin, Leiter des Hagener Osthaus Museums, wo jetzt rund 130 Arbeiten aller Schaffensphasen des Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) zu sehen sind, hofft auf rund 60000 Besucher – plus X. Dann wäre man mit der kostspieligen Schau auch finanziell „im grünen Bereich“. Hagen genießt übrigens nicht zuletzt deshalb den Vorzug, die Ausstellung im Verein mit der … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Architektur & Städtebau, Kunst, Natur

Das Menschliche mit der Kamera suchen – Werkschau Herlinde Koelbls in Oberhausen

Das Menschliche mit der Kamera suchen – Werkschau Herlinde Koelbls in Oberhausen

Von Angela Merkel wird berichtet, dass sie die Fototermine mit Herlinde Koelbl in den ersten Jahren nicht so sehr schätzte. Nach einiger Zeit jedoch änderte sich das; dann habe sie ihre Sekretärin ab und an schon mal gefragt „War die Koelbl dieses Jahr eigentlich schon hier?“ Herlinde Koelbl erzählt es mit der ihr eigenen Fröhlichkeit, als sie sagen soll, wie sie denn so zurechtkomme mit den Mächtigen der Republik. Gut kommt sie mit den Mächtigen … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Fotografie, Kunst

Von Geistern und Geliebten: Ballett “Giselle” noch einmal im Essener Aalto-Theater

Von Geistern und Geliebten: Ballett “Giselle” noch einmal im Essener Aalto-Theater

Für Giselle soll es rosa Kirschblüten regnen und zwar immer. Auch als der geliebte Albrecht plötzlich nicht mehr der ist, der er zu sein vorgab, will das Mädchen das nicht wahrhaben und wirft sich einen Schwung Blüten über den Kopf: „Ich will nicht, dass die Liebe aufhört“, scheint Giselle damit zu sagen, „denn sonst folgt nur noch der Tod.“ Das Unausweichliche geschieht trotzdem: Rot wie Blut sind jetzt die Rosen, die wie aus einer Wunde aus … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Musik & Konzert, Oper & Ballett, Region Ruhr

Wo bleiben bloß die Emotionen? – Goosens “So viel Zeit” als Theaterstück in Oberhausen

Wo bleiben bloß die Emotionen? – Goosens “So viel Zeit” als Theaterstück in Oberhausen

Karriere gemacht, Ehepartner gefunden (und verloren), Kinder gezeugt und “v”erzogen, Eigenheim gebaut, Baum gepflanzt – alles erreicht, was vor langer Zeit als Lebensziel angepeilt war. Jetzt kommt die Ernüchterung, die Wehmut und die Erinnerung an einst so unbekümmerte Zeiten treiben mit Macht. Geht es nicht allen Fortysomethings so? In Frank Goosens 2007 erschienenem Buch “So viel Zeit” sind es die Freunde einer Doppelkopfrunde, die nichts dringender ersehnen als “Kontakt aufzunehmen zu ihrem früheren Ich”. Es ist … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Literatur, Musik & Konzert, Theater

Melancholie eines umstrittenen Komponisten: Pfitzners „Von deutscher Seele“ in Bochum

Melancholie eines umstrittenen Komponisten: Pfitzners „Von deutscher Seele“ in Bochum

Immer wieder stellt sich bei Aufführungen von Werken Hans Pfitzners die Frage: Soll man die Werke des verschrobenen Nationalisten mit unverkennbarer Nazi-Nähe überhaupt noch aufführen? Sicher, bei seinem Hauptwerk „Palestrina“ verstummen die Kritiken meistens. Um bei anderer Gelegenheit umso nachdrücklicher zu Worte zu drängen. Vor allem politisch hochkorrekte Säuberer deutscher Gegenwart von braunen Restmüllbeständen holen dann das verbale Desinfektionsgerät heraus: Da werden schon einmal Pfitznerstraßen umbenannt – wie in Münster oder Hamburg – und ein … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Musik & Konzert

