TV-Team auf Kurzbesuch in Dortmund: Kulturabbau im „Pott“? Nichts wie hin!

Daß ein Kulturmagazin einmal ein paar Minuten fürs Revier, gar für Dortmund, übrig hat, ist verwunderlich genug. Kann man in so einem Fall nicht fast darauf wetten, daß von Düsternis, sozusagen von „Ruß am Kulturhimmel“ zu berichten ist? Aber ja! Dortmunds Schauspiel ist in Gefahr – das Team von „Aspekte“ (ZDF) wird hellhörig: N o c h weniger Kultur im „Pott“? Nichts wie hin!

Kein Einwand, hätten sich die Mainzer des Themas wirklich angenommen. Doch was die TV-Leute mit diesem Beitrag boten, war Kürze ohne Würze. Keine hinreichende Beschreibung der Probleme, schon gar keine fundierte Stellungnahme. Da huschte die Kamera mal fix über den oder jenen Zeitungsausschnitt, da ließ man Oberspielleiter Roland Gall nur sekundenlang zu Wort kommen, vollführte einen gelungenen Schwenk übers Große Haus – und damit hatte es sich dann auch schon. D e n „Aspekte“-Beitrag möchte ich sehen, der die Schließung auch nur eines einzigen größeren Sprechtheaters in München und Berlin ähnlich salopp abhandelt!

Fehlte nur noch, daß Moderator Alexander U. Martens das Kürzestfilmchen kommentierte. Schlimm nur: er tat’s wirklich! Die Dortmunder Vorgänge seien „bedauernswert“, doch die Stadt ächze halt unter Defizit und habe „über 10 Prozent“ Arbeitslose. Basta! Das hörte sich an, als seien „die“ Dortmunder schuld an der Misere, als sollten sie gefälligst ohne Murren den harten, angeblich unvermeidlichen Schnitt tun. Als habe es vor allem deshalb Arbeitsplatz-Verluste gegeben, weil in Dortmund Theater gespielt wurde. Daß bei Schließung der Sprechbühne ebenfalls Arbeitsplätze verschwinden, hielt Martens erst gar nicht für erwähnenswert. Auch weniger Greifbares – Stichwort „kulturelle Verödung“ – findet er offenbar halb so wild.

Näher am Zeitgeist wähnte sich der Moderator wohl gleich zu Beginn der „Aspekte“-Ausgabe. Im Gespräch mit Martens durfte der „Neokonservative“ Gerd Klaus Kaltenbrunner drauflos schwadronieren. Die Deutschen seien ein Kulturvolk – und das schon „seit 1000 Jahren“. Man möchte hinzufügen: Wenigstens eine Unterbrechung gab’s schon – und für die waren auch „1000 Jahre“ vorgesehen.                  Bernd Berke

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Leserbrief

Betr.: TV-Team auf Kurzbesuch in Dortmund

Auf den Beitrag „TV-Team auf Kurzbesuch in Dortmund: Kulturabbau im „Pott“? Nichts wie hin!“ von Bernd Berke in der Westfälischen Rundschau vom 20. September muß ich antworten, denn selten habe ich einen Bericht gelesen, der so durch Voreingenommenheit getrübt war. Herr Berke unterstellt, wir würden über das Ruhrgebiet nur berichten, wenn „Ruß am Kulturhimmel“ zu konstatieren sei. Wenn er unsere Sendüng besser kennen würde, würde er wissen, wie oft wir aus dem Revier – einschließlich einer 45minütigen Schwerpunkt-Sendung – berichtet haben. Daß dabei allerdings öfter vom Bochumer Theater oder von Kulturaktivitäten in Kamen oder Unna die Rede war als vom Dortmunder Schauspiel, liegt nicht an uns.

Der „Aspekte“-Bericht zu Dortmund war zweieinhalb Minuten lang – gewiß ein Kurzbericht als erste Information über eine Absicht. Ist das journalistisch nicht legitim? Wir werden auf das Thema schon noch zurückkommen. Wo aber sind in München oder Berlin bereits Sprechtheater geschlossen worden, über die wir hätten berichten können? Und ist das in Dortmund schon beschlossene Sache – Fakt oder Absicht?

Ganz schlimm ist, wie Herr Berke die Äußerungen meines Kollegen Martens zu dem Kurzbeitrag interpretiert. Aus dem Hinweis auf die schwierige wirtschaftliche Situation in Dortmund abzuleiten, wir hätten gemeint, die Dortmunder seien selbst schuld an ihrer Misere, ist ebenso absurd, wie die Unterstellung, wir würden eine Theaterschließung „halb so schlimm“ finden.                          Dr. Dieter Schwarzenau, „Aspekte“-Redaktion

 

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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