Trotz eher geringfügiger Titelchancen: In Dortmund grassiert mal wieder das schwarzgelbe Fußballfieber, denn vielleicht…

Vor ziemlich genau 8 Jahren wurde eine Hausfassade in Dortmund meisterschaftsgerecht umgestaltet. (Foto: Bernd Berke)

In jenem Moment noch unvollendet: Vor ziemlich genau 8 Jahren wurde diese Dortmunder Hauswand meisterschaftsgerecht umgestaltet. (Foto: Bernd Berke)

Jetzt dreht man hier in Dortmund schon wieder durch. Zumindest stehen viele Leute kurz davor. Denn rein theoretisch hat der BVB noch Chancen auf den Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft. Für Schalker kurz erläutert: Dat is‘, wennze die Schale kriss‘.

BVB-Geschäftsführer Watzke wird mit dieser fast übermütigen Einlassung zitiert: „Meine Hoffnung wird jeden Tag größer. Ich bin selber ganz verwundert, weil ich eigentlich Skeptiker bin.“ Er habe, so Watzke demnach weiter, das „Gefühl, dass wir vor großen Dingen stehen“. Er könne es auch nicht erklären. Tja, wer kann das schon?

Unterdessen heißt es bereits, dass die Stadt Dortmund zu etwaigen Meisterfeiern mindestens rund 200.000 Fans erwarte (im verwöhnten München wären es wahrscheinlich gerade mal ca. 20.000 Versprengte, wenn überhaupt). Auch hat man hier bereits die Strecke für einen Autokorso ausgeguckt und abgesteckt: Start wäre am Sonntag um 14:09 Uhr, der Lindwurm der Freude würde sich vom Gelände der Westfalenhütte via Borsigplatz bis zum Ziel am Hohen Wall durch die Gegend winden. Nun gut, so etwas will ja wirklich von längerer Hand geplant sein. Aber es wirkt schon ein wenig vermessen, darüber zu reden. Man sollte es überhaupt nicht beschreien, da bin ich abergläubisch. Nicht schon vorher grölen: „Ey, hömma, Meista!“

Wenn schon, dann so richtig schweinemäßig ungerecht!

Zwischenzeitlich hat die Mannschaft des BVB ja so manches getan, um ihre Titelchancen zu vergeigen. Neun Zähler Vorsprung waren unversehens und erstaunlich rasch dahingeschmolzen. Tiefpunkte waren die grottigen Spiele ausgerechnet gegen Bayern und Schalke. Da hat Trainer Lucien Favre ganz traurig geguckt.

Doch unverhofft ist Borussia Dortmund noch einmal auf zwei Punkte an die Bayern herangekommen – bei ungleich schlechterem Torverhältnis. Bekanntlich muss man am morgigen letzten Liga-Spieltag bei der anderen Borussia in Gladbach antreten, für die es noch um etwas geht (Teilnahme an der Champions League), während Bayern die zuletzt so wechselhaften Frankfurter empfängt, die gleichfalls noch gut Punkte gebrauchen können (wg. Teilnahme an der Europa League oder gar an der Champions League). Den Münchnern reicht jedenfalls ein schnödes Unentschieden. Doch ihr etatmäßiger Torwart Manuel Neuer fällt aus – und es brodeln die Gerüchte um eine Entlassung von Trainer Kovac. Psycho!

Hoffentlich entscheidet nicht irgend ein dubioser Video-„Beweis“ über Wohl und Wehe, ein aus unerfindlichen Gründen zurückgenommener Elfmeter, ein erst aberkanntes und dann doch noch anerkanntes Törchen, ein angebliches Abseits, ein harmloses Foul mit anschließender „Schwalbe“, ein vermeintliches Handspiel („An-ge-schos-sääään! – Wo soll er denn hin mit der Hand?“). Wenn schon, dann soll’s aber so richtig schweinemäßig ungerecht zugehen, damit man hernach alles auf den Schiri schieben kann. Ganz wie früher. Hach. Und wenn wir schon bei Ungerechtigkeiten sind: Nicht unbedingt die Besseren sollen gewinnen (gähn!), sondern die Richtigen, hoho. Keine Widerrede jetzt!

Jeder Aspekt der bevorstehenden „Endspiele“ wird nun um und um gewälzt. Ungemein wichtige Sportredakteure schreiten derzeit mit breiter Brust und dicker Hose durch die Medienhäuser. Soooo spannend war das Finale der Liga seit Jahren nicht mehr. Und sie haben es schon immer gewusst.

Lindner und Özdemir setzen auf Schwarzgelb, Kühnert nicht

BVB-Kapitän Marco Reus ist nach seiner Rot-Sperre wieder dabei – und vielleicht hat Jadon Sancho erneut seine genialischen Momente. Der Junge hat in der gesamten Bundesliga die meisten erfolgreichen Dribblings bestritten. Darauf hätte man auch ohne Statistik gewettet.

Apropos wetten. Jetzt wurden wieder Politiker und sonstige Promis ‚rauf und ‚runter befragt, auf wen sie denn tippen. Für ein Boulevardblatt ist eine sinistre „Wahrsagerin“ angetreten. Außerdem gerade gelesen: Christian Lindner setzt auf „seinen“ BVB (der Mann sitzt im Wirtschaftsrat des Vereins, trotzdem hat man ein mulmiges Gefühl, wenn er Schwarzgelb so höchstpersönlich für sich vereinnahmt), Cem Özdemirs Hoffnungen gehen in dieselbe Richtung. Aber nix mit rot-gelb-grün. Denn Kevin Kühnert hält es mit Bayern München. Der soll bloß aufpassen, dass er nicht auf einmal enteignet wird! Das geht manchmal ganz flott – und schon is‘ der Ball wech…




Was ist denn nur los mit Borussia Dortmund? Muss jetzt der Trainer schleunigst gehen?

Jetzt mal Butter bei die Fische: Borussia Dortmund ist derzeit schwach. Erschreckend schwach. So schwach wie lange nicht mehr. Als Jürgen Klopp, nach all den bahnbrechenden Erfolgen, auf einmal seine unerklärliche „schwarze Serie“ hatte, war es so ähnlich. Doch sein Nachnachfolger Peter Bosz kann, bis auf ein paar anfängliche Strohfeuer, noch keine nennenswerte Erfolgsserie aufweisen.

...und wieder ein Tor für die Bayern (das 0:3). (Screenshot: Sky-Übertragung)

…und wieder ein Tor für die Bayern (das 0:3). (Screenshot: Sky-Ticket-Übertragung)

Mit 1:3 haben sie soeben das Heimspiel gegen die Bayern verloren. Keine normale Niederlage. Sie haben nicht verloren wie der BVB, sondern – mit Verlaub – eher wie Mainz o5. Daran ändert auch der späte Anschlusstreffer in der 88. Minute nichts. Ansonsten: grottige Chancenverwertung, furchtbar wacklige Verteidigung; wie fast schon üblich in letzter Zeit.

Ist das heutige Gewürge etwa wieder in ca. 180 Länder übertragen worden? Gnade! Bitte nicht! Was sollen sie da draußen denken?

Nicht nur die in den letzten Wochen oft gescholtene Abwehr spielt weit unter Form, auch Mittelfeld und Angriff schwächeln deutlich, ja mitunter erbärmlich. Es könnte einem so vorkommen: Schießen die Gegner, ist beinahe jeder „drin“, zielen „wir“, geht praktisch alles daneben. Es ist wie verhext.

