Werke von großer Aussagekraft – eine nachdrückliche Erinnerung an den Künstler Werner Habig

Gastautor Heinrich Peuckmann erinnert an den Künstler Werner Habig, der u. a. viele Jahre als Kunsterzieher in Bergkamen tätig war:

Vor dem Städtischen Gymnasium in Bergkamen steht auf dem Rasenstück neben dem PZ eine abstrakte Skulptur. Es ist eine aufgeschnittene Kugel, deren Einzelteile in einer reizvollen Kombination nebeneinander gesetzt sind und so eine neue Einheit bilden. Die Skulptur ist zum Logo des Gymnasiums geworden und findet sich u.a. auf dem Briefkopf der Schule wieder.

Der BIldhauer Werner Habig (Foto: © Stefan Milk)

Der in Wattenscheid geborene Künstler Werner Habig (1924-1990) (Foto: © Stefan Milk)

Der Bildhauer, der dieses Werk geschaffen hat, ist Werner Habig, er war damals einziger Kunsterzieher am Gymnasium, durch dessen Unterricht ganze Generationen an Schülern gegangen sind.

In Bergkamen ist er leider als Schöpfer dieses Kunstwerks in Vergessenheit geraten. Bei einer Auflistung der Kunstwerke in Bergkamen durch das Kulturamt wurde die Skulptur vor dem Gymnasium mit „Künstler unbekannt“ aufgeführt. In einer späteren Liste tauchte sie gar nicht mehr auf.

Habig liebte abstrakte Formen, er schulte seine Gymnasiasten in diese Richtung und es entstanden viele Bilder nach mathematisch durchgerechneten Überlegungen.

In seiner eigenen Kunst, den Zeichnungen, vor allem aber den Skulpturen, blieb Habig nicht bei der Abstraktion. Er war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch Porträts von sich reden gemacht hat. Im Foyer des Recklinghauser Festspielhauses steht bis heute ein Porträt des Mitbegründers der Ruhrfestspiele, Otto Burrmeister, das Habig geschaffen hat. Ebenso gibt es von ihm eine Herbert-Wehner-Büste, die der SPD-Politiker von allen seinen Darstellungen am meisten schätzte. Stolz ließ sich Wehner in den achtziger Jahren neben der Habig-Büste ablichten.

Erschütterndes Gegenbild zu heldenhaften Christus-Darstellungen

Erschreckendes Sinnbild von Diktatur und Terror ist Habigs Büste des spanischen Diktators Franco: ein hohler Kopf mit greisenhaftem, bösartigem Gesicht und toten Augen. Davon sprach Habigs Freund Gerd Holtmann, Kamener Junge und späterer Leiter der Ruhrfestspiele, immer in einer Mischung von Bewunderung und Abscheu. „Man kann die Figur nicht lange um sich ertragen“, urteilte er. „Man hat das Gefühl, das Bösartige greift nach einem.“

Habig-Skulptur: Christus von Kevelaer. (Foto: © Stefan Milk)

Bekannte Habig-Skulptur: Christus von Kevelaer. (Foto: © Stefan Milk)

Gänzlich anders, wenn auch ebenfalls erschreckend, ist Habigs sehr bekannte Darstellung „Der Christus von Kevelaer“ gestaltet, die Einzug gefunden hat in viele Religionsbücher. Für die evangelische Kirche in Kevelaer hatte er in den fünfziger Jahren den Auftrag erhalten, ein Kruzifix zu gestalten. Habig erinnerte sich an die heldenhaften Darstellungen des germanisch geprägten Christus während der Nazizeit und hielt ein Antibild dagegen.

Vorbilder für seinen Christus waren die ausgemergelten, zu Tode geschundenen KZ-Insassen, die aus dem Gasofen gezogenen Skelette, eine Provokation, die auch in Kevelaer anfangs zu heftigen Auseinandersetzungen führte.

Ein verzerrter, entsetzlich entstellter Körper hängt an einem schmalen Bronzekreuz, der Brustkorb hat ein tiefes Loch, Ellbogen und Schultergelenke sind überdeutlich herausgedrückt, dabei ist die Figur weit nach vorn gesackt und nur noch durch die Nägel mit dem Kreuz verbunden. Man bleibt gebannt stehen, wenn man die Christuskirche in Kevelaer besucht.

1990, nur wenige Monate nach seiner Pensionierung, ist er in seinem Haus in Hamm-Sandbochum im Alter von 65 Jahren gestorben. Es ist an der Zeit, an diesen Künstler zu erinnern, der leider viel zu wenige, dafür aber großartige Werke geschaffen hat.

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu Werke von großer Aussagekraft – eine nachdrückliche Erinnerung an den Künstler Werner Habig

  1. Heino Baues sagt:

    In einem Punkt irrt sich Heinrich Peuckmann: Die einzige öffentliche künstlerische Hinterlassenschaft von Werner Habig, eine Stahlskulptur auf der Wiese am Eingang zum Gymnasium, ist in die Liste der bedeutenden Kunstwerke im öffentlichen Raum aufgenommen worden. Nachzulesen ist dies auf der Homepage der Stadt Bergkamen. Dies war allerdings nicht von Anfang an so, wurde aber später korrigiert. https://www.bergkamen.de/skultpur-ot-01.html

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