<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Revierpassagen</title>
	<atom:link href="http://www.revierpassagen.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.revierpassagen.de</link>
	<description>Kultur &#38; weiteres im Ruhrgebiet (und anderswo)</description>
	<lastBuildDate>Sun, 19 May 2013 11:18:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5</generator>
		<item>
		<title>Was die Leute so alles auf Facebook mitteilen…</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17732/was-die-leute-so-alles-auf-facebook-mitteilen/20130519_0942</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17732/was-die-leute-so-alles-auf-facebook-mitteilen/20130519_0942#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 19 May 2013 07:42:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Hermann Pöpsel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur an sich]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fotos]]></category>
		<category><![CDATA[Posten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17732</guid>
		<description><![CDATA[Soziale Netzwerke wie Stayfriends oder Facebook sind inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nicht mehr nur junge Menschen, auch immer mehr Mittelalte und Rentner wie ich tummeln sich dort. Es soll ja schon Jugendliche geben, die sich deshalb von FB wieder zurückziehen, allerdings schlägt sich das in den Nutzerzahlen noch nicht nieder. Aber was posten meine Mitmenschen dort?

Wer etwas mehr der so genannten „Freunde“ hat, der kann interessante Einblicke in deren Gewohnheiten gewinnen. Es gibt ja grundsätzlich zwei Arten von Nutzern: Jene, die wie Zuschauer am Rande stehen und nur amüsiert beobachten, was andere so machen bzw. von sich geben, und jene, die aktiv eingreifen und immer neue Sätze und Bilder in Umlauf bringen. Das Verhalten dieser zweiten Gruppe, zu der ich mich auch zähle, habe ich einmal etwas genauer zu analysieren versucht.
Nach meiner Beobachtung ergibt sich folgende, nicht repräsentative Rangliste der geposteten Bildinhalte:
1. Essen oder Speisen: Viele fotografieren ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Soziale Netzwerke wie Stayfriends oder Facebook sind inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nicht mehr nur junge Menschen, auch immer mehr Mittelalte und Rentner wie ich tummeln sich dort. Es soll ja schon Jugendliche geben, die sich deshalb von FB wieder zurückziehen, allerdings schlägt sich das in den Nutzerzahlen noch nicht nieder. Aber was posten meine Mitmenschen dort?<br />
</strong></p>
<div id="attachment_17733" class="wp-caption alignnone" style="width: 160px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17732/was-die-leute-so-alles-auf-facebook-mitteilen/20130519_0942/geburtstag-60-28" rel="attachment wp-att-17733"><img class="size-thumbnail wp-image-17733" alt="Fotos vom Esstisch sind sehr beliebt." src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Geburtstag-60-28-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Fotos vom Esstisch sind sehr beliebt.</p></div>
<p>Wer etwas mehr der so genannten „Freunde“ hat, der kann interessante Einblicke in deren Gewohnheiten gewinnen. Es gibt ja grundsätzlich zwei Arten von Nutzern: Jene, die wie Zuschauer am Rande stehen und nur amüsiert beobachten, was andere so machen bzw. von sich geben, und jene, die aktiv eingreifen und immer neue Sätze und Bilder in Umlauf bringen. Das Verhalten dieser zweiten Gruppe, zu der ich mich auch zähle, habe ich einmal etwas genauer zu analysieren versucht.</p>
<p>Nach meiner Beobachtung ergibt sich folgende, nicht repräsentative Rangliste der geposteten Bildinhalte:</p>
<p>1. Essen oder Speisen: Viele fotografieren ihren Teller und zeigen ihn herum.</p>
<p>2. Wetter: Jeden Tag kommen neue Fotos von Wetterphänomenen – ob Schnee oder Regen, Sonne oder Pfützen usw.</p>
<p>3. Autos oder Mobilität allgemein: Das eigene Auto oder Fahrrad von außen oder der Blick aus dem Auto nach außen sind sehr beliebt, ebenso Verkehrssituationen allgemein, auch schon mal Unfälle.</p>
<p>4. Fußball: Statements zum eigenen Verein, zum Spielverlauf, gegen andere Vereine usw. Meist eine reine Männersache, im Ruhrgebiet auf Blauweiß oder Schwarz-Gelb beschränkt. Ab und zu mischt ein Kölner mit.</p>
<p>5. Party: Oft von jungen Damen bevorzugt oder von Dritten ins Netz gestellt, mit Identifizierung der Feiernden. Nicht ungefährlich.</p>
<p>6. Konzerte und Links zu Musikgruppen: Meist nach dem Wochenende oder am Samstagabend direkt vom Smartphone.</p>
<p>7. Urlaub: Sehr weit verbreitet, aber nicht immer aktuell, da Urlaubsfotos gern auch noch Monate später gepostet werden.</p>
<p>8. Sprüche: Das Posten fremder Aphorismen oder anderer Sprüche verkündet zwar Meinungen, deutet aber meist auf eingeschränkte Kreativität hin.</p>
<p>9. Shoppen: Fotos vom Shoppen sind wohl reine Mädchensache.</p>
<p>Soweit also ganz persönliche Facebook-Eindrücke. Natürlich weiß der FB-Konzern mit seinen mathematischen Algorithmen viel mehr über uns, aber wollen wir selbst das auch alles wissen? Uns reicht doch der alltägliche Tratsch vollkommen aus.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17732/was-die-leute-so-alles-auf-facebook-mitteilen/20130519_0942/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tiefe Gefühle, brisante Konflikte: Puccinis „La Fanciulla del West“ an der Oper Frankfurt</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17715/tiefe-gefuhle-brisante-konflikte-puccinis-la-fanciulla-del-west-an-der-oper-frankfurt/20130518_1922</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17715/tiefe-gefuhle-brisante-konflikte-puccinis-la-fanciulla-del-west-an-der-oper-frankfurt/20130518_1922#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 18 May 2013 17:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Häußner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper & Ballett]]></category>
		<category><![CDATA[Ashley Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Carlo Ventre]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Loy]]></category>
		<category><![CDATA[Eva-Maria Westbroek]]></category>
		<category><![CDATA[Giacomo Puccini]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Murauer]]></category>
		<category><![CDATA[La Fanciulla del West]]></category>
		<category><![CDATA[Oper Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Weigle]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17715</guid>
		<description><![CDATA[Christof Loy bezieht mit seiner Inszenierung von Giacomo Puccinis „La Fanciulla del West“ an der Oper Frankfurt klar Position: „Ich finde es … falsch, das Stück zu aktualisieren“, zitiert ihn das Programmheft. Falsch, weil die Naivität der Menschen auf der Bühne verloren gehen würde. Verzicht auf Aktualisierung freilich heißt für ihn nicht Verzicht auf Stilisierung: Herbert Murauer baut keine Hollywood-Wildwest-Kulisse. Sein Raum ist der von Loy so geliebten Kasten, diesmal eng, niedrig, flach wie ein Bretterverschlag.
Nach draußen führt immer nur ein kleines, bedeutungsvolles Fenster. Es lässt einen blendend hellen Schein in den Raum – und in diesem Licht träumt Minnie, die Protagonistin: Von einem Aufbruch ins Irgendwo? Vom Glanz einer wahren Liebe? Vom inneren Licht der schmerzlich vermissten Bildung? Den Aufbruch wird sie am Ende wagen – hinein in ein goldenes Leuchten (Bernd Purkrabek), das sich auf den Gesichtern der Goldgräber im Frankfurter Opern-Kalifornien widerspiegelt.
Loy erzählt in dieser Übernahme von ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Christof Loy bezieht mit seiner Inszenierung von Giacomo Puccinis „La Fanciulla del West“ an der <a href="http://www.oper-frankfurt.de/de/page19.cfm?news=270" target="_blank">Oper Frankfurt </a>klar Position: „Ich finde es … falsch, das Stück zu aktualisieren“, zitiert ihn das Programmheft. Falsch, weil die Naivität der Menschen auf der Bühne verloren gehen würde. Verzicht auf Aktualisierung freilich heißt für ihn nicht Verzicht auf Stilisierung: Herbert Murauer baut keine Hollywood-Wildwest-Kulisse. Sein Raum ist der von Loy so geliebten Kasten, diesmal eng, niedrig, flach wie ein Bretterverschlag.</strong></p>
<div id="attachment_17718" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-17718" alt="Eva-Maria Westbroek ist die Minnie in der Frankfurter Inszenierung von Puccinis &quot;La Fanciulla del West&quot;. Foto: Monika Rittershaus" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Frankfurt-Puccini-Fanciulla-del-West-Foto-Monika-Rittershaus-2-199x300.jpg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Eva-Maria Westbroek ist die Minnie in der Frankfurter Inszenierung von Puccinis &#8220;La Fanciulla del West&#8221;. Foto: Monika Rittershaus</p></div>
<p>Nach draußen führt immer nur ein kleines, bedeutungsvolles Fenster. Es lässt einen blendend hellen Schein in den Raum – und in diesem Licht träumt Minnie, die Protagonistin: Von einem Aufbruch ins Irgendwo? Vom Glanz einer wahren Liebe? Vom inneren Licht der schmerzlich vermissten Bildung? Den Aufbruch wird sie am Ende wagen – hinein in ein goldenes Leuchten (Bernd Purkrabek), das sich auf den Gesichtern der Goldgräber im Frankfurter Opern-Kalifornien widerspiegelt.</p>
<p>Loy erzählt in dieser Übernahme von der Königlichen Oper Stockholm – ursprünglich sollte Richard Jones diesen Puccini inszenieren – nicht einen saftig-spannenden Western. Nur der Schwarz-Weiß-Filmvorspann spielt an auf die goldene Zeit der amerikanischen Filmindustrie, bedient den Primadonnen-Mythos, der ja auch in der Oper eine Rolle spielt, evoziert die Parallele zum Film, wenn handelnde Personen in Schwarz-Weiß auf die Bühnenwand projiziert werden.</p>
<p>Immer wieder überhöht Loy die vermeintlich realistischen Elemente der Erzählung und der Bühne: Nicht nur das Fenster ist mit seinem unwirklichen Lichteinfall eher eine Chiffre. Wenn Murauer zwischen Minnies Garderobe und die Bar „Polka“ eine Mauer zieht, und wenn der rasend verliebte Sheriff Jack Rance an dieser Wand steht und spürt, er werde sie nie überwinden, wächst der Raum über sich selbst hinaus, wird zum Gleichnisort tiefer Gefühle und brisanter Konflikte.</p>
<div id="attachment_17721" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-17721" alt="Western-Helden und Film-Primadonnen: Christof Loy zitiert die Mythen, die hinter Puccinis &quot;Fanciulla del West&quot; stehen. Foto: Monika Rittershaus" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Frankfurt-Puccini-Fanciulla-del-West-Foto-Monika-Rittershaus-1-199x300.jpg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Western-Helden und Film-Primadonnen: Christof Loy zitiert die Mythen, die hinter Puccinis &#8220;Fanciulla del West&#8221; stehen. Foto: Monika Rittershaus</p></div>