“Häuptling Abendwind und die Kassierer”: Punk trifft Nestroy im Theater

“Häuptling Abendwind und die Kassierer”: Punk trifft Nestroy im Theater

Die „Kassierer“ aus Bochum-Wattenscheid machen Fun-Punk – eine legendäre Band seit inzwischen 30 Jahren. Auf ihren Konzerten grölen sie vom Bier, das alle ist oder von „Sex mit dem Sozialarbeiter“. Klassiker unter ihren Songs heißen „Stinkmösenpolka“ oder „Ich töte meinen Nachbarn und verprügel‘ seine Leiche“, dargeboten von Sänger „Wölfi“ Wendland gerne auch mal unten ohne, mit freiem Blick aufs baumelnde Gemächt. Weil das als Satire durchgeht, haben die vier größtenteils akademisch gebildeten Musiker bislang keine Probleme … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Musik & Konzert, Operette & Musical, Region Ruhr, Rock & Pop, Theater

Draußen vor der Stadt: Landwehren, Ballspiele und Müllabfuhr im 16. Jahrhundert

Draußen vor der Stadt: Landwehren, Ballspiele und Müllabfuhr im 16. Jahrhundert

Landwehren sind lang gestreckte Erdwälle, die im Mittelalter angelegt wurden, um das Territorium gegen Eindringlinge zu schützen oder um Räuberbanden die schnelle Flucht vor allem mit Fuhrwerken zu vereiteln. Darüber erschien hier vor drei Jahren bereits ein Artikel als “historisches Stichwort”. Jetzt gibt es zu diesem Thema ein sehr informatives neues Buch, dem sich interessante Einzelheiten entnehmen lassen. Das Werk entstand nach einer Fachtagung der Altertumskommission für Westfalen. In den Aufsätzen der Wissenschaftler kann man viel … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Buchmarkt, Geschichte, Stadt Land Fluss

Erzwungener Liebestod – Frederick Delius‘ „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ in Bielefeld

Erzwungener Liebestod – Frederick Delius‘ „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ in Bielefeld

Von Jean-Jacques Rousseau stammt die Erkenntnis, Freiheit bestehe nicht darin, dass der Mensch tun könne, was er wolle. Sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. In Frederick Delius‘ Oper „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ sollen die beiden liebenden jungen Leute ständig tun, was sie nicht wollen: Die Väter verbieten ihnen den Umgang miteinander. Der „schwarze Geiger“ will ihnen ein Leben als verantwortungslose Vagabunden schmackhaft machen. Das „Volk“ versucht, sie in die … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Oper & Ballett

“Wie die Karnickel”: Eine Papst-Äußerung mit weitreichenden Folgen

“Wie die Karnickel”: Eine Papst-Äußerung mit weitreichenden Folgen

Herrje! Jessas! Dschieses! Da ist aber der Rauch des Satans in die druckdichte Kabine des päpstlichen Flugzeugs eingedrungen! Hat doch das Oberhaupt der Katholiken verkündet, dieselben müssten sich nicht „wie die Karnickel“ vermehren… Bergoglio, das war missgetan! Denn ungeachtet möglicher weitreichender moraltheologischer Schlussfolgerungen aus dem tierischen Vergleich meldete sich prompt der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter zu Wort: Die Fortpflanzung deutscher Rasse- und Zuchtkaninchen erfolge in geordneten Bahnen. Sexuelle Ausschweifungen träfen nur auf freilebende Tiere zu! Wir folgern aus … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Gesellschaft, Glaubensfragen, Liebesleben, Natur, Scherz, Satire, Ironie, Sprache, Wahnwitz

Yasmina Reza, Piccoli, Binoche, Ute Lemper – Frankreich ist Thema der Ruhrfestspiele

Yasmina Reza, Piccoli, Binoche, Ute Lemper – Frankreich ist Thema der Ruhrfestspiele

