„Firewall einer freien Gesellschaft“: Wie fördert und bewahrt man künftig hochwertigen Journalismus?

Demokratie braucht qualifizierten Journalismus: Darin sind sich alle Autoren des Bandes „Medien und Journalismus 2030 – Perspektiven für NRW“ einig, und suchen nach Wegen, ihn zukunftssicher zu machen.

Die Medienlandschaft erlebt nun mal, das ist wahrlich keine neue Nachricht, umwälzende Veränderungen. Folgende Kennzahlen dazu: Die Gesamtauflage der Zeitungen in Deutschland hat sich von 2002 bis 2016 um rund ein Drittel reduziert, die Anzahl der Radiosender von 297 auf 415 erhöht und in jeder Minute werden auf YouTube mehr als 400 Stunden Videomaterial hochgeladen.

Soziale Medien sind bisher kein Ersatz

Journalisten, Medienexperten, Verleger und führende Kräfte aus Verlagshäusern betrachten ihn diesem rund 160 Seiten starken Band die aktuellen Gegebenheiten und beschreiben die Herausforderungen, die es in den nächsten Jahren zu bewältigen gilt. Dabei stellt Christian DuMont Schütte beispielsweise heraus, dass die sozialen Medien eine (große) Hoffnung nicht erfüllt haben: Einen professionellen Journalismus haben sie nicht ersetzt. Dabei, das unterstreicht, Klaus Schrotthofer, von 2004 bis 2007 Chefredakteur der Westfälischen Rundschau und heute Geschäftsführer der Mediengruppe „Neue Westfälische“, brauche man guten Journalismus, sei er doch die „Firewall einer freien Gesellschaft“.

In seiner Analyse beschreibt Schrotthofer, dass allerdings Verlagshäuser immer weiter Stellen abbauen und zentralisieren. Um Kosten zu sparen, schlägt er einen alternativen Weg vor: Verlage sollten regional und projektbezogen mehr kooperieren dürfen. Dazu sollten dann auch per Reform des Kartellrechts die Wege geebnet werden. Kritisch merkt Schrotthofer überdies an, dass sich die Tarifbindung von Verlagen „zusehends zum Wettbewerbsnachteil“ entwickele und somit auch die Attraktivität der Medienbranche als Arbeitgeberin insgesamt leide.

Allenthalben der leidige Kostendruck

Kostendruck herrscht aber, wenn auch nicht so eklatant wie bei den Zeitungen, auch im Rundfunk, wobei hier sowohl der private wie auch der öffentlich-rechtliche gemeint ist. WDR-Intendant Tom Buhrow beschreibt die angespannte Lage im eigenen Haus, spricht von 500 Stellen, die man habe streichen müssen, um einem finanziellen Offenbarungseid zuvorzukommen. Perspektivisch betrachtet sieht Buhrow durchaus eine Reihe von Problemen. Die finanzielle Sicherheit für den Sender ist dabei eine ganz entscheidende Frage. Der Intendant überlegt darüber hinaus auch, worin denn dauerhaft die Sender phoenix und tagesschau 24 unterscheidbar sein wollen und welches Publikum eigentlich den Sender One einschalten soll. Insgesamt sieht Buhrow die öffentlich-rechtlichen Sender gut aufgestellt, das attestiert Sascha Fobbe auch dem lokalen Privatfunk in NRW. Um aber dauerhaft wetterfest zu sein, brauche das gesamte System mehr Flexibilität, von denen die einzelnen Sender profitieren sollen.

Zwischen Stiftungen und Crowdfunding

Da an allen Ecken und Enden Geld fehlt, schlagen mehrere Verfasser ganz unterschiedliche Finanzmodelle vor, um Qualitätsjournalismus zu retten oder auch zu ermöglichen. Stiftungen könnten eine solche Lösung sein, Crowdfunding und gemeinnützige Vereine. Doch jeden einzelnen Vorschlag unterziehen Verfasser einer differenzierten Betrachtung. Wer steckt beispielsweise hinter einer bestimmten Stiftung, lautet eine kritische Rückfrage.