<p>Dennoch erzählt Loy vor allem: Er erzählt eine Geschichte von Melancholie, Heimweh, Einsamkeit; von Empathie und der Last der Herkunft, von Schicksal, Gemeinheit und Edelmut. Manchmal wirkt das etwas zu filmisch, macht es dem Zuschauer leicht, sich in der Rolle des genießenden Betrachters zurückzulehnen. Tilman Knabe hat das Konfliktpotenzial und die Tragödie in seiner <a href="http://www.nationaltheater-mannheim.de/de/oper/stueck_details.php?SID=1317" target="_blank">Mannheimer Inszenierung </a>radikaler zugespitzt: Knabe verlegt die Handlung in eine verlorene, heruntergekommene Militärstation an der Grenze zu Mexiko, brutalisiert die Konflikte zwischen den Goldgräbern, zeichnet Dick Johnson nicht als den edlen Tenor-Ganoven, sondern changierend zwischen Kriminellem und Widerstandskämpfer.</p>
<p>Scharf beleuchtet Knabe den Agenten des Konzerns Wells Fargo, Mr. Ashby, als Drahtzieher im Hintergrund, dessen Rolle die naiven Goldgräber nicht durchschauen, bis das Militär aufmarschiert – eine Lesart, die jene ausbeuterischen Zustände kritisiert, welche die historische Folie des sonst so malerisch empfundenen Western-Milieus sind. In Frankfurt ist Alfred Reiter ein geschniegelter, aber sonst eher harmloser Vertreter – was aber auch daran liegen könnte, dass die nachstudierte Übernahme aus Stockholm manches Profil nicht so scharf wie ursprünglich gedacht umrissen hat.</p>
<p>In seiner „Fanciulla“ – der ersten Inszenierung der Puccini-Oper in Frankfurt seit 1958 – gleicht Loy die zurückhaltende konzeptionelle Zuspitzung aus, weil er seine Protagonisten virtuos und sensibel führt. Das gilt nicht nur für die resolute, warmherzige Minnie der Eva-Maria Westbroek mit ihrer unbestimmten Lebenssehnsucht und ihrer tiefen Menschlichkeit, die man ganz altmodisch als Nächstenliebe bezeichnen möchte. Es gilt auch für den Sheriff Jack Rance, den abgebrühten Spieler, der unter seiner abgewiesenen Liebe zu Minnie wie ein Hund leidet, aber auch berechnend, zuschnappend wie ein scharfer Jäger, sein kann.</p>
<p>Carlo Ventre als Dick Johnson ist letztendlich doch eher Tenor als Darsteller – und nicht einmal ein besonders glanzvoller: Sein Timbre ist stets von einem heiser-verbrauchten Beiklang begleitet, seine Kraft ist eindimensional und führt nicht zu einem weit projizierten Stimmklang. Auch Ashley Hollands Bassbariton ist für den Sheriff nicht so optimal im Körper verankert, dass er seinen Ton resonanzreich gestalten könnte – so kommt sein psychologisch bewusstes, klug gestaltendes Singen leider immer wieder an physische Grenzen.</p>
<div id="attachment_17719" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17719" alt="Im Licht der Sehnsucht: Eva-Maria Westbroek (Minnie) und Carlo Ventre (Dick Johnson). Foto Monika Rittershaus (3)" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Frankfurt-Puccini-Fanciulla-del-West-Foto-Monika-Rittershaus-3-300x198.jpg" width="300" height="198" /><p class="wp-caption-text">Im Licht der Sehnsucht: Eva-Maria Westbroek (Minnie) und Carlo Ventre (Dick Johnson). Foto Monika Rittershaus (3)</p></div>
<p>Und Eva-Maria Westbroek, die oft gefeierte Dramatische, die Sieglinde des Frankfurter „Rings“, schafft es nicht, die Höhe in die Linie einzubinden, muss vor allem forcieren, wenn sie aus der Mittellage ins hohe Register aufsteigt. Dann wird der Ton gequält und prekär. Ihre warme, volle Mittellage dagegen überzeugt, steht ihr in allen gestalterischen Facetten zu Gebot und führt dazu, dass der zweite Akt – in dem das Keimen der Liebe zu Dick Johnson und die entsetzliche Enttäuschung fesselnd entwickelt ist – ein atemberaubender Höhepunkt der Frankfurter „Fanciulla“ wird.</p>
<div id="attachment_17720" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-17720" alt="Auch als Puccini-Dirigent gefeiert: Sebastian Weigle. Foto: Monika Rittershaus" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Weigle-Sebastian-Foto-Monika-Rittershaus-199x300.jpg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Auch als Puccini-Dirigent gefeiert: Sebastian Weigle. Foto: Monika Rittershaus</p></div>
<p>Der Regisseur hat auch ein Auge auf die zahlreichen Nebenrollen und die Individuen des Chores, den Matthias Köhler musikalisch sicher präpariert hat. Dass Loy Elisabeth Hornungs Wowkle – die indianische Bedienstete Minnies – allerdings zur komischen Figur macht, will nicht mehr einleuchten, wenn man in Mannheim Tilman Knabes an dieser Figur entwickelte Studie über den Rassismus der weißen Frau gesehen hat.</p>
<p>Rundweg begeisternd agiert in Frankfurt wieder einmal das Orchester. Nun hat stellvertretender GMD Alois Seidlmeier in Mannheim seinen Job wirklich ausgezeichnet gemacht, aber die Vielfalt der Farben, die dynamische Finesse, den impressionistischen Klangschmelz, aber auch die Prägnanz rhythmischer und repetitiver Motive, die schon an Janáçek denken lassen, hat das Mannheimer Orchester nicht so bezwingend umgesetzt wie seine Frankfurter Kollegen unter Sebastian Weigle. Modern und klangsinnlich zugleich, emotional und strukturiert: Weigles Blick auf Puccini überwindet alle Vorurteile; lässt hören, wie der Komponist die Traditionen des Belcanto und der Spätromantik transformiert in seine unverwechselbare Klangsprache, die mehr als nur eine ferne Ahnung von den Aufbrüchen der Moderne in sich integriert. Auch deshalb darf man der Frankfurter Oper wieder einmal für einen spannenden, erfüllten Abend dankbar sein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17715/tiefe-gefuhle-brisante-konflikte-puccinis-la-fanciulla-del-west-an-der-oper-frankfurt/20130518_1922/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Festspiel-Passagen I: Heilloses Spiel um Macht und Liebe bei den Göttinger Händel-Festspielen</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17701/festspiel-passagen-i-heilloses-spiel-um-macht-und-liebe-bei-den-gottinger-handel-festspielen/20130518_0357</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17701/festspiel-passagen-i-heilloses-spiel-um-macht-und-liebe-bei-den-gottinger-handel-festspielen/20130518_0357#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 18 May 2013 01:57:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Häußner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Oper & Ballett]]></category>
		<category><![CDATA[Aleksandra Zamojska]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Dennis]]></category>
		<category><![CDATA[Antonio Giovannini]]></category>
		<category><![CDATA[Bettina Fritsche]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Friedrich Händel]]></category>
		<category><![CDATA[Göttingen]]></category>
		<category><![CDATA[Immo Karaman]]></category>
		<category><![CDATA[Laurence Cummings]]></category>
		<category><![CDATA[Lisandro Abadie]]></category>
		<category><![CDATA[Okarina Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Re di Persia]]></category>
		<category><![CDATA[Ross Ramgobin]]></category>
		<category><![CDATA[Siroe]]></category>
		<category><![CDATA[Timo Dentler]]></category>
		<category><![CDATA[Yosemeh Adjei]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17701</guid>
		<description><![CDATA[Irgendwann reicht es: Im dritten Akt klagt Siroe, eingekerkerter Sohn des Königs von Persien, die Götter an. Ungerecht sind sie: Der Redliche wird unterdrückt, der Verräter erhöht. Und Siroe schließt sein verzweifeltes Arioso mit der niederschmetternden Bilanz: Wenn Astraia – die Göttin der Gerechtigkeit – die menschlichen Verdienste auf diese Weise abwägt, dann regiert der Zufall, und Unschuld ist schlecht.
In Georg Friedrich Händels Oper „Siroe, Re di Persia“, bringt der Librettist Metastasio die Titelfigur in eine Lage, die dem Dulder Hiob oder dem Gerechten biblischer Klagelieder entspricht. Alles ist schief gegangen: Sein Vater Cosroe hat den intriganten und speichelleckenden zweiten Sohn Medarse seinem Erstgeborenen vorgezogen. Eine Kette unglücklicher Zufälle hat Siroe ins Licht eines Verräters und Attentäters gerückt. Er wird verfolgt von der heftigen Liebe einer Frau, die ihm gleichgültig ist. Und seine wirkliche Geliebte Emira trachtet seinem Vater nach dem Leben – aus Rache. Denn Cosroe hat einst Emiras ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_17704" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17704" alt="Gefangen: Yosemeh Adjei als Siroe. Foto: Theodoro da Silva" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Siroe_Re_di_Persia_05-300x199.jpg" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Gefangen: Yosemeh Adjei als Siroe. Foto: Theodoro da Silva</p></div>
<p><strong>Irgendwann reicht es: Im dritten Akt klagt Siroe, eingekerkerter Sohn des Königs von Persien, die Götter an. Ungerecht sind sie: Der Redliche wird unterdrückt, der Verräter erhöht. Und Siroe schließt sein verzweifeltes Arioso mit der niederschmetternden Bilanz: Wenn Astraia – die Göttin der Gerechtigkeit – die menschlichen Verdienste auf diese Weise abwägt, dann regiert der Zufall, und Unschuld ist schlecht.</strong></p>
<p>In Georg Friedrich Händels Oper „Siroe, Re di Persia“, bringt der Librettist Metastasio die Titelfigur in eine Lage, die dem Dulder Hiob oder dem Gerechten biblischer Klagelieder entspricht. Alles ist schief gegangen: Sein Vater Cosroe hat den intriganten und speichelleckenden zweiten Sohn Medarse seinem Erstgeborenen vorgezogen. Eine Kette unglücklicher Zufälle hat Siroe ins Licht eines Verräters und Attentäters gerückt. Er wird verfolgt von der heftigen Liebe einer Frau, die ihm gleichgültig ist. Und seine wirkliche Geliebte Emira trachtet seinem Vater nach dem Leben – aus Rache. Denn Cosroe hat einst Emiras Vater nach einem Feldzug grausam abgeschlachtet. Heillose Zustände.</p>
<p>Dass am Ende alles gut ausgeht, ist der Opernkonvention geschuldet, und der Botschaft, die dem Publikum vermittelt werden soll: Die Herrscher werden gewarnt, sich in ihrer machtumflorten Einsamkeit vor Intrigen zu hüten, die Stimme der Natur zu missachten. Die Standhaften und Tugendhaften tragen am Ende den Sieg davon. Mit Beständigkeit erringe man die Liebe, singt Emira am Ende, nachdem das Beispiel des großmütigen Siroe sie bewegt hat, ihren Hass zu begraben.</p>
