Einreise? Nur ohne Umlaute!

Demnächst steht mal wieder eine kleine Reise nach London an. So weit, so gut und heutzutage gewöhnlich. Doch leider ist das Vereinigte Königreich (United Kingdom – UK) bekanntlich seit Jahren nicht mehr in der EU. Drum benötigt man als Visum eine ETA (Electronic Travel Autorisation), um für eine begrenzte Zeit einreisen zu dürfen. Damit beginnen eventuell ein paar Schwierigkeiten.

Mehr Klischee ging gerade nicht – Aufnahme aus London von 2019. (Foto: Bernd Birke)

Den Bedarf machen sich einige private Anbieter zunutze, die deutlich erhöhte Gebühren verlangen – letztlich mit Billigung der Behörden. Das offizielle Regierungsportal, erkennbar u. a. an der Krone als Emblem, verlangt hingegen „lediglich“ 20 Euro plus Umrechnungs-Gebühren in Pfund. Zum Prozedere sollte man tunlichst die entsprechende App herunterladen und installieren.

Bemühungen, die Bildseite im Pass korrekt zu fotografieren, sodann die Datenübertragung aus dem Pass zu scannen und zudem das eigene Gesicht mit der Selfie-Funktion des Handys live abzulichten, können sich enervierend gestalten, denn da muss mancherlei Vorschriften Genüge getan werden, was beinahe „deutsch“ anmutet. Neutraler Hintergrund, neutraler Gesichtsausdruck, direkter Blick in die Kamera etc. Doch nach einigem trial and error hat man’s dann erschöpft, aber glücklich im Kasten.

Schließlich soll allerdings noch die Heimatadresse eingetragen werden. Es folgt Versuch um Versuch. Immer wieder gibt’s eine Fehlermeldung in roter Schrift, aber keinerlei Hinweis auf den möglichen Grund. Also die Adresse verlängert. Adresse gekürzt. Dies und das verändert, bis hin zur Absurdität. Alles zwecklos.

Bis man endlich darauf kommt (wenn man denn überhaupt drauf kommt): Sie kennen ja jenseits des Ärmelkanals keine Umlaute, also auch kein „ö“, das aber dummerweise in unserem und etlichen anderen deutschen Straßennamen vorkommt. Und sie kennen kein „ß“, das just im Wort Straße steht, welches bei Anschriften nicht allzu selten ist. Also „oe“ und Doppel-s geschrieben – und siehe da: So wollen sie’s haben, so können sie’s absegnen. Puh!

Nun frage ich mich, wie sie beispielsweise Anfragen aus dem sprachstolzen Frankreich behandeln. Müssen dann sämtliche Akzente (aigu, grave, circonflexe) entfallen, dürfen auch das cédille-Zeichen (wie in façon) und das Trema (Punkte über dem e, z. B. bei Citroën) nicht verwendet werden? Von „exotischen“ Idiomen auf dieser Welt ganz zu schweigen. Und das alles in Zeiten ziemlich perfekter Übersetzungs-Programme…

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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