Energische Bilder aus dem Bauch der Erde – Arbeiten aus 50 Jahren von Erwin Bechtold in Ahlen

Von Bernd Berke

Ahlen. Ein Mann hält Rückschau: Erwin Bechtold, vor 75 Jahren in Köln geboren, bewegt sich seit rund einem halben Jahrhundert auf der Kunstszene. Nun blickt er im Ahlener Museum auf sein reiches Schaffen. Etliche Bilder hat er lange nicht mehr gesehen – und nun ist er überrascht, wie treu er sich selbst in all der Zeit geblieben ist.

Man wird nicht gar so viele 75-Jährige finden, die derart neugierig und vital sind wie der hoch aufgeschossene, vom Leben anscheinend gar nicht gebeugte Bechtold. Seine Bekenntnisse sind allemal in die Zukunft gerichtet: „Nichts ist endgültig fertig“. Oder: „Für mich ist nicht so spannend, was ich gestern gemacht habe, sondern was ich morgen machen werde“. Beständiger Zweifel am Geschaffenen hält seine Bilder und wohl auch ihn selbst jung.

Zu Beginn der 50er Jahre hatte er – damals für Deutsche noch eine abenteuerliche Reise – in Paris beim berühmten Fernand Léger („Ungeheure Ausstrahlung, aber ein miserabler Pädagoge“) frühe künstlerische Impulse empfangen. Seit 1958 lebt der künstlerische Autodidakt (von Haus aus Setzer und Drucker) die meiste Zeit auf Ibiza.

Und seine Kunst? Nun, sie beruht zuallererst auf konstruktiven Bildgerüsten, auf immer wieder anders und oftmals seriell durchgespielten Grundformen wie etwa Quadrat, Winkel oder Bogen.

So unberechenbar wie das Leben

Doch er arbeitet keinesfalls streng geometrisch, nicht Maß für Maß. „Gestische Ausbrüche“, spontan gesetzte Bewegungen im Bild hauchen den statischen Mustern Odem ein und beziehen ihre Energien wohl auch aus Bechtolds heftigen informellen Anfangen. Es ist also langst nicht alles Kalkül. Diese Bilder sind so wenig berechenbar und mitunter so irritierend wie das Leben. Doch sind es Werke, auf deren Qualität man sich durchweg verlassen kann, denn der einstige documenta-Teilnehmer (1968) entlässt offensichtlich kein Werkstück aus seinem Atelier, das nicht bis ins Letzte sinnreich gefügt wäre.

Mit gehäufeltem Sand vermischt, bekommen die Farbspuren mitunter eine greifbare Materialität, als seien sie von einem Vulkan ausgespien worden – tief aus dem Bauch der Erde. Über einige Bilder ziehen sich Ritzungen oder gar Kraterspuren, aus denen lackartig glänzende Farb-Bahnen sanft glitzern. Dieser Kontrast verstärkt die Wirkung der ansonsten stark aufgerauten Oberflachen – und umgekehrt: Das Schrundige lässt das samtig Schimmernde umso stärker hervortreten.

Mit heutigen Mitteln alte Themen aufgegriffen

In Ahlen ist man so klug, keine strikte Chronologie einzuhalten, sondern beispielsweise Bilder von 1959 direkt mit neuesten Arbeiten zu konfrontiercn. Und siehe da: Sie passen geradezu phänomenal zueinander, wenn auch das Werk sich zeitgemäß entwickelt und entfaltet hat. Das zumeist erdhafte Farbspektrum mit so vielen grauen, braunen, schwärzlichen Tönen hat sich im Prinzip ebenso gehalten wie das Interesse an gewissen Form- und Flächen-Strukturen. Man merkt, dass hier stets derselbe Geist am Werke war.

Bechtold hat sich innig in seine früheren Phasen hineinversetzt und zur Schau ein Künstlerbuch gestaltet: Mit seinen heutigen Mitteln greift er die ehemaligen Stile nochmals auf – sozusagen eine monologische Zeitreise, aus der flirrende Spannung erwächst. Und so kommt einem die Ausstellung zum 75. Geburtstag des Künstlers auch gar nicht vor wie eine hehre Retrospektive im Sinne eines Schlusspunktes, sondern just wie eine Zwischenbilanz. Fortführung jederzeit.