<p>Doch derlei heroische Worte bemänteln nur, dass es in dieser Welt nur darum geht, die eigenen Interessen um jeden Preis durchzusetzen, sei es aus Verblendung (Cosroe), aus unlöschbarer Leidenschaft (Laodice), aus Machtgier (Medarse), Auch die „positiven“ Figuren haben ihre dunklen Flecken: Emira etwa, die sich als Mann tarnt, bei Hof einschleicht, heuchlerisch das Vertrauen des alten Königs gewinnt, um ihn im richtigen Moment zu ermorden. Und selbst Siroe ist keine Lichtgestalt: Auch er benutzt die Frauen im Schachspiel der Macht.</p>
<div id="attachment_17705" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17705" alt="Göttingen atmet Festspiel-Atmosphäre. Foto: Werner Häußner" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Göttingen-13-05-15-3-300x225.jpg" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Göttingen atmet Festspiel-Atmosphäre. Foto: Werner Häußner</p></div>
<p>Bei den <a href="http://www.haendel-festspiele.de/front_content.php?idart=159&amp;lang=1" target="_blank">Händel-Festspielen </a>in Göttingen hat Immo Karaman die heillosen Konstellationen in ein grandios durchleuchtetes Kammerspiel gefasst. Der Regisseur lässt über dreieinhalb Stunden lang kein Loch in der Spannung entstehen. Er hat weder zu den Mätzchen des Regietheaters gegriffen noch sich auf ein dekoratives Morgenland eingelassen, wie die Geschichte aus der persischen Frühzeit und der „Orient“ als diesjähriges Thema der Festspiele nahelegen könnten.</p>
<p>Bei ihm spielt das Drama in einer ungefähren Jetztzeit, wie die Kostüme von Okarina Peter signalisieren. Timo Dentlers aufgerissene Villa auf der Bühne ist eine Chiffre für den ruinösen und verkommenen Rahmen der Gesellschaft: Die einst noblen Räume, die sich um ein englisch anmutendes Treppenhaus gruppieren, sind alle offen, doch der Bau auf einem drehbaren Podest ist eine geschlossene Welt, aus der es kein Entkommen gibt.</p>
<p>Der 1972 in Gelsenkirchen geborene <a href="http://www.immokaraman.com/#start" target="_blank">Karaman</a> ist ein sensibler und aufmerksamer Menschengestalter. Das hat sich in seinen bisherigen Regiearbeiten immer wieder gezeigt: in seinen tiefschichtigen Britten-Opern an der Deutschen Oper am Rhein („<a href="http://www.rheinoper.de/de_DE/events/repertoire/947466/opera" target="_blank">Peter Grimes</a>“, „<a href="http://www.rheinoper.de/de_DE/events/repertoire/947467/opera" target="_blank">Billy Budd</a>“), im gespenstischen Realismus von „<a href="http://www.revierpassagen.de/9007/das-grauen-lauert-hinter-den-tapeten-%e2%80%9ethe-turn-of-the-screw%e2%80%9c-in-dusseldorf/20120506_1700" target="_blank">The Turn of the Screw</a>“ in Leipzig und <a href="http://www.rheinoper.de/de_DE/events/repertoire/947468/opera" target="_blank">Düsseldorf</a>, in „La Traviata“ in Dortmund, seiner Gelsenkirchener „Carmen“ oder seiner Wiesbadener „<a href="http://www.staatstheater-wiesbaden.de/?page=spielplan_detail&amp;eventDateId=11582165&amp;language=de_DE" target="_blank">Aida</a>“. Händels lange Oper, mit ausgedehnten Rezitativen und 25 Arien dramaturgisch belastet, lässt er nie im Leerlauf kreisen, füllt die Zeit aber auch nicht mit gezwungenem Handlungs-Beiwerk, das bei vielen Regisseuren bedeutungsschwer daherkommt, um dann doch im Dekor zu enden.</p>
<p>Karaman lässt seine Sänger die Räume besetzen, individuelle Bühnenpräsenz entwickeln. Er gibt ihnen Gänge und Gesten, die sparsam, aber bedeutungsvoll sind, stilisiert wie symbolische Choreografien. Und die aus den Charakteren entwickelt statt ihnen aufgesetzt sind. Die – oft allegorischen – Arien sind bei ihm Momente der zeitenthobenen Reflexion, die rasend schnell in den Köpfen der Menschen abläuft, während sich ihre Umgebung in Zeitlupe weiterbewegt. Zwischen den Gegnern und den Liebenden, den Heuchlern und den Freunden spitzt Karaman durch eine minutiöse Personenführung die Situationen so zu, dass der Zuschauer den Atem anhält. Minimal-Regie mit maximalem Ausdruck!</p>
<p>Die Sänger stellen sich auf dieses Konzept hochprofessionell ein, lassen ihre schauspielerischen Qualitäten herauslocken. Dass sie stimmlich ihren Partien, die für die berühmtesten italienischen Sänger der 1720er-Jahre geschrieben sind, bravourös gewachsen sind, ist ein Plus der Aufführung und hebt sie über so manche Göttinger Festspiel-Aufführung der letzten Jahre hinaus. Dabei werden weniger die virtuosen Kapazitäten der Stimmen gefragt. Nur Aleksandra Zamojska als Laodice darf die „geläufige Gurgel“ demonstrieren. Sonst kommt es eher auf emotionale Wahrheit, vielschichtige Expression, dynamische und klangliche Färbung und die vokale Darstellung des inneren Entwicklungsprozesses der Personen an: Fertigkeiten, die wohl schon im 18. Jahrhundert von einem Weltklasse-Sänger erwartet wurden – über perfekte Rouladen, Intervallsprünge und Spitzentöne hinaus.</p>
<p>So gestaltet Lisandro Abadie mit viel Fortune eine der ergreifenden Vätergestalten der opera seria: Sein Cosroe hat Lear’sche Dimensionen, entwickelt sich vom selbstbewusst energischen Vater-Herrscher zum gebrochen schlurfenden Greis, der nur noch mit Tabletten überleben kann. Abadie beglaubigt die Wandlung auch stimmlich mit seinem präsent geführten Bass. Auch Yosemeh Adjei muss eine Entwicklung durchlaufen, die er stimmlich überzeugend darstellt. Der athletisch gebaute Counter drückt mit seiner Körpersprache aus, wie der Titelheld Siroe abstürzt: vom trainierenden Beau am Boxsack zum geschundenen Gefangenen im Verlies unter der Treppe an einen schweren Heizkörper angekettet.</p>
<div id="attachment_17706" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17706" alt="Ein Neurotiker der Macht: Antonio Giovannini als Medarse. Foto: Theodoro da Silva " src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/SIROE_RE_DI_PERSIA_07klein-300x199.jpg" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Ein Neurotiker der Macht: Antonio Giovannini als Medarse. Foto: Theodoro da Silva</p></div>
<p>Sein Widerpart Medarse ist bei Antonio Giovannini ein verschlagener Neurotiker, der ewige Zweite, der seine Chance wittert. Seine schlanke, bewegliche Stimme mit einem angenehmen, zwischen Sopran und Altus schwebenden Timbre, klingt unforciert und ausgeglichen. Mit solchen Vorzügen ist auch Anna Dennis als Emira ausgezeichnet: die glänzende Artikulation und ihr locker fokussierter Sopran mit einer reichen Farbpalette machen sie zur Ersten unter Gleichen im Ensemble.</p>
<p>Arasse, die personifizierte Treue des Mannes in der zweiten Reihe hinter den Herrschenden, wird von Ross Ramgobin mit tragendem Bass gesungen. Dass ihm – im finalen Spiel um die Krone – noch eine andere Rolle als (lachender?) Dritter zwischen den rivalisierenden Söhnen zuwachsen könnte, deutet Karaman an. „Very British“ durchzieht der Regisseur dieses Finale mit feiner Ironie: Karaman lässt ein Hausmädchen Tee und Torte servieren. Bettina Fritsche füllt die stumme Tänzerinnen-Rolle – laut Programmheft „das Volk“ – mit unaufdringlicher Bravour, schon als sie während der Ouvertüre vor dem Spiegel ihr Aussehen prüft. Am Ende sitzt sie mit einer Tasse Tee auf der Treppe, unbeeindruckt von den Konflikten der Mächtigen, die – wie die Schatten hinter einer Glastüre andeuten – mit dem versöhnlichen Schlusschor wohl nicht abgeschlossen sind.</p>
<div id="attachment_17707" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17707" alt="Die Bühne Timo Dentlers: aufgerissen und ausweglos zugleich. Foto: Theodoro da Silva" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/SIROE_RE_DI_PERSIA_17klein-300x199.jpg" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Die Bühne Timo Dentlers: aufgerissen und ausweglos zugleich. Foto: Theodoro da Silva</p></div>
<p>Dass sich der lange Abend nicht erschöpfte, war nicht zuletzt Verdienst des Festspielorchesters Göttingen. Händel hat sparsam instrumentiert, bis auf Oboen und Fagotte keine Bläser vorgesehen. Umso verdienstvoller ist, wie Laurence Cummings mit seinen sorgfältig artikulierenden und dynamisierenden Musikern die Stimmungslagen der Musik realisiert: vom Pathos zur Zärtlichkeit, von tiefster Depression bis zum hoffärtigen Höhenflug von Zorn, Wut, Triumphgefühl. Die schroffen Akzente und heftigen Pointen mit dem Bogen gelingen den Streichern meist ohne die ruppigen Unarten „historisch informierter“ Wiedergabe. Dass mancher Bogen flach gehalten wurde, Crescendi dünn blieben, gehaltene Akkorde mehr Substanz vertrügen, ist diskussionswürdig.</p>
<p>„Siroe“, ein selten aufgeführtes Werk Händels, hat sich musikalisch wie szenisch in Göttingen als ein packendes Stück Musiktheater erwiesen; trotz der Länge und einer für heutige Zuschauer sperrigen Dramaturgie emotional bewegend und glaubwürdig. Die Festspiele sind ihrem Sinn gerecht geworden: Sie haben uns Händel nahe gebracht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17701/festspiel-passagen-i-heilloses-spiel-um-macht-und-liebe-bei-den-gottinger-handel-festspielen/20130518_0357/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein Künstler- und Lebensroman: Ralph Dutlis Debüt &#8220;Soutines letzte Fahrt&#8221;</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17682/ein-kunstler-zeit-und-lebensroman/20130515_1433</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17682/ein-kunstler-zeit-und-lebensroman/20130515_1433#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 May 2013 12:33:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Günter Landsberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenswege]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und so]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur; Kunst; Neuerscheinung;]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17682</guid>
		<description><![CDATA[Was haben Ralph Dutli und Theodor Fontane miteinander gemeinsam?
 Sie haben beide mit 58 / 59 Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht.
Bei Fontane wissen wir, dass auf seinen umfangreichen Erstling „Vor dem Sturm“ noch viele gute, meist kürzere Romane gefolgt sind, bis hin zu seinem späten, wieder etwas umfangreicheren Meisterwerk „Der Stechlin“; bei Dutli wissen wir vorerst nur, dass ihm sein Erstling wirklich gut gelungen ist und dass wir vielleicht noch auf weitere Roman-Überraschungen von ihm gefasst sein dürfen.

Ralph Dutlis 272 Seiten umfassender Roman „Soutines letzte Fahrt“ scheint sich vom Thema her vorrangig in die gerade auch aus der deutschen Literaturgeschichte her bekannte Gattung „Künstlerroman“ einzureihen.
