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Die Kunst der Kontraste: Anni Albers und Liu Xiaodong

Liu Xiaodong: „Your City 1" (2017), Öl auf Leinwand. (© Liu Xiaodong)

In der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen: Liu Xiaodong „Your City 1″ (2017), Öl auf Leinwand. (© Liu Xiaodong)

Der Düsseldorfer Grabbeplatz ist der Sammelpunkt für das Amüsierviertel Altstadt – übersät mit eingetretenen Zigarettenkippen, Kronkorken, Flaschenscherben, Plastikbechern. Die Tiefgarage stinkt nach Urin. Man könnte hier an der Zivilisation verzweifeln, wenn nicht zwei Kulturinstitute beharrlich das menschliche Streben nach Schönheit und Erkenntnis repräsentierten.

Die Landesgalerie K20 zeigt in diesem Sommer die gewebten Bilder der Bauhaus-Meisterin Anni Albers, und die Kunsthalle feiert, in Zusammenarbeit mit dem NRW-Forum, das stürmische Werk des chinesischen Malers, Filmers und Fotografen Liu Xiaodong.

Albers? Der Name wird in der Kunstwelt verehrt. Nicht Annis wegen, das muss man bekennen. Ihr Ehemann Josef Albers (1888-1976) war es, der mit seiner männlich konsequenten, nahezu besessenen „Homage to the Square“ (Hommage an das Quadrat) tatsächlich Ikonen der Moderne schuf.

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Mehr als ein Weekend: Düsseldorf feiert die Fotografie mit rivalisierenden Festivals

Ohne Frage: Im Vorfeld dieses Ereignisses wurde peinlich laut gestritten. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, zu Machtproben neigend, wollte das von Galeristin Clara Maria Sels geleitete Photo-Weekend partout unter städtische Kontrolle bringen. Alain Bieber vom NRW-Forum sollte der alleinige Chef sein. Doch Frau Sels, nicht schüchtern, macht weiter ihre eigene Show.

Herlinde Koelbl: "Feine Leute" (© Herlinde Koelbl)

Herlinde Koelbl: “Feine Leute” (© Herlinde Koelbl)

Nun haben wir also zwei Festivals: „Duesseldorf Photo“ (bis 25. Februar, amtlich) und „Duesseldorf Photo Weekend 2018“ (bis 18. Februar, privat). Beide werben und kämpfen getrennt, doch gleichzeitig. Das mag absurd sein. Aber unter Ausblendung des großen Gekeifes kann das Publikum sich freuen: So viel Photo gab’s nie. Mindestens 300 Fotokünstler werden in mindestens 100 Ausstellungsräumen präsentiert.

„Konkurrenzlos“ nennt Alt-Chefin Sels ihr Festival und präsentiert – wie heißt das neuerdings in der Politik: Bätschi! – die Video-Sammlerin Julia Stoschek sowie die Top-Galerie Beck & Eggeling als Teil ihres Programms. Okay, die Ausstellung bei Stoschek („Generation Loss“) ist überhaupt nicht neu, aber bitte: Hier geht’s ums Prinzip.

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Mythos Tour de France: Ja, wo radeln sie denn?

Die Düsseldorfer meckern gerne bei einem schönen Gläschen Crémant über den Grand Départ, den großen Start der Tour de France 2017 in unserem Möchte-gern-Klein-Paris. Ein einziger Reklamerummel sei das, viel Geld, Gedöns und blöde Dekoration für ein paar Momente, die nur Radsport-Fans interessieren.

Ausstellungsansicht "Mythos Tour De France" (© NRW-Forum / Foto M. Scherag)

Ausstellungsansicht “Mythos Tour De France” (© NRW-Forum / Foto M. Scherag)

Aber halt, die Chose hat auch kulturelle Aspekte, ja, da staunen Sie, Mesdames et Messieurs! Im NRW-Forum, dieser Forschungsstation für eine Philosophie der westlichen Lebensart, wurde soeben eine Ausstellung über den „Mythos Tour de France“ eröffnet, die auch Sportschau-Verächtern gefallen wird.

Dabei geht es nicht um eine kritische Betrachtung des Radzirkus mit seinen obskuren Geschäften und Skandalen. Man will ja die Stimmung und das Sponsoring nicht verderben. Lediglich ein kleines Wandobjekt mit Beutelchen Eigenblut des jungen Künstlers Martin Höfer weist diskret auf das Doping-Problem hin. Ansonsten freut man sich an Menschen, Rädern, Emotionen – und einer zum Teil überwältigenden Ästhetik. Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hat nicht Unrecht, wenn er feststellt, Sport und Kunst seien sich näher als gedacht.

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Nehmen Sie doch Platz! Der Fotograf Horst Wackerbarth und seine rote Couch

Also bitte, der Mann hat auch schon mal was Anderes fotografiert: Madonnen, Nackte, seine alte Mutter, sogar Mode – Naomi Campbell vor einem weißen Pferd! Aber dafür, weiß Horst Wackerbarth, interessiert sich ja doch kein Mensch. Er ist nun mal berühmt für eine einzige Idee, sein unverwechselbares Bildkonzept: das rote Sofa. Über 800 Menschen in 52 Ländern haben in den kuriosen Umgebungen auf dem Möbel Platz genommen. Im NRW-Forum zu Düsseldorf, wo der gebürtige Hesse seit 30 Jahren lebt und arbeitet, wird er nun mit einer Retrospektive geehrt.

