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Alter Mann liebt junges Mädchen

Oje, das könnte wieder Vorwürfe hageln! Martin Walser bringe „sabbernde Altmännerphantasien” zu Papier, haben böswillige Kritiker dem Schriftsteller zuletzt vorgehalten. Und was legt er nun vor? Altmännerphantasien! In seinem Roman „Ein liebender Mann” geht es um den 73-jährigen Dichterfürsten Goethe, der sich heftig in die 19-jährige Ulrike von Levetzow verguckt. Die Episode ist historisch verbürgt, jedoch bis heute geheimnisumwittert. Wer will es Walser (80) verübeln, dass er sich tief in eine solche Liebe einfühlt? Und sein Buch hat ja auch so gar nichts Geiferndes, nichts ungebührlich Geiles an sich. Im Kern handelt es von der existenziellen Verunsicherung des Mannes, dem alle Welt „Größe” nachsagt. Doch wie’s da drinnen aussieht . . . Eine Art Rechtfertigung steht gleich im allerersten Satz: „Bevor er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen.” Diese mädchenhafte Frau … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Geschichte, Liebesleben, Literatur

Die Welt besteht aus Zahlen

Paderborn. „Am Anfang war das Wort”. Wirklich? An dem biblischen Satz könnte man zweifeln, wenn man diese Ausstellung gesehen hat: „Zahlen, bitte!” zeigt unsere Welt als Ansammlung berechenbarer Verhältnisse. Wie schon der alte Grieche Pythagoras gesagt haben soll: „Die Zahl ist das Wesen aller Dinge.” Viele kokettieren ja gern mit ihrer Unkenntnis auf diesem Felde: „In Mathe war ich immer schlecht!” Doch 2008 ist nun mal hochoffiziell zum „Jahr der Mathematik” ausgerufen worden. Und nicht nur der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger mahnt seit längerem, diesen Teil der Kultur bloß nicht zu vernachlässigen. Also ist tätige Reue fällig: Auf nach Paderborn, auf ins Heinz Nixdorf Museum! Da merkt man rasch: Was immer uns ästhetisch erfreut, hat letztlich mit Zahlen zu tun. Der Aufbau schöner Kristalle, die Symmetrie der Tiere, überhaupt die Schauspiele … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Allgemein, Alltag, Wissenschaft

Jane Birkin: Die ganze Fülle des Lebens

Wenn Jane Birkin singt, sind Geister gegenwärtig. Dann wird Musik schon mal zur gehauchten Beschwörung. Nein! Diese knabenhafte Frau in Cargo-Hosen und T-Shirt, die fast zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne des Dortmunder Konzerthauses steht, kann keine 61 Jahre alt sein. Niemand mag es glauben. Und besagte Geister? Nun, natürlich schwingt vor allem die Erinnerung an ihren langjährigen, 1991 gestorbenen Lebens- und Bühnenpartner Serge Gainsbourg mit. Obwohl sie sich einst von ihm getrennt hat: Diese Liebe wirkt spürbar nach – schier grenzenlos. Jane Birkin ist denn auch so klug, seither mit keinem anderen das berüchtigte Stöhn-Lied „Je t’aime – moi non plus…” (Skandal von 1969) darzubieten. Darauf müssen wir also verzichten. Sonst aber enthält das Konzert so ziemlich alles, was man sich von ihr wünschen kann. Flankiert wird sie von einem famosen … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Lebenswege, Musik & Konzert

Die deutsche Sprache ist “schön, saftig und besonders geschmeidig”

Die deutsche Sprache ist “schön, saftig und besonders geschmeidig”

Nicht ungeschickt: Wer das massive Eindringen englischer Ausdrücke ins Deutsche bremsen will, sollte zunächst einmal die englische Sprache loben. Sie klingt ja oft so klipp und klar. Besonders die englischen Einsilber wie Team, Job und Sex haben es Wolf Schneider (82) angetan. Manche Wort-Importe seien eben belebend. Doch wenn es nach dem „Sprachpapst” des deutschen Journalismus geht, soll’s damit auch weitgehend genug sein. In Frankreich setze man doch auch Grenzen! Im großen Rest seines neuen Buches preist … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Sprache

