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Revierpassagen » Utopien

Im Paradies der guten Fußball-Resultate

Im Paradies der guten Fußball-Resultate

Nachdem Borussia Dortmund kürzlich gegen Bayern München und dann auch noch gegen die Blauen aus Herne verloren hat (Es lag am Rasen!), muss jetzt schnellstens eine tiefgreifende Systemänderung her. Oder halt! Besser noch eine Rezeptur für alle Ewigkeit. Fürs Jenseits hat man uns schon viel, wenn nicht alles versprochen. Warum also sollte das Paradies sich nicht auch durch günstige Fußball-Ergebnisse, traumhaft tarierte Tabellen und triumphale Turniere auszeichnen? Nein, nein, es soll gar nicht immer der glanzvolle … Den ganzen Artikel lesen »

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“Er stiehlt, was er liebt und liebt, was er stiehlt”: Bob Dylan und Amerika

“Er stiehlt, was er liebt und liebt, was er stiehlt”: Bob Dylan und Amerika

Ich ahnte es ja schon lange. Je länger er mich und Millionen verborgene und offen bekennende Fans begleitete, wurde mir deutlicher: Es ist gar nicht so verquer, wenn sein Name dann und wann unter denen auftaucht, die für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen werden. Robert Allen Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, ist aber – wie wir wissen – bislang nie in diesen Olymp aufgestiegen. Dennoch, er ist ein Poet von amerikanischem Rang, er ist auf seine Art … Den ganzen Artikel lesen »

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Weltuntergang – haben wir doch längst, oder?

Weltuntergang – haben wir doch längst, oder?

So! Nun isses nur noch ein Tag und dann wird es wohl doch nicht zum angekündigten Weltuntergang kommen. Ob ich das bedauern soll oder frohlocken werde, habe ich noch nicht entschieden. Bedauerlich ist die Erkenntnis, dass der weitere Bestand des Erdballs und seiner zahlreichen Anlieger wenig verbesserte Aussichten für die Zukunft birgt – in so manchem Neubeginn steckt ja bekanntlich eine Chance. Und nun fällt der Neubeginn flach. Frohlockend kann ich annehmen, dass es noch Chancen … Den ganzen Artikel lesen »

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Ein russischer Alptraum: Vladimir Sorokins Roman “Der Schneesturm”

Ein russischer Alptraum: Vladimir Sorokins Roman “Der Schneesturm”

Landarzt Garin kommt einfach nicht vom Fleck. Seine eigenen Pferde sind total erschöpft und machen schlapp. Und der einfältige Brotkutscher Kosma, dessen Gefährt von unzähligen winzigen Pferchen gezogen wird, scheint weder die Gegend noch die einzuschlagende Richtung wirklich zu kennen. Dabei müsste Garin so dringend nach Dolgoje. Denn in dem kleinen Dorf, das irgendwo in der weiten Steppe Sibiriens liegt, ist eine seltsame Krankheit ausgebrochen, die die Menschen in fleischfressende Zombies verwandelt. Der Landarzt hat das … Den ganzen Artikel lesen »

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Das Leben in 100 Jahren: Hoffnung und kalte Schauer beim Blick in die Zukunft

Das Leben in 100 Jahren: Hoffnung und kalte Schauer beim Blick in die Zukunft

In einem Jahr, das die Menschheit nach dem Maya-Kalender nicht überstehen wird, kommt das Buch von Michio Kaku gerade recht. „Unser Leben in 100 Jahren“. Das lässt hoffen. Doch dem Autor Michio Kaku wäre es sicher zu wenig, seinen Lesern die Botschaft zu senden: „Kopf hoch, es geht weiter“. Er sieht die Menschheit auf der Schwelle zu einer neuen Ära in der Erdgeschichte. Es dauert nicht mehr lange, bis wir alle ins Weltall ausschwärmen können, Hologramme … Den ganzen Artikel lesen »

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Vorwärts in die Vergangenheit: Verrückte Verlockung in Martin Suters “Die Zeit, die Zeit”