Hindus vor dem Kraftwerk: Familie Paskaran in Hamm-Uentrop, 2016. (Foto: Horst Wackerbarth)

Hindus vor dem Kraftwerk: Familie Paskaran in Hamm-Uentrop, 2016. (Foto: Horst Wackerbarth)

Das Feierliche an der Sache liegt dem jungenhaften 66-Jährigen nicht. „Hey Leute, stellt mir Fragen“, so versucht Wackerbarth beim Rundgang, die erwartungsvoll lauschende Medienschar in Schwung zu bringen. Dass die anderen mitspielen, ist unerlässlich für seine Arbeit. Das Fotografieren war bei ihm stets mit dem Parlieren verbunden – schon 1979, als er mit seinem amerikanischen Kollegen Kevin Clarke serienweise Menschen in ihrer typischen Umgebung fotografierte. Damals kam Horst Wackerbarth auf die verrückte Idee, ein rotes Sofa, auf dem er und sein Kumpel die Schlafsäcke ausgerollt hatten, hinaus auf die Crosby Street in Soho, New York, zu schaffen.

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Düsseldorf: Ein Wochenende (und mehr) im Zeichen der Fotografie

"Heimat 24": Das Foto von Peter Bialobrzeski von 2004 passt zum Thema des Düsseldorfer "Photo Weekend 2014". Bild: Sammlung DZ Bank Frankfurt

“Heimat 24”: Das Foto von Peter Bialobrzeski von 2004 passt zum Thema des Düsseldorfer “Photo Weekend 2014”. Bild: Sammlung DZ Bank Frankfurt

Fotografie steht an diesem Wochenende (31. Januar bis 2. Februar) in Düsseldorf im Blickpunkt: Galerien, Museen und Institutionen aus der Kunst- und Fotografie-Szene öffnen im Rahmen des “Photo Weekend 2014” ihre Türen, zeigen Ausstellungen und organisieren Veranstaltungen zum Thema Fotografie.

Bereits eröffnet ist die Ausstellung im NRW Forum. Unter dem Titel „Heimat“ ist dort ein Teil der bedeutenden fotografischen Sammlung der DZ Bank Frankfurt zu sehen. Das Spitzeninstitut der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat in den vergangenen 21 Jahren mit rund 7.000 Werken zeitgenössischer Fotografie von über 700 Künstlern eine weltweit anerkannte Kunstsammlung aufgebaut.

Ausgestellt sind rund 250 Arbeiten von 23 ausgewählten Künstlern, die zwischen 1937 und 1979 geboren sind und die aus sechs verschiedenen Nationen stammen. Sie widmen sich den vielfältigen Bedeutungen, die der Begriff „Heimat“ annehmen kann. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Sybille Bergemann, Laurenz Berges, Heinz Cibulka, Thomas Draschan, Altan Eskin, Hans-Peter Feldmann, Jochen Gerz, Barbara Klemm, Andrej Krementschouk, Andreas Mühe, Timm Rautert, Hans-Christian Schink. Die Ausstellung ist bis 5. März zu sehen.

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Fotokunst im Minutentakt – tolle Polaroidausstellung im NRW-Forum Düsseldorf

Oliviero Toscanis berühmtes Foto von Andy Warhol, mit Polaroid (1974).

Sie war ein Wunder der Technik. Die Kamera, die das Labor in sich trug. Auslöser gedrückt, kurz gewartet, fertiges Bild in der Hand: Mancher ist mit der Polaroid in den 70er, 80er Jahren auf Motivjagd gegangen, hat Reise-, Familien-, oder andere Erinnerungsfotos geschossen, und präsentierte stolz (oder enttäuscht) binnen Sekunden das papierene Ergebnis. Die Kamera, das große Spielzeug, ein Modell für jedermann.

Man mag das in Zeiten pixelhöriger Digitalfotografie belächeln, doch die Polaroids hatten allemal ihre ästhetische und freizeitkompatible Berechtigung. Und sie konnten, geriet die Kamera nur in professionelle Hände, zur bildmächtigen Kunst avancieren – ohne auf den Spaß verzichten zu müssen. Im Düsseldorfer NRW-Forum ergibt sich jedenfalls die schönste Gelegenheit, dem Phänomen Polaroid auf die Spur zu kommen.

500 Exponate – vom klassisch quadratischen Kleinformat zum großen Abzug, von Makroaufnahmen (André Thiessen) bis zu im Studio entstandenen Glamourfotos (Auke Bergsma), in schwarzweiß oder Farbe (teils von Hand nachkoloriert), Sachlichkeit (Martin Pudenz) oder erotisch Aufgeladenes (Helmut Newton) – sind zu sehen, zu entdecken, zu bestaunen. Die Ausstellung wirkt wie ein riesiger Experimentierbaukasten, eine bunte Spielwiese der fotokünstlerischen Kreativität. Dass manches dabei skurril anmutet, liegt wohl in der Natur der Sache.

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