Fragt mich bitte nicht nach meiner Meinung über Neuzugänge wie „Toto“ (Toprak / Toljan), sonst werde ich vielleicht noch ausfallend. Aber es liegt beileibe nicht nur an ihnen. Der einstige Torjäger Aubameyang ist nur noch ein Schatten seiner selbst, sogar der sonst so unerschütterliche Sokratis bleibt unter seinen Möglichkeiten. Heute hat eigentlich nur Pulisic gänzlich überzeugt. Doch glücklos blieb auch er.

BVB-Geschäftsführer Watzke muss sich allmählich ernsthaft fragen, ob es richtig war, den doch recht erfolgreichen Trainer Thomas Tuchel achtkantig `rauszuwerfen und statt dessen den Holländer Peter Bosz zu holen. Der Mann mit dem eleganten Outfit hat binnen weniger Wochen nahezu alles vergeigt. Ihm fehlt einfach die Fortune.

Das Ausscheiden aus der Champions League ist gewiss, nicht einmal die Teilnahme an der Europa League ist gesichert. Ein zweifaches 1:1-Unentschieden gegen einen Club wie Apoel Nikosia entspricht bei weitem nicht den Ambitionen des Vereins.

Die Tabellenführung mit fünf Punkten Vorsprung auf die Bayern ist nicht nur rapide geschmolzen, sondern hat sich in einen Rückstand von sechs Punkten verwandelt. Auch Leipzig hat jetzt den BVB überholt, Schalke ist bereits punktgleich. Zu fürchten steht, dass die Dortmunder nach unten „durchgereicht“ werden.

Aufs „Aus“ im DFB-Pokal darf man sich wohl ebenfalls einrichten. In der kommenden Runde geht es ausgerechnet zu den Bayern nach München. Nach den heutigen Eindrücken ist dort kein Blumentopf zu gewinnen.

Die meisten Sportjournalisten haben sich inzwischen darauf geeinigt, dass Bosz nach seinem (offenbar von Gegnern inzwischen leicht berechenbaren) Hurra-Stil keinen „Plan B“ habe, also vorerst nicht mehr weiter wisse.

Es sieht also ganz so aus, als müsse „man“ die Reißleine ziehen und schleunigst einen Trainer holen, der ein Spielsystem installiert, das zu den Fähigkeiten des vorhandenen Kaders passt. Oder kann Bosz diese Kehrtwende noch selbst vollziehen? Ich wage zu zweifeln.

P.S.: Mir ist bekannt, dass es oft vernünftiger ist, vertrauensvoll zuzuwarten und nicht gleich alle Flinten ins Korn zu werfen. Doch es gibt Grenzen.




Schalke vs. Bayern 0:2 – von Dusel, Revier-Solidarität und zweifelhaften Verknüpfungen

Und wieder hat’s – neben dem bekannten Können – der übliche Bayern-Dusel gerichtet. Sie haben Schalke mit 2:0 unter Wert geschlagen. Warum nur hat Huntelaar diesen unseligen Lattentreffer nicht reingemacht? Und überhaupt…

„Lewandowski macht den Unterschied“ schreibt oder palavert in derlei Fällen der gemeine Sportreporter. Wir rufen ihm spontan und beherzt zu: Halt doch den Schnabel! Morgen drücken wir uns dann etwas zivilisierter aus. Oder auch nicht.

Screenshot vom Spiel Schalke 04 - Bayern München (© Sky Bundesliga)

Screenshot vom Spiel Schalke 04 – Bayern München (© Sky Bundesliga)

Schalke hat sich eindeutig verstärkt, der neue Trainer Weinzierl scheint wahrhaftig ein Konzept zu haben. Doch was hat es heute genutzt? Die Blauen stehen ganz hinten in der Tabelle, doch das wird sich gründlich ändern.

Was vorher geschah: Kaum war die Bundesliga nach schier ewig anmutender Pause endlich wieder gestartet, hatte es gleich diese zwei dämlichen Länderspiele gegen Finnland und Norwegen gegeben. Welch eine unsinnige Planung. Umso mehr dürstete man nach Fortsetzung der wahren Kicks – und die gab’s heute gleich mit der ziemlich hoch anzusiedelnden Partie FC Schalke – Bayern München.

Als Dortmunder und BVB-Anhänger tut man sich gerade mit dieser Begegnung ziemlich schwer. Instinktiv möchte man zu beiden n i c h t halten und möglichst beiderseits je null Punkte und null Tore vergeben. Aber das geht ja nun mal nicht.

Außerdem ist dies schließlich eine Nagelprobe auf die Revier-Solidarität. Wenn schon, dann muss man es in solchem Falle wohl mit den Schalkern halten. Die altgediente und gar oft ausgekostete Rivalität an Ruhr und Emscher muss dabei einmal hintan stehen; übrigens in umgekehrter Richtung auch morgen, wenn’s für den BVB gegen diesen seltsamen Retorten-Club aus Leipzig geht.

Wo wir gerade bei Leipzig sind: In Dortmund und Gelsenkirchen spielen selbstverständlich jeweils „Elf Freunde“ (plus ein paar weitere Kumpel) ohne Ansehen des Kommerzes. Einfach aus Spaß an der Freud’. Gut, nech?

Aber mal im Ernst: Dass etliche BVB-Fans an diesem Wochenende lieber den eigenen Amateuren zuschauen und das Bundesliga-Match gegen Leipzig nur kollektiv im Radio hören wollen, das hat doch was.

Noch’n kleiner Einschub: Auf Dauer nervt es ein wenig. Im Ruhrgebiet wird selbst bei vielen journalistischen Kultur-Terminen auf die Konkurrenz zwischen Schalke 04 und BVB 09 abgehoben. Nichts geht ganz ohne Fußball. Und wer zählt die Leute, die an stinknormalen Tagen im sündhaft teuren BVB-Trikot durch die Straßen gehen? Von ballonseidenen Trainingsklamotten ganz zu schweigen.

Aber ich verplaudere mich. Ganz gegen meine Gewohnheit.

Schalke – Bayern also. Tagsüber hatte schon die Nachricht für netzweite Häme gesorgt, dass der Vereinsstatus des FC Bayern juristisch angefochten wird, vielleicht droht sogar eine Löschung aus dem Vereinsregister mit eventuell weit reichenden Folgen. Vielen wär’s gerade recht.

Schalker Fans hielten vor dem Anpfiff Transparente hoch, auf denen sie ihre „alten Helden“ von Kuzorra über Klodt und Libuda bis Wilmots priesen. Wer hat, der hat. Auch wenn es schon lange her ist.

Im Spiel begann Bayern stärker, doch Schalke fuchste, fudelte und wurschtelte sich relativ rasch `rein, wurde dann hie und da wirklich gefährlich, um nicht zu sagen: streckenweise ebenbürtig.

Bayerns Hummels holte sich früh eine gelbe Karte ab, was ihm beim BVB so gut wie nie passiert ist. Das sollte ihm zu denken geben.

Fast schon niedlich, wie sie immer noch ihren Ex-Torhüter Manuel Neuer auspfeifen, der schon vor Jahren zu den Bayern gegangen ist.

Schiedsrichter Manuel Gräfe verletzte sich und bekam einen königsblauen Wadenverband. Wenn das mal nichts zu bedeuten hatte…

Doch nein. Der letztmalige Meister des Jahres 1958 (S 04), der mit Gazprom und dem Fleischfabrikanten Clemens Tönnies nicht gerade sympathische Wirtschaftsverbindungen geknüpft hat, hat es wieder einmal dem BVB et al. überlassen, die Bayern in der Liga zu bremsen – wenn’s denn dazu kommt. Denkt euch an dieser Stelle zwei bis drei tiefe Seufzer.




