Tagesarchive: 8. Januar 2015

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo – Zeit für eine Debatte über die Rolle der Religionen

Der feige Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo hat zwölf Menschen das Leben gekostet und großes Leid über ihre Angehörigen, ihre Freunde, ihre Kollegen gebracht.

Und er verletzt auch meine a-religiösen Gefühle zutiefst, meine Vernunft, mein Herz. Die Erkenntnis, dass Religionen und (Massen-)Wahn sehr nah beieinander liegen, ist – im wahrsten Sinne des Wortes – beileibe nicht neu. Zeigt sich dieser Zusammenhang aber im alltäglichen Leben als Katastrophe, wird er vollends unerträglich. Da hilft auch die Flucht von Sprechern religiöser Verbände in die Schutzbehauptung, Religionen und religiöser Fundamentalismus als Terrorismus hätten nichts miteinander zu tun, nirgends weiter, sondern verdunkelt nur tatsächliche Zusammenhänge.

Es wird also höchste Zeit für mehr radikale Religionenkritik, für eine Debatte über die Rolle der Religionen im öffentlichen Raum. Laizismus (laïcité) und Abbau der Sonderrechte für alle Religionen – dahin könnte es in einer demokratischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gehen. Statt dessen versuchen nur mehr Religionen, den öffentlichen Raum zu unterwerfen. Dagegen ist zu setzen: Freiheit für die Religionen (ja, im Privaten), aber eben auch weitgehende Freiheit von den Religionen im öffentlichen Raum. Hierzulande gilt das Grundgesetz und das schützt nicht nur die Presse- und Meinungsfreiheit, nicht nur die Religionen, sondern auch die Freiheit humanistischer Weltanschauungen als Art, die Welt anzuschauen und dies auch zu artikulieren.

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Gesellschaft, Glaubensfragen, Politik und so | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare