Meistens leise und lakonisch – Cartoons von Hauck & Bauer

Zweierteams im Comic- und Cartoon-Bereich sind ein spezielles Phänomen. Man fragt sich, wie genau beim Zusammenwirken eins ins andere greift, ob es nun z. B. um die Asterix-Erfinder Uderzo und Goscinny geht oder um die wechselnden Kooperationen und Gruppenarbeiten der unsterblichen „Neuen Frankfurter Schule“ (Gernhardt, Waechter, Bernstein).

Gegenwärtig bilden etwa Katz & Goldt oder Hauck & Bauer großartige Duette. Letztere (beide Protagonisten sind vom Jahrgang 1978) legen jetzt einen neuen Sammelband vor. Streckenweise kommt man aus dem Lachen, Kichern, Schmunzeln oder Feixen gar nicht mehr heraus. Die Pointen kommen keineswegs polternd und krachend, sondern gleichsam auf leisen Pfoten daher. Ich gestehe freimütig, dass ich Hauck & Bauer – vielleicht auch wegen solcher Zurückhaltung – lange etwas unterschätzt habe. Doch diese trüben Zeiten sind vorbei.

Kongenial in Frankfurt und Berlin

Über Elias Hauck und Dominik Bauer teilt der Kunstmann-Verlag mit: „Bauer denkt sich die Witze in Frankfurt am Main aus, Hauck zeichnet sie in Berlin.“ Das glaube ich nicht ganz. So aus einem Guss wirken diese Cartoons („Witze“ ist wohl nicht der richtige Begriff), dass die Arbeitsteilung schwerlich so eindeutig sein dürfte. Hypothese, aus dem Bauchgefühl heraus: Bauer muss durchaus feinen Sinn für die zeichnerische Umsetzung seiner Einfälle haben, Hauck wiederum erfasst Nuancen der Spruchblasen-Texte geradezu traumwandlerisch. Er ist ein Meister der mit wenigen hingeworfenen Strichen zielsicher erfassten Gesichtsausdrücke.

Während sich die erwähnten Stephan Katz und Max Goldt hinreißend schräge Geschichten aus allen denkbaren gesellschaftlichen „Szenen“ ausdenken, bewegen sich Hauck & Bauer zumeist eher im gewöhnlichen Durchschnitts-Alltag, den sie freilich hintersinnig, ja manchmal hinterhältig parodieren. Vielfach tauchen Figuren auf, die sich unfreiwillig komisch in ihren eigenen Macken und Neurosen verstricken. Das Themenfeld geht uns wohl alle an. Man kann das kaum rein verbal beschreiben, man muss sich halt die Resultate anschauen. Explizit politisch sind übrigens beide Arbeitsgemeinschaften nicht, sie loten ungleich tiefer, sozusagen im Ur- und Untergrund unseres Gemeinwesens. Aber das gilt ja für alle guten bis exzellenten Cartoonisten (und Comedians).

Nur ein paar Stichworte: Wir sehen, wie Noah partout keine Menschen auf seine Arche lassen mag. Der Herr „Feminist“ im feinen Zwirn betont großzügig, dass auch Frauen dazugehören und stets „mitgemeint“ sind. Oder dieser Dialog zwischen Interviewer und dem ungemein wichtigen Befragten: „Es tut mir leid, da muss ich noch mal nachhaken.“ – „Es tut mir leid, da muss ich noch mal ausweichen.“ Oder solch‘ grandiose Lakonie: „Hält hier der autonome Bus?“ – Antwort: „Wenn er will.“

Nein, nein, man kann das alles nicht mal ansatzweise nacherzählen, das Visuelle gehört unbedingt dazu. Ja, was machen wir denn da? Genau. Dafür haben wir Geld.

„Dafür haben sie Geld – Das Hauck & Bauer Taschenbuch“. Kunstmann Verlag, 256 Seiten, 14 Euro.




Die schwebende Komik des Bernd Pfarr

Der leider so früh verstorbene Bernd Pfarr (1958-2004) war ein unvergleichlicher Cartoonist, Zeichner und Maler. Kaum auszudenken, welche Figuren und Szenen er noch hätte erschaffen können, wenn ihm mehr Jahre geblieben wären.

Seine Bilder führen in ungeahnte Vorstellungsräume, sie sind nicht einfach nur hochkomisch, sondern heben mit allem Inventar gleichsam sachte ab vom Boden der Verhältnisse, öffnen unversehens Türen in eine andere Wirklichkeit. Ach, es ist verteufelt schwer, diese wunderbar schrägen, immer auch geheimnisvoll schwebenden Bilder mit Worten zu erfassen. Pfarrs zutiefst merkwürdige Figur „Sondermann“ zählt jedenfalls zu den grotesken Legenden neuerer Zeitrechnung.

Wer, wenn nicht solche erhabenen Könner wie Pfarr, der überdies auch ein höchst feinsinniger Texter gewesen ist, gehörte in eine Buchreihe mit dem Obertitel „Meister der komischen Kunst“? Der Band über Bernd Pfarr erscheint hier neben ähnlich aufgemachten Einblicken ins Oeuvre von Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Chlodwig Poth, Marie Marcks und anderen Großkalibern. Die Namen lassen es ahnen: Die „Neue Frankfurter Schule“ des parodistischen Humors, welche sich vornehmlich um die Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ gruppierte, macht längst einen bildnerischen Kernbestand der Komik im deutschsprachigen Raum aus, der sicherlich auch den internationalen Vergleich nicht scheuen muss. Die „Frankfurter“ und ihr Umfeld prägen somit auch diese Reihe des Münchner Kunstmann-Verlags.

Das 2010 begonnene verlegerische Projekt (Herausgeber ist der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher WP Fahrenberg) hat durchaus verdienstvolle Ansätze, sucht es doch die Erinnerung an Künstler wachzuhalten, die sonst womöglich verblassen könnte. Auswahl und Präsentation sind jeweils ordentlich, wenn auch nicht berauschend. Denn viele Cartoons würden durch größere Formate erheblich gewinnen, ja, manche verlangen gar gebieterisch nach mehr Platz, als ihnen hier zugestanden wird.

Handelsübliche Cartoonbände sind nun mal nicht von ungefähr deutlich größer als die Titel dieser Reihe. Mit knapp über 100 Seiten lassen sich zudem manche Lebenswerke nur recht knapp skizzieren. Auch im Falle Bernd Pfarrs langt es – neben Kostproben aus dem Schaffen – nur für ein paar kleine Beigaben: einen kurzen, klugen Aufsatz von Patrick Bahners (der „Mäuerchen“ als zentrales Motiv in Pfarrs Werk benennt), ein paar biographische und bibliographische Daten sowie eine Handvoll Fotos aus Pfarrs Leben. Das weckt Appetit, stillt ihn aber nicht.

Es ist anzunehmen, dass man bei Kunstmann einigermaßen vorsichtig kalkulieren musste und sich eben nicht getraut hat, mit voluminösen Großformaten auf den Markt zu gehen. Man kann das nachvollziehen, es ist sicher vernünftig. Schade ist es trotzdem.

Meister der komischen Kunst: Bernd Pfarr. Kunstmann Verlag, München. 112 Seiten im Format 23,4 x 18 cm. 16 Euro.