Denkt man kurz nach, fallen einem auch durchaus einige deutschsprachige Künstlerromane ein, in denen Maler, überhaupt bildende Künstler, mehr oder weniger zu Hauptfiguren bestimmter Romane auserkoren worden sind: „Franz Sternbalds Wanderungen“ (Ludwig Tieck), „Maler Nolten“ (Eduard Mörike), „Goya oder der arge Weg der Erkenntnis“ (Lion Feuchtwanger), ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was haben Ralph Dutli und Theodor Fontane miteinander gemeinsam?</strong><br />
<strong> Sie haben beide mit 58 / 59 Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht.</strong></p>
<p>Bei Fontane wissen wir, dass auf seinen umfangreichen Erstling „Vor dem Sturm“ noch viele gute, meist kürzere Romane gefolgt sind, bis hin zu seinem späten, wieder etwas umfangreicheren Meisterwerk „Der Stechlin“; bei Dutli wissen wir vorerst nur, dass ihm sein Erstling wirklich gut gelungen ist und dass wir vielleicht noch auf weitere Roman-Überraschungen von ihm gefasst sein dürfen.</p>
<p><a href="http://www.revierpassagen.de/17682/ein-kunstler-zeit-und-lebensroman/20130515_1433/9783835312081l" rel="attachment wp-att-17697"><img src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/9783835312081l-180x300.png" alt="9783835312081l" width="180" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-17697" /></a></p>
<p>Ralph Dutlis 272 Seiten umfassender Roman „Soutines letzte Fahrt“ scheint sich vom Thema her vorrangig in die gerade auch aus der deutschen Literaturgeschichte her bekannte Gattung „Künstlerroman“ einzureihen.</p>
<p>Denkt man kurz nach, fallen einem auch durchaus einige deutschsprachige Künstlerromane ein, in denen Maler, überhaupt bildende Künstler, mehr oder weniger zu Hauptfiguren bestimmter Romane auserkoren worden sind: „Franz Sternbalds Wanderungen“ (Ludwig Tieck), „Maler Nolten“ (Eduard Mörike), „Goya oder der arge Weg der Erkenntnis“ (Lion Feuchtwanger), „Der Judas des Leonardo“ (Leo Perutz), „Deutschstunde“ (Siegfried Lenz) usf.; auch Erzählungen wie „El Greco malt den Großinquisitor“ (Stefan Andres) und „Barlach in Güstrow“ (Franz Fühmann) sollten nicht unerwähnt bleiben.</p>
<p>Dennoch: Romane von Rang, in denen weltberühmte Maler porträtiert werden, sind ziemlich selten, und wenn es auch Romane über Rembrandt, van Gogh, Michelangelo, Grünewald u.s.w. durchaus gibt, wird man solche nur ganz selten unter den Hauptwerken der Literaturgeschichte finden. So mag es weise gewesen sein, dass Albrecht Dürer bei Tieck und Leonardo da Vinci bei Perutz nur am Rande oder im Hintergrund auftauchen oder aber auf bekannte, allzubekannte Namhaftigkeit auch außerhalb des Romans (vgl. „Maler Nolten“) gleich ganz verzichtet wird.</p>
<p>Ralph Dutli wählt sich für seinen biographisch fundierten Roman einen Maler aus wie Chaim Soutine, der im öffentlichen Bewusstsein vom Bekanntheitsgrad her bei weitem nicht so verankert ist wie etwa Pablo Picasso oder auch Marc Chagall, die übrigens in Dutlis Roman durchaus nicht unerwähnt bleiben und von denen Marc Chagall sogar gelegentlich als Kontrastfigur zu Chaim Soutine dient. Dass Ralph Dutli nun anders als im Falle Ossip Mandelstams keine Biographie schreibt, sondern gleich einen Roman, scheint mir im Fall von Chaim Soutine durchaus angebracht und vermag vor allem im Ergebnis voll zu überzeugen.</p>
<p>Wir begleiten Chaim Soutine für die Zeit vom 6. August 1943 bis zu seinem Tod am 9. August 1943 auf seiner letzten Fahrt von einem Krankenhaus in Chinon zu einem in Paris, zu dem er langwierig und vorsichtig auf Schleichwegen in einem Krankentransportgefährt, das sich als Leichenwagen tarnt, schließlich gebracht wird. Ob diese Fahrt nun genauso stattgefunden hat oder auch nicht, ist nicht sicher verbürgt (wodurch Raum für behutsam und einfühlsam Fiktives entsteht), wohl aber, dass dieser umständliche Transport von Chinon nach Paris mit dem baldigen Tod des Malers geendet hat, da die erhoffte Operation in Paris keine Lebensrettung mehr bringen konnte.</p>
<p>Im Roman nun begegnen wir, auf der Folie seiner von seiner Lebensgefährtin Marie-Berthe Aurenche begleiteten letzten Fahrt, Kapitel für Kapitel (auf so kunstvoll wie plausibel verschlungene Weise) bestimmten früheren Lebenssituationen des ursprünglich aus einem Schtetl bei Minsk herstammenden Malers. Dabei entsteht ein sehr dichtes Bild; ein lebendiges Porträt dieses Malers und seiner Eigenart und seiner Stellung unter den Menschen und ein Bild von der oft recht verworrenen, nicht nur für diesen jüdischen Maler gefährlichen Zeitsituation.</p>
<p>Das rege Interesse an dieser Lektüre ist bei mir nie erlahmt, aber erst mit dem äußerst feinfühligen, ein indirektes, zeitlich versetztes Zwiegespräch zweier einander auch unausgesprochen Liebender montierenden 14. Kapitel („Mademoiselle Garde und das nichtige Glück“, ein Kapitel, das man indes nicht isoliert, sondern im Zusammenhang des Ganzen lesen sollte) habe ich den Roman zu lieben begonnen.</p>
<p>Es steht zu hoffen, dass der Roman Ralph Dutlis den Blick auf die geretteten Bilder Chaim Soutines neu zu beleben vermag bzw. allererst eröffnet.</p>
<p><strong>Ralph Dutli: „Soutines letzte Fahrt“. Roman, Wallstein Verlag Göttingen 2013, 272 Seiten, 19,90 Euro.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17682/ein-kunstler-zeit-und-lebensroman/20130515_1433/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Von Müttern, Töchtern und jüdischer Identität: 38. Mülheimer Theatertage eröffnet</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17669/von-muttern-und-tochtern-38-mulheimer-theatertage-eroffnet/20130514_1803</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17669/von-muttern-und-tochtern-38-mulheimer-theatertage-eroffnet/20130514_1803#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 May 2013 16:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eva Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Region Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Mameloschn]]></category>
		<category><![CDATA[Marianna Salzmann]]></category>
		<category><![CDATA[Mülheimer Theatertage]]></category>
		<category><![CDATA[Muttersprache Mameloschn]]></category>
		<category><![CDATA[Stücke 2013]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17669</guid>
		<description><![CDATA[Als jüdisch gilt, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde – nur so ist sicher, dass einem nicht ein &#8220;Kuckucksei&#8221; ins Nest gelegt wird. Konsequent also, das Augenmerk ganz auf die weibliche Linie zu richten: In dem Stück „Muttersprache Mameloschn“ von Marianna Salzmann kommen drei Generationen jüdischer Frauen zu Wort.
Es sind die Kommunistin und Holocaust-Überlebende Lin (Gabriele Heinz), ihre Tochter Clara (Anita Vulesica), die vom Judentum rein gar nichts mehr wissen will und die Enkeltochter Rahel (Natalia Belitski), die im fernen New York ein neues Leben anfangen möchte – bloß weg von zu Hause. Mit der Uraufführung des Deutschen Theater Berlin wurde jetzt das Stücke-Festival in Mülheim an der Ruhr eröffnet, das noch bis zum 29. Mai eine hochkarätige Auswahl deutscher Gegenwartsdramatik zeigt.
Im Focus der Mülheimer Theatertage steht seit jeher der Text; trotzdem macht der Stücke-Wettbewerb auch deswegen Spaß, weil man die neuen Stoffe in vergleichsweise interessanten Inszenierungen bekannter Häuser ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als jüdisch gilt, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde – nur so ist sicher, dass einem nicht ein &#8220;Kuckucksei&#8221; ins Nest gelegt wird. Konsequent also, das Augenmerk ganz auf die weibliche Linie zu richten: In dem Stück „Muttersprache Mameloschn“ von Marianna Salzmann kommen drei Generationen jüdischer Frauen zu Wort.</strong></p>
<p>Es sind die Kommunistin und Holocaust-Überlebende Lin (Gabriele Heinz), ihre Tochter Clara (Anita Vulesica), die vom Judentum rein gar nichts mehr wissen will und die Enkeltochter Rahel (Natalia Belitski), die im fernen New York ein neues Leben anfangen möchte – bloß weg von zu Hause. Mit der Uraufführung des Deutschen Theater Berlin wurde jetzt das Stücke-Festival in Mülheim an der Ruhr eröffnet, das noch bis zum 29. Mai eine hochkarätige Auswahl deutscher Gegenwartsdramatik zeigt.<span id="more-17669"></span></p>
<div id="attachment_17670" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17669/von-muttern-und-tochtern-38-mulheimer-theatertage-eroffnet/20130514_1803/dt_blog" rel="attachment wp-att-17670"><img class="size-medium wp-image-17670" alt="Muttersprache Mameloschn, Foto: Arno Declair/Deutsches Theater" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/DT_Blog-200x300.jpg" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Muttersprache Mameloschn, Foto: Arno Declair/Deutsches Theater</p></div>
<p>Im Focus der Mülheimer Theatertage steht seit jeher der Text; trotzdem macht der Stücke-Wettbewerb auch deswegen Spaß, weil man die neuen Stoffe in vergleichsweise interessanten Inszenierungen bekannter Häuser zu sehen bekommt – und das nun schon im 38. Jahr.</p>
<p>In „Mameloschn“, so das jiddische Wort für Muttersprache, wohnen die drei Frauen in einer Art Möbellager, das sie gelenkig bis akrobatisch bespielen. Besonders Clara, die Mutter, gibt eine beeindruckende Showeinlage auf einem wackeligen Kleiderschrank, um kurz danach wieder depressiv aufs Sofa zu sinken: Denn ihre einzige Tochter will nach New York ziehen und sie verlassen, ebenso wie ihr Sohn, der schon einige Zeit vorher in einen Kibbutz abgehauen ist. Und das, obwohl sie ihre Kinder keineswegs im Geiste der jüdischen Religion erzogen hat, ganz im Gegenteil. Doch auch mit dem real existierenden Sozialismus der DDR, mit dem sich ihre Mutter als Kommunistin der ersten Stunde so gut arrangiert hat, hat sie endgültig abgeschlossen. Was sollen ihr verlogene Ideologien, im Namen derer ihre Liebsten sie im Stich lassen?</p>
<p>Die Tochter wiederum flieht das Erstickende dieser Umarmung und will einfach frei sein, herausfinden, was für sie selbst das Richtige ist – ob jüdisch oder lesbisch, darauf kommt es gar nicht an. Der Generationenkonflikt ist auch deswegen so explosiv, weil er historisch aufgeladen ist. So erhalten die Familienstreitigkeiten zugleich eine weltanschauliche Komponente. Das Private ist politisch – hier trifft die Parole tatsächlich zu.</p>
<p>Nichtsdestotrotz will das Stück eine Komödie sein und schafft das auch: Wunderbar böse und scharfzüngig gehen diese Frauen an die Grenze. Jede weiß, wo sie die andere verletzen kann und bietet dafür die perfidesten Mittel auf, die auch vor dem Briefgeheimnis keineswegs haltmachen. Rahel erzählt mit Vorliebe jüdische Witze, die Oma trällert Liedchen, die sie einst auf großer Ost-Bühne sang.</p>
<p>Schauspielerisch ist der Schlagabtausch (Inszenierung: Brit Bartkowiak) ungeheuer facettenreich, hat Tempo, Witz und viel Gefühl. Je leidenschaftlicher die Wut, desto größer die Liebe. Fast hat man den Eindruck, der fortwährende Streit dieser drei Frauen wäre in Wirklichkeit ihr Lebenselixier. Dazu passt Rahels Witz: „Warum wollen Juden kein Schmerzmittel nehmen? – Weil die Schmerzen dann weggehen…“</p>
<p><strong>Infos, Termine und Karten:</strong><br />
<strong> <a href="http://www.stuecke.de">www.stuecke.de</a> und <a href="http://www.deutschestheater.de">www.deutschestheater.de</a></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17669/von-muttern-und-tochtern-38-mulheimer-theatertage-eroffnet/20130514_1803/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Treffsichere Musikalität: Joseph Moog debütiert beim Klavier-Festival Ruhr in Moers</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17661/treffsichere-musikalitat-joseph-moog-debutiert-beim-klavier-festival-ruhr-in-moers/20130514_1541</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17661/treffsichere-musikalitat-joseph-moog-debutiert-beim-klavier-festival-ruhr-in-moers/20130514_1541#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 May 2013 13:41:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Häußner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Musik & Konzert]]></category>
		<category><![CDATA[Region Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Tausig]]></category>
		<category><![CDATA[Claude Debussy]]></category>
		<category><![CDATA[Giuseppe Verdi]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Haydn]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Moog]]></category>
		<category><![CDATA[Martinstift]]></category>
		<category><![CDATA[Moers]]></category>
		<category><![CDATA[Moritz Moszkowski]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Wagner]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Amadeus Mozart]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17661</guid>
		<description><![CDATA[Als ich Joseph Moog zum ersten Mal hörte – er spielte als 17jähriger Franz Liszts „Totentanz“ – fiel mir die treffsichere Musikalität auf, die sich mit ausgereifter Technik verband. Das war 2005 in Würzburg. Inzwischen ist Moog 25 Jahre alt, konzertiert auf wichtigen Podien, hat einige von der Presse gerühmte CDs aufgenommen – und jetzt sein fälliges Debüt beim Klavier-Festival Ruhr gegeben. Und zwar mit einem Programm, das dem Verdi-Wagner-Schwerpunkt dieses Jahres Genüge tut, aber auch von der Lust an Ausgrabungen und entlegenem Repertoire zeugt.