Erwin Bechtold: „Wie war das. Wie ist das“. Kunstmuseum Ahlen. Bis 5. November. Di/Do 15-18, Mi/Fr 15-19, Sa/So 10-18 Uhr. Eintritt 8 DM (Gag wegen des Künstler-Geburtstages: 75-Jährige zahlen nichts). Künstlerbuch 65 DM.




Vom Bergmann zum Baulöwen mit Rolex – Peter F. Bringmanns klischeereicher Dortmund-Krimi „Der Schnapper“

Von Bernd Berke

Ganoven tragen vorzugsweise Rolex-Uhren, büchsen gern nach Rio aus und müssen irgendwann aus diesem Grunde sterben: „Er wusste zu viel…“

Mit solchen längst totgesagten Klischees (Marke 50er Jahre) wirft Peter F. Bringmanns Dortmund-Krimi „Der Schnapper“ (ZDF, Sa., 20.15 Uhr) nur so um sich. Es wäre zum Verzweifeln, gäbe es da nicht die erzsympathische Titelfigur, Horst Krause als Kommissar Schrader. Der verabscheut Handys und all den neumodischen Kram. Auch nimmt er stets den Bus. Nur keine Hektik. Ja, selbst seine Ehe ist, völlig krimi-untypisch, noch nach 25 Jahren glücklich. Mit einer Mischung aus barockem Wesen und ortsüblichen Kumpel-Qualitäten hebt Krause einfach die Laune. Und man hält natürlich zu ihm, wenn er es mit einem jungen Chef-Schnösel zu tun bekommt.

Apropos Kumpel: Der Kriminalfall, den man beinahe aussparen könnte, ergibt sich zwischen ehemaligen Bergbau-Kollegen, die vor 15 Jahren zu plötzlichem Reichtum gelangt sind. Damals gab es eine Explosion mit mehreren Toten, bald darauf machte der Pütt dicht. Alles Zufall? Wohl kaum: Ein Ex-Sprengmeister hat es gar zum Baulöwen gebracht, der die halbe Stadt zubetoniert und offenbar Leute im zuständigen Amt besticht. Oha! Und das in Dortmund. Kaum zu glauben, oder?

Das erste Opfer (einst Steiger, dann Inhaber einer Lottostelle in Aplerbeck) muss gleich zu Beginn in der Halle der stillgelegten Zeche zu Tode stürzen. Sehr dekorativ. Natürlich hat jemand nachgeholfen. Wir sehen ja alles mit an, wie denn überhaupt der ganze Film zwar konfus und hanebüchen daherstolpert, aber letztlich völlig rätselfrei bleibt: Der alte Kumpan Rolf (Edgar M. Böhlke) war’s, zum Schrecken seiner früheren Spießgesellen aus Brasilien zurückgekehrt und in einer schäbigen Absteige hausend. Dort sinnt er weiter auf Erpressung und Mord.

Mit lahmer Routine hakt Rolf sein dürftiges Repertoire ab. Es ist allemal von vorgestern. Zwischen Szenen mit tödlichem Schlangenbiss (Serum in Reichweite, doch der Schurke zertritt die Ampulle) und einzementierter Leiche spielen Bergmannskapellen ihr „Glück auf“ und dergleichen. Auch sagen die Leute „watt“ und „datt“. Putzige Folklore fürs übrige Deutschland. Etwa so, wie sie in Hawaii vor Touristen Hula tanzen. Gebt Baströckchen für Dortmund!




Die Frau denkt nach, der Mann schweift ab – Gisela Brinkmann und Manfred Vogel im Wittener Museum

Von Bernd Berke

Witten. „Männer sind Kopfmenschen. Frauen haben es mehr mit Gefühlen“. Ein längst widerlegtes Klischee, oder? In der neuen Ausstellung des Märkischen Museums verhält es sich jedenfalls pfeilgerade umgekehrt.