Mats, wat machste nur?

Ich geb’s ja zu, ordentlich Zweckoptimismus war schon dabei, als ich dieser Tage Bernd Berke, meinem Freund im schwatz-gelben Geiste, seine Zweifel über die zukünftige sportliche Heimat des Spielers Mats Hummels nehmen wollte. Ich schrieb, dass dieser ewig beim BVB bleiben werde. Aber ich bin nun mal ein gutgläubiger Mensch.

Solche Szenen wird Mats Hummels nicht mehr erleben: Momentaufnahme vom Meister-Corso durch die Dortmunder Innenstadt im Mai 2011. (Foto: Bernd Berke)

Solche Szenen wird Mats Hummels nicht mehr erleben: Momentaufnahme vom Meister-Corso durch die Dortmunder Innenstadt im Mai 2011. (Foto: Bernd Berke)

Ich setze nun gern auch mal die Intelligenz voraus, die ich bei Menschen zu erkennen glaube, deren eloquente Art, die eigene Arbeit zu analysieren, durchdacht erscheint. Okay, Mats Julian Hummels habe ich da allem Anschein nach ziemlich überschätzt. Hätte er Liverpool genannt als letzte Herausforderung einer angejahrten Karriere, oder den königlichen Verein in Spanien mit hauseigener Gelddruckmaschine, dann hätte ich das Profi-Gesabbel von der sportlichen Herausforderung ja noch verstanden. Aber Bayern? Nee. Die hatten ihn nach eigenem Bekunden schlecht behandelt. Die hatten nachweislich seine überragende Veranlagung nicht wahrgenommen. Die hatten seinen Vater und Berater gefeuert. Alles vergessen?

Mann, wie müssen die sprengend mit ihrem Gehaltsgefüge umgehen. Anders wäre doch so eine vollkommen unverständliche Affinität kaum zu erklären. Hier der unvergleichliche BVB, die unvergleichliche Südtribüne. Hier in Dortmund: das bestfrequentierte Stadion Europas. Hier ein Verein mit funktionierenden Strukturen, bei dem der Spieler Mats Julian Hummels geliebt und höchst geachtet wurde. Und hier der Verein, dessen großartige Arbeit erst den großartigen Spieler Mats Julian Hummels erst zu dem machte, der er wurde.

Torjubel im (wie üblich) ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion, vulgo Signal Iduna Park. (Foto: Bernd Berke)

Torjubel im (wie üblich) ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion, vulgo Signal Iduna Park. (Foto: Bernd Berke)

Und dort die „Buyern“, mit einem Stadion, das höflichen Applaus spendet, wo Dortmunds Südtribüne in leidenschaftliche Raserei übergeht. Dort die Buyern, die sich nur mit dem Ankauf der spielerischen Klasse bei konkurrierenden Vereinen in der Liga deren sportliche Qualität vom Hals halten können. Dort die zugegeben beste Vereinsstruktur der Liga, bei gleichzeitigem Verschleiß des “Spielermaterials”. Und da ist Mario Götze nur ein Beispiel.

Mats Hummels hatte das Zeug, eine Dortmunder Legende zu werden. Er wäre so einer wie Nobby gewesen, oder Kalle Riedle oder Timo. Ihm hätten Türen offen gestanden, wo der Süden applaudierend Spalier gestanden hätte, wenn sie von ihm durchschritten worden wären. So wird er nun in der Vergessenheit versinken, in der zahlreiche schon darben, die mal für den BVB gespielt haben. Und bei den Buyern ist er schon jetzt einer von vielen.

Bleibt zu hoffen, dass er Borussia Dortmund viel, viel Geld einbringt, für das der BVB wieder Talente in seine Mannschaft holen kann, sie zu sportlicher Höhe führt – und die dann von Bayern weggekauft werden. So brächte er doch noch zusätzlich was für den Verein, der ihn so wertvoll machte.

__________________________________________

Der Beitrag ist in ähnlicher Form zuerst in Rudi Bernhardts Blog dasprojektunna.de erschienen.




Marco Reus gibt’s nicht mehr! Die ganze Wahrheit zur BVB-Krise!

Die Kunst der Verstellung Foto: G. Herholz

Die Kunst der Verstellung
Foto: G. Herholz

Mal Klartext: Dieser „Marco Reus“, den sie da beim Fahren ohne Führerschein erwischt haben, das soll wirklich ER sein, der einzig wahre MARCO REUS vom Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund? Niemals!

Der Original-Reus würde das charakterlich überhaupt nicht durchhalten, so etwas Fahrlässiges und andere Menschen Gefährdendes wie jahrelangen Verkehr ohne. Und dieser gewiefte Taktiker soll zudem so blöd gewesen sein, einen gefälschten niederländischen Führerschein vorzuzeigen? Kann gar nicht. Unser aller echter Marco – ehrlich, authentisch, dribbelstark – stellte auf der BVB-Homepage früh klar: „Ich habe den besten Job der Welt. Viele wissen das nicht zu schätzen, lassen sich gehen und schlagen über die Stränge. Das ist nicht mein Ding“.

„Reus“ oder Reus? Transfer und Transplantat
Also, wenn der mehrfach radarfallen-geblitztdingste „Reus“ tatsächlich nicht der modell-athletische Reus sein sollte, den wir kennen, dann ergäbe alles plötzlich tiefen Sinn. Kein Wunder, dass „Reus“, also der Reus-Imitator, nicht nur keinen deutschen Führerschein hatte, er konnte ihn gar nicht haben, selbst wenn er einen gemacht hätte. Daher die vielen Ausreden: Der echte Reus, unser jugendlicher Stürmer und Dränger, dieser Reus ist seit Monaten längst bei einem anderen Verein unter Vertrag. So. Und jetzt komm‘ ich: Der ganze Transfer konnte nur gelingen, weil Reus sein Gesicht verlor, indem er sich sein Gesicht operieren ließ! Verstehen Sie? Nein? O.k., ist auch ganz schön abgezockt.

Gesichtskorrekturen
Also, ich frage Sie: Kennt sich der BVB etwa nicht aus mit OPs am Kopf? Na? Jetzt dämmert’s Ihnen, was? Ja! Genau! Jürgen Klopps Haartransplantation! Kloppo damals zur Bild: „ (…) zunächst schwoll mein Gesicht immer mehr an. Sechs Tage lang! Ich dachte: Was, wenn das nicht mehr weggeht?!“

Aber J.K. hat Glück gehabt. Zack, ein paar Wochen untergetaucht, und dann wieder auf, als neuer Mensch, jünger, irgendwie noch an Klopp erinnernd, aber unterm Strich doch ganz anders – vor allem in jüngster Zeit. So wurde Klopp zum Modell für Reus.

Der Mann, den sie Reus nannten
Von wegen! Reus und monatelanges Verletzungspech! Außenbandriss, Knochenödem… Dass ich nicht lache! Der Mann hat für Dortmund überhaupt nicht mehr gespielt, weil er schlicht nicht mehr in Dortmund war. Plötzlich wird völlig verständlich, warum der BVB dermaßen orientierungslos im Abstiegskampf herumstolpert. Nach dem Wechsel der BVBler Götze und Lewandowski zu Bayern läuft eben auch Reus längst nicht mehr für den BVB auf, sondern nur noch sein Körper-Double.

