Der Wolf ist da – und nun?

Auf dem roten Teppich: So taucht ein präparierter Wolf (rechts) im Naturmuseum auf – mit seinen „Nachfahren“, wie dem Deutschen Schäferhund (Mitte) und dem Bernhardiner. (Foto: Bernd Berke)

Anno 2000 tauchten erste Exemplare in der Lausitz (Grenze zu Polen) auf, 2018 wurde das erste Rudel in Nordrhein-Westfalen gesichtet – und im März 2022 hat der erste und bislang wohl einzige Wolf Dortmunder Stadtgebiet erreicht. Damit ist klar: „Der Wolf ist da, und wir müssen mit ihm leben.“ Das sagt Jan-Michael Ilger, Kurator am Dortmunder Naturmuseum, wo heute die Ausstellung „Wolfswelt – Die Rückkehr des Wolfes“ begonnen hat.

Die kleine Schau mit etwa 100 Exponaten besteht vor allem aus Infotafeln mit interaktiven Einsprengseln sowie aus Dioramen mit zahlreichen präpariertem Tieren, beileibe nicht nur Wölfen. Auch akustische Beispiele (Wolfsgeheul) oder Fühlproben (Wolfsfell) gehören dazu, Ausscheidungen hingegen aus guten Gründen nicht: „Die stinken wirklich bestialisch“, weiß Ilger. Statt dessen gibt’s zwei lauschige Boxen, in denen man sich Fabeln und dergleichen über Wölfe anhören kann – und schließlich einen Schaukasten mit mehr oder weniger herzigen  „Devotionalien“, in denen Wölfe vorkommen; vom Stofftier über Werbemittel (Wölfe auf T-Shirts oder Schnapsflaschen) bis zur Film-DVD „Der mit dem Wolf tanzt“. Auf Zetteln, die nach und nach in die Ausstellung integriert werden, können Besucherinnen und Besucher ihre Meinung zum Wolf kundtun.

Nun aber Fakten. Die Ausstellung bringt ja einige Erkenntnisse mit sich, die Jan-Michael Ilger beim Rundgang erläutert. Punkt für Punkt:

  • Anfangs (siehe oben) kamen die Wölfe vorwiegend aus dem Osten, später auch aus dem Alpenraum. Inzwischen gibt es regionale Schwerpunkte in NRW, wo besonders viele Wölfe leben: Teile der Eifel, des oberbergischen Landes, der Senne-Region und Schermbeck.
  • Das gängige Gerede von „einsamen Wolf“ als Alpha-Tier ist eine Mär. Wölfe leben in aller Regel in Familien-Verbänden, also in Rudeln. Dem Menschen gegenüber sind sie meistens ausgesprochen scheu.
  • Der im 19. Jahrhundert jagdlich nahezu ausgerottete Wolf hat – nicht erst seit dem „Rotkäppchen“-Märchen – ein „schlechtes Image“ als blutrünstige Bestie. Es entspricht ebenso wenig der Wirklichkeit wie jedwede Verklärung als herrlich wildes Naturwesen.
  • Ein einziger Abschuss kann die gesamte ausbalancierte Sozialstruktur eines Wolfsrudels zerstören. Zurück bleiben dann vielfach „Problemwölfe“. Hierzulande ist die Jagd auf Wölfe untersagt, in Schweden hingegen nicht.
  • Die Spuren einzelner Wölfe konnten nachverfolgt werden.Einer hat beispielsweise 1300 Kilometer zurückgelegt, um zu einem Rudel zu gelangen. Sprich: Er wollte eben, seiner Art gemäß, nicht allein leben. Ein wandernder Wolf kann auch schon mal 100 Kilometer am Tag zurücklegen.
  • Der Wolf ist und bleibt nun mal ein Raubtier. Bevorzugte Beute sind vor allem Rehe. Eine Wolfsmahlzeit wiegt rund 10 Kilogramm, ein ausgewachsenes Tier frisst durchschnittlich ein bis zwei Rehe in der Woche. Vor Wildschwein und Hirsch haben Wölfe deutlich größeren Respekt, sie trauen sich allenfalls im Rudel heran, nicht aber einzeln. Zur Not nimmt ein Wolf auch mit Kaninchen oder Mäusen vorlieb. Sozusagen „für den kleinen Hunger zwischendurch“.
  • Die leichteste Beute für Wölfe sind allemal Schafe, die nicht einmal flüchten, sondern gleichsam vor Angst erstarren. Selbst teure Einzäunungen mit Stromführung helfen nicht immer gegen den Eindringling Wolf. Der überspringt mitunter auch hohe Zäune oder buddelt sich unten drunter durch, um Schafe zu reißen.
  • Bei entsprechende Nachweisen (DNA-Probe) können betroffene Schafzüchter Entschädigung bei staatlichen Stellen geltend machen. Bei etwa 1,5 Millionen in Deutschland lebenden Schafen kommt es im Jahr zu rund 3000 „Übergriffen“ durch Wölfe. Fast immer verlaufen sie tödlich.
  • Treffen Wölfe auf ihre nächsten hiesigen Verwandten unter den wild lebenden Tieren, nämlich die deutlich kleineren Füchse, so halten beide Arten voneinander Abstand. Nennen wir es mit einem menschlichen Begriff „friedliche Koexistenz“.