Die Wittener Künstlerin Gisela Brinkmann (Jahrgang 1955) verfolgt strenge Gedanken-Konzepte, während der in Duisburg lebende Prof. Manfred Vogel (Jahrgang 1946) nach eigenem Bekunden „aus dem Bauch heraus“ arbeitet.

Gisela Brinkmann sammelt seit 1991 Tulpen, Tulpen und immer wieder Tulpen. Sie kauft sie jedoch nicht im Blumenladen, sondern pflückt die Pflänzchen hie und da, auch schon mal (mit Leuchtweste und Botanisier-Tütchen ausgerüstet) in öffentlichen Anlagen. Launiges Katalog-Zitat: „Gisela Brinkmann klaut auch. Sie ist eine Tulpenräuberin“. Allerdings eine ganz harmlose – und noch dazu unterwegs im Dienste der Kunst.

Hat sie die „Beute“ heim gebracht, so hält sie mit Acrylfarbe möglichst exakt die staunenswert vielfältigen Farben als jeweils monochrome Rechtecke fest. Jede Tulpe leuchtet anders. Bevor die Pflanzen ganz verwelken, greift die Künstlerin zu den Blütenstempeln und „stempelt“ buchstäblich mit ihnen symbolische Datums-Zeichen unter die Farbreihen. Es sieht zart aus, wie eine japanische Tuschzeichnung.

Wie die Farben von 733 Tulpen in den Computer geraten

Die gesamte Aktion wird zudem penibel auf Farb- und Zeitkarten erfasst, schließlich als Datenbank in den Computer eingespeist. 733 Exemplare sind inzwischen verzeichnet. Ein Internet-Auftritt hätte theoretisch das Zeug zur heimlichen Kult-Seite. Ob die Netz-Adresse www.tulpen.de wohl schon vergeben ist?

Was nach Art eines naturwissenschaftlichen Forschungsprojektes abläuft, treibt durchaus ästhetische Blüten hervor. Die aus Blumenblättern gewonnenen Farbmeditationen erweisen sich auch als Chiffren der vergehenden Zeit, des eigenen Lebens, das sich nicht festhalten lässt. „Ich sammle Farben“, sagt Gisela Brinkmann. Ebenso gut könnte sie sagen: „Ich sammle Augenblicke“.

Dies kann auch Prof. Manfred Vogel, einst Meisterschüler bei Gerhard Hoehme, mit Fug von sich behaupten. In Witten sieht man, wie seine fotografische und seine malerische Arbeit einander wechselseitig beeinflussen.

Prof. Vogels „Votos“ mit V

Vogel nennt seine Lichtbilder „Votos“ – mit V. So will er andeuten, dass sie etwas ganz Persönliches seien: Vo-gels Vo-tos eben. Er fotografiert vorzugsweise das Entlegene, Randständige, welches sich der Wahrnehmung sonst beinahe entzieht: Risse in der Asphaltdecke, verwitterte Steine und dergleichen. In Zweier-Kombinationen gehängt, beginnen die vermeintlich „unscheinbaren“ Motive miteinander formal zu kommunizieren, manchmal auch zu streiten: ruhige Fläche gegen Ballung, Schärfe gegen Unschärfe…

Ähnlich verliert sich Vogel auch als Maler gern im Ungefähren: Er nimmt vage Assoziationen auf, verfolgt geringste Spuren streunend, schweift ab, setzt nur gelegentlich Kontrast-Schärfen. In vielen Ländern unterwegs, begreift Vogel die Bilder auch als Reisetagebuch des Sich-Treibenlassens.

Das malerische Resultat etlicher Streifzüge über Märkte in Paris lässt das Ursprungsthema freilich nur noch wie aus nebelhafter Ferne anklingen. Auch das Fußballfieber. das Vogel zur EM 1996 vor dem Fernsehgerät packte, führte zwar zu Bildtiteln wie „Wembley“ und „Tifosi“; Farben und Formen aber flüchten vom Anlass weg: hinaus ins Freie.

Gisela Brinkmann / Manfred Vogel. Märkisches Museum, Witten (Husemannstraße 11). Bis 15. Oktober. Di-So 10-13 und 14-17 Uhr. Eintritt frei.