In diesem Jahr soll es unser westlicher Nachbar sein. „Tête-à-tête – ein dramatisches Rendezvous mit Frankreich“ ist das Programm der Ruhrfestspiele 2015 überschrieben, und natürlich erfolgte die thematische Schwerpunktlegung lange, bevor das Land (und seine Kultur) es zu trauriger Aktualität brachten. Fast wundert man sich, daß Festival-Chef Frank Hoffmann Frankreichs Kultur erst jetzt so entschlossen ins Rampenlicht des Recklinghäuser Festspielhauses rückt, ist er doch als Luxemburger – mit ganz leichter Andeutung eines französischen Akzents, ähnlich seinem … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Festivals, Kleinkunst & Comedy, Literatur, Musik & Konzert, Region Ruhr, Theater

“Ungestört sein” – ein kurzes Gedicht

Im Schlafzimmer will fast jede und jeder ungestört sein. Aber Religion soll keine Privatsache sein mancherorts. Ungestört will jeder Atheist sein im Schlafzimmer im Ohr in seinem Gehirn. Amen ________________________________________________ … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Zweizeiler, Vierzeiler usw.

Schockierendes Geständnis: Warum ich mich beim “Dschungelcamp” prächtig amüsiere

Schockierendes Geständnis: Warum ich mich beim “Dschungelcamp” prächtig amüsiere

Ich traue mich eigentlich auch jetzt noch nicht so recht: Sind ernsthaft zu nennende Blogs, die sich in würdigender Weise dem gezausten Themenfeld der Kultur widmen, auch wirklich das angemessene Podium? Setze ich mich nicht freiwillig der Gefahr aus, mich als tumber Konsument und aufs Glotzen fixierter Allesfresser zu outen? Könnte ich möglicherweise das Schallen der auslachenden Heiterkeit bis nach Hagen hören? Ich mach’s dennoch: Der alte Mann gesteht, er guckt mit einem Heidenvergnügen alle Jahre wieder … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Alltag, Bekenntnisse, Fernsehen, Gesellschaft, Medien, Wahnwitz

“Der geteilte Himmel”: Wie Armin Petras an der Schaubühne Christa Wolfs Erzählung skelettiert

“Der geteilte Himmel”: Wie Armin Petras an der Schaubühne Christa Wolfs Erzählung skelettiert

Seit Regisseur und Intendant Armin Petras vom Berliner Maxim-Gorki-Theater ans Stuttgarter Staatstheater wechselte, ist er zum Berufspendler geworden. Ständig sitzt er mit dem Zug, um seine in Berlin lebende Familie und seine in der Hauptstadt wohnenden Künstler-Freunde zu treffen. Dabei muss ihm unterwegs seine Taschenbuch-Ausgabe von Christa Wolfs Erzählung „Der geteilte Himmel“ (dtv, 238 S., 7,90 Euro) abhanden gekommen sein. Petras hat dann scheinbar, ohne noch einmal genauer in das 1963 veröffentlichte Buch zu schauen, … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Literatur, Politik und so, Theater, Utopien

Am Bande, nicht am Gängelband: „Schreibheft“-Herausgeber Norbert Wehr erhält Verdienstkreuz und erinnert an Voltaire

Am Bande, nicht am Gängelband: „Schreibheft“-Herausgeber Norbert Wehr erhält Verdienstkreuz und erinnert an Voltaire

Jemand mag einen Orden bekommen und doch kann er ein verdienstvoller Mensch sein, heißt es. Ganz sicher trifft dies auf Schreibheft-Herausgeber Norbert Wehr zu, der gestern im Essener Rathaus das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ erhielt. Es ist eine Auszeichnung für fast 40 Jahre Entdeckungsreisen in die Literatur der Zeiten und Länder, für Literaturveranstaltungen in Serie, die seit Jahrzehnten das kulturelle Klima der Stadt Essen bereichern. „Literatur im Folkwang“ hießen die zuletzt, bis … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Glaubensfragen, Literatur, Politik und so, Region Ruhr

Zwei Jahre nach dem Ende der Rundschau – beängstigende Zeiten für den Journalismus

Zwei Jahre nach dem Ende der Rundschau – beängstigende Zeiten für den Journalismus