Wobei die Frage zu stellen ist, ob ausgerechnet der intime Saal des Martinstifts in Moers ein geeigneter Ort gewesen ist. Dort steht ein für den Raum sowieso zu groß dimensionierter Steinway D. Bei der gebotenen Klangdramaturgie in den virtuosen Konzertparaphrasen kommt die Akustik schnell an ihre Grenzen. Bei aller Liebe zu der von vielen Pianisten bevorzugten Flügelfabrik: Mir wäre an dieser Stelle für dieses Programm ein ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als ich Joseph Moog zum ersten Mal hörte – er spielte als 17jähriger Franz Liszts „Totentanz“ – fiel mir die treffsichere Musikalität auf, die sich mit ausgereifter Technik verband. Das war 2005 in Würzburg. Inzwischen ist Moog 25 Jahre alt, konzertiert auf wichtigen Podien, hat einige von der Presse gerühmte <a href="http://www.josephmoog.de/joseph-moog_media.html" target="_blank">CDs</a> aufgenommen – und jetzt sein fälliges Debüt beim Klavier-Festival Ruhr gegeben. Und zwar mit einem Programm, das dem Verdi-Wagner-Schwerpunkt dieses Jahres Genüge tut, aber auch von der Lust an Ausgrabungen und entlegenem Repertoire zeugt.</strong></p>
<div id="attachment_17663" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17663" alt="Das Martinstift in Moers - ein intimer Raum. Foto: Werner Häußner" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Moers-Martinstift-13-05-13-5-300x225.jpg" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Das Martinstift in Moers &#8211; ein intimer Raum. Foto: Werner Häußner</p></div>
<p>Wobei die Frage zu stellen ist, ob ausgerechnet der intime Saal des Martinstifts in Moers ein geeigneter Ort gewesen ist. Dort steht ein für den Raum sowieso zu groß dimensionierter Steinway D. Bei der gebotenen Klangdramaturgie in den virtuosen Konzertparaphrasen kommt die Akustik schnell an ihre Grenzen. Bei aller Liebe zu der von vielen Pianisten bevorzugten Flügelfabrik: Mir wäre an dieser Stelle für dieses Programm ein Broadwood oder Erard willkommener gewesen.</p>
<p>Joseph Moog tat sein Bestes, um etwa Carl Tausigs hochvirtuose Bearbeitung des Walkürenritts so zu zügeln, dass er im klassizistischen Ambiente vor geschätzt 300 Zuhörern noch erträglich blieb. Das war nur bedingt erfolgreich. Die „Tristan“-Paraphrase von Moritz Moszkowski fordert die fiebrigen Steigerungen des Originals, will die Erlösung des Akkords aus drängendem Vorhalt und harmonischem „Irrweg“ mit großer Geste feiern. Aber statt Wagners Rausch spricht der Raum, bildet den Hall zu direkt ab, lässt nicht zu, dass sich Moog in die Ekstase freispielt, ohne die dieses Stück ziemlich flach gehalten wirkt.</p>
<p>Bei Haydn und Chopin, mit Grenzen auch in Debussys „Images oubliées“ hört man, was in diesem Saal sinnigerweise zu spielen wäre. In Haydns D-Dur-Sonate Nr. 24 lassen sich die Farbwechsel, mit denen der Pianist gliedert, wunderbar verfolgen. Haydns stets geistvolles Spiel mit der musikalischen Idee geht dem Hörer klar ins Ohr. Der flotte, trocken-entschiedene Ton Moogs liegt richtig, meidet papiernes Stochern wie weichen romantischen Anflug. Nur im näher an ein Andante gerücktes Adagio erlaubt er sich, empfindungsvoll zu färben. Warum Moog allerdings Arabesken und Verzierungen beschleunigt, ist nicht nachvollziehbar.</p>
<p>Auch Mozarts d-Moll-Fantasie KV 397 passt in den Architekturrahmen. In den Beleuchtungswechseln, in den Temponuancen spürt man, dass Moog gedankenvoll und konzeptuell bewusst an das Werk herangeht, das so typisch nach „einfachem“ Mozart klingt, aber höchst subtile Anforderungen stellt.</p>
<div id="attachment_17664" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-17664" alt="Joseph Moog. Foto: Paul Marc Mitchell" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/013_Joseph-Moog-0745_R_Photo_by_Paul_Marc_Mitchell-200x300.jpg" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Joseph Moog. Foto: Paul Marc Mitchell</p></div>
<p>Es offenbart jedoch ein Problem, das der junge Pianist auch in den Opern-Paraphrasen noch nicht ganz bewältigt hat: Moog „atmet“ nicht mit dem Metrum, gibt dem Puls der Musik zu wenig Richtung. Das führt in der „Rigoletto“-Bearbeitung von Franz Liszt zu einem seltsamen Hang zum Statischen: Moog schlägt die kantigen Bässe mit Bravour an, zeigt in gleißenden Passagen und in Silbervorhängen, gewebt aus schäumender Notengischt, wie brillant er solche Herausforderungen meistert. Aber er phrasiert nicht sanglich-gelassen genug: „Bella figlia dell‘ amore“, dieses unvergleichliche Quartett aus dem letzten Akt des „Rigoletto“, strebt nach dem vokalen Kulminationspunkt, den Moog in der raffinierten, genau auf den Effekt berechneten Liszt-Bearbeitung dynamisch nivelliert. War es der Raum oder die Tagesform? Die „Miserere“-Paraphrase nach dem „Trovatore“ und diejenige zu Verdis Frühwerk „Ernani“ gelingen überzeugender: die eine als Studie über die expressiven Möglichkeiten des Bassregisters, die andere als genialische pianistische Veredelung von Verdis direkter Emotionalität.</p>
<p>Noch einmal zeigen die Zugaben – Chopin, Brahms, Rachmaninow –, was dem Saale besser frommt; vor allem Chopins op. 15/2 nimmt Moog mit eleganter Gelöstheit. Man möchte den jungen Mann in größerem Rahmen wiederhören. Er hat auf CD spannende Entdeckungen vorgelegt – zum Beispiel Rubinsteins Viertes Klavierkonzert –, so dass man <a href="http://www.revierpassagen.de/17528/auftakt-zu-25-jahre-klavier-festival-ruhr-in-bochum-individualitat-und-schonklang/20130507_0241" target="_blank">gewissen Rundfunk-Sinfonieorchestern </a>gerne empfehlen würde, solche Anregungen mit diesem Pianisten umzusetzen statt Äther und Archiv mit der nächsten Version von Tschaikowskys Erstem vollzustopfen.</p>
<p>Mehr zu Joseph Moog: <a href="http://www.josephmoog.de/">http://www.josephmoog.de/</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17661/treffsichere-musikalitat-joseph-moog-debutiert-beim-klavier-festival-ruhr-in-moers/20130514_1541/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Tamara Stefanovich mit neuen und alten Musikminiaturen beim Klavier-Festival Ruhr</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 May 2013 15:02:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Schrahn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Musik & Konzert]]></category>
		<category><![CDATA[Franck Amsallem]]></category>
		<category><![CDATA[John Woolrich]]></category>
		<category><![CDATA[Klavier-Festival Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Goerne]]></category>
		<category><![CDATA[Tamara Stefanovich]]></category>
		<category><![CDATA[Vassos Nicolaou]]></category>
		<category><![CDATA[Wattenscheid]]></category>
		<category><![CDATA[York Höller]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17641</guid>
		<description><![CDATA[25 Klavierminiaturen in einem Konzert, 25 musikalische Petitessen aus vier Jahrhunderten, mit Kompositionen von Domenico Scarlatti bis hin zu Thomas Larcher.
Scheinbar ist alles bunt gemischt, genau besehen aber sinnfällig verquickt, ein munteres, spannendes Exerzitium von 75 Minuten Länge, ohne Pause.
Solcherart Konzeptkunst mag den Verdacht schüren, intellektuell überzuquellen. Doch wenn die jugoslawische Pianistin Tamara Stefanovich sich der Sache annimmt, einerseits mit konzentriert kontrolliertem, analytischem Zugriff, zum anderen nicht ohne Emotion, wird daraus eine runde Sache. Mit Aha-Effekten fürs hochaufmerksame Publikum. Seht her, die Moderne, sie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat ihre historischen, ästhetischen Bezugspunkte.
Stefanovich ist nicht zuletzt ein Ziehkind des Klavier-Festivals Ruhr, bei dem sie seit 2004 regelmäßig auftritt, und dem sie eben zum 25jährigen Jubiläum dieses außergewöhnliche Konzert geschenkt hat. Sie kredenzt uns in Wattenscheid sowohl Barockes wie auch Werke der Romantik, der klassischen Moderne wie vier Uraufführungen – diese geschrieben wiederum zum runden Geburtstag der Pianistin.