Ich jedenfalls bin ziemlich sicher, dass auch Reus heute schon bei … heraus damit … den Bayern spielt! Was wissen wir eigentlich genau über „Sinan Kurt“, der als 18-jähriger angeblich von Mönchengladbach (!) zu Bayern gewechselt ist? Nichts, wir wissen fast nichts. Gehen Sie mal unter Google-Bilder zu den Fotos von „Kurt“ und Reus, fällt Ihnen da nicht auch etwas auf? Diese frappierende Ähnlichkeit?

Spielerschutzprogramm
Die Wahrheit liegt mal wieder auf dem Platz herum: Marco Reus, und das ist so sicher wie das Amen in der Autobahn-Kirche, wird als „Sinan Kurt“ mit neuer Identität bei Bayern München Schritt für Schritt an das Leben als Rekordmeister gewöhnt. Jünger wirkt er, das ist schön, aber extrem nachgeschult werden muss er schon noch, gecoacht, therapiert, damit er nicht – wie Klopp – durch eine Transplantation traumatisiert unvermittelt in den Misserfolg schlittert.

Also: Wenn SIE diese Zeichen nicht lesen können, ich kann’s.

Bleibt allein die Frage offen, wer das Körper-Double ist, das da seit einiger Zeit als Spielerdarsteller „Marco Reus“ über den Platz und die Autobahnen simuliert, und der (oder für den man) jetzt die 540.000 € Bußgeld zahlt. Wie viel Spielgeld erhielt Uli Hoeneß vom Adidas-Chef? 20 Millionen? Ich frag‘ ja bloß – und wäre Ihnen dankbar, wenn auch Sie hier nicht weiter recherchieren würden. Da kämen Dinge ans Tageslicht, die will wirklich niemand wissen.

P.S.
Unter uns:  Vertauschen Sie einmal die Buchstaben des Namens MARCO REUS. MARCOREUS = EURO R CMAS! Klar? EURO(S) ARE CHRISTMAS! Capito?
GELD, DAS IST WIE WEIHNACHTEN.
Da kann ich mich nur anschließen. Für Geld würde auch ich alles tun.




Endlich wieder Bundesliga! – Doch der ARD mangelt es an Spielpraxis

Endlich rollt der Ball wieder. Die 51. Bundesliga-Saison ist eröffnet. Manche(r) wird seufzen, andere werden frohlocken. Jedenfalls war – selten genug – die ARD mal wieder mit einer Live-Übertragung der Liga an der Reihe. Wenn man so selten zum Zuge kommt, kann sozusagen keine richtige Spielpraxis entstehen.

ARD-Kommentator Gerd Gottlob (© NDR/Marcus Krüger)

ARD-Kommentator Gerd Gottlob (© NDR/Marcus Krüger)

Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach hieß die Paarung, der Klassiker der 70er Jahre also. Bereits nach 16 Minuten stand es 2:0 für die Bayern, es drohte jene Langeweile, die viele (wohl etwas voreilig) für die ganze Saison befürchten. Abwarten! Zwischendurch wurde es – durch ein Eigentor von Dante – ja auch noch mal ein wenig spannend, bevor die Münchner mit dem doppelten Handelfmeter zum 3:1 alles klar machten.

Neckische Turnübungen vor dem Anpfiff

Das Geplänkel vor dem Anpfiff uferte zwar zeitlich nicht aus, zog sich aber dennoch gefühlt in die Länge. Spürbar war das Bemühen, die derzeit erfolgreichste Liga der Welt für die Zuschauermärkte in Asien usw. zu inszenieren. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass wirkliche Fußballfans irgendwo auf dem Erdball für die neckische Turnerei von 210 weiß Gewandeten empfänglich sind, die unter anderem das Logo des deutschen Liga-Verbands nachstellen. Zyniker könnten sagen: Doch! In Nordkorea weiß man so etwas vielleicht zu schätzen. Aber just dort wird es nicht übertragen…

Ein „Messias“ namens Pep Guardiola

Bayerns neuer Trainer Pep Guardiola muss so etwa wie der Messias sein, so sehr stand er im Mittelpunkt der Live-Sendung. Kommentator Gerd Gottlob wunderte sich ein ums andere Mal, wie unaufhörlich der Coach an der Seitenlinie gestikulierte.

Auch sonst schilderte Gottlob das Spielgeschehen ziemlich schlicht, er verbreitete gepflegte Langeweile ohne jedes verbale Risiko. Freunde, die das Spiel parallel beim Bezahlsender Sky gesehen haben, sind freilich mittendrin mit fliegenden Fahnen zum „Ersten“ gewechselt, weil bei Sky mal wieder der gar sehr von sich überzeugte Marcel Reif zugange war. Gottlob-Sätze wie „Die Bayern sind heute nicht unverwundbar“ oder sein häufiges bübisches Kichern („Gleich drei gegen Ribéry-hi-hi“) reißen einen aber auch nicht gerade vom Sessel.

Mehmet Scholl und die Freude am Fußball

Erfrischend wie immer war hingegen Mehmet Scholl. Der Experte, von Haus aus geradewegs ein Bayer, redet ebenso freimütig wie fundiert, ohne sich selbst allzu wichtig zu nehmen. Er vermittelt glaubhaft und ansteckend das Gefühl, auf die Feinheiten des Spiels gespannt zu sein. Er hat einfach Freude am Fußball. Und er bleibt dabei weitgehend neutral.

Moderator Matthias Opdenhövel verkörpert für meinen Geschmack zu sehr den Yuppie-Typus, wie er seit den 80er Jahren gängig ist, aber bitte: Er macht keine groben Schnitzer und schaukelt die Sendung mit einer gewissen Routine.

Fazit: Angesichts der Tatsache, dass sie so selten übertragen dürfen, machen die ARD-Leute ihre Sache doch noch recht passabel.

Aber den anschließenden „Sportschau-Club“, der wieder aus dem Revier (Herten) kam, den habe ich mir zu später Stunde nicht mehr angetan. Das ist denn doch etwas für die Hartgesottenen.

____________________________________________________________

Der Beitrag ist in ähnlicher Form zuerst bei www.seniorbook.de erschienen




Er war ein Essener Alien in München: Otto Rehhagel wird heute 75 Jahre alt

Ich hatte ja schon mal begründet, warum ich Fußball und alles, was mit ihm zusammenhängt für ein hohes Kulturgut halte, namentlich bei uns, im Revier. Heute (9. August 2013) um 20.30 Uhr geht nun die Saison wieder los und ich hoffe mit vielen meiner Freunde darauf, dass dieser 1. Saisonspieltag startgünstigst für den Ballspielverein Borussia Dortmund verläuft.

Bei dieser Gelegenheit geht mir auf, dass jemand seinen 75. Geburtstag genau heute feiert, der mich bis heute nicht davon überzeugen konnte, völlig unschuldig an der schwärzesten Niederlage aller Zeiten meiner Borussia gewesen zu sein: 29. April 1978, Rheinstadion Düsseldorf, 0:12 kleine Borussia gegen die große. Höchste Niederlage aller Zeiten des BVB, höchster Sieg aller Bundesligazeiten – entsetzlich. Nie wieder tauchte danach der Name Peter Endrulat einigermaßen gewichtig im deutschen Fußball auf. 12 mal die Kiste gefüllt, das blieb von ihm als Keeper beim BVB in Erinnerung. Ein Siegerländer, der mal hinter Norbert Nigbur bei dessen Verein spielte, na ja.