Gewisse Unterschiede: Zwei Wolfsschädel (Mitte) mit Pendants vom Deutschen Schäferhund (links) und vom Deutsch Drahthaar (rechts). (Foto: Bernd Berke)

  • All unsere Hunde stammen letztlich vom Wolf ab, auch wenn man es vielen (teils fürchterlich überzüchteten) Rassen gar nicht mehr ansieht. Vor allem Schädelskelette machen dies in der Ausstellung deutlich. Da gibt es im Extremfall bedauernswerte Hundesorten, die manchmal kaum noch atmen können, weswegen sie eigens tierärztlich eingesetzte Atemröhrchen brauchen, um zu überleben…
  • Kommt es zur Begegnung zwischen Wolf und Hund, können sich Kämpfe daraus ergeben, manchmal regt sich aber auch beiderseits „sexuelles Interesse“. Daraus hervorgehende „Hybrid-Welpen“ haben, nirgendwo so recht zugehörig, von Anfang an kein leichtes Leben. Sie sind übrigens nicht mehr so scheu und zurückhaltend wie reine Wölfe. Eine Grundregel: Besteht die Möglichkeit, dass Wölfe in der Gegend unterwegs sind, sollten Hunde stets angeleint bleiben.
  • Und woran sterben Wölfe? Nur zum geringen Teil an Krankheit und Altersschwäche, jedoch zu rund drei Vierteln, weil sie auf unseren Straßen überfahren werden.

„Wolfswelt – Die Rückkehr des Wolfes“. 25. März 2023 bis 4. Februar 2024. Naturmuseum Dortmund, Münsterstraße 271. Geöffnet Di bis So 10-18 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 €, unter 18 Jahren frei. Tel.: 0231 / 50-24 856.

www.dortmund.de/naturmuseum

P. S.: Die Ausstellung wurde (wie schon die Vorläufer-Schau „Tot wie ein Dodo“) am Naturhistorischen Museum in Mainz konzipiert und in Dortmund ergänzt.




„Tot wie ein Dodo“ – Dortmunds Naturmuseum nimmt Ausrottung der Tierarten in den Blick

Schockierend konstruierte Szenerie mit einem Ranger, der nicht mehr verhindern konnte, dass dem Breitmaulnashorn die Hörner abgehackt worden sind… (Foto: Bernd Berke)

„Tot wie ein Dodo“ heißt, denkbar lakonisch, die neue Sonderausstellung im Dortmunder Naturmuseum. Die Benennung geht zurück auf die englische Redewendung „as dead as a dodo“, die mit Betonung auf Endgültigkeit ungefähr als „mausetot“ zu übersetzen wäre, was jedoch das grundfalsche Tier aufruft – ebenso wie der Internet-Sprachdienst Linguee, der sie mit „ausgestorben wie ein Dino“ übersetzt. Nix da Dino. Dodo!

