Revierpassagen » Archive
Was vom Monat übrig blieb: Das war der Mai
Nicht jeder Klatsch blühte so schön wie dieser Mohn. Ein Rückblick auf “dem Ruhrpott sein Mai”. Trennungsklage des Monats: Der Opernehe Duisburg-Düsseldorf droht das Aus. Satz des Monats: It’s good to be able to vote and to have a choice. (©Anke Engelke bei der Punktevergabe der deutschen Jury zum ESC in Baku) Premiere des Monats: Der BVB holt das Double und feierte einen langen Tag der großen Gesten. Der Pott bleibt somit im Pott und die Schwarz-Gelben dürften somit … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Gesellschaft, Kultur an sich, Leibesübungen, Politik und so, Region Ruhr
Carla Bley auf dem Moers Festival
An der Uraufführung von Carla Bleys neuster Komposition „La Leçon Française“ gäbe es nichts zu kritisieren, hätten die Veranstalter nicht – in Absprache mit der Künstlerin oder ohne ihr Wissen? – in der Programm-Ankündigung die Frage gestellt, ob es sich bei dem neuen Stück um „eine Fortsetzung zu ihrem epochalen Werk ‚Escalator Over The Hill‘“ handeln könnte. Die überspannten Erwartungen taten der Aufführung nicht gut. Vergleiche mit der vor vierzig Jahren als Dreifachalbum erschienenen Jazz-Oper verbieten … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Kultur an sich, Musik & Konzert
Romy Schneider starb vor 30 Jahren: Sie war eine große Künstlerin
30. Oktober 1974: Boxlegende Bubi Scholz, Schauspieler und Regisseur Burkhart Driest, dessen durchaus freundlich wirkende Augen aus einem Gesicht blicken, das anmutet, als habe es 12 Profirunden mit eben jenem Bubi überstanden und Romy Schneider talken sich (souverän geführt von Dietmar Schönherr) durch den Abend, der ja bekanntlich immer später wird, je schöner die Gäste sind. Ein Gast indes wird an diesem Abend im Minutentakt schöner und beginnt langsam, aber sicher unverhohlen den Herrn Driest anzuglühen, was mir als Betrachter der Szene missbehagt und mir mal wieder Illusionen raubt, denn schon geraume Zeit glühe ich sie an, die Diva, den Superstar, die Kultschauspielerin Romy Schneider – natürlich nur aus der Ferne. Und dann entschlüpfen ihr die legendären Sätze: „Sie gefallen mir! Sie gefallen mir sogar sehr!“ Wobei sie mit der zarten … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Kino
Abenteuer in den Dortmunder U-Bahn-Tiefen
Wer in seinen Bewegungen eingeschränkt ist – vulgo behindert –, der hat in Dortmund oft schlechte Karten, vor allem im Öffentlichen Nahverkehr. Das fängt schon im Hauptbahnhof an, in dem die Rolltreppen alle Nase lang defekt sind und daher still stehen. Dass man auf die Fahrstühle zu den DB-Bahnsteigen noch jahrelang wird warten müssen, an diesen Gedanken hat man sich ja schon gewöhnt. Auch in anderen U-Bahn-Stationen, zum Beispiel Kampstraße, werden marode Fahrsysteme nur noch selten … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Alltag, Region Ruhr, Stadt Land Fluss, Technik
Die Ästhetik des Widerstands – Peter Weiss’ Jahrhundertroman auf der Bühne
Immer häufiger bereichern Roman-Bearbeitungen die Spielpläne der Theater, auch die dicksten Wälzer finden ihren Weg auf die Bühnen. Denn freilich: Der Stoff lässt sich schon verdichten, wenn es nur gelingt, mit den Mitteln des Theaters eine eigene, vielleicht gar neue Sicht aufs Werk zu bekommen. Regisseur Thomas Krupa und Dramaturg Tilman Neuffer formulieren noch einen anderen Anspruch: Sie wollen Peter Weiss’ in den 1980er Jahren viel diskutiertes Hauptwerk „Die Ästhetik des Widerstands“, den „deutschen Ulysses“, … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Geschichte, Literatur, Region Ruhr, Theater