Otto Rehhagel, aufgenommen am 26. März 2008. (Bild: Antonis Kyrou / via photopin/flickr)

Otto Rehhagel, aufgenommen am 26. März 2008. (Bild: Antonis Kyrou / via photopin/flickr)

Ach so, und der Trainer beim BVB hieß damals Otto Rehhagel, bei vielen von uns bis heute Otto „Torhagel“, und der hat heute Geburtstag. So, nun weiß jede Leserin, die immer auf Ballhöhe ist, jeder Leser, der die jeweils aktuelle Abseitsregel erklären kann, warum ich bis ans Ende unser beider Tage dem Otto nie verzeihen kann, dass er ausgerechnet bei meinem erklärten Lieblingsverein an diesem Tag alles falsch gemacht hat, was ein Trainer nur falsch machen kann.

Und dennoch – selbst ich muss einsehen, dass es sich bei diesem Maler und Anstreicher, dessen Blutgrätschen als Aktiver beim TuS Helene Essen, bei Rot-Weiß Essen, bei Hertha BSC Berlin und beim FC Kaiserslautern gefürchtet waren und der nur eines mehr liebte als den gepflegten Fußball: den erfolgreichen Fußball (für den er auch gern mal auf den gepflegten verzichtete), dass er ein ganz Großen ist. Ob als Spieler oder als Trainer. Dabei hätte er fast noch mit „Boss“ Helmut Rahn zusammen gespielt, doch der hatte 1960 RWE bereits in Richtung Köln verlassen. Und Pelé, der Mega-Künstler, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Ehrenmitglied bei den Essenern.

Bei Werder Bremen ging der Star Otto Rehhagel dann auf, nachdem er das damalige Dortmund versenkt hatte und vom FC Rockenhausen (ist in Rheinland-Pfalz) über Kaiserlautern, Bielefeld, Düsseldorf wieder bei SV Werder gelandet war. Da eilte er von Erfolg zu Erfolg, behielt fast immer Recht, wenn er Spieler wie beispielsweise Manni Burgsmüller holte, gewann ein Selbstbewusstsein, dass er bisweilen anscheinend den obersten Hemdkragenknopf nicht mehr zu bekam, nannte Jürgen Flimm seinen Freund und ließ der anrainenden Journaille das Gefühl, ihre Experten seien so überflüssig wie ein zweiter Ball während des Spiels.

Irgendwann stach ihn der Hafer derartig, dass er glaubte, seine spezielle Handhabung der ihn umgebenden Menschen auch in München bei den Bayern anwenden zu können. Doch das dortige Präsidium war nicht das von Werder, der dortige Manager war um einiges ausgebuffter als Willi Lemke, die dortige Journaille war weniger einfach einzuschüchtern und die Mannschaft weniger einsichtig, als die in Bremen. Der Fall war tief, verletzend und eilig, Uli Hoeneß war zum Abschied zwischen unverschämt und rotzbengelfrech, Otto ziemlich beleidigt und daher sann er auf Rache, nahm den Trainerjob bei Kaiserslautern an, sorgte dafür, dass die flott wieder aufstiegen und haute als Aufsteiger die Bayern weg, wurde Meister – Demütigung Richtung München.

Später dann – auf typische Otto-Manier – wurde er Nationaltrainer, zwar nicht in Deutschland, dafür bei den Hellenen und führte die stolzen Nachfahren des Perikles zur Europameisterschaft. Getreu seinem Motto, dass nur erfolgreicher Fußball besser ist als der schöne. König Otto war auf dem Thron, von dem ihn niemand stoßen konnte, kein Kaiser Franz, kein Diktator Uli und kein nöhlender Pressemensch. Otto Rehagel sorgte eben da für seine größten Erfolge, wo fast keiner mit ihnen rechnete. Und da, wo wir populistisch behaupten würden, dass mit solchen Mannschaften jeder gewinnen könne, fiel er auf die gern mal zu hoch getragene Nase.

Okay, bald geht es los, ich wünsche dem erfolgreichen Otto noch ein paar schöne Geburtstagsstunden, jede Menge Spaß während des Spieltages – und heute würde es mich richtig freuen, wenn der knorrige Essener sich beim ersten Saisonspiel vor Schadenfreude die Oberschenkel blau klopft, weil der FC Bayern, wo er düstere Trainerstunden verlebte, mit null Punkten in die Bundesliga-Spielzeit startet.

________________________________________________________

photo credit: tonikyrinfo via photopin cc




„Du musst auch eine Drecksau sein“: Notizen vom ZDF-Talk zum Spiel Dortmund vs. Bayern

Allmählich drehen die Medien durch. Seit Wochen überschlägt sich die Berichterstattung vor dem Finale der Champions League. Borussia Dortmund gegen Bayern München im Londoner Wembley-Stadion ist das Spiel der Spiele. Jetzt ging es auch in Maybrit Illners ZDF-Talk um dieses Match, das am Samstag (20:45 Uhr) ins Haus steht.

Ich halte es mit dem guten alten Spruch des BVB-Altvorderen Adi Preißler: „Entscheidend is auf’m Platz.“ Alles Gerede vorher und nachher ist herzlich zweitrangig. So auch bei dieser Talkshow, deren Gästeliste nicht gerade Endspiel-Niveau erreichte. Vor allem fragte man sich, was um Himmels Willen Andrea Kiewel („ZDF-Fernsehgarten“) in dieser Runde zu suchen hatte. Sie war schon beim Sendereigen zum 50jährigen ZDF-Jubiläum – ebenfalls von Maybrit Illner moderiert – höchst präsent. Man kennt sich, man mag sich, man lädt sich ein…

Musste auch als Fußball-Talkerin herhalten: Andrea Kiewel vom ZDF-Fernsehgarten. (Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei)

Musste auch als Fußball-Talkerin herhalten: Andrea Kiewel vom ZDF-Fernsehgarten. (Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei)

Bloß keinen Aspekt auslassen

Maybrit Illner mühte sich, dem Thema alles, aber auch alles abzupressen. Bloß keinen Aspekt auslassen. Da ging es vor allem um den Mythos „Malocher gegen Millionäre“ und alle anderen Animositäten zwischen Bayern und dem BVB, die weidlich ausgekostet wurden. Bei Licht betrachtet, blieb jedoch von diesem angeblichen „Kulturkampf“ (Illner) substanziell nicht allzu viel übrig.

Man hatte versucht, die Runde möglichst gleichgewichtig zu besetzen. Ex-BVB-Kicker Frank Mill, der derzeit vereinslose Trainer Christoph Daum und Andrea Kiewel halten es eher mit der Borussia, der Journalist Claus Strunz und Moderator Markus Kavka hingegen mit den Bayern. Kleine Spitzen flogen hin und her, doch man tat einander nicht weh. Hörfunk-Fußballreporterin Sabine Töpperwien (WDR) gab sich öffentlich-rechtlich neutral, legte aber stets Wert auf die Formulierung „Ich habe übertragen“; ganz so, als sei sie für ihren Sender immer allein tätig. Nun gut. Ich gestehe freimütig, dass ich ihre Bundesliga-Berichte in ihrem ganzen knödelnden und gepressten Tonfall unsäglich finde.

Deutsche Gipfelgefühle

Apropos unerträglich. Man hält ja all diese Gipfelgefühle kaum noch aus: Deutschland ist doppelt an der Spitze des europäischen Fußballs angekommen, zudem gab ausgerechnet die britische BBC gestern bekannt, dass „wir“ weltweit das beliebteste Land seien. In dieser Talk-Sendung kam man freilich mental wieder etwas herunter, denn es wurde alles, aber auch wirklich alles durchgehechelt, was nur irgend aufs Finale in London bezogen werden konnte – bis hin zu den Chancen bei der nächsten Weltmeisterschaft oder den Scheichs und Oligarchen, die sich vor allem britischer Vereine bemächtigt haben. Wo aber wird solide gewirtschaftet? Richtig. Bei uns. Wo sonst?