Womit wir beim richtigen Dodo angelangt wären. Den hat es nämlich wirklich gegeben, nur ist er leider um das Jahr 1700 auf der Insel Mauritius ausgestorben – durch gewaltsame menschliche Einwirkung. Die flugunfähigen, mutmaßlich etwas tollpatschigen Vögel hatten keine Fressfeinde und waren daher so zutraulich, sich ohne Arg den Seefahrern zu nähern, die damals auf dem Weg nach Indien gern Zwischenhalt auf Mauritius machten. Hier nahmen sie Proviant auf und entdeckten auch das (wohl etwas zähe) Fleisch der Dodos für sich, um die es alsbald geschehen war. Den Rest gaben ihnen eingeschleppte Tiere wie Ratten, Schweine und Affen, die die Eier der Dodos fraßen. Nur noch wenige Skelette und karge Notizen künden von ihrem exemplarischen Erdendasein. Und jetzt gibt es den Dodo im Dortmunder Museumsshop als flauschiges Stofftier…

Weiteres Diorama in der Dortmunder Dodo-Ausstellung: Ein nicht allzu sympathischer Seemann (übrigens klischeegrecht mit Holzbein) hält feixend einen gerupften Vogel hoch, dessen noch lebender Artgenosse schaut zu. (Foto: Bernd Berke)

Ein Dodo-Diorama mit brutalem Seemann, der eines der getöteten Tiere gerupft hat, markiert den Eingangsbereich zur Dortmunder Ausstellung. Doch es geht längst nicht nur um diese Vögel, sondern um Tausende ausgestorbener und aussterbender Arten, deren Schicksal mit weiteren Dioramen, Vitrinen-Exponaten und Schautafeln vergegenwärtigt wird. Dabei geht es recht schaurig zu.

Mitleid mit der geschundenen Kreatur weckt etwa das akut bedrohte südliche Breitmaulnashorn, für dessen Hörner immense Beträge gezahlt werden und das daher zahllose Wilderer auf den Plan ruft. Hier sehen wir eine Szenerie mit blutig abgehackten Hörnern. Neben dem verendenden Tier hockt ein Ranger, der es eigentlich vor Wilderern hätte beschützen sollen. Doch seine Ausrüstung ist kläglich und der Schwarzmarkt-Preis eines einzigen Horns (pro Kilo 45.000 Dollar!) beträgt das eineinhalbfache seines Jahresgehalts, wie Julian Stromann (im Museum zuständig für Bildung und Vermittlung) ergänzend zu berichten weiß. So sind denn auch schon viele Ranger im Dienst erschossen worden.

Auf einer Bildtafel sind sogenannte „Endlinge“ versammelt, buchstäblich die Letzten ihrer jeweiligen Arten, darunter beispielsweise „Lonesome George“, mit dem die Geschichte einer Riesenschildkröten-Spezies aufgehört hat. Es folgt ein lebensgroßes, dramatisch zugespitztes Szenenbild mit dem gigantischen Laufvogel Riesenmoa, der einst auf Neuseeland gelebt hat und hier von einem Maori-Ureinwohner angegriffen wird.

Weitaus schlimmer aber wüteten die Angehörigen der kolonisierenden Völker und deren Pioniere: Seefahrer waren bereits die Hauptschuldigen am Aussterben der Dodos, sie hatten auch den pinguinartig aussehenden Riesenalk (ausgestorben durch brachiales Erwürgen der letzten Exemplare am 3. Juni 1844) und die Stellersche Seekuh auf dem Gewissen. Letztere Meerestiere waren so sozial, dass sie erlegten Artgenossen zur Hilfe eilten, so dass sie nicht mehr einzeln gejagt werden mussten, sondern gleich massenhaft getötet werden konnten.

