Alles muss wohl immer lustig sein

Kürzlich wurde das Modell für das zukünftige Fußballmuseum am Dortmunder Hauptbahnhof veröffentlicht. Mir hat das gläserne Stück gut gefallen – immerhin konnte man sich in der Regionalpresse ein Bild machen oder besser ansehen.

Eine typische Titelseite der FAZ


In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand sich dazu ebenfalls etwas: Eine Acht-Zeilen-Meldung im Feuilleton mit der Überschrift „Ein Klotz am Bahnhof“.

Da sollte wohl eine lustige Assoziation an den Volksmund geschaffen werden, von wegen „Klotz am Bein“, aber im Text findet sich keinerlei Bezug in diese Richtung. Das Museum wird ja auch kein Klotz, wie man sah. Auch ist nicht abzusehen, dass das Museum eine Belastung für den Bahnhof darstellen könnte, wie eine Analogie zu dem Idiom nahe legen könnte.

Vielmehr folgt die FAZ einem Trend, in Überschriften krampfhaft Anlehnungen an Sprichwörter, Gedichte, Roman- oder Filmtitel zu produzieren. Alles soll immer lustig sein, und in der Süddeutschen Zeitung ist dieser Trend noch stärker zu sehen. Wenn es passt, ist dagegen ja nichts einzuwenden, aber meist wird die Assoziation nur geschaffen um der guten Idee willen. Der folgende Text gibt den Zusammenhang dann gar nicht mehr her, wie eben bei jenem „Klotz am Bahnhof“.

Die Leser sind doch überhaupt nicht so doof, die können auch mit ernsthaften Überschriften leben.

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Über Hans Hermann Pöpsel

Historiker und Germanist. Pensionierter Redakteur
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2 Kommentare zu Alles muss wohl immer lustig sein

  1. scherl sagt:

    da schließe ich mich an. geräte etc werden auch bald lustiger.
    die “japanese cuteness” wird zur “european spaßness” …

  2. Bernd Berke sagt:

    Die ewig rumorende Spaßgesellschaft geht mir auch auf den Geist. Doch auf der anderen Seite lauert der Puritanismus.

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