Winterreise im Mai – Katja Riemann und Arne Jansen bei den Ruhrfestspielen
Das Thermometer in Recklinghausen zeigte gut 25 Grad, auf dem Festspielhügel herrschte gepflegte Festival-Atmosphäre. Die Gastronomie gut besucht, das Publikum eigentlich sommerlich heiter gestimmt. Auf dem Programm aber steht eine Winterreise, im Festspielhaus rieseln die Schneeflocken. Mit einer Schneekugel beginnt die Uraufführung von “Winter – ein Roadmovie” bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Die Schneekugel – das unscharfe Symbol einer verkitschten, heilen Welt. Im Laufe der Jahre geliebt, verpönt, belächelt, derzeit Kult. Auf einer großen Leinwand sind sowohl … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Festivals, Region Ruhr, Theater
Der herrliche Kosmos des Abkupferns
Kunsthalle Karlsruhe: “Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube” Kaum ein Thema spaltet derzeit die Intelligenzija hierzulande nachhaltiger, als die Frage nach dem Wesen und Unwesen der Kopie und des Kopierens von Kulturerzeugnissen in Zeiten des Internets. Unversöhnlich scheinen sich diejenigen gegenüberzustehen, die einerseits Angst um den Ertrag aus ihrer Musik oder ihren Texte haben, andererseits diejenigen, die für weit reichende Freiheiten des Kopierens stehen. Angefeuert nicht zuletzt durch die Erfolge der Piratenpartei. Man hört … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Kultur an sich, Kunst, Politik und so
Meilensteine der Popmusik (12): Joe Cocker
Wenn heutzutage U2 oder Madonna eine Tournee in Angriff nehmen, wird alles im Vorfeld generalstabsmäßig geplant. Die Bühnen werden immer größer, Light-Shows immer gewaltiger, der Sound noch perfekter, Lautsprechertürme wachsen ins Endlose. Einen Flop kann sich heute keiner mehr leisten. Die Tourneen der Superstars sind mittlerweile durchweg Riesenerfolge – fast schon Erfolge mit Garantie. Das war einmal ganz anders, als Manager und Konzertveranstalter noch unerfahrener, Künstler noch unbedarfter waren. Der Engländer JOE COCKER wurde eines der … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Musik & Konzert, Rock & Pop
Wahl-Düsseldorfer Bildhauer Imi Knoebel ausgezeichnet
Der deutsche Maler und Bildhauer Imi Knoebel wird mit dem Kythera-Preis der gleichnamigen Kulturstiftung unter dem Vorsitz ihrer Gründerin Gabriele Henkel ausgezeichnet. „Es käme Verkennung gleich, in den Arbeiten Knoebels das formal Unbeschwerte, ein reines Spiel der Flächen, Figuren und Formen oder gar das Dekorative und ästhetisch Unverbindliche absolut zu setzen“, so die Jury. Sie hebt insbesondere seine für die Kathedrale von Reims entworfenen sechs Fenster hervor, die 2011 fertig gestellt wurden und sich in der Nord- und Südkapelle seitlich des 1974 geschaffenen Chagall-Fensters befinden. Mit Knoebel wird erstmals ein bildender Künstler ausgezeichnet, der in direktem Bezug mit dem Stiftungsort Düsseldorf steht. Die in Düsseldorf ansässige Kythera-Kulturstiftung wurde 2001 gegründet und würdigt mit ihrem Preis Künstler, die einen Beitrag zur Vermittlung der romanischen Kultur in Deutschland und umgekehrt geleistet haben. Die Auszeichnung … Den ganzen Artikel lesen »
Losung des Tages: Keine Gnade mit Computern – und dann weg mit dem Internet!