Noch eine dramatisierende Ausstellungs-Inszenierung: Ein Seemann nähert sich in unguter Absicht den letzten Riesenalk-Exemplaren. (Foto: Bernd Berke)

Gruselig sodann eine Zusammenstellung von geschmuggelten touristischen Mitbringseln wie etwa Kroko-Täschchen oder gar Spielwürfeln aus Krokodilknochen. Höchst bedenklich zudem die in Asien verbreitete medizinische Praxis, die z. B. Haifischflossen, Seepferdchen-Pulver oder (angeblich potenzfördernde) Schlangenschnäpse verabreicht. Vor allem Tiger werden für heilkundliche Zwecke nahezu rundum ausgeweidet.

Ein Schaubild mit „Zeitschnecke“ veranschaulicht, dass menschliche Wesen den rund 4,6 Milliarden alten Planeten gleichsam erst in den letzten Sekunden bevölkert haben, wenn man das Erdalter auf ein einziges Jahr umrechnet. Der Mensch als in mancherlei Hinsicht verspätetetes Wesen: Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in der Wissenschaft überhaupt ein Bewusstsein davon, dass es etliche ausgestorbene Tierarten gibt. Haben wir seither grundlegend dazugelernt? Eher im Gegenteil, was das Handeln und den schier schrankenlosen Konsum betrifft. Das Tempo der vom Menschen betriebenen Naturvernichtung hat sich ungemein beschleunigt und bedroht längst auch sein eigenes Dasein. Hier setzt die Ausstellung an, indem sie größere Zusammenhänge von Klimawandel, Vegetation und Nahrungsketten aufgreift. Und ja: Natürlich hat auch der Eisbär auf schmelzender Scholle dabei seinen traurigen Auftritt.

„Tot wie ein Dodo. Arten. Sterben. Gestern. Heute.“ Naturmuseum Dortmund, Münsterstraße 271. Vom 8. April bis 20. November 2022. Geöffnet Di-So 10-18 Uhr. Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro, unter 18 Jahren frei. Zutritt derzeit nach 2G-Regelung, Änderungen während der langen Laufzeit möglich.

Gesponsert von der örtlichen Sparkasse, werden 160 kostenlose Schulklassen-Führungen angeboten.

Tel. für Buchungen und Infos: 0231 / 50-248 56.

Tickets online: www.naturmuseum-dortmund.de

 




Im Zeichen des Mammuts – Dortmunds Naturmuseum nach sechs Jahren endlich wieder geöffnet

Museumsdirektorin Dr. Dr. Elke Möllmann und Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau halten dem Wahrzeichen des Naturmuseums (aus vielen Originalteilchen zusammengesetztes Skelett einer Mammut-Kuh) ihre Schutzmasken vor. Sierau ließ es sich nicht nehmen, den hindernisreichen Umbau des Hauses als „Mammut-Aufgabe“ zu bezeichnen. (Foto: Bernd Berke)

Eine Stadt, die etwas auf sich hält, sollte beispielsweise mehrere Kunstmuseen haben, außerdem diverse Häuser zur (Kultur)-Geschichte – und möglichst ein naturkundliches Ausstellungs-Institut. In diesem Sinne rückt Dortmund jetzt beim Image-Wettbewerb der Kommunen endlich wieder in eine der vorderen Reihen auf: Nach schier unglaublichen sechs Jahren Umbauzeit (nur zwei hätten es sein sollen) eröffnet das Naturmuseum wieder, in gründlich veränderter Gestalt und deutlich attraktiver als ehedem.

Eigentlich ist – neben dem althergebrachten Stadtwappen-Adler – das Nashorn (Maskottchen des Konzerthauses) zum Dortmunder Werbetier avanciert, doch nun bekommt der Dickhäuter ebenso schwergewichtige Konkurrenz von einer Mammut-Dame. In mühseliger Kleinstarbeit hat man ihr Skelett fürs Museum zusammengesetzt, aus zahllosen originalen Einzelteilen, die (gleichsam als „Beifang“) auf dem Gebiet der heutigen Nordsee gefunden wurden. Vor rund 30.000 Jahren war dort noch trockenes Land. Schon angesichts eines solchen Zeitmaßes erscheint die sechsjährige Umbauzeit seit 2014 denn doch als (allerdings kostspielige) Petitesse. Und es geht ja museal noch viel weiter zurück: von den Eiszeiten (Quartär – hierhin gehört das Mammut) über das Zeitalter der Saurier (Kreidezeit) bis in die Frühzeit der Kohle-Entstehung (Karbon).