Stammtischverdächtig

Wie bitte? Ja, selbstverständlich. Natürlich wurden auch Uli Hoeneß‘ Steueraffäre, der Götze-Transfer und Christoph Daums Kokain-Skandal von anno 2000 nochmals bekakelt. Und der wohltuend zurückhaltende Frank Mill musste zum wohl tausendsten Mal den Filmausschnitt von seinem legendären Pfostenschuss aus einem Meter Entfernung über sich ergehen lassen. Heilig’s Blechle!

An manch einem bayerischen oder westfälischen Stammtisch dürfte ähnlich (un)kundig debattiert werden. Stammtischverdächtig, aber irgendwie herrlich knorrig und kernig war auch der Satz des Abends, der von Christoph Daum eingeworfen wurde: „Du darfst nicht nur schön spielen, du musst auch eine Drecksau sein.“ In diesem Sinne freuen wir uns jetzt aufs Endspiel. Oder auch ganz anders. So mehr von innen heraus.




Endlich! Ein völlig objektiver Vorbericht zum Finale der Champions League

Hier nun ein paar völlig objektive, hochkulturelle Zeilen zum Spiel der Spiele: Nein, dieses Match lässt sich – um es mit einem legendären Lapsus aus Kickermund zu sagen – wirklich nicht mehr weiter „hochsterilisieren“.

Wenn am kommenden Samstag um 20.45 Uhr MEZ im Londoner Wembley-Stadion Borussia Dortmund und der FC Bayern München das Finale der Champions League austragen, dann fiebert natürlich alle Fußballwelt mit. In Dortmund herrscht allenthalben Ausnahmezustand. Um es vorsichtig zu formulieren. Wenn (sehr frei nach Peter Handke) das Wünschen bei der Kartenvergabe noch geholfen hätte, so würden Hunderttausende in Schwarzgelb nach London kommen.

Laube in einem Dortmunder Kleingartenverein, abgelichtet am 22. Mai 2013. (Foto: Bernd Berke)

Laube in einem Dortmunder Kleingartenverein, abgelichtet am 22. Mai 2013. (Foto: Bernd Berke)

Exaltierte Leitmedien wie „Spiegel online“ bringen seit vielen Tagen den immer mit neuen Gerüchten und Parolen gefütterten Countdown bis zum Anstoß. Jede halbgare Äußerung aus beiden Lagern, jede Blessur wird da im bebenden Tonfall vermeldet und breit ausgewalzt. Der Ausfall des verletzten Mario Götze wird vollends als Tragödie von shakespearschen Dimensionen dargestellt; wie denn überhaupt der bevorstehende Götze-Transfer von Dortmund nach München das Weltgebäude hat wanken lassen. Naja, wenigstens hat offenbar die eine oder andere Redaktion gewackelt. Schlimmer noch: Heute bemächtigt sich auch eine seltsam besetzte Talkshow des Themas.

Das Feld der Emotionen besetzt

BVB-Trainer Jürgen Klopp erklärt Borussia Dortmund gleich zum spannendsten Fußballprojekt der Welt und wirbt flammend um die Herzen aller echten Fans auf dem Globus. Der Wahlspruch des Vereins, „Echte Liebe“, besetzt – zwischen Leidenschaft und Marketing – das emotionale Feld, während der Widersacher aus dem Süden vorwiegend mit Geld, Geld und nochmals Geld assoziiert wird und darum vielfach gern „Buyern München“ genannt wird. Ja, ja, ja, auch in Dortmund werden ein paar Groschen umgesetzt – und doch besteht da ein Unterschied.

Glaubt man der wahnwitzig ausufernden Vorberichterstattung, so ist ganz Deutschland gespalten in Schwarzgelb und Rot. Es wäre interessant zu erfahren, wie die Sympathien international verteilt sind. Eins ist klar: Die meisten Polen halten schon mal zu Dortmund. Doch die frischgewagte, husarenhafte BVB-Spielweise unter Klopp hat überdies neue Anhänger auf dem ganzen Kontinent gewonnen. Die bloße Vorstellung, dass sie in Lokalen von Rio, Buenos Aires, Tokyo oder Peking ein Dortmunder Tor bejubeln, ist herzerwärmend.

Sich heraushalten? Geht kaum!

Wer sich übrigens aus all dem heraushalten will, verhülle am besten sein Haupt, lasse die Rollos herunter, schalte alle Geräte ab oder begebe sich gleich für eine Zeit ins Kloster. Doch wer weiß, was sie dort am Samstag machen?

Bei nüchterner Betrachtung der Fakten (doch wer wird denn da nüchtern bleiben?) gehen die Bayern als haushohe Favoriten ins Finale. Sie können wahrscheinlich ihre Bestbesetzung aufbieten, während bei Dortmund nicht nur Götze fehlt, sondern zwei Verteidiger, Mats Hummels und Lukasz Piszczek, angeschlagen sind. Auch haben die Bayern eine nahezu makellose Saison hingelegt, so dass man sich fragt, was der künftige Trainer Pep Guardiola dort eigentlich noch richten soll.

Aber warten wir’s ab. Es gibt – sehr frei nach William Shakespeare – Dinge zwischen beiden Strafräumen, die sich unsere Schulweisheit nicht träumen lässt.

Im Fall eines Bayern-Sieges würde man sich drunten etwas freuen und dann bald zur Tagesordnung übergehen. Es wäre sicherlich kein Vergleich zu dem, was in und um Dortmund los wäre, wenn…

Warten wir’s ab. Es gibt Dinge zwischen Auslinien, Pfosten und Eckfahnen, die sich unsere…

Aggression und Zurückhaltung

In München kassiert man Titel ein und hakt sie ab. Viele Anhänger sind schlichtweg saturiert. Das „Mia san mia“-Denken ist weit verbreitet, die entsprechende Denkungsart des (anderweitig „angeschlagenen“) Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß kommt einem fast schon gemütlich-folkloristisch vor, wenn man sie mit der unerbittlich aggressiven Stoßrichtung des Matthias Sammer vergleicht.

Demgegenüber wirkt die Zurückhaltung des Dortmunder Präsidenten Reinhard Rauball, des Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke und des Sportdirektors Michael Zorc geradezu nobel. In der angeblichen Proletenstadt zeigt man inzwischen deutlich mehr Stil als an der Isar. Nur Jürgen Klopp darf schon mal gepflegt ausrasten. Jawohl, Kloppo darf das.

Ich gebe zu: Sollte Sammer am Samstag aus gutem Grund zornig mit den Zähnen knirschen, so würde mich das doppelt und dreifach er-götzen!




Hoeneß, Götze und der ganze Mist

Die Nachricht kam überfallartig: Wie zuerst die „Bild“-Zeitung berichtete, wechselt Mario Götze am 1. Juli 2013 für 37 Mio. Euro von Borussia Dortmund zum FC Bayern München. Inzwischen hat der BVB den Bayern-Coup bestätigt.

Bereits als Neunjähriger hat der gebürtige Allgäuer und womöglich begabteste deutsche Fußballer beim BVB gespielt, vorher hat er in Dortmund-Hombruch gekickt. Er galt also längst (ebenso wie die in Dortmund geborenen Marco Reus und Kevin Großkreutz) als einer der „Dortmunder Jungs“, als familienverbunden und „bodenständig“; als einer, der wegen ein paar Millionen nicht gleich abhebt. Auch hat Götze in Interviews immer gern das Hohelied auf Dortmund gesungen.