Ein Abend ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_17645" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702/stefanovich_tamara_c_frank-alexander-rummele" rel="attachment wp-att-17645"><img class="size-medium wp-image-17645  " alt="Die Pianistin Tamara Stevanovich. Foto: Frank-Alexander Rümmele" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Stefanovich_Tamara_c_Frank-Alexander-Rümmele-300x237.jpg" width="300" height="237" /></a><p class="wp-caption-text">Pianistin Tamara Stevanovich, regelmäßiger Gast beim Klavier-Festival Ruhr. Foto: Frank-Alexander Rümmele</p></div>
<p><strong>25 Klavierminiaturen in einem Konzert, 25 musikalische Petitessen aus vier Jahrhunderten, mit Kompositionen von Domenico Scarlatti bis hin zu Thomas Larcher.</strong></p>
<p>Scheinbar ist alles bunt gemischt, genau besehen aber sinnfällig verquickt, ein munteres, spannendes Exerzitium von 75 Minuten Länge, ohne Pause.</p>
<p>Solcherart Konzeptkunst mag den Verdacht schüren, intellektuell überzuquellen. Doch wenn die jugoslawische Pianistin Tamara Stefanovich sich der Sache annimmt, einerseits mit konzentriert kontrolliertem, analytischem Zugriff, zum anderen nicht ohne Emotion, wird daraus eine runde Sache. Mit Aha-Effekten fürs hochaufmerksame Publikum. Seht her, die Moderne, sie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat ihre historischen, ästhetischen Bezugspunkte.</p>
<p>Stefanovich ist nicht zuletzt ein Ziehkind des Klavier-Festivals Ruhr, bei dem sie seit 2004 regelmäßig auftritt, und dem sie eben zum 25jährigen Jubiläum dieses außergewöhnliche Konzert geschenkt hat. Sie kredenzt uns in Wattenscheid sowohl Barockes wie auch Werke der Romantik, der klassischen Moderne wie vier Uraufführungen – diese geschrieben wiederum zum runden Geburtstag der Pianistin.</p>
<p>Ein Abend mit melancholischer, aufbrausender, verspielter, sentimentaler, quicklebendiger wie attackierender Musik. Klangvolle Episoden, die mitunter wie aus eines Komponisten Baukasten wirken. Wild Dramatisches im Wechsel mit zauberhaften Ruhepunkten. Pianistin und Publikum forschend und hörend im Steinbruch der Tonmassen. Ein Genuss für jeden, der neugierig ist.</p>
<p>Neugierig etwa auf den englischen Komponisten John Woolrich, der Stefanovich eine Etüde gewidmet hat. Basierend auf nur einem Ton, der an Gewicht gewinnt, umspielt wird, sich auswächst in wild dissonante Akkorde, sich mit ein bisschen Jazzidiomatik umgibt, um am Ende zart und ruhevoll dahinzugleiten. Und wenn sich daran György Ligetis 7. „Musica ricercata“ anschließt, ganz gemächlich, romantisch gefärbt, diese wiederum in Verbindung gebracht wird mit Chopin und Skrjabin, dann hören wir, wie die Jüngeren von den Altvorderen zehren.</p>
<div id="attachment_17646" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702/vassoskfr" rel="attachment wp-att-17646"><img class="size-medium wp-image-17646" alt="Komponist Vassos Nicolaou. Foto: Klavier-Festival Ruhr" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/VassosKFR-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Komponist Vassos Nicolaou. Foto: Klavier-Festival Ruhr</p></div>
<p>Seinen Beitrag zur Gattung Etüde hat der Grieche Vassos Nicolaou ebenfalls der Pianistin zugeeignet, gleich drei an der Zahl. Hochvirtuos ist diese Musik, mit überraschenden Wendungen und Beschleunigungen, voller Kniffe und Tücken also.</p>
<p>Der Kontrast zu solcher Attacke kann kaum größer sein, wenn im Anschluss ein Walzer Ligetis gewissermaßen in sich kreiselt, melancholisch (mit Bartók im Rücken) das alte Österreich-Ungarn aufblühen lässt, immer durchzogen vom Dreivierteltaktbrodeln wie in Ravels Endzeitstück „La Valse“.</p>
<p>Dritter im Bunde der Neuschöpfer und Stefanovich-Gratulanten ist der Franzose Franck Amsallem, der eine grüblerische Improvisation schuf („Brooding“). Ein gewichtiges, dunkles musikalisches Schreiten mit zunehmendem Erregungsgrad – bedrohliche Bassfiguren treffen auf klirrende Diskantschläge. Schließlich York Höller, der sein Opus kurzerhand „Für Tamara“ nennt. Getragen von archaischen Akkorden, verdichtet sich die Materie immer mehr zu einem kraftvollen Fließen – damit unmittelbar hinlenkend auf das letzte Stück des Abends, Olivier Messiaens „Insel des Feuers“.</p>
<div id="attachment_17647" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702/hollerwohlr" rel="attachment wp-att-17647"><img class="size-medium wp-image-17647 " alt="Komponist York Höller. Foto: Mark Wohlrab" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/HöllerWohlr-300x199.jpg" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Komponist York Höller. Foto: Mark Wohlrab</p></div>
<p>All dies interpretiert Stefanovich präzis, ohne einem analytischen Buchstabieren zu verfallen. Dass sie dabei in der Lage ist, stilsicher zwischen den Jahrhunderten zu wandeln, darf getrost als bravourös bezeichnet werden. Virtuose Manier kennt die Künstlerin im übrigen nicht. Nur Empathie, technisches Können und ein Gespür fürs jeweilige Kolorit. Mit einem Programm, das dem Klavier-Festival Ruhr gut zu Gesicht steht – abseits des allgefälligen Repertoires.</p>
<p><em>Tamara Stevanovich ist am 5. Juni (20 Uhr) erneut Gast des Klavier-Festivals. Mit dem Bariton Matthias Goerne interpretiert sie u.a. Lieder von Brahms, Alban Berg und Schostakowitsch &#8211; im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal.</em></p>
<p><strong>Info: <a href="http://www.klavierfestival.de">www.klavierfestival.de</a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17641/tamara-stefanovich-beschenkt-das-klavier-festival-mit-neuen-und-alten-musikminiaturen/20130513_1702/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rock als Religion: „We will rock you“ im Colosseum Essen</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17621/rock-als-religion-we-will-rock-you-im-colosseum-essen/20130512_1908</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17621/rock-als-religion-we-will-rock-you-im-colosseum-essen/20130512_1908#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 17:08:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Häußner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Operette & Musical]]></category>
		<category><![CDATA[Rock & Pop]]></category>
		<category><![CDATA[Ben Elton]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Brose]]></category>
		<category><![CDATA[Jeff Frohner]]></category>
		<category><![CDATA[Jessica Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Léon van Leeuwenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Marjolein Teepen]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Berger]]></category>
		<category><![CDATA[Queen]]></category>
		<category><![CDATA[We will rock you]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17621</guid>
		<description><![CDATA[Die Kultur ist implodiert – und „Globalsoft“ hat seine Chance genutzt. Für einen Moment bekommt die Science-Fiction-Geschichte, in die sich das Musical „We will rock you“ kleidet, unheimliche Aktualität: Da erklärt in einer fernen Zukunft ein Konzern jede „handgemachte“ Musik für „illegal“.
Auf der Bühne stehen Klone des hochgezüchteten Einheitsgeschmacks und „moven“ mit automatenhaften Bewegungen. Blonde Mädels, smarte Jungs, der Quoten-Farbige. Dahinter verpixelte Figürchen aus irgendwelchen Teenie-Computerspielen. Bunte Animation, unteres Ende der Primitivitäts-Skala. Das ist die Welt von „Globalsoft“, wie sie sich im Essener Colosseum präsentiert. Und für einen Moment fürchtet man sich vor dieser Retorten-Welt, die gar nicht so ferne scheint wie in der Story von Ben Elton.
Das Stück hat seit seiner Londoner Premiere im Mai 2002 einen Siegeszug hinter sich, der – glaubt man den Statistiken im Pressematerial – beispiellos ist. Dreizehn Millionen Besucher weltweit, vier Millionen davon in Deutschland.
Vier Jahre lief „We will rock you“ in Köln, war ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kultur ist implodiert – und „Globalsoft“ hat seine Chance genutzt. Für einen Moment bekommt die Science-Fiction-Geschichte, in die sich das Musical „<a href="http://www.bb-promotion.com/de/veranstaltungen/we-will-rock-you/" target="_blank">We will rock you</a>“ kleidet, unheimliche Aktualität: Da erklärt in einer fernen Zukunft ein Konzern jede „handgemachte“ Musik für „illegal“.</strong></p>
<p>Auf der Bühne stehen Klone des hochgezüchteten Einheitsgeschmacks und „moven“ mit automatenhaften Bewegungen. Blonde Mädels, smarte Jungs, der Quoten-Farbige. Dahinter verpixelte Figürchen aus irgendwelchen Teenie-Computerspielen. Bunte Animation, unteres Ende der Primitivitäts-Skala. Das ist die Welt von „Globalsoft“, wie sie sich im Essener Colosseum präsentiert. Und für einen Moment fürchtet man sich vor dieser Retorten-Welt, die gar nicht so ferne scheint wie in der Story von Ben Elton.</p>
<div id="attachment_17629" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17629" alt="Bunte, neue, heile Welt: So stellen sich die letzten selbständig denkenden Menschen auf Planet iPad ihre Welt nicht vor. Foto: Nilz Böhme" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/04_WWRY0092Nilz_Boehme_cut-300x199.jpg" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Bunte, neue, heile Welt: So stellen sich die letzten selbständig denkenden Menschen auf Planet iPad ihre Welt nicht vor. Foto: Nilz Böhme</p></div>