Jetzt ist es auf den Tag genau zwei Jahre her: Am 15. Januar 2013 wurde die Entscheidung der WAZ-Gruppe (heute Funke-Gruppe) verkündet, die Redaktion der Westfälischen Rundschau komplett zu entlassen. Damit war die Geschichte der Zeitung faktisch beendet, obwohl sie phantomhaft mit Fremdinhalten weiter erscheint. Bis heute ist dies ein singulärer Vorgang in der bundesdeutschen Pressegeschichte. An manchen Ecken und Enden der Republik haben Verleger, Investoren und Profiteure seither Redaktionen und/oder Etats verkleinert. Aber so unvergesslich … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Medien, Politik und so, Region Ruhr

Peter Høegs „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ im Bochumer Schauspiel

Peter Høegs „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ im Bochumer Schauspiel

Was ist Zeit? Zeit ist zum Beispiel Rhythmus: Ein penetrantes Hämmern, ein ewiger Herzschlag. Wiederholung. Das kann beruhigen – oder in den Wahnsinn treiben. Eher letzteres ist der Fall in Peter Høegs Roman „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ – eine vor 20 Jahren erschienene Außenseiter-Geschichte des dänischen Autors, der zuvor mit „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ einen internationalen Bestseller geschrieben hatte. Im „Theater Unten“ des Schauspielhauses Bochum feierte nun eine Bühnenversion der Romanvorlage Premiere … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Literatur, Theater

Aus der Zeit gefallen: Barbey d’Aurevillys “Der Chevalier des Touches” erstmals auf Deutsch

Aus der Zeit gefallen: Barbey d’Aurevillys “Der Chevalier des Touches” erstmals auf Deutsch

Jules Barbey d’Aurevillys Roman “Der Chevalier des Touches” führt den Leser in ein wenig bekanntes Kapitel der französischen Geschichte: die Partisanenkämpfe katholisch-royalistischer Chouans gegen die siegreichen Revolutionstruppen auf der in den Ärmelkanal ragenden Halbinsel Cotentin in den 1790er Jahren. Als sei das Thema nicht abgelegen genug, wählt der konservativ-dandyhafte Autor Protagonisten, die schon zum Zeitpunkt der Rahmenhandlung der erzählten Geschichte, während der Restauration, und erst recht bei der Erstveröffentlichung, 1863, als Vertreter einer unwiederbringlich zurückliegenden Epoche … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Buchmarkt, Geschichte, Literatur

Kurzkrimi-Sammlung mit erotischen Zugaben: Höllischer Sex am westfälischen Hellweg

Kurzkrimi-Sammlung mit erotischen Zugaben: Höllischer Sex am westfälischen Hellweg

Schön ist es derzeit wirklich nicht. Es regnet, es stürmt, es ist zwar warm, dafür aber nicht hell. Ideale Zeit also, um sich von spannendem Lesestoff inspirieren zu lassen. Am besten direkt solcher, der den Leser ins Dunkle mitnimmt. Düsterer als der Blick nach draußen kann es ja ohnehin kaum werden. Noch besser, wenn die Inspiration sich in erotische Gefilde ausdehnt. So dachten es sich vielleicht auch die Herausgeber der aktuellen Anthologie zum siebten “Mord-am-Hellweg-Krimi-Festival”. Natürlich … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Buchmarkt, Literatur

Bedrohlich flackernder Faschismus: Dortmunder “Tatort” zur Neonazi-Szene

Bedrohlich flackernder Faschismus: Dortmunder “Tatort” zur Neonazi-Szene

Das dürfte jetzt feststehen: Dortmund ist – glaubt man den Fernsehbildern – derzeit die abgefuckteste und desolateste „Tatort“-Stadt. Doch zugleich entstehen hier mit die stärksten und dringlichsten Krimis der Reihe. Der heutige Fall (Untertitel: „Hydra“) rankte sich um den Mord an einem stadtbekannten Rechtsradikalen, somit auch um die örtliche Neonazi-Szene und deren fatale Querverbindungen ins Polizeipräsidium und zu anderen staatlichen Stellen. Im Kern ging es nicht zuletzt um die latente oder gar manifeste Nähe des Faschismus zur … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Alltag, Fernsehen, Gesellschaft

