„Der Minister“: Ein Taugenichts will ganz nach oben

Schon als Lausbub bedient sich Franz Ferdinand von und zu Donnersberg der Fähigkeiten seines schlauen Freundes Max Drexel. In der Schule darf er von ihm abschreiben. Später lässt er sich von ihm durchs Abitur hieven. Und als der smarte Frauenliebling Franz Ferdinand in die Politik gegangen ist, schreibt ihm Max noch die schludrige Doktorarbeit.

Große Pose in New York: Kai Schumann als Minister Franz Ferdinand von und zu Donnersberg (Bild: SAT.1)

Große Pose in New York: Kai Schumann als Minister Franz Ferdinand von und zu Donnersberg (Bild: SAT.1)

Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor? Richtig. Die Geschichte des Freiherrn von und zu Guttenberg hat hier ganz offensichtlich über weite Strecken Pate gestanden. So eng ist die Story um den allzeit eitlen Selbstdarsteller Donnersberg (Kai Schumann) gelegentlich an wirkliche Begebenheiten angelehnt, dass man sich fragt, ob es hier nicht juristisch heikel werden könnte. Aber solche Fragen wollen wir gern den Anwaltskanzleien überlassen.

Fachwissen ist nur hinderlich

„Der Minister“ (SAT.1) gehört zu den großen Eigenproduktionen, die die deutschen Privatsender hin und wieder stemmen. Wir erleben die rasante Verwandlung eines Taugenichts und Schaumschlägers zum ministrablen Politiker, der zwischenzeitlich gar die Umfragewerte der Kanzlerin übertrifft. Ein bisschen Gel ins Haar, dann noch die richtige Brille, Ahnung von der politischen Materie ist hingegen nicht nötig, ja sogar hinderlich. Erst recht braucht man keine festen Überzeugungen. Lieber noch eine attraktive Blondine (Alexandra Neldel) geheiratet und den Chefredakteur (Thomas Heinze) der größten Boulevardzeitung, hier „Blitz-Kurier“ genannt, kennen gelernt – und fertig ist der Erfolgstyp. Als der erst einmal an der Macht geschnuppert hat, will er auch ganz nach oben, also ins Kanzleramt.

Die schier unglaubliche Handlung, die sich in einigen Grundlinien aber tatsächlich zugetragen hat, wird vorwiegend aus Sicht des zunehmend nachdenklichen Max Drexel (Johann von Bülow) erzählt, der als persönlicher Berater mit in die Ministerien einzieht und zunächst gleichfalls vom Aufstieg berauscht ist, jedoch irgendwann die ganze Posse (auch weil seine Ehe daran zu scheitern droht) leid ist und von Donnersberg („Mensch Donni, alte Kaschmirsocke!“) schließlich auffliegen lässt. Doch schon bald hat der Ex-Minister sein Comeback im Sinn; ganz wie im richtigen Leben.

Sprüche aus der Polit-Historie

Früher hat ein Helmut Dietl („Kir Royal“, „Schtonk!“, „Rossini“) solche Stoffe verfilmt. An dessen Prägekraft kommt Uwe Jansons Film beileibe nicht heran. Vor allem am Anfang stehen Drehbuch und Darsteller unter ständiger Anspannung, es herrscht haltloser Lustigkeitszwang. Fast jeder Satz muss einen schnell zündenden Gag enthalten. Sprüche aus der bundesdeutschen Polithistorie werden nahezu im Dutzend losgelassen, beispielsweise: „Wer Visonen hat, soll zum Arzt gehen.“ (Helmut Schmidt), „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort…“ (Uwe Barschel), „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ (Konrad Adenauer). Und noch einige andere.

Immerhin gibt’s ein paar wirklich witzige Einfälle mit parodistischen Qualitäten und überwiegend passable Schauspielerleistungen. Allen voran: Katharina Thalbach liefert als Kanzlerin Angela Murkel (!) die treffliche Skizze einer souveränen Frau, die den ganzen Betrieb durchschaut und stets klug abwartend taktiert. So übersteht sie jeden Spuk.