Das ist bedenklich: wie sehr unsereiner vom Online-Zugang abhängt. Viele werden das empört von sich weisen: Wir doch nicht! Doch muss man ihnen glauben? Nein. Auch ihr seid süchtig, liebe Leute. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Sache verhält sich so. Ich bin für ein paar Tage in Urlaub und die Online-Verbindung streikt hier immer wieder. (Werte Einbruchswillige, meine Lieben und ich können jede Sekunde zurückkehren – dann lauere ich sofort wieder mit meinem Schießgewehr, kawumm!). Quälend offline also. Dabei ist man doch nur in Holland und nicht im Outback. Es grenzt an Slapstick. Nur im Freien funktioniert der vom Haus des Vermieters kommende WLAN-Empfang, doch zuweilen lediglich dann, wenn ich das Notebook in einer bestimmten Zone des Grundstücks über Kopfhöhe halte, zähneknirschend das schüttere Empfangssignal abwarte und nun laaaangsam das Gerät senke, um mich … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Alltag, Bekenntnisse, Gesellschaft, Medien, Netzwelten, Technik, Wahnwitz
Grenzgänge zwischen Kunst und Musik: Ruhrtriennale-Chef Heiner Goebbels arbeitet für eine Ausstellung in Darmstadt
So starr waren sie auch früher nicht, die Grenzen zwischen (bildender) Kunst und Musik, man denke nur an die Oper als „Gesamtkunstwerk“. Oder an synästhetische Fragen wie die nach dem „Klang“ von Farben (Olivier Messiaen) oder eben auch der „Farbe“ von Klängen, ein Thema, das die Musik seit den 19. Jahrhundert ausdrücklich beschäftigt. Doch die Mathildenhöhe in Darmstadt will nun in einem Großprojekt das Thema völlig neu aufrollen. Anlass dazu ist der 100. Geburtstag von John … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Kunst, Musik & Konzert, Unterwegs
Soziale Miniaturen (14): Klassentreffen
Kürzlich nach Jahrzehnten ein Klassentreffen gehabt. Vorher ein etwas mulmiges Gefühl: Wie würde das werden? Allgemeines Protzen mit Erfolgen, Titeln, Besitztümern? Herumreichen diverser Segelyacht-Fotos (selbstredend via iPhone) oder anderer Trophäen? Das angeblich übliche „Mein Haus, meine Frau, mein Sonstwas“… Doch nein! Praktisch nichts von alledem. Fast möchte man von Milde und Weisheit reden, hie und da vermischt mit ein wenig Übermut der Sorte, die Demut keineswegs ausschließt. Es scheint, als wären wir in einem Alter angelangt, … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Lebenswege, Schule, Uni, Bildung
Deutsche Gotik in London oder: Was gilt der Prophet denn im Heimatland?
Vor vielen Jahren bin ich mal nach London gefahren und dort ins Nationalmuseum gegangen, weil ich unbedingt die gotischen Malereien aus Deutschland sehen wollte. Nach der Auflösung der Klöster durch den Reichsdeputationshauptschluss zu Beginn des 19. Jahrhundets waren viele ländliche Pfarreien verarmt und hatten ihre wertvollen Schätze an Kunsthändler und Sammler verramschen müssen, zum Beispiel den berühmten Liesborner Altar oder auch die wunderschönen Bilder aus der Kirche meiner Kindheit, der Klosterkirche St. Christina in Herzebrock bei … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Geschichte, Kunst, Region Ruhr, Stadt Land Fluss, Unterwegs
Meister der Notenmassen – Pianist Igor Levit mit Etüden von Debussy und Liszt
Zehn Tage sind nunmehr beim Klavier-Festival Ruhr 2012 ins Land gegangen. Es hat sich einen fulminant wuchtigen, wie elegant pianistischen Auftakt gegönnt – mit den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane und dem Solisten Jean-Yves Thibaudet. Als berühmter Dauergast gab sich Daniel Barenboim die Ehre, als fingerflinke Sinnsucherin kam Yuja Wang. So weit, so interessant. Nun aber hat der Russe Igor Levit in Essen die Bühne betreten. Als ein Zeremonienmeister des Klavierspiels, der in strenger Selbstdisziplin dafür … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Festivals, Musik & Konzert
Gesang im Blut: Gewandhausorchester Leipzig gastiert in der Philharmonie Essen
