Nun hat sie ausgeglüht

Diesen 31. August 2011 hat sie noch, dann muss sie aus unserem Alltag für immer verschwinden, weil es EU-Gewaltige in Brüssel so wollen, weil Umwelt mit ihr immer schon Schaden genommen haben muss, weil von mir natürlich stets gemutmaßte wirtschaftliche Interessen dahinter stecken: Die 60-Watt-Glühbirne ist alsbald nur mehr im Museum zu betrachten – natürlich außer Betrieb, denn der ist von mächtigen EU-Kommissaren strikt untersagt.

In der „Reina Sofia“ konnte mensch sie schon lange als museales Objekt betrachten. Öl auf Leinwand, in exponierter Situation von Pablo Picasso auf der „Guernica“ verewigt. Demnächst vielleicht ein finaler Auftritt im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein in Essen. Oder direkt neben Exponaten aus dem umfänglichen Schaffen eines Joseph Beuys.

Nun preisen alle die, die etwas zu sagen haben (oder auch nichts), neue, hochtechnische Leuchtmittel an wie E 10 fürs Automobil, künden, dass dieser Einschnitt ein Schritt hin zur unmittelbar bevorstehenden Sanierung des Weltklimas sei, aber von möglichen Problemen redet niemand.

Ich selbst könnte ja noch damit leben, dass meine Abendlektüre energiesparend kühl beleuchtet wird, nachdem die Birne anfänglich flackernd angesprungen ist. Wie aber ist es mit Sehgewohnheiten wie etwa auf „Betende Hände“ oder Expressionistisches, beispielsweise aus der Hand von Macke? Wird solches nicht gänzlich anders angeleuchtet und uns somit ganz anders präsentiert? Wie sieht ein Bild, das womöglich bei Kerzenschein oder Glühbirnenfunzellicht entstand, ganz neu beleuchtet aus?

Oder wie wird es zukünftig im Zentrum für internationale Lichtkunst zu Unna gehandhabt, geben die Kunstwerke mit Glühbirnenbeleuchtung nicht zukünftig, ernergiesparend strahlend ein völlig anderes Bild ab?

Fragen über Fragen, und ich bin mir sicher, dass die herstellende Industrie optimale Lösungen finden wird, um auch die letzten Nörgler zufrieden zu stellen. Und dennoch: Ade, du ineffiziente Glühbirne.




Träumen ohne Sigmund Freud

Psychoanalytiker und Patienten, die hofften, auf der Couch verquasten Träumen und verdrängten Wünschen auf die Spur zu kommen, müssen dieser Tage ganz tapfer sein. Nicht genug, dass der französische Philosoph Michel Onfray meint, Sigmund Freuds Lehre sei bloß ein auf Hirngespinsten und Obsessionen basierendes Konstrukt und der Ödipus-Komplex eine Legende. Jetzt haben auch noch Neurologen und Psychologen der Universität Zürich Freuds Traumdeutung entzaubert.

Freuds These, wir würden in unseren Träumen einen Weg zum Unbewussten finden und, symbolisch verschlüsselt, unsere geheimsten Wünsche und Aggressionen bearbeiten, ist für die Zürcher Wissenschaftler reiner Humbug. Nach Verkabelung und Untersuchung hunderter Schlafpatienten fanden sie heraus, dass Träume sehr wenig mit der Verarbeitung von Realität zu tun haben: Der Traum ist eine Form kreativen Denkens, der Träumende löst sich von eingefahrenen Denkmustern und erlebt und verarbeitet Themen in neuen Zusammenhängen: Nicht ohne Grund hat Paul McCartney behauptet, er habe die Melodie von „Yesterday“ geträumt.

Träume, so die Zürcher Erkenntnis, sind „die Wächter des Schlafes“. Mit den Worten eines von den Schlafforschern befragten jungen Mädchens kann man auch sagen: „Wir träumen, damit uns im Schlaf nicht langweilig wird.“

(Teaser-Foto: Bernd Berke)




„Roller Girl“: Auf Rollen erwachsen werden

Bei „ROLLER Girl – Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg“ (im US-Original Whip it) handelt es sich um die Verfilmung des Buches Derby Girl von Shauna Cross. Der Film handelt von der 17-jährigen Bliss Cavendar aus dem texanischen Kaff Bodeen, die von ihrer Mutter von einem Schönheitswettbewerb zum anderen „Mutter-Tochter-Lunch“ getrieben wird und sich in Wirklichkeit gar nicht dafür interessiert. Bliss, die in Bodeen zur Schule geht und mit ihrer besten Freundin in einem Imbiss jobbt, kommt mit ihrer Mutter in die nahegelegene Großstadt Austin (Texas) und erfährt dort etwas vom Vollkontaktsport auf Rollschuhen namens Roller Derby, einer Art Mannschaftsrennen ((bzw. „Frauschaftsrennen“, da Roller Girl primär von Frauen gespielt wird)) auf Rollschuhen, wo es teilweise recht ruppig zugeht.