<p>Das Stück hat seit seiner Londoner Premiere im Mai 2002 einen Siegeszug hinter sich, der – glaubt man den Statistiken im Pressematerial – beispiellos ist. Dreizehn Millionen Besucher weltweit, vier Millionen davon in Deutschland.</p>
<p>Vier Jahre lief „We will rock you“ in Köln, war in Berlin, Basel, Wien, Zürich und Stuttgart zu sehen – und kommt nun bis 30. Juni nach Essen, lässt im <a href="http://www.colosseumtheater.de/" target="_blank">Colosseum</a> wieder einmal Musical-Atmosphäre entstehen.</p>
<p>Ein derart erfolgreiches Stück hat ein Erfolgsgeheimnis. In diesem Fall heißt es wohl „<a href="http://www.revierpassagen.de/10768/meilensteine-der-popmusik-16-queen/20120801_1143" target="_blank">Queen</a>“. 21 Songs der legendären Band sind der Kern, um den sich die Geschichte rankt – und im Gegensatz zu manch anderem, mühsam zusammengestoppelten Musical funktioniert die Kombination aus Erzählstrang und Musik: Die Dramaturgie ist nicht zurechtgebogen, damit die Lieder passen. Sondern die Nummern fügen sich ein in das Profil der Figuren, geben ihnen emotionale Substanz, teilen dem Zuschauer etwas mit. Nur „Bohemian Rhapsody“, einer der berühmtesten Queen-Titel, wird wie eine Zugabe „nachgeliefert“ und fällt aus der Handlung heraus.</p>
<p>Auch die Story funktioniert trotz mancher dramaturgischer Hastigkeiten. Das bunte Punk- und Rock-Völkchen der „Bohemians“ beschwört das Lebensgefühl der siebziger Jahre herauf. Dagegen steht der krakenhafte Konzern mit seiner Massenkultur aus dem Computer, beherrscht von einer raubtierhaften Domina-Queen und einem schmierig-mafiösen Handlanger.</p>
<p>Individualität gegen Uniformität, Gefühl gegen Geschäft, Kreativität gegen Konformität: Das sind Botschaften, die den gesetzten Herrschaften im Publikum gefallen dürften, die in ihren jungen Jahren mit Gruppen wie Queen erwachsen wurden. Und die das Unbehagen an der globalisierten musikalischen Retorte ansprechen.</p>
<div id="attachment_17630" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-17630" alt="Bunte Verschwörung der Kreativen: Die &quot;Bohemians&quot;. Foto: Nilz Böhme " src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/08_WWRY0664Nilz_Boehme-quer-300x199.jpg" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Bunte Verschwörung der Kreativen: Die &#8220;Bohemians&#8221;. Foto: Nilz Böhme</p></div>
<p>Doch „We will rock you“ geht über solche kulturkritischen Anflüge hinaus: Die Rockmusik wird stilisiert zum universalen, befreienden Element, mit dem der Mensch zu sich selbst und die Welt zum Heile findet. Sie gewinnt die Züge eines diesseitigen Erlösungsmythos.</p>
<p>Da ist der junge Mann (Galileo), der seine wirr im Kopf umherfliegenden Gedanken endlich auf den Begriff bringt. Da ist die junge Frau (Scaramouche) – beide sind sie Außenseiter –, die erkennt, dass Rebellion ohne Liebe ziel- und wirkungslos bleibt. Da sind die magischen Instrumente: Die letzte Gitarre auf Erden findet ihren Herrn am Eingang zum verfallenen Wembley-Stadion – dem Ort zahlreicher legendärer Konzerte – wie das Schwert in Wagners „Walküre“. Und aus dem Genfer See taucht die goldene Statue von Freddy Mercury auf: das ultimative Heilzeichen, das den Sieg der Revolte ankündigt.</p>
<p>Dass Rockbands wie Queen einst selbst zum globalen Musikgeschäft gehörten, spielt keine Rolle: Hier ist der Rock als solcher universales Heilsmittel, Medium einer säkularen Religion. Die Inszenierung, pardon, das „musical staging“ von Ariane Phillips, setzt auch auf vertraute Zeichen: Am bitteren Tiefpunkt der Geschichte, als alles vergebens scheint, zitiert sie die „Pietà“ aus der christlichen Bildwelt.</p>
<p>So wirkt das Musical auf verschiedenen Ebenen, gibt den Queen-Songs einen neuen Sinnzusammenhang, hebt sie über die bloße Abfolge eines Konzerts hinaus. Das Staging lässt in Essen keine Wünsche offen: Die Technik ist top, die sieben Musiker der Band unter dem erfahrenen Jeff Frohner bringen den Queen-Sound auf den Punkt über die Rampe (Sound Operator: Bettina Hennes). Sie achten auch aufmerksam auf die Momente, in denen die Komposition Anregungen aus der Oper, aus opulenter Filmmusik oder leicht schrägen Music-Hall-Schlagern verarbeitet und sich in der Wahl der Tonarten, den Modulationen und harmonischen Entwicklungen weit über die simplen Strickmuster vieler Hits erhebt. Nur die spöttischen Nummern, in denen die banale U-Musik der Globalsoft-Kiddies abgespult und ironisch gebrochen wird („Radio Ga Ga“), hätten ausgeprägter und ruhig etwas übertriebener kommen können.</p>
<div id="attachment_17631" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><img class="size-medium wp-image-17631" alt="Der unsichere Held: Christopher Brose als Galileo. Foto: Nilz Böhme" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/25_WWRY3883Nilz_Boehme-hoch-240x300.jpg" width="240" height="300" /><p class="wp-caption-text">Der unsichere Held: Christopher Brose als Galileo. Foto: Nilz Böhme</p></div>
<p>Glaubwürdig auch die Darsteller: Christopher Brose hat als Galileo nicht nur die ideale, geradlinige Mikro-Stimme mit klarer Höhe, sondern changiert als Darsteller auch zwischen der schüchternen Scheu des Außenseiters und der hartnäckigen Hingabe eines Menschen, der sein Ziel zwar nicht immer kennt, aber im Inneren erfühlt.</p>
<p>Die Scaramouche des besuchten Abends war die in Duisburg geborene Jessica Kessler, in ihrer Jugend als Eiskunstläuferin bekannt. Sie bringt einen schnoddrigen Charme in die Rolle, der ihr mit flotten Sprüchen über manchen Hänger im jugendlichen Selbstbewusstsein hinweghilft. Zwei sympathische Typen, die aus Menschlichkeit und Wahrheitsgefühl heraus rebellieren, und ihr Zweifel und Ängste nicht vertuschen.</p>
<p>Auf der anderen Seite stehen die perfekten Verkörperungen der Klischees des Bösen, wie es das Märchen braucht: Marjolein Teepen, eine erfahrene Musical-Darstellerin, „rockt“ als Killer Queen mit einer durchsetzungsfähigen Stimme, aber auch mit knallharten Methoden: Ihrem fiesen Sicherheitschef Khashoggi lässt sie einfach das Hirn löschen, als er versagt. Martin Berger spielt und singt ihn souverän – ein Darsteller, der die Rolle aus der Kölner Produktion „drauf“ hat. Ein „Urgestein“ ist auch Léon van Leeuwenberg, der schon damals den Bap gesungen hat.</p>
<p>Das Ensemble gibt der Show, was sie braucht: Tempo, Witz, Präzision. Ben Eltons Musical ist ein Zeitgeiststück, das den Rock zum Religionsersatz verklärt, aber auch eines, das uns mit viel Humor und einer unterhaltsamen Story sagt: Lasst euch nicht von euch selbst entfremden.</p>
<p><strong>Info: <a href="http://www.wewillrockyou.de/" target="_blank">http://www.wewillrockyou.de/</a></strong></p>
<p><i>Am Mittwoch, 29. Mai, gibt es nach der Vorstellung (Beginn: 18.30 Uhr) im Foyer des Colosseum Theaters ein <a href="http://www.wewillrockyou.de/78-news/196-exklusive-we-will-rock-you-after-show-band-night" target="_blank">After-Show Gratiskonzert</a>. Für alle Fans ist die Band Night ab 22 Uhr kostenlos zugänglich. Die Sänger und Musiker wollen mit Hits aus Rock, Funk und Soul mit dem Publikum zusammen in den Feiertag hineinfeiern.</i></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17621/rock-als-religion-we-will-rock-you-im-colosseum-essen/20130512_1908/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Querdenker in einem komischen Land &#8211; Harald Marteinsteins gesammelte Kolumnen</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17611/querdenker-in-einem-komischen-land-harald-marteinsteins-gesammelte-kolumnen/20130512_1442</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17611/querdenker-in-einem-komischen-land-harald-marteinsteins-gesammelte-kolumnen/20130512_1442#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 12:42:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Britta Langhoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Scherz, Satire, Ironie]]></category>
		<category><![CDATA[Harald Martenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Romantische Nächte im Zoo]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17611</guid>
		<description><![CDATA[Was bitte ist am &#8220;Bauhaus“ schön und warum wohnten die Architekten nicht selbst darin? Worin besteht der Unterschied zwischen Berliner, Hamburger und Münchner Star-Friseuren?
Und weiter: Ist der &#8220;Kleine Prinz&#8221; nicht doch nur der kleinste gemeinsame Nenner für Diktatoren und Kirchen-Austrittswillige und kann man romantische Nächte wirklich nur noch im Zoo verbringen? Gemeinsam ist diesen Fragen die Antwort: Deutschland ist ein komisches Land. Zwischen Gerstengrund und Osnabrück wohnt nicht nur das Glück, sondern auch die Real-Satire.
Harald Martenstein, bekannter Journalist, Autor und Kolumnist, nimmt sich unbeirrt dieser Fragen an. 34 Betrachtungen und Geschichten aus den Jahren 1999-2012 hat er ausgewählt, überarbeitet und zu einer erstaunlich zeitlos aktuellen Betrachtung unseres Landes zusammengefasst. Alle Artikel aus seiner Sammlung &#8220;Romantische Nächte im Zoo&#8221; waren bereits publiziert, einige davon (allen voran der über die Entzauberung des Suhrkamp Verlags) preisgekrönt.