Leonidas Kavakos kommt mit einer Art Maß-Schlafanzug aufs Podium. Wer so ein Designer-Stück trägt, will auch Aufmerksamkeit darauf lenken – denkt man. Doch noch bevor man irgendeinen weiteren Gedanken an den Robenschöpfer verschwendet hat, nimmt die Musik gefangen. Und anders als bei manchem geigenden Girl stellt sich die Verpackungsfrage nicht mehr. Denn mit den ruhig gelösten ersten Takten von Dmitri Schostakowitschs Violinkonzert a-Moll hat der griechische Geiger alle Aufmerksamkeit auf die Musik gezogen. Und da bleibt sie – bis zur expressiven Kadenz des vierten Satzes. Kavakos setzt nicht auf das Spektakel, für das Schostakowitschs Musik selbst in diesem Konzert gut wäre. Der meditativ-schweifende Charakter des ersten Satzes, „Nocturne“ bezeichnet, ist in selten glücklicher Einigkeit mit dem Gewandhausorchester und seinem Chef Riccardo Chailly phrasiert: Dem Italiener liegt das „Singen“ im Blut, das … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Musik & Konzert
Der Familie entgeht man nicht – Zeruya Shalevs Roman “Für den Rest des Lebens”
Auch wenn man selbst schon Kinder hat und in der Mitte des Lebens steht: Solange die eigenen Eltern leben, bleibt man ein Kind. Ein Kind, das von der Erziehung und den Erwartungen und Enttäuschungen der Eltern geprägt ist, ein Kind, das den Tod der Eltern verkraften muss, während man selbst Kinder erzieht und sie vor dem Tod beschützen will. Vor allem davon, dass Eltern uns „Für den Rest des Lebens“ prägen und die Familienbande stärker sind … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Alltag, Kinderzeiten, Lebenswege, Literatur, Psychologie
Meilensteine der Popmusik (11): Earth, Wind & Fire
Monoton hämmerte eine neue Welle…in den Discos dieser Welt begann das Zeitalter der Plastikmusik aus den Einwegstudios Italiens und Hollands. Die Lage schien aussichtslos für diejenigen, die beides suchten: Abwechslung für Ohren u n d Beine. Aber da gab es ja noch die fröhlich-bunte Truppe aus Los Angeles. Maurice White, ein ehemaliger Profi-Jazz-Drummer, hatte Erfahrung genug, um Anfang der 70er seine eigene Band zu gründen. Der Hobby-Astrologe fand auch schnell einen Namen für sein neues Musikkonzept. In den … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Musik & Konzert, Rock & Pop
Seit 100 Jahren: “Biene Maja” begleitet den BVB
Wie oft habe ich mitgesummt, wenn der „Biene Maja“-Titelsong durchs Stadion klang. Das war fröhlich und stimmte uns wie die Spieler auf optimistischen Tatendrang ein, Tore, Punkte, Tabellenplätze – natürlich vorn, ganz vorn. Heute Morgen entstieg ich dem Zug in Unna, Winni bestieg ihn schweren Koffers. Blind im Verständnis rief ich hinter ihm her: „Viel Spaß in Berlin!“ Es tönte aus dem Abteil zurück: „Ich bin Montag mit dem Pokal wieder da!“ Schwarz-Gelbe Ringelsocken, „Biene Maja“-Titelsong, … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Bekenntnisse, Kinderzeiten, Leibesübungen, Literatur
Wie geht es weiter mit “Occupy”?
Vielleicht wird das Jahr 2011 in die Geschichte eingehen als Beginn einer neuen politischen Zeitrechnung. Denn nicht nur in den von Armut und Willkür beherrschten arabischen Diktaturen, auch in den Zentren des westlichen Turbokapitalismus, in denen Banken und Börsen schrankenlos walten können, haben Massenproteste die Straßen und Plätze erobert. Nach revolutionären Umwälzungen in Tunis, Tripolis und Kairo, nach jugendlichen Aufständen und Zusammenrottungen in Madrid und London, hat sich eine globale Welle der Empörung breitgemacht. Seit die … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Alltag, Gesellschaft, Politik und so, Utopien, Wirtschaft
Mordgerät im Malz: Donizettis „Le Duc d’Albe“ in Antwerpen
Belgien ist das Land des Bieres, und so wirkt es naheliegend, dass in diesem Land auch Revolutionen mit der Kunst des Brauens zu tun haben. Im zweiten Akt von Donizettis unvollendeter Oper „Le Duc d’Albe“ ist die Brauerei eines gewissen Daniel ein Hort des Widerstands gegen den spanischen Schlächter: Mordwerkzeuge unter Malz, Kämpfer kehren keimendes Korn weg. Der Lobpreis des Bieres könnte jedem Männergesangverein zur Ehre gereichen, aber er ist mehr als ein launiges Genrestück: Ähnlich … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Oper & Ballett
Das Grauen lauert hinter den Tapeten: Brittens „The Turn of the Screw“ in Düsseldorf
Wir blicken hinter die Tapeten, die ältliche, großmustrige Wandverkleidung, die an die verstaubte Gediegenheit englischer Landhäuser erinnert. Hinter der Fassade geschehen sinistre, unheimliche Dinge, dämonisch, nicht benennbar. Dort geistern schattenhafte Gestalten, deren Namen, werden sie ausgesprochen, den Tod bringen. Benjamin Brittens Oper „The Turn of the Screw“ – ein unübersetzbarer, auch im Englischen rätselvoller Titel – ist ein perfektes Schauerstück. Nicht im Sinne trivialgrusliger Gespenstergeschichten, sondern als Thriller des Undeutbaren, der unter die Haut geht. Wie … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Oper & Ballett