Kindgerechtes Marketing: Das Mammut gibt’s auch schon als Stofftier. (Foto: Bernd Berke)

Ach ja, übrigens: Nähere Einzelheiten zur Genese des bundesweit beispiellosen Dortmunder Mammuts finden sich hier. Und noch viel, viel mehr steht im „Mammutbuch“, das von den Freunden und Förderern des Naturmuseums neu herausgebracht wurde.

„(Bitte nicht) am Dino packen!“

Das zweite spektakuläre Hauptstück des Hauses ist nicht original, sondern ein nachempfundenes Dinosaurier-Modell. Die Dortmunder kennen das mächtige Wesen noch aus dem alten Naturkundemuseum, wie es vormals geheißen hat. Dortmund Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) sagte heute zur Eröffnung, er sei in den letzten Jahren vielfach darauf angesprochen worden, wann denn der Dino (und all die anderen Exponate) wieder zu sehen sein würden. Er musste die Menschen wieder und wieder vertrösten. Heute aber rief er launig und spontan in Ruhri-Diktion aus: „Jetzt kann man wieder am Dino packen!“ Da freilich musste er sich von den Museumsleuten höflich korrigieren lassen. Nicht nur, aber derzeit vor allem „wegen Corona“ dürfen etliche Objekte und Mitmach-Stationen noch nicht so berührt werden, wie man es sich gewünscht hätte.

Viele Kalamitäten beim Umbau – nur kein Vulkanausbruch

Museumsdirektorin Dr. Dr. Elke Möllmann skizzierte kurz die schier endlose Abfolge von Pech und Pannen in der Umbauzeit. Mal ging eine Baufirma pleite, mal gab’s keinen Strom, kein Internet, keine Heizung oder kein Wasser, dann wieder hatte man eine Überschwemmung. „Nur einen Vulkanausbruch – den hatten wir nicht…“

So präsentiert sich jetzt der Eingangsbereich des Naturmuseums. (Foto: Bernd Berke)

Die Museumschefin erläuterte das veränderte Konzept: Während das Museum früher die wissenschaftliche Systematik in Biologie und Geologie nüchtern abgearbeitet habe, sei der Rundgang heute im Wesentlichen regionalspezifisch und möglichst sinnlich arrangiert. Man setzt also konsequent in der Lebenswelt Dortmunds und des Umlandes an, ganz konkret zum Beispiel bei den Dortmunder Großgrünflächen Westfalenpark, Rombergpark, Hauptfriedhof und Fredenbaum. Diese Parklandschaften und andere Lebensräume sind (unter dem Obertitel „Stadt – Land – Fluss“) Ausgangspunkte naturgeschichtlicher Erkundungen und Erzählungen, die sich immer mehr verzweigen.

Die Vielfalt reicht bis in Alltagsfragen hinein, beispielsweise: Was muss ich bei der Haltung eines Meerschweinchens beachten? Andererseits rührt man natürlich auch an die großen Fragen der Entstehung des Lebens und der Ökologie. Wollte man hier all die vielen Schubladen mit pointiertem Zusatzwissen aufziehen und die Tafeln lesen, so hätte man sehr reichlich zu tun. Besser wär’s, man käme mehrmals wieder.