Vorwärts in die Vergangenheit: Verrückte Verlockung in Martin Suters “Die Zeit, die Zeit”

Schon immer hatte der Mensch das Bedürfnis, die Zeit zu besiegen und, wer weiß, vielleicht unsterblich zu sein. Von der Faszination, mal in die Vergangenheit, mal in Zukunft zu reisen, die Fehler von einst zu korrigieren und die Aussichten auf ein besseres Morgen zu verbessern, handelt ein ganzes literarisches Genre. Und wissen wir nicht spätestens seit Albert Einstein, dass Zeit und Raum nicht nur gekrümmt, sondern auch ziemlich relativ sind? Der Schweizer Autor Martin Suter, dessen … Den ganzen Artikel lesen »

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Die Puppe des Monsieur Leblonde

Die Puppe des Monsieur Leblonde

Monsieur Leblonde kann man sich vorstellen als jemanden, der von Atelier zu Atelier zog und ein interessantes Produkt anpries: eine Puppe aus Kautschuk. An sich nichts Besonderes, aber zu der Zeit, es ist das 19. Jahrhundert, ein herrliches Utensil für halsstarrige Akademisten, die sich von der Fotografie nicht den Schneid abkaufen lassen wollten und natürlicher als die Natur zu malen gedachten. Diese Puppe ist aus heutiger Sicht mehr als nur ein Symptom für die Geschäftstüchtigkeit eines … Den ganzen Artikel lesen »

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Zwischen Weltgeltung, Utopie und herben Verlusten: Das Hagener Osthaus-Museum spürt seiner Geschichte nach

Zwischen Weltgeltung, Utopie und herben Verlusten: Das Hagener Osthaus-Museum spürt seiner Geschichte nach

Hagens Osthaus-Museum nimmt jetzt die eigene Geschichte in den Blick – von den Uranfängen anno 1902 bis heute. Doch man geht dabei nicht streng geordnet vor, sondern gleichsam essayistisch, kursorisch, nach Art von Flanierenden. Damit macht man aus der Not eine Tugend. Denn weite Teile der ursprünglichen Bestände sind ja nicht mehr zur Hand, so dass in einer bloßen Chronologie arge Lücken klaffen müssten. Bekanntlich sind die hochbedeutenden Kernbestände der Sammlung im Jahr 1922, nach dem … Den ganzen Artikel lesen »

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Was ist daran politisch? Die dOCUMENTA (13) und die “politische Kunst”

Was ist daran politisch? Die dOCUMENTA (13) und die “politische Kunst”

Lang galt die Kombination ‘politische Kunst’ als Oxymoron seitens der VertreterInnen künstlerischer ‘Autonomie’, die vor Instrumentalisierung der per se ‘freien’ Kunst warnten. Entsprechend Ad Reinhardts Postulat, Kunst sei Kunst und alles Andere alles Andere, sei Kunst nichts und niemand zu Diensten. Doch mit der in feministischen Zusammenhängen geprägten Losung, das Private sei politisch, verbreitete sich seit den 1970er Jahren die Erkenntnis kollektiver Ursachen und Wirkungen ‘individuellen’ Handelns. So wurde das Oxymoron zur Tautologie: Produziert und … Den ganzen Artikel lesen »

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Leuchtende Hoffnungen der 60er Jahre – Peter Kurzecks Hörbuch “Unerwartet Marseille”

Leuchtende Hoffnungen der 60er Jahre – Peter Kurzecks Hörbuch “Unerwartet Marseille”

Es gab eine Zeit, in der die Welt von Tag zu Tag besser zu werden schien. Auch nach der Sommersonnenwende (21. Juni) soll damals die Helligkeit noch zugenommen haben. Wie denn das? Wenn jemand damals einen Tramper mitnahm, so bedeutete das einfach: einsteigen, sein Leben mitbringen, sich freimütig austauschen. Es war der Vorschein des Jahres 1968, der da schon flirrte. In dieser Zeit vordem ungeahnter Freiheitsversprechen wollten die Jungen und Neugierigen, einmal aufgebrochen, immer und immer … Den ganzen Artikel lesen »

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Wie geht es weiter mit “Occupy”?

