Tagesarchive: 24. März 2010

Philip Roth „Die Demütigung“ – Macht des Schicksals

Plötzlich ist der Schauspieler Simon Axler erloschen. Einfach aus und vorbei. Er kann nicht mehr spielen. Weder „Macbeth“ noch sonst etwas. In Film und Theater hat der bisher so begnadete Koloss das Publikum verzaubert. Jetzt macht er sich auf der Bühne nur noch lächerlich, verfällt in Depression, hegt Selbstmordgedanken, begibt sich mit letzter Anstrengung in eine Psychoklinik.

Die Insassen der Anstalt reden derart überbietend vom Freitod, als sei’s ein Sport. Und dort klammert sich zerbrechliche, zerbrochene Sybil an ihn. Sie hat ihren mächtig reichen Mann beim Inzest mit der 8-jährigen Tochter überrascht und ist seither vollkommen aus Zeit und Sinn gefallen. Flehentlich bittet sie Axler, ihren Mann für sie umzubringen. Das lehnt er ab, eher aus Kraftlosigkeit denn aus Überzeugung.

Nach der Entlassung aus der Klinik vergisst er Sybil beinahe. Fühllos ermattet lebt er fortan vor sich hin, bestenfalls dumpf ruhig gestellt. Niemand kann ihn umstimmen. Er legt es sich so zurecht: Erst ist das Talent gekommen, dann ist es eben über Nacht geschwunden. Launen des Schicksals. Widerstand zwecklos.

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