In ärztlichen Wartezimmern: Wenn Bären „Gute Besserung“ brummen

Dieser recht imposante Bär ziert das Wartezimmer eines augenärztlichen OP-Zentrums in Dortmund. (Foto: Bernd Berke)
Ich mag Themen, die gleichsam am Wegesrand liegen; nicht sofort sichtbar, aber doch bedeutsam. Zuletzt waren dies beispielsweise die „Ohrwürmer“. Hier und jetzt geht es um Einrichtungs-Details von Arztpraxen bzw. deren Wartezimmern. Kleiner Schönheitsfehler, der die Absicht mindert: Ich möchte – aus nachvollziehbaren Gründen – möglichst nicht Dutzende von Praxen aufsuchen, um genügend Material zu sammeln.
Daher nur ein paar Anregungen und Mutmaßungen für die weiterführende Forschung. Ob man wohl Differenzen anhand der ärztlichen Fachrichtungen ausmachen könnte? Haben beispielsweise augenärztliche Praxen einen besseren Blick für Kunst? Was liegt den Kardiologen am Herzen? Schauen Radiologen mit Röntgenblick auch hinter alle ästhetischen Fassaden? Oder legen es nicht letzten Endes alle darauf an, die Patienten optisch zu sedieren? Ja, beobachtet nur selbst, häuft Indizien an.
Ob Geizhälse (somit vielleicht geldgierige Mediziner) am Werke sind und wie es um ihre Haltung zu den Patienten bestellt ist, mag sich bereits daran zeigen, welche Qualität zum Beispiel Bestuhlung, Fußleisten oder Bodenbeläge haben. Billigstes Laminat? Oha, Vorsicht! Rissiges Plastik? Uiuiui! Staubflocken und „Wollmäuse“ in verborgenen Ecken? Noch schlimmer. Aber allzu „geleckt“ und luxuriös sollte es eben auch nicht sein. Ich erinnere mich ungern an eine Serie von rasanten Porsche-Fotos bei einem Zahnarzt. Da ahnte man gleich, wofür er die wahrscheinlich reichlichen Einnahmen ausgeben wollte.

…und noch’n Bär: kindgerechte Bücherecke in einer Dortmunder Hausärztinnen-Praxis. (Foto: Bernd Berke)
Meditative Naturpanoramen auf einigermaßen gelungenen Fotoabzügen (auf edler Leinwand) sind ein allzeit beliebtes Ausstattungs-Genre. Noch besser, wenn Ärzte sie höchstselbst im Urlaub aufgenommen haben. Blöd nur, wenn gleichzeitig werblich unterfütterte Videos laufen. Die Pharma-Industrie lässt grinsend grüßen.
Zuweilen dürfen regionale und lokale Künstler die Räumlichkeiten schmücken. Wenn es denn „schmückend“ genannt werden kann. Aber derlei Arbeiten sind meist besser als die ewiggleichen Reproduktionen aus dem Umkreis der Klassischen Moderne. Allzu irritierend darf es in diesem Kontext freilich nicht sein. Wer will schon ästhetisch oder sonstwie verunsicherte Patienten im Wartezimmer sitzen haben? Nachher jammern sie noch rum oder beschimpfen gar das Personal, das nichts dafür kann.
Historische Highlights der jeweiligen Stadt sind ziemlich oft zu betrachten. Grundregel: Bitte ein klein wenig, aber nicht zu sehr abstrahiert. Bei uns in Dortmund wären das vor allem: Florian-Fernsehturm, Kulturzentrum „Dortmunder U“, Westfalenstadion, Westfalenhalle, Opernhaus, Reinoldikirche, Hafenamt, Hohensyburg usw. Wir haben halt kein Brandenburger Tor und keine Landungsbrücken (die jedoch längst zu Tode illustriert worden sind).
Jüngst bin ich wieder öfter auf niedliche Tiere als Blickfänger in Arztpraxen gestoßen. Kätzchen und Welpen allen voran, Eulen und Füchse werden auch gern genommen. Bären scheinen neuerdings ganz schwer im Kommen zu sein (siehe Bebilderung). Gemütlich brummend begleiten sie die allmähliche Genesung. Hoffentlich.