Zu Crowdfunding gibt es bereits konkrete Beispiele, aber der Autor und Journalist René Schneider gibt zu bedenken, dass eine solche Schwarmfinanzierung sich nicht für eine dauerhafte, sondern eher für eine projektbezogene Berichterstattung eigne. Die von Klaus Schrotthofer genannten Kooperationen sind zwar auch für die Kölner Kulturredakteurin Anne Burgmer eine große Chance, was sich nach ihren Worten an der Zusammenarbeit von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung zeigt und hier wieder exemplarisch an den „Panama Papers“. Doch nach Burgmers Ansicht mangelt es an Transparenz, sodass man nicht genau wisse, wie viel Geld nun von welchem Medienhaus stamme.

Wenn der „Prosument“ die Szene betritt

Besonderer Anstrengungen aller Beteiligten bedarf es, die journalistische Ausbildung zu bewerkstelligen und Nachwuchs zu gewinnen. Eine weitere wichtige Aufgabe besteht nach Ansicht mehrerer Autoren darin, dass sowohl Print wie auch Rundfunk die Digitalisierung meistern. Im Internet habe man es inzwischen mit Prosumenten zu tun, also einer Mischung aus Produzent und Konsument, denn der User greife durch eigene Beiträge aktiv in den Journalismus ein, sei aber auch weiterhin Nutzer der Angebote.

Um lokale Informationen zu erhalten, heißt es in dem Band, würden noch immer im großen Umfang die Seiten der Tageszeitungen angeklickt. Blogs hätten noch längst nicht diesen Stellenwert bekommen. Mit der Stiftung „Vor Ort NRW“ der Landesanstalt für Medien sei eine Plattform geschaffen worden, die vor allem das lokale Angebot stärken wolle, heben die Medienfachjournalistin Ulrike Kaiser, zugleich Sprecherin der Initiative „Qualität im Journalismus“, und Simone Jost-Westendorf, Geschäftsführerin der Stiftung, hervor.

Das gesamte Bemühen um professionellen und qualitativ hochwertigen Journalismus sollte aber damit korrespondieren, dass vor allem Jugendliche, aber nicht nur sie, in Medienkompetenz geschult werden, fordern die Medienpolitiker Marc Jan Eumann und Alexander Vogt. Denn schließlich kann man, wie in dem Band dargestellt, in NRW auch einen Sender namens „Russia Today“ empfangen, den man durchaus skeptisch betrachten kann und sollte…

Marc Jan Eumann, Alexander Vogt (Hrsg.): „Medien und Journalismus 2030, Perspektiven für NRW“. Klartext Verlag, Essen. 166 Seiten, 17,95 €.




Haben Print-Medien Zukunft? Jubiläumsschrift des Dortmunder Instituts für Zeitungsforschung wägt Chancen und Risiken

„Die weitere technische Entwicklung zur drahtlos übermittelten Zeitung läßt vermuten, dass im Druckgewerbe in den nächsten Jahrzehnten mit revolutionären Entwicklungen zu rechnen ist.“ Der Satz stammt aus Zeiten, in denen wohl niemand an so etwas wie Internet und dessen Folgen für die Medienwelt dachte. Es war Kurt Koszyk, der bereits 1969 den Weitblick besaß und offensichtlich ahnte, dass den Print-Medien grundlegende Veränderungen bevorstehen.

Nachzulesen sind die Worte des Pressehistorikers nicht nur in seinem fast 50 Jahre alten Wörterbuch zur Publizistik, sondern auch in der kürzlich erschienenen Schrift „90 Jahre Institut für Zeitungsforschung“. Er selbst hat dieses Institut von 1957 bis 1977 geleitet.

