„SS-Siggi“ genießt den Medienrummel

Mit dem rechtsradikalen Angriff auf die Wahlparty im Rathaus hat Dortmund abermals traurige Bekanntheit erlangt. Die alarmierenden Vorgänge am 25. Mai haben natürlich breiten Widerstand ausgelöst.

Es ist allerdings eine Gratwanderung. Eine ungewollte Folge ist, dass der Gruppierung „Die Rechte“, die – ebenso wie die NPD – ein einziges Mandat im Dortmunder Rat hat, inzwischen eine bundesweite und internationale Beachtung über alle Maßen hinaus zuteil wird. Ich weiß: Anderer sind da anderer Meinung und würden am liebsten jeden Tag die Notsirenen aufheulen lassen. Bloßes Ignorieren geht ja nun auch wirklich nicht.

Der längst nicht mehr nur stadtbekannte Rechtsradikale Siegfried Borchardt (Spitzname „SS-Siggi“) und seine Hilfstruppen können jedenfalls in gewisser Weise zufrieden sein. Zitat aus den heutigen Ruhrnachrichten: „Das große Medieninteresse an ihm war Borchardt sichtlich ein Vergnügen. Bereitwillig kam er Interview-Wünschen nach.“

Gemeint war die gespenstische Szenerie rund um die gestrige Ratssitzung, die unter massivem Polizeischutz stattfand. Auch hatte die Stadt zusätzlich private Sicherheitsdienste mobilisiert. Beileibe nicht nur das Team der „heute“-Nachrichten (ZDF) war zur Stelle, um das Thema abends höchst prominent und bildwirksam zu platzieren. Auch eine Journalistin der „New York Times“ hatte sich zuvor eingefunden, um die USA über Dortmunder Umtriebe aufzuklären.

Die WAZ lässt es – aus welchen Beweggründen auch immer – auf ihrer Seite 3 heute stellenweise geradezu „menscheln“. Borchardt, der nun für „Die Rechte“ im Rat sitzt, kommt mit einer Einschätzung über die Anzahl seiner Wählerstimmen zu Wort und freut sich über die neue Publicity: „So viele Flugblätter kann ja keiner verteilen.“ Und weiter: „Ob er seinen Spitznamen mag, wird er gefragt. ‚Ich wäre lieber SA-Siggi.’“ So erfährt man brühwarm aus der Presse, was man niemals wissen wollte.




Warum ist Fronleichnam ein Feiertag?

Für die meisten Mitmenschen ist der heutige Donnerstag ein gern gesehener Feiertag, der mit der Freitags-Brücke einen netten Kurzurlaub ermöglicht. „Fronleichnam“ nennt sich das katholische Fest, das vielen Beschäftigten in Deutschland Freizeit verschafft, auch in NRW und im Ruhrgebiet. Kaum aber jemand weiß wirklich, was denn Fronleichnam eigentlich ist.

Der Autor (rechts) 1961 als Messdiener.

Der Autor (rechts) 1961 als Messdiener.

Das Wort stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Leib des Herrn“. Nach der Vorstellung der Katholischen Kirche verwandelte ihr Begründer Jesus von Nazareth am Tag vor seiner Hinrichtung durch die römische Besatzung, am Gründonnerstag, das Brot und den Wein des letzten gemeinsamen Abendmahls in seinen Leib und sein Blut, und weil man so ein Ereignis nicht an den stillen Tagen vor Ostern groß feiern konnte, kam eine fromme Nonne in Lüttich im 13. Jahrhundert auf die Idee, daraus im Frühsommer ein großes öffentliches Fest mit Prozessionen durch die Städte zu machen. Der Papst unterstützte die Idee, und deshalb setzte sie sich durch.

Diese Prozessionen gibt es auch heute noch in katholischen Gegenden. Vor allem im ländlichen Bayern sind sie sehr malerisch, mit Reitern und Schützen, Fahnen und Blumenteppichen. In Köln gibt es sogar seit Jahrhunderten zu Fronleichnam eine Schiffsprozession auf dem Rhein.

Wegen der Bedeutung des Festes hat es übrigens in der Katholischen Kirche offiziell einen anderen Namen: Hochfest des Leibes und Blutes Christi heißt es dort, oder, wer es lieber lateinisch möchte, Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi. Durch diesen lateinischen Namen ist in englischsprachigen Ländern für diesen Feiertag auch der Name „Corpus Christi“ gebräuchlich. Er wird immer am 60. Tag nach Ostern gefeiert, das ist dementsprechend der zehnte Tag nach Pfingsten und immer ein Donnerstag.