P1050958

Nun müssen wir dieses idyllische, sicherlich sehr naive Bild schleunigst revidieren. Es ist natürlich wieder nichts mit den hehren Sprüchlein à la „Elf Freunde müsst ihr sein“! Zwar hatte Götze seinen Vertrag beim BVB bis 2016 verlängert, doch gab es offenbar eine Ausstiegsklausel, derzufolge er den Verein für just 37 Mio. Euro vorzeitig verlassen darf. So weit ist formal alles in Ordnung.

Aber irgendwann muss mir mal einer schlüssig erklären, wieso jemand, der bereits viele Millionen anhäuft, partout noch mehr Millionen scheffeln will – und das trotz sportlicher Perspektiven, die eventuell gar nicht schlechter sind als in München.

Wer hat der „Bild“ den Tipp gegeben?

Dass diese Transfer-Geschichte ausgerechnet mit teuflischer Pünktlichkeit zum Halbfinale der Champions League öffentlich lanciert wird, dürfte erhebliche Unruhe im Dortmunder Team stiften. Der FC Bayern hatte seit jeher ein Interesse daran, die Bundesligakonkurrenz zu schwächen, nicht nur durch Wegkauf der wichtigsten Spieler. Da hegt man denn doch den Verdacht, der diskrete Tipp an das Boulevardblatt könnte aus den Kreisen der obersten Bayern-Etage gekommen sein. Dort haben sie ja auch indirekt mit der Steueraffäre Hoeneß zu tun, von der sie liebend gern ablenken möchten.

Und jetzt mal ganz wild spekuliert: Könnte dieser heiße Tipp an die „Bild“ gar mehr oder weniger stillschweigend mit der Erwartung verknüpft sein, dass dort wohlwollender oder zumindest weniger zupackend über den Steuerfall Hoeneß berichtet wird? Es gab ja schon immer Leute, die gehofft haben, mit der „Bild“ (wieder) den Fahrstuhl nach oben zu besteigen.

Doch halt! Das sind pure Phantasiespiele. Mag sein, dass sich alles ganz anders verhält. Die offizielle Münchner Lesart schaut so aus (Zitat aus „Spiegel online“): „Aus Rücksicht auf das anstehende Spiel des BVB wollten die Bayern den Wechsel ‚erst nach dieser Begegnung gegenüber dem BVB anzeigen’, heißt es in einer Presseerklärung der Münchner.“

Wie überaus rücksichtsvoll.

Geschwafel über „spanische Verhältnisse“

Dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß kürzlich über „spanische Verhältnisse“ in der Bundesliga gebarmt hat (will sagen: nur zwei dominierende Vereine, nämlich Bayern und BVB, alle anderen hinken nach) und angeblich großmütig gegensteuern wollte, erweist sich jetzt als Geschwafel, als heiße Luft – wie so vieles, was Hoeneß im Laufe der Jahre von sich gegeben hat. Nun ahnt man auch, warum BVB-Trainer Jürgen Klopp im Gegenzug von „schottischen Verhältnissen“ geredet hat (will sagen: nur ein dominierender Verein, nämlich Bayern). Da muss Klopp schon etwas vom Götze-Deal gewusst haben.

Wie immer das fiskalische Verfahren um Uli Hoeneß ausgehen mag, so steht für mich doch eins fest: Bis gestern war ich in der rein sportlichen Frage noch schwankend bis neutral, doch jetzt drücke ich (und gewiss nicht nur ich) heute Abend und am nächsten Mittwoch dem FC Barcelona bei den Halbfinalspielen gegen die Bayern fest die Daumen. Señor Messi, walte Er seines Amtes und netze Er mit seinen Compañeros tüchtig ein!

_________________________________________________

Abendlicher Nachtrag: Zur Zeit führt im Nachrichten-Rennen wieder Uli Hoeneß. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, ist Hoeneß bereits am 20. März festgenommen worden. Doch der Haftbefehl sei seinerzeit gegen Zahlung einer Kaution (5 Millionen Euro) außer Vollzug gesetzt worden. Der Vorgang sei aber vielleicht ein Hinweis darauf, dass Hoeneß‘ Selbstanzeige vom Januar möglicherweise nicht strafbefreiend wirke.

Spätabendlicher Nachtrag: Wenn ich schon mal die Daumen drücke! 4:0 für Bayern. Gewiss, nicht alle Tore waren regulär. Aber den Barça-Leuten muss jemand ein Schlafmittel in den Tee getan haben.

Zeitloser Nachtrag: sport1.de am 4. Januar 2012: „FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß lehnt eine horrende Ablösesumme bei einem möglichen Transfer für Dortmunds Nationalspieler Mario Götze ab. „40 Millionen Euro oder mehr – das würden wir nie machen“, sagte Hoeneß der „Sport-Bild“ (…) Ohnehin glaubt Hoeneß nicht an einen bevorstehenden Götze-Transfer: „Wo sollte er denn bei uns im Moment spielen?““




Im Paradies der guten Fußball-Resultate

Nachdem Borussia Dortmund kürzlich gegen Bayern München und dann auch noch gegen die Blauen aus Herne verloren hat (Es lag am Rasen!), muss jetzt schnellstens eine tiefgreifende Systemänderung her. Oder halt! Besser noch eine Rezeptur für alle Ewigkeit.

Fürs Jenseits hat man uns schon viel, wenn nicht alles versprochen. Warum also sollte das Paradies sich nicht auch durch günstige Fußball-Ergebnisse, traumhaft tarierte Tabellen und triumphale Turniere auszeichnen? Nein, nein, es soll gar nicht immer der glanzvolle Titel mit Schale, Pott oder Pokal sein. Zwischendurch würde Schwarzgelb auch mal kurz andere schnuppern lassen – so wie jetzt schon hienieden.

(Foto: Bernd Berke)

(Foto: Bernd Berke)

Doch im Jenseits wird alles gänzlich wunderbar. Künftige Partien werden auf dem saftigen Grün des Gartens Eden ausgetragen, das die allerschönsten Zauber-Spielzüge ermöglicht. Und siehe: Nachher ist man immer begeistert, ja man jauchzet und frohlocket ohn’ Unterlass.

Und alle vorherigen, die schmerzlich irdischen und unterirdischen Resultate? Lösen sich auf in Wohlgefallen. Werden verwandelt, umgestülpt und revidiert; vom bajuwarischen Duselfaktor und von unerhörten Schiri-Fehlleistungen befreit, dafür mit höherer Gerechtigkeit angereichert – und schon… Muss ich noch mehr sagen?

Wie jetzt?! Jeder Verein solle auf solche Art seinen eigenen Himmel haben, höre ich da… Unsinn! Habt ihr schon mal einen rötlichen oder blauweißen Himmel gesehen? Na bitte. Ich auch nicht.




Ein langer Fußballabend mit Bayern, dem BVB und ganz viel Gerede

So ein langer Fußballabend ist schon ganz schön anstrengend. Beispielsweise mit dem „Spiel der Spiele“ im DFB-Pokal: Bayern München gegen Borussia Dortmund. Um 20.15 Uhr geht’s los, um 23 Uhr ist immer noch nicht Schluss, da folgt – zum Leidwesen vieler Frauen – noch der „Sportschau-Club“. Welch ein unaufhörliches Gerede!