Herausgegeben hat den Band die jetzige neue Leiterin Dr. Astrid Blome. Ihr Vorwort lässt durchaus erkennen, dass sie gewiss nicht nur einmal mit der Frage konfrontiert war, ob eine Stadt wie Dortmund ein solches Institut überhaupt benötigt. Das Heft liefert nun eine Reihe von Argumenten, weshalb die Stadt gut beraten ist, die Einrichtung auch weiterhin finanziell abzusichern. Doch das ist nicht alles, was die Veröffentlichung zu bieten hat. Die Autoren zeichnen ebenso die spannende Entstehungsgeschichte des Instituts nach, beschreiben Entwicklung und Besonderheiten und richten den Blick in die Zukunft.

Ein Glücksfall für die Stadt

Dass ausgerechnet Dortmund zur Heimat eines Instituts werden sollte, das für die Pressegeschichte immer noch eine Vorreiterrolle spielt, mag aus heutiger Perspektive überraschen, besaß die Stadt doch in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts weder eine Universität noch hatte sie sich in Wissenschaft und Forschung einen Namen erworben. Es war der damalige Leiter der Stadt- und (Landes)bibliothek, Dr. Erich Schulz, der – wie man heute sagen würde – gut vernetzt war, um Förderer für die Bücherei zu gewinnen, und der zudem die Trends der Zeit im Blick hatte.

Als Erich Schulz von dem angesehenen Lehrer Karl d‘Ester, der zudem in Germanistik promoviert hatte, den Hinweis erhielt, doch Zeitungen aus dem Westfälischen zu kaufen und in den Bestand aufzunehmen, weil sie „ein kommendes Thema sind“, war das die Initialzündung für ein ganz neues Arbeitsgebiet der Bibliothek. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf: Immer mehr Fachleute und auch schließlich die Zeitungsverleger wurden auf die Dortmunder Sammlung aufmerksam und es dauerte bis zur Geburtsstunde des Instituts nicht mehr lang.

Verdienste des Rundschau-Verlags

Apropos Verleger: Wie dem Buch zu entnehmen ist, sollten sie nicht die Förderer der Dortmunder Einrichtung bleiben. Heute lebt das Institut im Wesentlichen von der Unterstützung der Stadt. Wenig rühmlich ist nach Recherchen von Koszyk auch die Rolle der deutschen Zeitungsverleger nach Hitlers Machtergreifung. Ihr Interesse habe vornehmlich der Besitzstandswahrung unter dem NS-Regime und weniger der Pressefreiheit gegolten. Mit seiner Position hat der Historiker erheblichen Widerspruch geerntet; wohl zu Unrecht, wie aus den Erläuterungen des Buches zu schließen ist.

Zurück zum Institut: Verdient gemacht hat sich für einen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg insbesondere ein Verlag, nämlich der der Westfälischen Rundschau. Er sprang finanziell in die Bresche, um die „versprengten Bestände“ wieder unter einem Dach zu vereinen. Das Ringen um Geld und Stellen sollte fortan dem Institut als wichtige Aufgabe bleiben. Und wohl alle Leiter brauchten so etwas wie Erfindergeist, um Fördermittel heranzuschaffen, mit denen sie den Ausbau der Einrichtung vorantrieben, den Bekanntheitsgrad steigerten und vor allem auch Ausstellungen finanzierten.

Reichhaltige Bestände

Während manche anderen Institute nicht überlebten, konnte sich Dortmund behaupten und hat aktuell mit 116.000 Mikrofilmrollen, über 62.000 Zeitungs- und Zeitschriftenbänden, einer Fachbibliothek mit knapp 65.000 Bänden, sowie zahlreichen Plakaten und Karikaturen einen Bestand, der das Institut national und international zu einem „zentralen Spieler im Feld“ werden lässt, wie es im Grußwort heißt, zumal andere Sammlungen wie an der FU Berlin, in Münster oder Bremen entweder aufgelöst wurden oder bald verschwinden werden.

Zum Bestreben des Instituts gehörte es auch von Beginn an, eine wissenschaftliche Expertise vorweisen zu können, was allerdings auch immer vom Stellenplan abhängig ist und war. Alle Leiter, von Schulz über Koszyk, Hans Bohrmann, Gabriele Toepser-Ziegert bis hin zu Astrid Blome, um nur einige Namen zu nennen, haben durch ihr Engagement stets dazu beigetragen, das wissenschaftliche Renommee zu festigen.

