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Was vom Monat übrig blieb: Das war der November

Lichtwochen Essen, Winterleuchten Dortmund, Recklinghausen leuchtet – die Stadtoberen im Ruhrgebiet lassen sich einiges einfallen, um die Menschen trotz trüben Novembergraus in ihre Innenstädte zu locken. Dabei war früher wesentlich mehr Grau im November. Selten einen so hellen elften Monat gehabt. Aber schön sind sie natürlich trotzdem, die leuchtenden Kunstwerke. Einer der Höhepunkte wie in jedem Jahr die phantasievoll beleuchtete Engelsburg in Recklinghausen:

RE leuchtet

Und das war dem Ruhrpott sein November:

Zeitinsel des Monats: Das Konzerthaus Dortmund würdigte das Schaffen des Komponisten Prokofjews. An sich eine gute Idee, doch schon der Auftakt-Abend enttäuschte mit eher lustloser Professionalität.

Festival des Monats: Auch das Dortmunder Festival „favoriten 2014″ war mehr gut gemeint als gut gemacht – so einiges an guter Absicht wurde überstrapaziert. Rolf Dennemann vergleicht es mit einer Art Ruhr-Triennale in Wundertütenform.

Geheimtipp des Monats: Hans Hermann Pöpsel empfiehlt das Örtchen Beyenburg samt Stausee. Eine kleine Idylle südlich des Ruhrgebiets.

Herkunft des Monats: das seit langem zugänglichste Buch von Botho Strauß, autobiographisch und wunderbar verdichtet.

Abküfi des Monats: Jekami, Jekits, Jeki – bürokratische Abkürzungsfimmel und was damit gemeint ist.

TV-Nostalgie des Monats: Muss Man(n) denn immer gleich in die Luft gehen? Auch Werbefiguren, fein gezeichnete noch dazu, wecken Erinnerungen.

Experiment des Monats: Ob mit oder ohne Bademantel – auch für inoffizielle Punkrock-Beauftragte war es toll, Udo Jürgens einmal live gesehen zu haben.

Chancen des Monats: Ein partizipatives Kunstprojekt am Dortmunder Borsigplatz mit Chancen als Spielgeld – kann das gutgehen? Katrin Pinetzki geht dieser Frage nach.

Genderwahnsinn des Monats: Derweil o.g. Kunstprojekt kontroverse Kreise zieht, hat man in Dortmund anscheinend keine anderen Sorgen als gleichberechtigte 50 % Ampelfrauen und Damenräder auf Verkehrsschildern. Strittig scheint nur noch, ob die moderne Frau sich auch noch in Ampelfrauchen mit Zöpfen und Röckchen wiedererkennen mag.

Rausch des Monats: Goethes Wahlverwandschaften im Optimierungswahn in Düsseldorf.

Prophet des Monats: Mit Giacomo Meyerbeers Oper „Le Prophète“ zeigt sich in Münster, wie Zeitläufe vergessene Werke in präzise analysierende Kommentare zur Gegenwart verwandeln.

Fleißarbeit des Monats: Die Jahresendausstellung im Dortmunder U zeigt „Arche Noah – Tier und Mensch in der Kunst“ und entpuppt sich bedauerlicherweise eher als Fleißarbeit.

Konflikt des Monats: Roger Vontobel inszeniert „Einsame Menschen“ von Gerhard Hauptmann als tödliche Dreiecksbeziehung. Eigenwillig, aber immerhin sind ein paar schöne Musiknummern drin.

Weltraum-Abenteuer des Monats: Während bei der Mission Rosetta schon nach wenigen Stunden der Akku versagt, läßt es das Ensemble des Dortmunder Schauspielhauses beim diesjährigen Weihnachtsmärchen galaktisch brummen: Alle außer Angsthasen können sich mit Peterchens Mondfahrt an futuristischer Opulenz erfreuen.

Gleichnis des Monats: Die biblische Geschichte über den König von Babylon inspirierte Händel einst zu „Belsazar“. Das MiR Gelsenkirchen zeigt dieses „sacred Drama“ mit imperialem Glanz.

Architektur des Monats: Ausgezeichnete Bauten im Raum Dortmund-Hamm-Unna, denen eine Anerkennung des Architektenbundes zuteil wurde.

Kulturkrampf (nicht nur) des Monats: Wuppertals Opernchef Toshiyuki Kamioka verlässt die Stadt zum Ende der Spielzeit 2015/16.

Überraschung des Monats: Thomas Mann kann man auch tanzen. Dortmunds Ballettchef Xin Peng Wang verwendete Thomas Manns „Zauberberg“ als Vorlage für einen Ballettabend und schuf damit ein grandioses Theaterereignis.

Erinnerungen des Monats: Ulrich Raulff nimmt seine Leser mit auf ein „Wiedersehen mit den Siebzigern„.

Dieser Rückblick erhebt wie immer keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Ergänzungen freuen wir uns in den Kommentaren jederzeit. Wir wünschen allen Lesern einen leuchtenden Dezember.

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