Wie ein Bochumer Kaufhaus zu dem Namen eines Dichters kam
Bochum war in meiner Kinder- und Jugendzeit unser Sommer-Urlaubsziel, weil meine Großeltern dort lebten, und auch der Kohlenstaub machte uns nichts – schließlich waren Opa und Onkels alle Bergleute gewesen. Eine Cousine arbeitete im Kaufhaus Kortum, und schon damals wunderte es mich sehr, dass man ein Kaufhaus nach der Straße benennt, an der es liegt, nämlich der Kortumstraße. Erst sehr viel später verdrängten bessere Kenntnisse diese Idee, es war nämlich genau umgekehrt: Der Arzt und Dichter … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Geschichte, Kinderzeiten, Region Ruhr, Warenwelt & Werbung
Klagelied eines Zimmermädchens: So schlimm sind die betuchten Hotelgäste
Wo gibt es hierzulande noch zackig steile Hierarchien wie vor 60 oder 90 Jahren? Wo kann eine Arbeitswoche 70 bis 100 Stunden dauern – und das für ein äußerst bescheidenes Entgelt? Im Hotelfach. Zumindest „ganz unten“, auf der Zimmermädchen-Ebene, muss sich das Berufsleben elend anfühlen. Ein privates Dasein gibt es auf dieser Stufe ohnehin nicht mehr. Mit etwas Einfühlungsvermögen hat man sich das vielleicht schon vorstellen können. Doch die junge Frau mit dem Decknamen „Anna K.“ gibt … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Alltag, Arbeitswelt & Beruf, Buchmarkt, Gesellschaft, Unterwegs
Das naive Schauen lernen – Drei Künstler im Hamburger Bahnhof zu Berlin
Während draußen der Frühling mit Macht die Stadt erobert, die Natur explodiert und die Farben satt werden, wird es auch drinnen hell und weiß. Im Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwart in Berlin, kann man derzeit drei grandiose Entdeckungen machen: Der Brite Anthony McCall projiziert Lichtskulpturen in den schwarzen Raum, der Chinese Qui Shihua erkundet die Farbe Weiß und der kürzlich verstorbene Amerikaner Cy Twombly redet mit dekorativen Manieristen. Für McCall und seine “Five Minutes of … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Kunst
Kleine Nixe mit großer Sehnsucht – Dvořáks Märchenoper “Rusalka” in Gelsenkirchen
Worte eines ewig Unbehausten komponierte Franz Schubert einst seinem „Wanderer“ in die Kehle. „Die Sonne dünkt mich hier so kalt / die Blüte welk, das Leben alt / Und was sie reden, leerer Schall / Ich bin ein Fremdling überall.“ Ähnlich sieht Elisabeth Stöppler die Titelheldin aus Antonín Dvořáks Märchenoper „Rusalka“. Die Regisseurin, viel gerühmt für ihre Britten-Deutungen am Gelsenkirchener Musiktheater, nimmt sich dort jetzt der kleinen Nixe mit der großen Sehnsucht nach der Menschenwelt an. … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Oper & Ballett
Ein knappe Skizze zur NRW-”Wahlarena”
Das politische Spiel (WDR-Fernsehen, 20.15 bis 21.45 Uhr) in der “Wahlarena”, übertragen aus Mönchengladbach, hat 90 Minuten gedauert. Und was ist da rund gewesen? Das Publikum ist von infratest/dimap nach repräsentativen Gesichtspunkten ausgewählt worden. Immer wieder werden Befragungsergebnisse eingeblendet. Volkes Stimme. Pflichtschuldigst zelebriert und rasch abgehakt. Einstiegsfrage nach dem Umgang mit den Benzinpreisen. “Wir müssen weg vom Öl”, sagt Sylvia Löhrmann (Grüne). Ein schöner Satz. Sagt sich schnell. Arena = Gladiatoren? Ach was! Es bleibt so zahm. Mal wieder ein … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Gesellschaft, Medien, Politik und so, Region Ruhr, Schule, Uni, Bildung, Wirtschaft
Selbstgerechte Kälte: Carlisle Floyds Oper “Susannah” in Hagen
Es gibt Alpträume, von denen man nie glaubt, sie könnten einem in der Wirklichkeit wieder begegnen. Carlisle Floyd hat in seiner Oper „Susannah“ einen solchen komponiert: realistisch, hart, unverstellt. Es ist kein Traum der Sorte, bei der die Fiktion sofort erkennbar wäre. Keine Monster, keine Chimären. Sondern Menschen, denen wir jeden Tag im Supermarkt oder Bistro begegnen. Vier ältere Damen, die sich angeregt unterhalten. Ein Dorffest. Und eine Katastrophe, ausgelöst von einem Skandal, der keiner ist: … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Oper & Ballett, Region Ruhr