Journalistik-Studenten als Nutzer

Zugleich war der Einrichtung aber auch stets daran gelegen, ein größtmögliches Interesse am Pressewesen zu wecken. Denn Zeitungen bieten bekanntlich nicht nur Lesestoff zu den aktuellen Ereignissen ihrer Zeit, sondern sind mit ihren Inseraten, Anzeigenseiten und Beilagen auch immer ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft.

Hans Bohrmann, Leiter von 1977 bis 2003, veranschaulicht im Interview, dass es einiger Anstrengungen bedurfte, um neue Benutzer zu werben. Es gelang schließlich, Familienforscher ebenso zu gewinnen wie Studenten unterschiedlichster Fachrichtungen. Dortmunder Journalistik-Studenten waren es nicht per se, denn abgesehen von der räumlichen Entfernung zur Uni, galt ihr Interesse auch nicht nur Printprodukten, sondern allen Medien. Gleichwohl besteht in heutiger Zeit ein großes Bemühen zur Kooperation von Institut und Studiengang.

Beide Einrichtungen setzen sich auch mit einer entscheidenden Frage auseinander: ob Zeitung eigentlich noch Zukunft hat oder ob auch die Einrichtung, die heute in Nähe des Hauptbahnhofes untergebracht ist, bald auf dem Abstellgleis landet.

Strategische Fehler der WAZ-Gruppe

Wie sehr das Zeitungssterben in Dortmund selbst zu spüren ist, darauf kommt Hans Bohrmann zu sprechen. Er wirft der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) bzw. der WAZ-Gruppe strategische Fehler vor, die zum Aus für die gesamte WR- und für die Dortmunder WAZ-Redaktion geführt habe. Und er wartet mit einer erstaunlichen Zahl auf: „Wenn ich höre, dass die ,Ruhr Nachrichten‘ eine Druckauflage von 60.000 haben, dann wäre das für eine 600.000-Einwohner-Stdt zu wenig“.

Astrid Blome sieht trotz alledem für die Tagespresse deshalb eine Chance, weil dieses Medium wie kaum ein anderes Informationen ordnen und strukturieren könne. Zeitungen selbst bleiben ein Forschungsobjekt und bieten angesichts einer über 400-jährigen Geschichte noch umfangreichen Stoff für weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Astrid Blome (Hrsg.): „90 Jahre Institut für Zeitungsforschung – Rückblicke und Ausblick“. Klartext-Verlag, 104 Seiten, 9,95 Euro.




Was im Revier sonst noch so geschieht… – Es war wieder mal einer dieser Donnerstage mit lauter neuen Ausstellungen

Wir erinnern uns: Das seit jeher von Kirchturmpolitik geplagte Ruhrgebiet hatte sich für 2010 zusammengerauft, um einmal gemeinsam als „Kulturhauptstadt Europas“ zu firmieren. Um das Thema einige Nummern kleiner aufzugreifen: Schon oft hätte man sich gewünscht, dass es eine Koordinationsstelle gäbe, die beispielsweise regionale Pressetermine miteinander abgleicht – und sei’s für den Anfang auch nur (ganz bescheiden) auf musealem Gebiet.

In Hamm zu sehen: Siegward Sprotte "Hiddensee", 1944, Aquarell (© Siegward-Sprotte-Stiftung)

In Hamm zu sehen: Siegward Sprotte „Hiddensee“, 1944, Aquarell (© Siegward-Sprotte-Stiftung)

Doch nein! Immer und immer wieder kommt es vor, dass zum allseits beliebtesten Vorbesichtigungs-Tag, dem Donnerstag, vier, fünf, sechs oder noch mehr Termine in mehr oder weniger unmittelbarer Nachbarschaft gleichzeitig anberaumt werden. So beispielsweise auch gestern, am 2. Februar.