Wie geht es weiter mit “Occupy”?

Vielleicht wird das Jahr 2011 in die Geschichte eingehen als Beginn einer neuen politischen Zeitrechnung. Denn nicht nur in den von Armut und Willkür beherrschten arabischen Diktaturen, auch in den Zentren des westlichen Turbokapitalismus, in denen Banken und Börsen schrankenlos walten können, haben Massenproteste die Straßen und Plätze erobert. Nach revolutionären Umwälzungen in Tunis, Tripolis und Kairo, nach jugendlichen Aufständen und Zusammenrottungen in Madrid und London, hat sich eine globale Welle der Empörung breitgemacht. Seit die … Den ganzen Artikel lesen »

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Peymann inszeniert “Dantons Tod”: Posen mit Standbein und Spielbein

Peymann inszeniert “Dantons Tod”: Posen mit Standbein und Spielbein

Rebellion – so weit das Auge reicht. In den arabischen Ländern werden Diktaturen hinweg gefegt. In den kapitalistischen Metropolen besetzen Aktivisten Banken und Börsen. Das Gespenst der Revolution geht um, und während sich Marx im Grab die Hände reibt, meckert der olle Brecht, dass ein Gespräch über Bäume derzeit schon fast ein Verbrechen ist. Wer in dieser Situation Georg Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ aus dem Theaterfundus holt, hat Großes, auf jeden Fall Politisches im Sinn. … Den ganzen Artikel lesen »

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Orakel 2012: Die nähere Zukunft des Ruhrgebiets

Orakel 2012: Die nähere Zukunft des Ruhrgebiets

„Was wird sein?“ fragt der Flaneur den Sesshaften. Der schaut sein Rotweinglas an, nimmt einen Schluck und vertieft sich in das Orakel eines Chateau Lafite Rothschild 1986 OWC und spricht mit tiefer Stimme: „Der Dortmunder Trinkerraum – vormals Saufraum – wird trockengelegt. Eine Sozialarbeiterin aus dem Süden Europas vollbringt das Wunder und bringt die Trinkergemeinschaft dazu, dem Alkohol abzuschwören. Die Nordstadt wird eine Domäne der Abstinenz. Die Ruhrtourismus GmbH verpasst wieder einmal die Chance, Schnäpschenangebote zu machen. „Das … Den ganzen Artikel lesen »

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Weihnachtsgeschichte eines Familienmenschen

Weihnachtsgeschichte eines Familienmenschen

Heute ist schon der 22. Dezember. Es wird eng. Auf, glückliche Fügung, ich geb dir noch 48 Stunden. Mach hinne. Wie jedes Jahr, wenn Weihnachten in die Zielgrade geht, beginne ich mein vorweihnachtliches Telefon-Anstarren. Durch regelmäßige eindringliche Blicke versuche ich es in Gang zu setzen: Klingeln sollst du. KLINGELN! Schweigen. Wann immer ich die Wohnung betrete, frage ich meinen Anrufbeantworter, ob er mir nichts zu sagen hat. Hat er nicht – zumindest nicht das, was … Den ganzen Artikel lesen »

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R.E.M. – R.I.P., liebe Eckkneipe

R.E.M. – R.I.P., liebe Eckkneipe

  nightswimming / deserves a quiet night / … (1992) yeah all those stars drip down like butter… (1994) that sucarcane that tasted good… (2001) not everyone can carry the weight of the world… (1983) follow me, don’t follow me… (1988) where is the road I follow? to leave, leave … (1996) there’s a progess we have found / a way to talk around the problem … (1986) you and me / we know about time … (1991) Sie waren immer da. Die Eckkneipe … Den ganzen Artikel lesen »

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Perry Rhodan wird 50 (plus dreitausendirgendwas)

Perry Rhodan wird 50 (plus dreitausendirgendwas)