Freilich gibt’s auch etliche alberne Szenen, in denen das Ganze zu Slapstick und Muppet-Show tendiert, wobei auch die landläufige Politikverdrossenheit bedient wird. Richtig gute Satiren werden wohl doch mit etwas feineren Fäden gesponnen.

Seitenhiebe gegen den Konkurrenzsender

Bemerkenswert übrigens die kaum verhüllten Seitenhiebe gegen die SAT.1-Konkurrenz RTL. Mehrfach ist da von einem offenbar dümmlichen Sender „RTO 5“ die Rede. Dessen Reporterin schildert beim Afghanistan-Trip des Verteidigungsministers von und zu Donnersberg vor allem das todschicke Kostüm der Gattin, während gleich darauf ein Mann von SAT.1 auftaucht und knallhart-investigative Fragen zu Kriegsopfern stellt. Aha. So haben wir das noch nie betrachtet.

________________________________________

Der Beitrag ist zuerst bei www.seniorbook.de erschienen




„Königsberger Möpse“ und die Dichtkunst – Sprachpreis an Zyniker Harald Schmidt

Von Bernd Berke

Die ehrwürdige Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) feiert ihren neuen Preisträger: Der Mann habe außerordentliches Gespür für die „extensive Nutzung der unterschiedlichen sprachlichen Möglichkeiten“. Seine Texte zeugten von „geistiger Freiheit und politischer Widerborstigkeit“, er stehe in der Tradition von Dichtern wie Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern. Doch kein Belletrist wird hier gepriesen, sondern Harald Schmidt.

Der „Zyniker der Nation“ ist bekanntlich viermal in der Woche mit seiner Nacht-Show beim Privatsender SAT.1 im Programm. Er hat in diesem Jahr schon etliche Auszeichnungen kassiert: Ein Adolf-Grimme-Preis wurde ihm angetragen, und RTL beeilte sich, ihm einen „Goldenen Löwen“ zu verleihen. Im Vorübergehen nahm er eine „Bambi“-Figur mit, und am nächsten Wochenende könnte noch ein „TeleStar“ hinzukommen. Da mochte auch die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft für deutsche Sprache nicht hintanstehen und vergab ihren „Medienpreis für Sprachkultur“ an „Dirty Harry“.

Spaßeshalber hat sich die WR daraufhin gestern von SAT.1 noch einmal eine Liste mit Schmidt-Sprüchen besorgt. Wir zögern nicht, daraus zu zitieren.

Beispiel eins: „Kennen Sie den Unterschied zwischen Panzerotti und Pavarotti? – Panzerotti sind gefüllte Nudeln und Pavarotti ist gefüllter Sänger…“ Beispiel zwei: „US-Präsident Bill Clinton läßt für ein gutes Footballspiel jede Sekretärin liegen“. Und wie definiert man den Exorzisten? Das ist einer, „der seinen Job macht auf Teufel komm raus“. Nicht sonderlich subtil. Auch jene „Königsberger Möpse“ in einem von Schmidt ersonnenen Erotik-Kochbuch sind eher rasch verderbliche Kicher-Ware.

Lassen wir also Ringelnatz und Morgenstern mal ganz beiseite, denn die haben mit der Sprache nicht gejuxt, sondern gezaubert. Konzentrieren wir uns auf Schmidt selbst, der ja übrigens auf Texte einer großen Schar von Gagschreibern zurückgreift und diese dann unnachahmlich präsentiert.

Die meisten seiner Scherze sind keine Sprachspiele, sondern blitzartige Witze, die ihre Einschlagwirkung aus dem aktuellen Hintergrund, dem Ritual des Vortrags und gezielten Tabubrüchen beziehen. Außerdem waltet das Lach-Gesetz der Serie, denn Schmidt greift sich Lieblingsopfer wie Model Claudia Schiffer oder Fußballer Lothar Matthäus immer wieder heraus.

So richtig werden sich wohl all jene über die Jury-Entscheidung ärgern, die Schmidt für einen Ausländerfeind (Polen-Witze) halten. Für diese und für die Gegenpartei haben wir noch einen gutnachbarlichen Spruch: „Prinz Wilhelm Alexander der Niederlande sucht eine Frau. Die Frau hat ein tolles Leben vor sich, sie wird die Herrscherin über acht Millionen Wohnwagen..“