Saftiges Deutsch

Nicht ungeschickt: Wer das massive Eindringen englischer Ausdrücke ins Deutsche bremsen will, sollte zunächst einmal die englische Sprache loben. Sie klingt ja oft so klipp und klar. Besonders die englischen Einsilber wie Team, Job und Sex haben es Wolf Schneider (82) angetan. Manche Wort-Importe seien eben belebend. Doch wenn es nach dem „Sprachpapst” des deutschen Journalismus geht, soll’s damit auch weitgehend genug sein. In Frankreich setze man doch auch Grenzen! Im großen Rest seines neuen Buches preist er vor allem das Deutsche, auf das man „stolz” sein könne. Vielfach sei es treffender, geschmeidiger und saftiger als andere Sprachen, überdies oft kürzer (Mord statt murder, Geld statt money, Mut statt courage usw.). Auch werde in keine andere Sprache dermaßen viel übersetzt. Deutsch sei also das größte Sammelbecken der Weltliteratur. Na, bitte! Zwischendurch spießt … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Gesellschaft, Sprache

Was die Kultur dem Schaf verdankt

Vreden/Münsterland. Ausstellungen kann man über alles und jedes machen, wenn man nur die richtigen Belegstücke hat. Warum also nicht mal die Schafe als Figuren der Kulturgeschichte betrachten? Aber mäh! Das volkskundlich orientierte Hamaland-Museum im münsterländischen Örtchen Vreden (bei Borken) liegt in einer Landschaft, in der früher vielfach Schafzucht betrieben wurde. Heute beschränkt sich das Gewerbe fast nur noch auf touristische Streichelangebote. Mit der einschlägigen Redensart „Bring dein Schäfchen ins Trockene” hatte das Museum die Bevölkerung aufgefordert, Schafe in jeder Form zeitweise zu stiften. Die versammelten Niedlichkeiten (aus Stoff, Holz, Plastik usw.) füllen nun gleich mehrere Vitrinen. Und es lässt sich nicht leugnen, dass die Tierchen es dort trocken haben. Von der Bibel bis zum Krimi Überhaupt die Redewendungen: Der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz (Bibelquelle Matthäus 7-15), das „schwarze Schaf” in der Familie und … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Alltag, Glaubensfragen, Kultur an sich, Kunst, Natur

So herrlich regellos

Das Thema köchelt immer mal wieder hoch: Muss man diese lästige Sache namens Rechtschreibung etwa auch im Blog (ganz zu schweigen von Mails und Chats) beachten? Keineswegs, meinen manche: Es würde nur jegliche Spontanität verhindern. Womöglich ist gar die “Freiheit des Wortes” in Gefahr. Derlei Vorschriften seien überhaupt nur etwas für unverbesserliche Pflichtmenschen. Und was die historisch angerichtet haben, ist ja nur zu bekannt… Also lässt man die Regeln fahren und tippt munter drauflos. Anschließende Korrektur ? Nö. Wozu denn ? Die Anderen werden schon wissen, was gemeint ist. Ich finde: Von sonderlicher Neigung oder gar Liebe zur Sprache zeugt all das nicht. Und ich frage mich, ob sich diese laxe, wurschtige Haltung nicht zu einer Form der Unhöflichkeit steigern kann. Man verwirklicht sich (mal wieder) regellos selbst und fetzt seine Sätze so … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Netzwelten, Sprache

Emil Nolde oder: Die Natur ist von Geistern beseelt

Die Bielefelder Kunsthalle begibt sich auf seifig glattes Begriffs-Gelände. Sie spüren dort jetzt dem „Nordischen” in der Kunst des berühmten Expressionisten Emil Nolde (1867-1956) nach. Da wird man hellhörig, denn das Wort hat eine wechselhafte, nicht unproblematische Geschichte. Oft genug musste es herhalten, um das „Germanentum” aufzuplustern. Doch halt! Nicht gleich die ganz große Verdachtskeule schwingen. Bei Nolde bestand die Hinwendung zum „Nordischen” zunächst einmal in der Weigerung, die damals übliche Kunst-Pilgerreise nach Rom zu unternehmen. Verpönt waren Nolde die lieblichen Landschaften und das allzu gefällige Licht. Man sieht sogleich, welche Richtung Nolde stattdessen einschlug. Drei fulminante Bilder von heftig aufgewühlten Herbstmeeren hängen in Bielefeld nebeneinander – allesamt entstanden auf der heute dänischen Ostsee-Insel Alsen, wo Nolde seinerzeit ein Bretterbuden-Atelier direkt am Strand hatte und bei allen Winden und Wettern malte. Nur: Von … Den ganzen Artikel lesen »

Veröffentlicht unter: Kunst