Gibt es in der Literaturgeschichte ein größeres Prosawerk? Rund 150.000 Seiten sind es inzwischen (wobei die zweispaltig gedruckte Perry-Rhodan-Seite redliche 4.320 Zeichen enthält – ca. dreimal so viel wie die Standardseiten der meisten Buchverlage). Der Roman, der längst schon gigantische Dimensionen angenommen hat, wächst wöchentlich weiter. Doch nicht allein in seinem Umfang sticht das Werk aus allem Bekannten hervor. Die erzählte Zeit der Perry-Rhodan-Heftserie reicht vom Jahr 1971 unserer vertrauten Zeitrechnung bis „gegenwärtig“ ins Jahr 1469 … Den ganzen Artikel lesen »

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Teil einer Massenbewegung sein

Teil einer Massenbewegung sein

Wollten Sie schon immer Teil einer Massenbewegung sein? Nein? Ich auch nicht. Dann ist eine „Kritische Masse“ sicher genau das Richtige. Am Wochenende gab es in Dortmund Gelegenheit, auszuprobieren, wie es sich anfühlt: Critical Mass! Was das sein soll? Das kann wikipedia besser erklären: „Critical Mass (Kritische Masse) ist eine international verwendete Aktionsform, bei der sich mehrere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Protestfahrten durch Innenstädte mit ihrer bloßen … Den ganzen Artikel lesen »

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Gütige Diktatur

Gütige Diktatur

Der und jene könnten Anwandlungen haben. Sie könnten sich wünschen, eine „gütige Diktatur“ zu errichten. Dann würde vieles geradezu hingebungs- und liebevoll verboten, ja das Ungefüge würde gleichsam zärtlich von der Erde weggestreichelt. Wohlig ließe man sich treiben zwischen zeitweiligem Überdruss und bleibendem Widerwillen gegen Dinge und Worte. Wachsende Verbotslust. Anschwellende Verfügungslaunen. Nun aber frisch begonnen: Internet? Schluss mit dem infantilen Quatsch. Fernsehen? Ab dafür! Mobiltelefonie? Weg damit. Schleunigst. Keine Leute mehr mit Headsets, die vor sich hin … Den ganzen Artikel lesen »

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Erfüllter Wunsch

Erfüllter Wunsch

So ist das vielleicht mit allen erfüllten Wünschen: Auf einmal fehlt der ganz große Glanz, der schon seine funkelnden Vorboten ausgesandt hatte und den man sich vorher aus der Ferne erhofft hatte. Nicht, dass nun alles schal schmeckte. Doch man muss von den ersehnten 100 Prozent etwas abziehen. Wieder mal keine Apotheose. Die Vorlust war abermals größer als die die Erfüllung. Wer wird denn da an Erotik denken? Es sei dargetan am banalen Beispiel: Gesetzt den Fall, man … Den ganzen Artikel lesen »

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Schlingensief: Erst kommt das Chaos des Lebens

Der Regisseur Christoph Schlingensief ist mit 49 Jahren an Krebs gestorben. Im November 2006 hatte er einen nunmehr doppelt denkwürdigen Auftritt im Dortmunder Konzerthaus. Dieser zwangsläufig noch nicht pietätvolle Artikel des jetzt trauernden B. B. stand am 15.11.2006 in der Westfälischen Rundschau und lässt vielleicht ein wenig ahnen, wie vital und springlebendig Schlingensiefs irrlichternder Geist gewesen ist. So viele überschießende Ideen wie er haben jedenfalls nur wenige Menschen. Längst nicht alle hat er ins Werk setzen können. Dortmund. Konzerthauschef Benedikt Stampa hat das Publikum gewarnt: Heute werde es kulturell “ans Eingemachte” gehen. Kein leeres Versprechen. Denn der Mann, der danach die Bühne betritt, ist Christoph Schlingensief. Dieser umtriebige Aktionskünstler, Theater- und Filme-Macher (“Terror 2000″) gilt vielen als “Provokateur” und “Enfant terrible” der Szene. Wegen des enormen Andrangs ist der Auftritt (in … Den ganzen Artikel lesen »

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“Still-Leben” auf der A 40: Utopie, Leute!