Hintersinn und Abgründe des Lebens – gesammelte Kurzerzählungen von Franz Hohler

Hintersinn und Abgründe des Lebens – gesammelte Kurzerzählungen von Franz Hohler

Gesucht: eine Stadt mit X. Die Lösung Xanten wäre wohl zu leicht. Da dem Autor aber kein weiterer Name für sein Städte-Alphabet einfallen will, erzählt er einfach eine ganz andere Geschichte, die jedoch in einem Zusammenhang mit dem genannten Anfangsbuchstaben steht. Willkommen bei Franz Hohler, dessen Erzählungen in kein Schema passen. Skurril, schräg, hintersinnig, abgründig: Die Geschichten des Schweizer Schriftstellers leben von der ungewöhnlichen Perspektive auf den Alltag, das Zeitgeschehen, den Zeitgeist oder das Miteinander. Dabei … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Alltag, Gesellschaft, Glaubensfragen, Kultur an sich, Literatur

Rio Reiser wäre jetzt 65 – er fehlt mehr denn je

Rio Reiser wäre jetzt 65 – er fehlt mehr denn je

Zum Platz der Kulturen hinter der Backsteinfassade des Kulturzentrums Lindenbrauerei in Unna führt ein Weg. Er heißt “Rio Reiser-Weg”, benannt nach dem legendären Frontmann der ebenso legendären Gruppe “Ton, Steine, Scherben”. Rio Reiser wäre heute 65 Jahre alt geworden. Und ich fragte mich gerade, ob er im Rentenalter schweigsamer geblieben wäre und den Versuch unterlassen hätte, der fortschreitend wirrer werdende Welt auf seine Art den Zerrspiegel vorzuhalten. Ich denke nein. Rio Reiser, der am 20. August 1996 … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Bekenntnisse, Gesellschaft, Rock & Pop, Tonträger, Utopien

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo – Zeit für eine Debatte über die Rolle der Religionen

Der feige Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo hat zwölf Menschen das Leben gekostet und großes Leid über ihre Angehörigen, ihre Freunde, ihre Kollegen gebracht. Und er verletzt auch meine a-religiösen Gefühle zutiefst, meine Vernunft, mein Herz. Die Erkenntnis, dass Religionen und (Massen-)Wahn sehr nah beieinander liegen, ist – im wahrsten Sinne des Wortes – beileibe nicht neu. Zeigt sich dieser Zusammenhang aber im alltäglichen Leben als Katastrophe, wird er vollends unerträglich. Da hilft auch die Flucht von Sprechern religiöser Verbände in die Schutzbehauptung, Religionen und religiöser Fundamentalismus als Terrorismus hätten nichts miteinander zu tun, nirgends weiter, sondern verdunkelt nur tatsächliche Zusammenhänge. Es wird also höchste Zeit für mehr radikale Religionenkritik, für eine Debatte über die Rolle der Religionen im öffentlichen Raum. Laizismus (laïcité) und Abbau der Sonderrechte für alle … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Bekenntnisse, Gesellschaft, Glaubensfragen, Politik und so

Kurz und abgeschmackt: der ARD-”Brennpunkt” über den Anschlag in Paris

Kurz und abgeschmackt: der ARD-”Brennpunkt” über den Anschlag in Paris

Das war wirklich ausgesprochen dürftig: Die ARD hat heute ab 20:15 Uhr einen gerade mal 17 Minuten langen „Brennpunkt“ zum ruchlosen Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ erübrigt. Mit mancher mittelschweren Wetterkapriole hat man sich schon länger aufgehalten. Schlimmer noch: Der Einstieg war ungemein abgeschmackt. Moderator Markus Preiss, bis vor kurzem noch selbst in Paris eingesetzt, hielt es für nötig, uns den Schrecken des Attentats vor Augen zu führen, indem er salbungsvoll sagte, Paris sei ja … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Fernsehen, Politik und so, Stilfragen

Das Elend eines Kampfpiloten – James Salters Roman “Jäger” (1957) endlich auf Deutsch

Das Elend eines Kampfpiloten – James Salters Roman “Jäger” (1957) endlich auf Deutsch