Die Sprachschützer sehen Dämme brechen – Hagen: Erste Regionalgruppe des Bundesverbandes formiert

Von Bernd Berke

Hagen. Sie waren bundesweit am schnellsten: Von allen Sektionen des „Vereins Deutsche Sprache e. V.“, der sich vornehmlich gegen ein Übermaß englischer Begriffe wendet, hat sich die Regionalgruppe im Postleitbezirk 58 als erste satzungsgemäß formiert. Sie nennt sich „Verein Deutsche Sprache – Grafschaft Mark“.

Der Name klingt konservativ, und auch die Forderungen, die zur Vereinsgründung im Hagener Lokal „Zum Bauernhaus“ („gutbürgerliche Küche“) erhoben wurden, hatten eher mit ängstlichem Bewahren zu tun. Eigentlich kein Wunder: Das Durchschnittsalter der Erschienenen lag bei 60 Jahren. Jedenfalls war unentwegt von der „Flut“ angloamerikanischer Wörter; die ins Deutsche eindringen, die betrübte Rede.

Vereinzelt vernahm man auch schon mal solche Töne: Warum nur solle man nicht stolz auf die deutsche Sprache sein? Das dürfe man ja heute nicht mehr laut sagen, bedauerte einer. Nun ja, wenigstens Patriot wolle er sein dürfen. So wie die Franzosen, die ihre Sprache ganz anders verteidigten als wir, die den Kindern das Englische bald schon im ersten Schuljahr beibringen würden. Dann, so das Lamento, wäre einer der letzten Abwehr-Dämme gegen fremdes Wortgut gebrochen.

Insgesamt hat der vom Dortmunder Professor Walter Kramer geleitete Verein fast 11000 Mitglieder. Zwischen Witten, Schwelm, Schwerte, Iserlohn und Lüdenscheid (besagter „58er“-Bereich) sind es etwa 150, davon kam rund ein Drittel zum allerersten Treff.

Lehrer ansprechen und die Medien beobachten

In Hagen konnte man alle Geburtswehen einer treudeutschen Vereinsgründung erleben: Wie wird abgestimmt, was gehört auf die Tagesordnung, ist der Vorsitzende automatisch Delegierter bei künftigen Bundesversammlungen? So sehr verhedderte man sich in derlei Fragen, dass sämtliche Sprachprobleme vorübergehend in den Schatten traten.

Rasch ging’s hingegen mit der Wahl des regionalen Vorsitzenden: Dr. Wilhelm Werth (74) aus Wetter hatte sich geradezu aufgedrängt; nicht zuletzt, weil der rüstige Herr offenbar tatendurstig ist. Vor Wochenfrist hatte er in seiner Heimatstadt Veranstaltungsplakate eines Seefestes („Fun-Sport“, „Livebands“, „Bungee-Jumping“) mit der Formel „Wir sprechen auch Deutsch!“ überklebt, was ihm prompt Rechtshändel mit den Veranstaltern einbrachte. Auch die Post missfällt Werth ganz besonders: „Die mit ihrem Englisch: ,Call-City‘ und wie der Quatsch alle heißt…“

Nun wollen er und seine Getreuen es dem Dortmunder Bundesvorstand, „der manchmal etwas lahm ist“ (Werth), so richtig zeigen: Infostände für allerlei Gelegenheiten müssen her. Lokalpolitiker, Lehrer und Germanisten müssen im Sinne der Vereinsziele angesprochen werden. Und sogleich ernannte man für jede Stadt Beauftragte, die die lokalen Medien eingehend „beobachten“ sollen. Wehe also, wenn ein Kollege etwa beim Kinderfest am Wochenende „coole Kids“ sichten oder auf dem Sportplatz „Highlights“ erblicken sollte. Dann könnte es Leserbriefe hageln, oder man steht bei den Redakteuren gleich „auf der Matte“

Der Vize-Vorsitzende Alfred Bielefeld (Witten) brachte das Thema Internet zur Sprache: Man müsse die eigene „Homepage“ zur Überzeugungsarbeit nutzen. Wie bitte? Bielefeld, ein wenig verlegen: „Oh, dafür fällt mir auch kein passender deutscher Begriff ein“.