Seine Themen sind breit gefächert und haben auf den ersten Blick nicht sehr viel miteinander zu tun. Da geht ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierpassagen.de/17611/querdenker-in-einem-komischen-land-harald-marteinsteins-gesammelte-kolumnen/20130512_1442/image_1_12548" rel="attachment wp-att-17612"><img class="alignleft size-full wp-image-17612" alt="Martenstein.Cover" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/image_1_12548.jpg" width="126" height="218" /></a><strong>Was bitte ist am &#8220;Bauhaus“ schön und warum wohnten die Architekten nicht selbst darin? Worin besteht der Unterschied zwischen Berliner, Hamburger und Münchner Star-Friseuren?</strong></p>
<p>Und weiter: Ist der &#8220;Kleine Prinz&#8221; nicht doch nur der kleinste gemeinsame Nenner für Diktatoren und Kirchen-Austrittswillige und kann man romantische Nächte wirklich nur noch im Zoo verbringen? Gemeinsam ist diesen Fragen die Antwort: Deutschland ist ein komisches Land. Zwischen Gerstengrund und Osnabrück wohnt nicht nur das Glück, sondern auch die Real-Satire.</p>
<p>Harald Martenstein, bekannter Journalist, Autor und Kolumnist, nimmt sich unbeirrt dieser Fragen an. 34 Betrachtungen und Geschichten aus den Jahren 1999-2012 hat er ausgewählt, überarbeitet und zu einer erstaunlich zeitlos aktuellen Betrachtung unseres Landes zusammengefasst. Alle Artikel aus seiner Sammlung &#8220;Romantische Nächte im Zoo&#8221; waren bereits publiziert, einige davon (allen voran der über die Entzauberung des Suhrkamp Verlags) preisgekrönt.</p>
<p>Seine Themen sind breit gefächert und haben auf den ersten Blick nicht sehr viel miteinander zu tun. Da geht es um Milch und die Kuh als Leistungsträger, da werden Kirchentage genau wie die in den Städten um sich greifende Gentrifizierung seziert, Bildungspolitik als letztes Reservat für Ideologen entlarvt und die echten Freuden oder wirklichen Schrecken des deutschen Kleingärtners aufgedröselt.</p>
<p>Auf den zweiten Blick aber erkennt man die Gemeinsamkeit: Martensteins unverdrossenes Plädoyer für Meinungsfreiheit als grundlegendes Recht und für Toleranz – auch für diejenigen, die man nicht sympathisch findet.</p>
<p>Martenstein trifft den Nerv der Zeit und traut sich dafür auf ein sehr dünnes Drahtseil. Er scheut den Populismus nicht, ohne wirklich populistisch zu sein. In Summe und Buchform gelesen wird klar, warum er auf der einen Seite als einer der populärsten, anregendsten Kolumnisten des Landes gilt, auf der anderen Seite aber auch, warum er gleichzeitig auch einer der polarisierendsten Kolumnisten unserer Zeit ist. Kaum ein Kollege, der sich nicht an ihm abarbeitet. Die Lektüre der Beiträge anderer Blogger und Kolumnisten, die sich mit ihm beschäftigen, ist derzeit mindestens so unterhaltsam wie die der Martenstein-Kolumnen selber.</p>
<p>Mich wundert das nicht. Es hat ja auch etwas Frustrierendes, wenn man seine Kolumnen liest. Viele wirken zunächst wie charmant geplauderte Essays, doch in jeder kommt irgendwann der Punkt, an dem Martenstein zielsicher den Finger in die Wunde legt und ihn oft genug auch noch genüsslich umdreht. Was er nicht tut – er zeigt nicht auch noch mit dem Zeigefinder auf die, die er als Verursacher ausmacht. Da nimmt er sich zurück.</p>
<p>Ansonsten ist er unbestritten ein selbsternannter Besserwisser. Natürlich sind da Bescheidwisser aller Couleur genervt. Vor allem, weil man nach jeder Kolumne – gelegentlich zähneknirschend &#8211; zugeben muss, dass er recht hat. Und wenn auch manchmal nur mit dem Denkanstoss, den er gibt.</p>
<p>Lustvoll stellt Harald Martenstein gängige Verhaltensweisen und Meinungen auf den Prüfstand und in Frage. Auch wenn er dazu eine Position einnehmen muss, die eigentlich gar nicht die Seine ist &#8211; nur um zu sehen, wohin sie ihn führt. Das ist schon ein sehr spezieller Mut zum Vor- und Querdenken, der so manchem, der sich nicht einmal das Nachdenken traut, bitter aufstößt. Es erfüllt aber seinen Zweck. Der Denkanstoß, die Diskussionsgrundlage ist gegeben.</p>
<p>Martensteins erkennbare Allergie gegen Selbstzufriedenheit, Betroffenheitsgeseiere, sowie gegen ausufernden Kontroll-und Vorschriftswahn führt ihn immer wieder zum ganz normalen Surrealismus des Alltags. Man kann ihm natürlich ankreiden, dass es alles Luxusprobleme sind, die er behandelt, noch dazu aus der Sicht eines Menschen, der im weitestgehend katastrophenlosen Deutschland lebt. Man kann sich aber auch die Frage stellen, ob nicht auch der sich schleichend vollziehende bedenkliche gesellschaftliche Wandel unserer Zeit eine Katastrophe ist.</p>
<p>Die Texte der Sammlung sind nicht chronologisch und zeigen gerade dadurch, wie sehr Martenstein seinem Stil über die Jahre treu geblieben ist. Seine Schreibe hat sich nicht geändert, sie war schon vor zwölf Jahren so gezielt pointiert, manchmal provokant, manchmal zurückgenommen lakonisch. Auffällig ist, dass seine Sprache umso schnörkelloser wird, je mehr er sich aufregt.</p>
<p>So ist eine lesenswerte, gleichermaßen unterhaltsame wie kritische Biographie unseres Landes entstanden. &#8220;Ein Land, das sich schleichend radikal gewandelt hat.&#8221; Die Quintessenz der Kolumnen findet sich in meiner Lieblingskolumne über die &#8220;Tugendrepublik Deutschland&#8221;. Eine Kolumne, in der Martenstein ersichtlich immer wütender gegen diese unsere Gesellschaft wettert. Eine Gesellschaft, die wie keine vor und neben ihr so sehr unter Kontrolle steht und trotzdem keine Diktatur ist. Eins weiß man nach der Lektüre auf jeden Fall: Nämlich, wo in Deutschland man auf gar keinen Fall tot überm Zaun hängen möchte.</p>
<p><strong>Harald Martenstein: &#8220;Romantische Nächte im Zoo &#8211; Betrachtungen und Geschichten aus einem komischen Land&#8221;. Aufbau Verlag, Berlin, 285 Seiten, € 18,99.</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17611/querdenker-in-einem-komischen-land-harald-marteinsteins-gesammelte-kolumnen/20130512_1442/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nicht ohne meine Pistolen: Hedda Gabler bei den Ruhrfestspielen</title>
		<link>http://www.revierpassagen.de/17598/nicht-ohne-meine-pistolen-hedda-gabler-bei-den-ruhrfestspielen/20130511_1629</link>
		<comments>http://www.revierpassagen.de/17598/nicht-ohne-meine-pistolen-hedda-gabler-bei-den-ruhrfestspielen/20130511_1629#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 May 2013 14:29:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eva Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Region Ruhr]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Nina Hoss]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrfestspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Pucher]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.revierpassagen.de/?p=17598</guid>
		<description><![CDATA[Welch seltsame Bühnenfigur ist doch diese Hedda Gabler: Von Henrik Ibsen 1891 als gelangweilte Gattin konzipiert, die zu ihrer Unterhaltung Intrigen spinnt, in denen sie sich am Ende selber verfängt, reizt sie immer wieder zeitgenössische Regisseure. Zuletzt Stefan Pucher vom Deutschen Theater, dessen Hedda jetzt als Koproduktion bei den Ruhrfestspielen zu sehen war.
Hedda ist ja auch einfach so eine geniale Hauptrolle: Birgit Minichmayr (am Residenztheater in München) oder Nina Hoss haben das Biest im Repertoire; die Tochter des Gewerkschafters Willi Hoss spielte es jetzt in Recklinghausen.
Eigentlich ist diese Hedda doch ganz nett, fast ein wenig zu konventionell und einfältig, wie sie blond frisiert und adrett im hautengen Spitzenkleid von der Hochzeitsreise zurückkehrt. Sicher, gleich in der ersten Szene beleidigt sie die gutherzige Tante Jule (Margit Bendokat), weil die einen altmodischen Hut trägt –aber schiebt pflichtgemäß eine Entschuldigung nach.
Seltsam, so artig hatte man sich Nina Hoss in dieser Rolle gar nicht ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Welch seltsame Bühnenfigur ist doch diese Hedda Gabler: Von Henrik Ibsen 1891 als gelangweilte Gattin konzipiert, die zu ihrer Unterhaltung Intrigen spinnt, in denen sie sich am Ende selber verfängt, reizt sie immer wieder zeitgenössische Regisseure. Zuletzt Stefan Pucher vom Deutschen Theater, dessen Hedda jetzt als Koproduktion bei den Ruhrfestspielen zu sehen war.</strong></p>
<p>Hedda ist ja auch einfach so eine geniale Hauptrolle: Birgit Minichmayr (am Residenztheater in München) oder Nina Hoss haben das Biest im Repertoire; die Tochter des Gewerkschafters Willi Hoss spielte es jetzt in Recklinghausen.</p>
<div id="attachment_17601" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.revierpassagen.de/17598/nicht-ohne-meine-pistolen-hedda-gabler-bei-den-ruhrfestspielen/20130511_1629/hedda_gabler_0416-arno-declair" rel="attachment wp-att-17601"><img class="size-medium wp-image-17601" alt="Hedda Gabler. Foto: Arno Declair/Ruhrfestspiele/Deutsches Theater" src="http://www.revierpassagen.de/wp-content/uploads/2013/05/Hedda_Gabler_0416-arno-declair-199x300.jpg" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Hedda Gabler. Foto: Arno Declair/Ruhrfestspiele/Deutsches Theater</p></div>
<p>Eigentlich ist diese Hedda doch ganz nett, fast ein wenig zu konventionell und einfältig, wie sie blond frisiert und adrett im hautengen Spitzenkleid von der Hochzeitsreise zurückkehrt. Sicher, gleich in der ersten Szene beleidigt sie die gutherzige Tante Jule (Margit Bendokat), weil die einen altmodischen Hut trägt –aber schiebt pflichtgemäß eine Entschuldigung nach.</p>
<p>Seltsam, so artig hatte man sich Nina Hoss in dieser Rolle gar nicht vorgestellt. Wo bleibt da das Böse in Hedda? Doch je weiter die Inszenierung voranschreitet, desto mehr entpuppt sich Hedda als Psychopathin: Unfähig, etwas für ihre Mitmenschen zu empfinden, bleibt sie doch immer neidisch auf deren Gefühlswelt und ihre Leidenschaften. Weil sie selbst keine Passion kennt, nutzt sie jede Gelegenheit, den anderen die ihre zu verleiden, zu zerstören und sie in den Abgrund zu stürzen. Die Verzweiflung ihrer Mitmenschen zieht sie sich dann zur Unterhaltung rein, nach dem Motto „endlich ist hier etwas los.“</p>
<p>Doch diese Rechnung geht nicht auf: Wie ein Vampir will sie ihren Teil vom Leben der anderen aussaugen, doch es befriedigt sie nicht. Denn selbst die gestohlenen Gefühle lösen bei ihr keine Emotionen aus, zurück bleibt nur Leere. Das Problem löst sie dann mit den Pistolen ihres Vaters.</p>
<p>Nina Hoss zeigt Heddas Fassade und gibt die Abgründe erst nach und nach frei. Das ist ein genialer Schachzug, denn so rückt die Figur nicht von vorneherein in die diabolische Ecke. Die ersten Gemeinheiten, kleine fiese Tricks aus Neid, heben menschliche Züge, das kennt jeder. Wie sie Frau Elvsted (Anita Vulesica) geschickt über den Zustand ihrer Ehe aushorcht, wie sie dem ehemaligen Liebhaber Punsch aufnötigt, obwohl sie weiß, dass er nicht trinken darf.</p>
<p>Doch langsam beginnt die Sache zu kippen: Immer verbissener steigert sie sich in ihre gemeinen Taten hinein, die im Verbrennen des Roman-Manuskriptes des Ex-Geliebten gipfeln.</p>
<p>Tatsächlich spielt Nina Hoss das Motiv für ihr Abgleiten in die Gewissenlosigkeit gleich mit: Eigentlich ist Hedda Gabler nämlich feige. Sie würde nie etwas tun, was sie wirklich will, denn sie hat Angst vor der Meinung der Leute. „So etwas tut man doch nicht“, sagt sie dann und versteckt sich hinter hohlen Konventionen. Sie verachtet ihren Stubenhocker von Ehemann (Felix Goeser), aber gehen würde sie nie. Wovon sollte sie auch leben?</p>
<p>Stefan Pucher hat für seine Inszenierung eine Ästhetik der 70er Jahre gewählt: Von der Einrichtung in rot-pink-lila bekommt man regelrecht Kopfschmerzen, von den schwarz-weißen Teppichmustern und Leopardenfellen Sehstörungen. Der geniale Außenseiter und Schriftsteller Eilert Lövborg (Alexander Khuon) ist ausstaffiert wie Rainer Werner Fassbinder in seinen wildesten Zeiten.</p>
<p>Im Hintergrund flimmern Italo-Western auf Videoleinwand, die das Geschehen um Hedda als Cowboy-Duell inszenieren. Auf diese Weise ist Hedda nur der Anlass für ein chauvinistisches Kräftemessen, keineswegs die Ursache für das Desaster. Die 70er Jahre als kommerzialisierte und verkitsche Form des Revoluzzertums in psychodelisch bunt zu deuten, ist ein schlüssiger Regie-Einfall.</p>
<p>Hedda nützt das nichts: Hingebungsvoll widmen sich ihr Mann und ihre Freundin der Nachlassverwaltung des genialen Werks des von Hedda in den Selbstmord getrieben Genies. Und für die Intrigantin interessiert sich niemand mehr. Die weiß, dass sie jetzt verloren hat und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand, mit General Gablers Pistolen…Peng, das wars.</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.deutschestheater.de/" target="_top">www.deutschestheater.de</a></span></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.revierpassagen.de/17598/nicht-ohne-meine-pistolen-hedda-gabler-bei-den-ruhrfestspielen/20130511_1629/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