Vermittlung durch Vitrinen bleibt eher die Ausnahme

Ja, es gibt auch einige Vitrinen (etwa mit präparierten Vögeln oder Eichhörnchen und dergleichen Getier), doch derlei traditionelle Vermittlung ist eher die Ausnahme, auch wirkt das Inventar „lebendiger“, denn alles ist ungleich besser ausgeleuchtet als früher in den notorisch schummrigen Museen. Wo immer es ging, hat man versucht, Informationen zeitgemäß mit anschaulichen Dioramen, Touchscreens, Videos oder Hörstationen aufzubereiten. In der Pflanzenabteilung darf man ausgewählte Düfte riechen, in einem großen Aquarium schwimmen heimische Fische. Auf der geologischen Etage, die einem vielleicht nicht gar so nah liegt wie die Tierwelt, werden Fossilien durch farbliche Gestaltungen und überraschende Zusammenhänge „zum Sprechen gebracht“. So liegen etwa die uralten Ammoniten nicht einfach nichtssagend herum, sondern sie werden buchstäblich ansprechend präsentiert. Zudem ergeben sich auf den verschiedenen Stockwerken immer wieder reizvolle Perspektiven, die auch dem ästhetischen Empfinden Genüge tun.

Auch eine Katze leistete ihren naturgemäßen Beitrag

Nicht nur die Museumsdirektorin und ihr Team haben seit 2014 einiges geleistet, selbst die Katze von Frau Dr. Dr. Möllmann war indirekt beteiligt. Sie hat Mäuse gefangen, deren filigrane Skelette sodann präpariert wurden und nun in einem speziellen Schaukasten zu sehen sind; selbstverständlich im wissenschaftlichen Kontext.

Gut denkbar, dass das Naturmuseum, wie zuvor das Naturkundemuseum, wieder zum besucherstärksten Haus in Dortmund wird (wenn man vom Deutschen Fußballmuseum einmal absieht). Nicht nur nebenher bedeutet es auch eine kulturelle Aufwertung der gelegentlich als problematisch verschrienen Dortmunder Nordstadt.

Naturmuseum Dortmund. Münsterstraße 271. Ab Dienstag, 8. September 2020, jeweils dienstags bis sonntags 10-17 Uhr (zu diesen Zeiten ist auch das neue Museumscafé „Ammonit“ geöffnet). Eintritt in die Dauerausstellung frei. Neu seit 22. September: tägliche Öffnungszeit um eine Stunde erweitert, also Di bis So 10-18 Uhr

Reservierung erforderlich: Tickets über www.naturmuseum-dortmund.de

Tel.: 0231 / 50-24 856. Mail: naturmuseum@stadtdo.de

Internet: www.naturmuseum.dortmund.de

_________________________

Einlass-Regelung/Reservierung

Es muss vorab online für jede Person (unabhängig vom Alter) eine Reservierung vorgenommen werden, und zwar auf dieser Seite:

www.naturmuseum-dortmund.de

Die Reservierungen sind jeweils auf ein bestimmtes Einlass-Zeitfenster begrenzt. Dies bedeutet, dass der Zugang zum Museum nur zu dieser Zeit gestattet wird. Durch die Limitierung der Reservierungen soll gewährleistet werden, dass die aktuell maximal zulässige Personenanzahl im Naturmuseum zu keinem Zeitpunkt überschritten wird.

Vorerst werden nur Reservierungs-Möglichkeiten für jeweils zwei Wochen online gestellt.

 

 




Der Neandertaler hat schon Platz genommen – Dortmunds Naturmuseum soll am 7. Juni eröffnen

Museumsdirektorin Dr. Dr. Elke Möllmann und Museumspädagoge Julian Stromann rücken den sorgsam nachgebildeten Neandertaler zurecht. (Foto: Roland Gorecki/Dortmund Agentur)

In genau 99 Tagen, am 7. Juni 2020, wird das gründlichst umgebaute und geringfügig umbenannte Dortmunder Naturmuseum eröffnet. Wohlweislich hat man den Termin in der BVB-Stadt aufs erste fußballfreie Sommer-Wochenende gelegt.

Dortmunds vor der langjährigen Schließung (seit September 2014!) meistbesuchtes Museum ist sich seiner Bedeutung wohl bewusst. Anzeichen dafür: Kürzlich wurde eigens eine Pressekonferenz anberaumt, um den neuen Namen (just Naturmuseum statt Naturkundemuseum) zu verkünden. Jetzt gab’s ein weiteres Medien-Meeting zur Bekanntgabe des Eröffnungstermins und für ein paar fotografische Impressionen.