Man sollte ab 11 bzw. 11.30 Uhr beileibe nicht nur die neue Ausstellung über Emil Schumacher in Hagen („Orte der Geborgenheit“) geneigt zur Kenntnis nehmen, sondern etwa auch eine Auswahl von Reisebildern des Landschaftsmalers Siegward Sprotte im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm, die gleichfalls mit „Orten“ im Titel daherkommt („Reise doch – bleibe doch!“ – Orte der Inspiration). Hier hätte man sich also schon bei der Formulierung absprechen können. Zu spät…

Zwei weitere Termine liefen überdies praktisch parallel in derselben Stadt, nämlich in Dortmund: Das Künstlerhaus im Sunderweg präsentierte der Presse seine neue Schau „Ohne Netz und doppelten Boden – Über die Uneindeutigkeit von Bildern“, die DASA Arbeitswelt Ausstellung lud unterdessen zur „Alarmstufe Rot“ über Katastrophen und deren Bewältigung. Keine Kunst, aber ebenfalls ein museales Angebot.

Damit längst nicht genug: Zur gleichen Zeit bat „nebenan“, in der Landeshauptstadt Düsseldorf, die Kunstsammlung NRW/K 21 zur umfangreichen Retrospektive über den belgischen Künstler Marcel Broodthaers. Gewiss, Düsseldorf zählt nicht zum Ruhrgebiet, doch sollte man vor allem im Raum Duisburg und Essen ein Auge darauf haben, wann dort was geschieht. Sonst fahren die meisten Kulturschreiber dorthin und nicht in die Ruhr-„Provinz“.

Im Künstlerhaus Dortmund ausgestellt: Katharina Maderthaner "Zick Zack" (2016), Acry auf Holz.

Im Künstlerhaus Dortmund ausgestellt: Katharina Maderthaner „Zick Zack“ (2016), Acryl auf Holz.

Und damit habe ich noch nicht einmal alle Gelegenheiten aufgezählt, die sich gestern ergeben haben.

Klar, wenn ich jetzt für Ruhrgebietswerbung zuständig wäre, würde ich entgegnen, dass wir hier eben sooooo viele Kulturstätten haben, dass gelegentlich ein zeitliches Zusammentreffen kaum zu vermeiden ist. Das Argument lassen wir jetzt mal auf uns wirken.

Immerhin gibt es ja inzwischen den beachtlichen Kooperations-Verbund der Ruhrkunstmuseen, mit dem 20 Häuser in 15 Städten ihre Kräfte bündeln wollen. Hier erfolgen Absprachen mittlerweile auf kürzeren Dienstwegen als ehedem. Es möge weiterhin nützen. Und die Idee möge niemals auf bloße Einsparmöglichkeiten reduziert werden.

Es war zu hören, dass gestern auch bei personell halbwegs potenten Medien ob der Termin-Überschneidungen gestöhnt wurde. Nun aber wollen wir, die wir als Kulturblog erst recht kein halbes Dutzend kunstsinniger Journalistinnen und Journalisten gleichzeitig aufbieten können, wenigstens noch zu den Internet-Auftritten der oben genannten Häuser verlinken. Here we go:

Emil Schumacher Museum, Hagen: www.esmh.de
Gustav-Lübcke-Museum, Hamm: www.museum-hamm.de
Künstlerhaus Sunderweg, Dortmund: www.kh-do.de
DASA, Dortmund: www.dasa-dortmund.de
K21 in Düsseldorf: www.kunstsammlung.de




Beichte eines Abo-Nomaden

Von Mietnomaden hat man schon Übles gehört. Sie ziehen weiter und weiter, stets Chaos und womöglich Müllberge hinterlassend. Eigentlich müssten sie Mietverweigerungsnomaden heißen, denn sie zahlen nicht fürs Wohnen. So schlimm verhält es sich bei mir nicht. Ich bin ja auch nur ein Abo-Nomade und bezahle meine Zeitungen pünktlich. Aber wechselhaft bin ich doch. Man könnte geradezu von Presse-Promiskuität sprechen. Hier meine schonungslose Beichte:

Das eine oder andere Print-Produkt... (Foto: BB)

Das eine oder andere Print-Produkt… (Foto: Bernd Berke)

Früher war ich mal ein ausgesprochen treuer Leser, habe viele Jahre lang zuerst die Frankfurter Rundschau (FR) abonniert, dann – ebenfalls für sehr lange Zeit – die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Die regionale Westfälische Rundschau (WR) gab’s eh über Jahrzehnte als Freiexemplar, weil ich dort gearbeitet habe.