Man sage, was man will – übers „Still-Leben“ auf der A 40, an dem heute einige Hunderttausend Revierbewohner und ihre Gäste teilgenommen haben. Angeblich sollen es sogar fast 3 Millionen gewesen sein. Doch die genaue Zahl ist fast egal. Weitaus wichtiger ist dies: Es hatte durchaus mehr als nur einen Hauch von Utopie. Das gesamte Spektrum der Bevölkerung war dabei, wenn auch vielleicht nicht im exakten demographischen Mischungsverhältnis, so doch in ganzer Tiefe und Breite. Wie all diese Menschen für einen halben Tag den Straßenraum eingenommen haben, der sonst dem dröhnenden (oder gestauten) Motorverkehr vorbehalten ist! Und wie friedlich dies alles war! Wie viele Formen des Schöpferischen da zum Tragen kamen! Wie viele Leute da gesungen, gesummt, gelacht oder stillvergnügt gelächelt haben. Wie sich das zu wirklicher, wirksamer Kultur summiert hat. War das … Den ganzen Artikel lesen »

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Botho Strauß: Vom Aufenthalt

„Wo warst du in deinen Tagen? Hast du eine Höhle oder eine Säule bewohnt? Im Letztlicht oder Lechzlicht gestanden?“ Fürwahr ein hoher Ton, nah am Rande des Strapaziösen. Keine leichte Kostprobe aus dem neuen Buch von Botho Strauß, das aber ungleich vielstimmiger instrumentiert ist und auch das Alltägliche nicht beiseite lässt. „Vom Aufenthalt“ heißt der Band. Er enthält Hunderte von Notaten, die (oft unwirsch, vielfach elegisch) von der als heillos diagnostizierten Gegenwart wegführen sollen und gerade deshalb treffsicher ins Zentrum heutiger Zeitwirrnis zielen. Strauß sucht ein Menschenbild für ungewisse Zukunft zu entwerfen, aus dem Vorhandenen zu erspüren. Diese Anstrengung kommt zwar gelegentlich hochmögend, doch kaum einmal tönend prophetisch daher, wie manche gewiss wieder argwöhnen werden. Sondern? Zuweilen leicht wie ein Lufthauch. Die Grundhaltung, die der Autor einnimmt und anempfiehlt, ist ein … Den ganzen Artikel lesen »

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Kunst 1968: Alles auf Anfang

Zu „1968“ ist nun wahrlich so manches gesagt und gezeigt worden. Da fällt einem kaum noch etwas ein. Die meisten Restbestände vom Dachboden der Zeitgeschichte dürften zum 40. Jahrestag anno 2008 auf den Tisch des Hauses gekommen sein. Oder etwa nicht? *** (siehe Fußnote). Man glaubte jedenfalls, über die damalige Rebellion in groben Zügen einigermaßen Bescheid zu wissen. Umso mehr verwundert nun der Ansatz der Bielefelder Kunsthalle. Dort steht die Kunst des Jahres 1968 unterm Leitwort „Unschuld“. Ja, das Motto lautet sogar „Die Große Unschuld“. Während andere Museen die politischen Aspekte von 1968 rauf und runter buchstabiert haben, steht Bielefeld mit dem ästhetischen Zugang ziemlich einzig da. Nanu? Unschuld? Auf diesen vermeintlich Harmlosigkeit aufrufenden Begriff ist man nicht gerade gefasst, wenn man an jene Zeiten zurückdenkt. Doch beim Rundgang durch die Bielefelder … Den ganzen Artikel lesen »

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Nico: Die Frau mit der Sirenenstimme