Am 7. Juni soll jedenfalls von 11.30 bis 18 Uhr groß (aber nicht dem Slang gemäß „hart“) gefeiert werden. Der in Dortmund und drumherum allgegenwärtige Comedian Fritz Eckenga wird das unterhaltsame Begleitprogramm moderieren. Beim Rundgang kann man dann unversehens dem frühen Homo Sapiens oder dem Neandertaler begegnen und sich vor allem auf die prähistorischen Spuren der regionalen Flora und Fauna begeben.

Naturmuseum, Eröffnung am 7. Juni 2020 (ab 11.30 Uhr). Dortmund, Münsterstraße 271. Eintritt generell frei.

 




Wow! Ihr werdet nicht glauben, wie das Dortmunder Naturkundemuseum jetzt heißt!

Äußerlich sachlich und schmucklos: das Museum, das jetzt einen neuen Namen trägt... (Aufnahme vom August 2019: Bernd Berke)

Äußerlich sachlich und schmucklos: das Museum, das jetzt einen neuen Namen trägt… (Aufnahme vom August 2019: Bernd Berke)

…und nun zu einer Nachricht, die eventuell ein paar Tage Aufschub verträgt. Obwohl: recht eilends anberaumte Pressekonferenz, freitags um 15 Uhr (gewiss nicht der Lieblingstermin einer Lokalredaktion); sodann die Nachricht mit zeitlichem Sperrvermerk. Da hat sich doch offenbar Wichtiges begeben?

Wie man’s nimmt. Bevor ich euch gar zu sehr auf die Folter spanne, nur frisch heraus mit der auch schon zwei Tage alten Wahrheit: Die Sache ist nämlich die, dass das Dortmunder Naturkundemuseum, seit rund fünf Jahren (und damit weit über die Ursprungspläne hinaus) wegen Umbaus geschlossen, einen neuen Namen erhalten hat. Jetzt seid Ihr baff. Doch wie groß wird erst euer Erstaunen sein, wenn ihr den neuen Namen erfahrt. Er lautet (Trrrrrrommmmelwirbel…):

Naturmuseum

Wow!

Es mag Internet-Seiten geben, die eine solche Nachricht mit elend langer Klickstrecke und Anmach-Sprüchen à la „Ihr werdet nicht glauben, wie das Naturkundemuseum jetzt heißt!“ verkaufen würden. Das hätten wir uns und euch gern komplett erspart. Indes…

Dr. Dr. Elke Möllmann, die Leiterin des Hauses, das schlussendlich im Sommer 2020 wieder öffnen soll, zeigte sich jedenfalls – laut Pressemeldung der Stadt Dortmund – „hochzufrieden“. Zitat: „Der Name betont den Erlebnischarakter…“

Na, wenn das so ist. Offenbar deutet der Wegfall des (zu sehr nach Anstrengung und schulischem Unterricht schmeckenden?) Bindeglied-Begriffs „Kunde“ (Naturkunde) auf eine gewisse Erleichterung des Zugangs hin. Ersten Eindrücken zufolge, die man vor einigen Monaten aufklauben konnte, wird das neue Konzepts des Museums diesen Anspruch wohl auch einlösen, ohne die wissenschaftliche Seriosität zu opfern.

Im August hatte das Museum einen Namenswettbewerb ausgeschrieben, an dem sich – seltsame, fast schon magische Zahl – 101 Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben, zum Teil auch mit Gedichten oder Zeichnungen. Es folgten Debatten „der politischen Gremien“ sowie ein Losentscheid, durch den fünf Teilnehmer(innen) Exklusiv-Führungen bzw. Kindergeburtstage im Museum gewannen.

Im deutschsprachigen Raum, vor allem in der Schweiz, so hieß es ergänzend,  gebe es bereits einige naturkundliche Museen, die als „Naturmuseum“ firmieren. Somit wäre Dortmund nicht allein auf weiter Flur. Und mit der Schweiz haben wir es ja sowieso, auch auf anderem Gebiet. Ich sage nur Favre, Bürki und Hitz.