Als sich der erste Riss auftat

Dann aber tat sich sozusagen ein Riss auf. Es hat mit der Entlassung der kompletten WR-Redaktion Anfang 2013 begonnen. Zwar war ich davon nicht mehr direkt betroffen, dennoch habe ich das (nunmehr kostenpflichtige) WR-Abo daraufhin sofort gekündigt und dem Verlag auch ausdrücklich den Grund genannt.

Für einige Wochen habe ich damals zähneknirschend die Ruhrnachrichten (RN) ausprobiert und vor allem im Mantelteil für unzureichend befunden, dann bin ich bei der WAZ angelangt. Als rundum zufriedenen Leser würde ich mich jetzt nicht bezeichnen wollen, aber zeigt mir bitte eine regionale Alternative.

Zwischenstopp bei Springer

Inzwischen hat das Wechselfieber auf den Umgang mit überregionalen Blättern ansteckend gewirkt. Vor einiger Zeit habe ich die FAZ gekündigt und vorerst nicht ersetzt. Kein herber Verlust, dachte ich, denn meine Frau hält schließlich die Süddeutsche Zeitung – und das ist wörtlich zu nehmen: Getreulich hält sie an dem achtbaren Münchner Produkt fest. Das müsste doch als Tageslektüre vollauf genügen.

Nach ein paar Monaten habe ich gemerkt, dass ich besonders das FAZ-Feuilleton doch vermisse – und habe die Zeitung erneut bezogen. Gleichsam im Gegenzug habe ich freilich die FAZ-Sonntagszeitung (FAS) abbestellt und vorübergehend durch die Welt am Sonntag (WamS) ersetzt. Diese Springer-Zeitung ist ideologisch nicht so einseitig, wie man es von früher her gekannt hat und bietet überdies einen kleinen NRW-Teil. Doch, ach: Den füllen sie über Gebühr auch mit nichtigen Promi-Bildchen, vorwiegend aus Düsseldorfer Schnöselkreisen.

Die Sonntags-Illusion

Nicht nur deswegen erfolgte kürzlich die nächste Volte: WamS aufgeben und dafür die ehrwürdige „Zeit“ ordern. Hintergedanke: Man kommt zwar donnerstags nicht dazu, sich die immense Stofffülle der „Zeit“ vorzunehmen, könnte dies aber sonntags nachholen, wenn dann keine andere Gazette ins Haus käme. Pustekuchen! Schon jetzt, im Vorfeld, habe ich gemerkt, dass das nicht funktionieren wird. Sonntags will man denn doch nicht mehr auf den nachrichtlichen Stand von Donnerstag zurückfallen, es darf auch schon mal etwas Aktuelleres sein; zumal die FAZ freitags noch mit einem Wochenheft dazwischen funkt.

Was habe ich wohl getan? Richtig. „Zeit“ gekündigt, FAZ-Sonntagszeitung wieder bestellt. Und das fühlt sich jetzt richtig an. Einige FAS-Spezialitäten haben mir doch gefehlt, auch hat man sich ans ansprechende Erscheinungsbild gewöhnt.

Falsche Kundennummer

Mittlerweile hält man mich offenbar per se für einen unsteten Patron. So erhielt ich kürzlich ein Schreiben der FAZ, die meine Kündigung bedauerte, ihr aber selbstverständlich entsprechen wollte. Nanu? Diesmal hatte ich wirklich nichts dergleichen veranlasst. Ein Anruf klärte das Missverständnis rasch. Es waren zwei Kundennummern vertauscht worden. Eine Dame hatte abbestellt – und das wurde auf meine Nummer verbucht…

Als vermeintlich Fahnenflüchtigem hat mir die FAZ jedoch schon ein spezielles Angebot unterbreitet, das mich zum Bleiben verlocken sollte. Zwölf Monate lesen, neun Monate zahlen. Schnäppchenjagd ist sonst nicht mein Metier, doch das habe ich als Pseudo-Neuabonnent mal dankend angenommen. Aber pssst! Nehmt es euch nicht zum Beispiel. Bleibt euren Blättern gewogen, wenn sie es wert sind. Oder habt ihr etwa gar keine mehr?