Die nüchterne Schönheit – Essener Ausstellung erkundet Einflüsse des Bauhauses in Nordamerika

Von Bernd Berke

Essen. Als neue Vereinigung der spezialisierten Künste verstand sich das ruhmreiche „Bauhaus“ in Weimar und später in Dessau. Alle Kunstformen sollten, auf der Basis soliden Handwerks, in der Architektur wieder zusammenfinden – fast wie in einer mittelalterlichen „Bauhütte“, doch den Ansprüchen des technischen Zeitalters gemäß.

Das Essener Folkwang-Museum führt nun vor, dass die Entwicklung inhaltlich und geographisch weite Kreise gezogen hat. Am liebsten hätten die Bauhaus-Meister (Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Josef Albers, Laszlo Moholy-Nagy, Paul Klee, Wassily Kandinsky und etliche andere) mit ihren Künsten wohl das gesamte Leben erfasst. Es sollte keine Schnörkel mehr geben, alle Formen sollten sich an die Funktion schmiegen, und zwar in sämtlichen Sparten: Baukunst, Technik, Werbung, Mode, Theater, Fotografie, industrielle Formgebung…

Schon in der Weimarer Republik war das politisch-soziale Klima fürs Bauhaus widrig, es ließe sich da eine wahrhaft dämonische Geschichte von Plüsch-Verlogenheit und Präfaschismus erzählen. Die Nazis vertrieben das Bauhaus 1933 endgültig aus Deutschland. An diesem Wendepunkt setzt die Essener Schau mit über 350 Exponaten an. Sie erkundet den nachhaltigen Einfluss jener Bauhaus-Künstler, die in die Vereinigten Staaten emigrierten.

Beruhigend zweckmäßig oder kühl abweisend

Am Beginn des Rundgangs finden sich einige Objekte und Dokumente aus der Dessauer Zeit, z. B. die berühmten Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer, Klee-Gemälde oder ein Textil-Musterbuch – und schon geht es flugs über den großen Teich. Der US-Schwerpunkt der Ausstellung lässt ahnen, wie tiefgreifend die Bauhaus-Lehre in Chicago und New York gewirkt hat. Die gelegentlich Furcht erregenden Fluchtlinien amerikanischer Wolkenkratzer-Architektur lassen sich durchaus beziehen auf Gebäude, die die deutschen Emigranten dort errichteten. Die nüchterne Reduzierung aufs Wesentliche, oft so wohltuend schmucklos und beruhigend zweckmäßig, zeigt hier mitunter ihr anderes, kühl abweisendes Gesicht.

Zahlreiche Arbeiten amerikanischer Bauhaus-Schüler, die etwa im Geiste Mies van der Rohes stadtplanerische Visionen entwarfen, bezeugen direkte Einflüsse. Die Schau hält hier auch Überraschungen bereit: Wer hätte etwa gedacht, dass ein Josef Albers dem späteren Pop-Art-Heroen Robert Rauschenberg erste Wege gewiesen hat? Bekannter ist schon dieses familiäre Gespann: Andreas Feininger, Sohn des Bauhaus-Malers Lyonel, prägte als Bildredakteur e der Illustrierten „Life“ und als Fotograf die ästhetischen Vorgaben auf diesem Felde mit.

Der Essener Baukonzern Hochtief finanziert die Schau und begeht damit sein 125-jähriges Bestehen. Es durfte also einiges kosten, musste aber huschhusch gehen, weil die Idee erst vor einem Jahr aufkam, als Hochtief das Klee-Haus in Dessau restaurierte. So ließen sich Honorare für eine Kölner Designfabrik abzweigen, die die Schau eilends durchgestylt hat. Edel hat man rahmenlose Bilder und Fotos in die Stellwände eingesenkt, die überall umlaufenden Schriftzüge künden von Eleganz. Ob sich die Exponate dadurch besser erschließen, steht aber auf einem anderen Blatt.

„Bauhaus: Dessau – Chicago – New York“. Museum Folkwang. Essen, Goethestraße. 12. August bis 12. November, Di-So 10-18, Fr 10-24 Uhr. Eintritt 15 DM, ermäßigt 10 DM, Familie 30 DM. Katalog 50 DM.