Köln. Christa Päffgen war ein Weltstar, ja geradezu eine Ikone der Popmusik. Wie bitte? Christa Wer? Nun, weitaus bekannter war die gebürtige Kölnerin unter ihrem Künstlernamen „Nico” – und geradezu legendär wurde sie als zeitweilige Sängerin der Kultband „Velvet Underground”. Zur Erinnerung: Diese formidable Formation um Lou Reed und John Cale spielte anfangs unter der Ägide des Pop-Künstlers Andy Warhol, der auch das berühmte Bananen-Cover für ihre Debüt-Platte schuf. Das immens einflussreiche Album hieß „The Velvet Underground & Nico” und war mit düsteren Titeln („I’m Waiting for my Man”, „Venus in Furs”, „Femme Fatale”, „Heroin”, „All Tomorrow’s Parties”) ein Meilenstein der Rockgeschichte. Nicht zuletzt lag es an Nicos suggestivem Sirenengesang, der sich mit hartem deutschen Akzent im Niemandsland zwischen Minimalismus und Nihilismus erging. Die Ausstellung, mit der das Kölner Museum für Angewandte … Den ganzen Artikel lesen »

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Zum Tod von Peter Rühmkorf: Hochseilartist der Sprache

Welch eine betrübliche Nachricht! Peter Rühmkorf ist tot, der wohl vielseitigste und wortmächtigste Gegenwarts-Lyriker deutscher Sprache. Man hat bang damit rechnen müssen, denn der 78-Jährige war seit längerer Zeit schwer krebskrank. In seinem letzten Lyrikband „Paradiesvogelschiß” hat er davon bewegendes Zeugnis abgelegt. Zuletzt schrieb er von Angst getrieben, dass er dieses und weitere Werke nicht mehr werde vollenden können. Aus seinem geliebten Hamburg hatte sich der gebürtige Dortmunder bereits ins Lauenburgische Land zurückgezogen – fernab vom Lärm und Streit der Welt, dem der couragierte Mann nie ausgewichen war. Just gestern hatte ihm die Stadt Kassel noch den „Literaturpreis für grotesken Humor” zugesprochen, der ihm nun posthum verliehen wird. Einer der früheren Preisträger war Robert Gernhardt gewesen, mit dem Rühmkorf eine enge Freundschaft und die unbändige Freude am Spiel mit der Sprache … Den ganzen Artikel lesen »

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Funny van Dannen: Einmal fröhliche Anarchie und zurück

Jetzt klampft und schrammelt er wieder: Funny van Dannen bleibt sich auf seiner neuen CD „Trotzdem Danke” treu. Vielfach klingen seine Lieder spontan und unbehandelt, wie frisch am Lagerfeuer zubereitet. Doch was mitunter naiv erscheint, ist natürlich ganz schön durchtrieben – und dann eben doch wieder herrlich unbekümmert. Mal so, mal so, oft beides verwoben. Mal scheu, mal keck. Der Mann ist kaum zu fassen. Nicht weniger als 24 Songs hat der schräge Barde auf seine Einzelscheibe gepresst. In dieser Überfülle verpufft manch’ nette Miniatur. Und es stellen sich gewisse Abnutzungseffekte ein. Aber insgesamt ist’s ein Vergnügen. Man ahnt, welchen Vorläufern Funny van Dannen gelauscht hat. Beileibe nicht nur den ewigen Blues-Größen, sondern auch 70er Jahre-Liedermachern à la Hannes Wader und wohl sogar Erscheinungen wie Martin Lauer. Das war jener 110-Meter-Hürden-Weltklasseläufer, der in … Den ganzen Artikel lesen »

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Adorno: Strenger Geist und lockere Momente

Adorno: Strenger Geist und lockere Momente

So will es das Klischee: Jeder „große Mann“ muss der Nachwelt mindestens einen Satz hinterlassen, den viele zu kennen meinen; besser noch, wenn der Ausspruch Rätsel aufgibt und die gesamte Existenz umgreift. Bei Theodor W. Adorno, der vor 100 Jahren (am 11. September 1903) geboren wurde, waren es diese Worte fürs kollektive Gedächtnis: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Man könnte sich den Sinn simpel zurechtlegen, etwa so: Wie man’s auch macht, man macht es verkehrt – in dieser … Den ganzen Artikel lesen »

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