Ein haltloser Geselle

Blickt ihr noch durch? Wollt ihr noch hören, dass ich zwischenzeitlich auch jeweils kurz den „Freitag“, „Cicero“ und „The Guardian Weekly“ im Briefkasten hatte (ihr seht, politisch bin ich nicht so starr festgelegt)? Interessiert es euch überhaupt noch, dass ich – wie hier schon dargelegt – zeitweise ein Online- statt ein Print-Abo der FAZ bezogen und ebenfalls wieder verworfen habe?

Wir fassen zusammen: Alles in allem bin ich, was Zeitungen anbetrifft, schon ein haltloser Geselle geworden. Aber in Zukunft will ich die Blätter nur mit Büchern betrügen und ansonsten standfest bleiben. Um es mit „Monaco Franze“ ebenso schillernd wie herzig zu sagen: „Seelisch bin i dir treu, Spatzl“.

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P.S.: Genau! Spiegel, Focus und Taz habe ich bei all den Wechseln immer ausgelassen, also niemals bestellt. Und das dürfte auch so bleiben.

P.P.S.: Bin mal gespannt, welche Abo-Werbung mir demnächst ins Haus und in die Mailbox flattert.




Zwei Jahre nach dem Ende der Rundschau – beängstigende Zeiten für den Journalismus

Jetzt ist es auf den Tag genau zwei Jahre her: Am 15. Januar 2013 wurde die Entscheidung der WAZ-Gruppe (heute Funke-Gruppe) verkündet, die Redaktion der Westfälischen Rundschau komplett zu entlassen.

Damit war die Geschichte der Zeitung faktisch beendet, obwohl sie phantomhaft mit Fremdinhalten weiter erscheint. Bis heute ist dies ein singulärer Vorgang in der bundesdeutschen Pressegeschichte. An manchen Ecken und Enden der Republik haben Verleger, Investoren und Profiteure seither Redaktionen und/oder Etats verkleinert. Aber so unvergesslich rabiat wie vor zwei Jahren in Dortmund ist man noch nirgendwo vorgegangen; wenn wir mal nur von Personalpolitik sprechen.

Leerer Newsdesk der Westfälischen Rundschau in Dortmund im November 2008. (Foto: Bernd Berke)

Leerer Newsdesk der Westfälischen Rundschau in Dortmund im November 2008. (Foto: Bernd Berke)

Seit jenen Tagen hat sich allerdings das Umfeld in beängstigender Weise verändert.

Den zwischenzeitlich immer lauter gewordenen Schreihälsen, die in Bausch und Bogen eine angebliche „Lügenpresse“ (bekanntlich das Unwort des Jahres 2014) verunglimpfen, sind Entlassungen in Redaktionen gewiss egal – oder sie jubeln noch darüber. Aber wehe, wenn eine Mehrheit ihrer dumpfen Auffassung folgen würde… Dann gäbe es irgendwann nur noch die eine Meinung zu lesen. Wie in Diktaturen mancher Couleur üblich. Auch in diesem Sinne bedeutet nahezu jede Zeitung, die vom Markt verschwindet, einen Verlust.

Von der existenziellen Bedrohung, bei der es an Leib und Leben geht, gar nicht zu reden. Wir haben jüngst so furchtbar viel davon hören müssen.

Journalismus war einmal ein Beruf mit traumhaften Seiten, den man – frei nach Kurt Tucholsky – lässig mit der Zigarette im Mundwinkel ausüben konnte und musste. Damals folgte der finsterste Alptraum. Und heute würde man auch wahrlich nicht nur vor dem begleitenden Tabakgenuss warnen wollen.