Gemeinsam mit ihrer Freundin machen sie sich heimlich (unter dem Vorwand ein Football-Spiel zu besuchen, was Ihnen beinahe Bliss‘ Vater nicht nur als Fahrer sondern auch als Mitzuschauer beschert) auf den Weg nach Austin, um sich das Rennen anzuschauen. Dort passiert es dann – um Bliss ist es geschehen, denn sie ist total begeistert von dem Spiel auf den Rollschuhen und will da mitmachen. Außerdem sieht sie auch Oliver, einen Zuschauer des Roller Derbys, für den sie zu schwärmen beginnt. Nach dem Derby spricht sie mit einer der Spielerinnen, die sie einlädt doch mal zum Training zu kommen, was Bliss gerne annimmt…

… im weiteren Verlauf erlebt man, wie Bliss langsam (bzw. eher schnell) aber sicher zum neuen Star ihres Teams wird, wie sie die Liebe mit dem Musiker Oliver, den sie beim ersten Mal nur am Rande gesehen hat, erlebt und wie sie versucht, ihre Wünsche mit denen der Familie (insbesondere der dominanten Mutter) in Einklang zu bringen.

Roller Girl ist in den USA schon vor zwei Jahren auf den Markt gekommen, hierzulande wird das Regiedebüt von Drew Barrymore (die auch eine Rolle im Film hat) am kommenden Donnerstag anlaufen. In der Hauptrolle der Bliss agiert die aus Juno und Inception bekannte Ellen Page.

Bewertung

Das ganze klingt schon ein wenig surreal – so nach dem Motto „coming of age on roller blades“. Auch wundert ein wenig die zeitliche Einordnung des Filmes – die Ausstattung (Autos, Gebäude, Fernseher, Polaroid-Kamera) lässt eigentlich den Schluss zu, dass es sich um einen Film aus einem eher weiter entfernten Jahrzehnt (siebziger Jahre?) handelt, wobei sparsam auch moderne Technik (Handy, Internet mit Google und Wikipedia) eingesetzt wird.

Doch wenn man sich erstmal von der Frage trennt, wann der Film spielt (wobei das für die kulturell-historische Einsortierung schon wichtig ist), dann erlebt man einen gelungenen Streifen, der die Probleme des Erwachsenwerdens, die erste Liebe, erste Enttäuschungen, das Abgrenzen von den Eltern usw. sehr schön thematisiert und dabei auch schöne, schnelle Bilder liefert.

Die Schauspieler liefern eine grandiose Arbeit ab. Gerade der Hauptdarstellerin Ellen Page nimmt man die Wandlung von der kleinen fast schon unscheinbaren Bliss zum „Ruthless Babe“ ab, die unter diesem Kampfnahmen für ihr Team bei den Rollerderbies antritt. Doch auch die anderen Schauspieler wissen, was sie tun – insbesondere Bliss‘ Vater (dargestellt von Daniel Stern) weiß zu gefallen.

Doch der Film ist nicht nur ein Lehrstück über das Erwachsenwerden (da hätte er auch großes Potential langweilig zu sein), sondern auch immer wieder witzig, denn es ist gelungen, im Drehbuch und den Dialogen immer wieder humorige Szenen einzubauen, die das Ganze auflockern und im Kinosaal für heiteres Gelächter sorgen – ohne dass es sich dabei um eine Knallbumm-Komödie handelt, wo ein vermeintlicher Gag auf den anderen folgt.

Das Regie-Erstlingswerk der bekannten Schauspielerin Drew Barrymore ist wirklich gelungen, so dass eigentlich nur die Frage offen bleibt: Warum brauchte dieser Film zwei Jahre, um auch in Deutschland seine Premiere zu feiern?

Bewerbung:

Nachfolgend der Trailer zum Film: