Der coolste „Rolling Stone“: Charlie Watts ist tot

Charlie Watts 2010, unverbrüchlich an den Drums. (Wikimedia Commons – Flickr: „The ABC & D of Boogie Woogie, Herisau, 13. Januar 2010 – © Poiseon Bild & Text, St. Gallen, Switzerland / Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en)

Ich geb’s freimütig zu: Mick Jagger („swagger“) mit all seinen extrovertierten Posen fanden wir damals schon ziemlich geil. An ihm war alles offensichtlich. Mit der Zeit ahnten einige von uns, dass der schier unsterbliche Gitarrist Keith Richards vielleicht noch eine Spur „cooler“ war.

Doch mit noch ein paar Jahren mehr wurde klar, dass der obercoolste von allen Rolling Stones eben doch der unerschütterliche Drummer Charlie Watts gewesen ist. Heute ist er im Alter von 80 Jahren in London gestorben, vermutlich an den Spätfolgen von Kehlkopfkrebs. Wie überaus traurig!

Über die Stones müssen wir keine großen Worte mehr verlieren.  Den Beatles als Kultfaktor nahezu ebenbürtig, doch so ganz anders geartet, haben sie meine, haben sie unsere Generation geprägt wie sonst kaum jemand.

Wenn man Wikipedia glauben darf, so entdeckte Charlie Watts (eigentlich Charles Robert Watts) bereits mit 10 Jahren sein Faible für amerikanischen Jazz und hat sich aus einem alten Banjo die erste Trommel gebaut. So ist das eben mit Künstlern, die ihre Kunst einfach ausüben müssen.

Zu Weihnachten 1955 schenkten ihm seine Eltern (Vater: Lkw-Fahrer) das erste richtige Schlagzeug. War’s Zufall oder Fügung: Nach einige Um- und Irrwegen oder auch sinnreichen Zwischenschritten lernte er 1962 Mick Jagger kennen. Alsbald gründeten sie die Rolling Stones. Am 12. Januar 1963 traten sie erstmals mit Charlie Watts am Schlagzeug auf.

Der weitere Weg ist mit Legenden gepflastert. Die nun wahrhaft sachkundige Zeitschrift „Rolling Stone“ (!) führt Charlie Watts auf Platz 12 der besten Schlagzeuger aller Zeiten… Man höre beispielsweise nur das Intro zu „Get off of my cloud“ und man sollte Bescheid wissen.

Charlie Watts war – ganz anders als Mick Jagger und so viele andere im Business – ein Rockstar ohne Allüren und Skandale. Seit 1964 war er mit seiner Frau Shirley verheiratet. Glaubt es oder glaubt es nicht: Auch Keith Richards hat nur ein einziges Mal geheiratet. Wie sagten die Achtundsechziger: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“. Welch ein Flachsinn! Auch einige der Beständigsten zählen zu den Besten.

Und nun aber ganz schnell an die Lautsprecher! Yeah!

 

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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