Cleve Connell ist der Anführer eines Schwarms von Kampfpiloten. Seine Aufgabe besteht darin, feindliche Maschinen abzuschießen und den eigenen Bodentruppen Schutz zu gewähren. Das hat jahrelang funktioniert. Connell wurde in mehreren Kriegen für seinen Mut ausgezeichnet. Doch jetzt ist er in Korea stationiert. Und das Glück oder das Gespür für den Sieg kommt ihm abhanden. Immer wieder steigt er mit seiner Maschine in den Himmel auf. Doch nie bekommt er den Feind zu fassen, nie kann … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Geschichte, Literatur, Technik, Wahnwitz

Wenn der Minister von Wurst und Käse erzählt

Wenn der Minister von Wurst und Käse erzählt

Ein Minister, dessen ministrable Realexistenz mir immer erst dann wieder bewusst wird, wenn er sich zu ziemlich unwesentlichen Politikbereichen äußert (vermutlich geschieht das immer dann, wenn er sich von der allgemeinen Vergessenheit bedroht sieht); diesem Minister also (es handelt sich um einen gewissen Christian Schmidt aus der unvermeidlichen CSU) fiel es ein, dass er sich nach wiederholtem Flachsinn, den sein heimischer Ministerpräsident Seehofer von sich gegeben hat, auch mal wieder zu Wort melden musste. Erstens, um … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Kulinarisches, Politik und so, Warenwelt & Werbung, Wirtschaft

Einkaufen früher und heute

Einkaufen früher und heute

Ein hundert Jahre altes Foto: Es zeigt ein Fachwerkhaus im Dörfchen Voerde, heute ein Ortsteil der Stadt Ennepetal, das Haus mit einer Art Schaufenster, sonst keine Werbung außer dem Namen des Ladeninhabers. Einkaufen in einem solchen Kolonialwaren-Geschäft war damals normal. Und heute? Discounter und Supermärkte bestimmen unseren Alltag. In solchen Läden wurde die Ware noch aus Fässern und Schubladen in Papiertüten gefüllt oder in Zeitungspapier eingewickelt, Heringe lagerten in der Tonne, Zucker und Mehl stand in … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Alltag, Geschichte, Warenwelt & Werbung, Wirtschaft

Routine im linksliberalen Korsett: Der “Geierabend” braucht dringend Auffrischung

Routine im linksliberalen Korsett: Der “Geierabend” braucht dringend Auffrischung

Der einstmals “alternative” Dortmunder Bühnenkarneval “Geierabend” ist mit den Jahren immer erfolgreicher geworden. Unser Gastautor Michael Westerhoff findet allerdings auch, dass die Veranstaltung heute viel harmloser daherkommt. Hier seine Eindrücke vom Premierenabend: Müde Gags und schlecht einstudierte Szenen. Einzig der „Steiger“ Martin Kaysh läuft zu Normalform auf. Der Rest des neuen Geierabend-Programms (“Nach uns die Currywurst”) ist genauso uninspiriert wie das Spiel des BVB in dieser Saison. Schon das Intro, eine Coverversion von Robbie Williams’ „Let me … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Kleinkunst & Comedy, Region Ruhr, Scherz, Satire, Ironie

Martin Walsers Roman “Ein springender Brunnen” – wiedergelesen als Meisterwerk über eine Kindheit und Jugend im Faschismus

Martin Walsers Roman “Ein springender Brunnen” – wiedergelesen als Meisterwerk über eine Kindheit und Jugend im Faschismus

Ich erinnere mich, und zugegeben, das alles hört sich für Heutige an, als stünde es in einer Erzählung voller Stereotype, ich erinnere mich also: Unser Klassenlehrer am Duisburger Mannesmann-Gymnasium Mitte der 60er-Jahre war während des sog. Dritten Reiches Offizier der Wehrmacht. Wenn der um 1920 Geborene von Hinterhalt und Überfällen der Tito-Partisanen in Jugoslawien erzählte, hingen wir an seinen Lippen und waren froh, dass zuletzt immer er und seine Kompanie den verdienten Sieg davontrugen. So … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Geschichte, Kultur an sich, Literatur, Sprache