Mal ganz offen gesagt: Sonst erspare ich mir die Vor- und Nachbereitung und schaue mir nur die puren 90 oder auch 120 Minuten Spielzeit an. Mehr brauche ich nicht. Jetzt aber habe ich mir mal wieder die ganze Dröhnung gegeben. Puh!

Zuspitzung auf Teufel komm ‚raus

Vor dem Anpfiff wird dramatisiert und zugespitzt, dass es nur so seine Art hat. Essenz: Der Stachel der vielen Niederlagen gegen Dortmund sitzt bei den Bayern tief, sie wollen Revanche, es gehe ums Prestige, es sei eine Frage der Ehre. Nebenher kommen dann auch solche Sätze zustande: „Die Fußballwelt schaut zu – Emotionen garantiert“. Und das vorläufige Fazit vor dem Spiel? Offenbar wollen beide Mannschaften gewinnen. Wer hätte das gedacht?

ARD-Experte Mehmet Scholl (Archivbild von 2010 - © WDR/Herby Sachs)

ARD-Experte Mehmet Scholl (Archivbild von 2010 – © WDR/Herby Sachs)

Immerhin gibt es schlechtere Fußball-Duos als Gerhard Delling und Mehmet Scholl, der zuweilen erfrischend ehrlich urteilt. Seine Sympathien für den FC Bayern kann er freilich nicht ganz verbergen. Warum auch? Es wäre nur verkrampft. Apropos: Ich lebe seit Jahrzehnten in Dortmund. Zu wem habe ich wohl gehalten? Richtig. Aber ich gebe zu: Diesmal hat Bayern verdient gewonnen. Doch wartet nur ab…

Wie Steffen Simon dem Spielverlauf folgt

Es gibt auch Kommentatoren, die erheblich mehr nerven als Steffen Simon. Doch seine Bewertungen sind furchtbar opportunistisch, sie richten sich ganz nach dem jeweiligen Spielverlauf und schwanken in der Tendenz wie ein Schilfrohr im Winde. Worte wie „Mentalitätsbestie“ rutschen ihm auch mal heraus. Der Mann hat offenbar eine Heidenangst, dass er mal falsch liegen könnte. Aber nicht doch! Er passt sich jeder Wendung sofort an.

Zwischendurch und nachher werden – wie üblich – alle möglichen Leute befragt: BVB-Trainer Jürgen Klopp (leicht vergrätzt), Bayern-Coach Jupp Heynckes mit verhaltenem Triumph über einen – so wörtlich – „Gegner, der sich wehrt“, sodann die Herren Schweinsteiger und Weidenfeller, Bundestrainer Jogi Löw und und und. Die absurdeste Frage des Abends geht an Bayern-Verteidiger Philipp Lahm: „Habt ihr das so gewollt?“ Tja. Kann schon sein. Wahrscheinlich wollten sie ja wirklich überlegen sein.

Der Jux zum guten Schluss

Es ist der Selbstzweck eines solchen Abends, das Gespräch (oder auch Geschwätz) möglichst lange in Gang zu halten. Im abschließenden „Sportschau-Club“ (Gäste beim sympathischen Moderator Alexander Bommes: André Schürrle, Lewis Holtby) wird dann fast nur noch gejuxt, es geht jedenfalls betont entspannt zu. Schließlich muss auch der hartgesottene Fußballfan vor dem Schlafengehen ‚runterkommen.

Mit Arnd Zeigler hat man dabei jetzt einen ausgesprochen originellen und intelligenten Fußball-Interpreten an Bord. Da ist man doppelt froh, dass der elend gemütliche Waldemar Hartmann bei solchen Gelegenheiten nicht mehr dabei ist…

_________________________________________________

Der Beitrag ist in ähnlicher Form zuerst bei www.seniorbook.de erschienen




Europa, die Krise und der Kick

Es ist mal wieder so weit: Ein großes Fußballturnier greift ab heute (mindestens) in die Freizeit vieler Menschen ein – bis hin zum persönlichen Ausnahmezustand.

Leute, die eigentlich gar keinen Schimmer haben, schwingen sich plötzlich zu erprobten Experten auf und nerven mit ihren Kurzschluss-Ansichten. Bald wird wieder alles beflaggt sein, was sich nicht wehren kann. Auch werden wieder grausige Maskottchen (siehe Schlumpf- und Schlumpfinchen-Bild) auf den Markt geworfen. Am innigsten stöhnt es sich freilich über jene, die mit dem niederziehenden Neutralitäts-Spruch „Der Bessere möge gewinnen“ aufwarten. Diese Lauen wird ausspeien der Fußballgott.

Schlumpf und Schlumpfinchen, erhältlich bei einer großen Lebensmittelkette (Foto Bernd Berke)

Schlumpf und Schlumpfinchen, erhältlich bei einer großen Lebensmittelkette (Foto Bernd Berke)

Mag auch Europa politisch und ökonomisch ein wacklig gewordenes Projekt sein, so wird doch ab heute immerhin noch ermittelt, wer den erfolgreichsten Kick des Kontinents liefert – leider auch in einem Staatsgebilde von höchst zweifelhafter Statur, womit natürlich die Ukraine gemeint ist. Die Krisenländer Griechenland und Spanien sind jedenfalls mittenmang, die Spanier gelten gar als Mitfavoriten. Ich bin nicht so tollkühn, hier einen Tipp abzugeben. Es heißt, die Deutschen seien endlich mal wieder reif für einen Titel. Neuerdings kann man diese Annahme wieder füglich bezweifeln. Aber bitteschön…

Nur noch dies, aus Sicht des östlichen Reviers: Jogi Löws Entscheidung, im Kern mit dem „Bayern-Block“ anzutreten, kann einem Dortmunder nicht gefallen. Mit seiner Äußerung, bei der EM gehe es mit Verlaub nicht gegen Nürnberg oder Hoffenheim, verkennt Löw völlig, dass Borussia Dortmund just fünf Mal in Folge Bayern München bezwungen hat. Ja, ich springe weit über meinen Dortmunder Schatten und behaupte keck, dass nicht nur der Dortmunder Hummels, sondern auch der Schalker Höwedes in die erste Mannschaft gehört hätte.

Je nun, da gewichtet man eben seine Sympathien ein wenig anders und drückt (auch) den Polen die Daumen, die gleich mit drei BVB-Stammspielern antreten. Also gut, den Deutschpolen Podolski und Klose, den Deutschtürken Özil und Gündogan und ihren Mitstreitern wollen wir auch einiges, wenn nicht gar alles Gute wünschen.

Zur Lektüre – nicht nur in den Halbzeitpausen – empfehlen wir noch rasch zwei neue Bücher: Der Romancier und Dramatiker Moritz Rinke, seines zweiten Zeichens Stürmer des Schriftsteller-Nationalteams, versammelt ebenso liebevolle wie leichtfüßige Kolumnen zum Thema Nummer eins unter dem fast nietzscheanisch klingenden Titel „Also sprach Metzelder zu Mertesacker…“ (KiWi-Paperback, 201 Seiten, 7,99 Euro).

Weitaus ernster geht es in Thomas Kistners Sachbuch „FIFA Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball“ (Droemer Verlag, 426 Seiten, 19,99 Euro) zu. Wenn auch nur ein Teil der Vorwürfe stimmt, so ist es schlimm genug bestellt. Nur gut, dass hier der Weltfußballverband am Pranger steht und nicht etwa die europäische Vereinigung UEFA, die ab heute wieder Reibach macht, aber selbstverständlich nur mit lauteren Mitteln, nech?