Tagesarchive: 8. August 2011

Die unselige Rückkehr eines Bestsellers

Meine mit mir stumm geschlossene Wette habe ich gewonnen. Am Tag, als die allgemeine Nachrichtenlage von ihm beherrscht wurde und der Name von Anders Behring Breivik in alle Sinne geriet, weil seine Taten unzählige Menschen fassungslos machten, an diesem Tag wettete ich mit mir, dass alsbald ein Buch, das nach vielen Wochen des Bestsellerseins völlig aus dem Interessenfokus geraten war, wieder auferstehen werde. Dass Thilo Sarrazins mobswissenschaftliches Epos darüber, dass Deutschland sich abschaffe, wieder zurückkehrt in die Bestseller-Liste des SPIEGEL. Eine Woche nach der grauenhaften Tat war es so weit: Der Sarrazin-Schwachsinn platzierte sich wieder an Nummer 13, derzeit rangiert er auf Platz 14.

Es gab schon einmal einen Wiederaufstieg, als die SPD ihn aus der Partei entfernen wollte. Das freute den Thilo, weil die Verkaufszahlen unvermittelt wieder anschwollen.

Dass Thilo dieses Mal ein freudiges Lächeln übers ansonsten humorfreie Gesicht huschen wird, unterstelle ich ihm nicht. Aber er sollte in ein tiefes, nachhaltiges Sinnieren darüber verfallen, was seine Wirrungen, die er da zu Papier brachte, anrichten. Dass die Wahnsinnstat eines islamophoben Mustergermanen die Verkaufsziffern eines Sarrazin-Buches anschieben, gibt einen Hinweis darauf, was auch bei uns in den Köpfen schnell beirrbarer Menschen angerichtet werden kann, wenn sie sich derartige Literatur ungeprüft und unkritisch reinziehen.

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