Die Kunst, den Kern zu treffen: Zum Tod des Karikaturisten Bernd Gutzeit

So haben ihn noch manche KOllegen in Erinnerung: Bernd Gutzeit an seinem WR-Schreibtisch. Jetzt (August 2019) erhielt das Dortmunder Institut für Zeitungsforschung Karikaturen aus seinem Nachlass (siehe nachträglichen Kommentar zu diesem Beitrag). (Foto: Bodo Goeke)

So haben ihn noch manche Kolleg(inn)en in Erinnerung: Bernd Gutzeit an seinem WR-Schreibtisch. Jetzt (August 2019) erhielt das Dortmunder Institut für Zeitungsforschung fast 1500 Original-Karikaturen aus seinem Nachlass (siehe nachträglichen Kommentar zu diesem Beitrag). (Foto: Bodo Goeke)

Ein Nachruf auf den Künstler und Karikaturisten Bernd Gutzeit, verfasst von Gastautorin Ilka Heiner, der langjährigen Leiterin der WR-Lokalredaktion Schwerte:

Politische Karikaturen zeichnete er seit seinen frühen Studienjahren, fast 30 Jahre lang hat er seine Kommentare für die Seite 2 der Westfälischen Rundschau (WR) mit Zeichenfeder und Pinsel festgehalten. Jetzt ist Bernd Gutzeit zwei Tage nach seinem 79. Geburtstag nach langer Krankheit in seiner Wahlheimat Schwerte gestorben.

Seine Karikaturen fügten sich in der Erkenntnis, dass sich die Welt mit keinem Federstrich in Ordnung bringen lässt. Frontal angreifend, listig spottend, skurrilen Hintersinn ausstrahlend verfolgten sie stets das Ziel, den Kern zu treffen.

Bernd Gutzeit (Foto: Bodo Goeke)

Bernd Gutzeit
(Foto: Bodo Goeke)

In seiner aktiven Zeit wurden Bernd Gutzeits Zeitungszeichnungen häufig nachgedruckt, von deutschen, aber auch von ausländischen Blättern, die ihren Lesern diese spezielle Sicht eines deutschen Künstlers auf sein eigenes Land, aber auch auf die Welt zur Kenntnis bringen wollten. Bernd Gutzeit war einer der letzten festangestellten politischen Karikaturisten, die es im bundesdeutschen Blätterwald noch gab.

„Der Künstler“ wurde er liebevoll von seinen Kollegen genannt und das wies auf das zweite – vielleicht das eigentliche? – Leben des Karikaturisten hin, in Bildern, Skulpturen und Objekten, in experimenteller Musik oder theaterähnlichen Inszenierungen seine Fantasie fliegen zu lassen.

Bernd Gutzeit mit einigen seiner künstlerischen Arbeiten. (Foto: Christoph Staat)

Bernd Gutzeit mit einigen seiner künstlerischen Arbeiten. (Foto: Christoph Staat)

Nicht das Endprodukt hatte der Maler, Zeichner und Bildhauer im Visier, sondern den Prozess. Auch war es ihm immer ein besonderes Anliegen, Menschen mit seinen zeichnerischen und bildhauerischen Operationen aus ihrer Eindimensioniertheit hinaus auf den Weg zu bringen: „…um die Augenblicke zu erhaschen, durch die man den Kopf hebt – und vielleicht mit Staunen wieder so ein Stückchen Leben entdeckt“, wie das der Wortgewandte anlässlich einer Vernissage einmal selbst formuliert hat.

Seine Karikaturen, aber auch seine Malerei, Grafik und Skulpturen wurden in zahlreichen Ausstellungen, unter anderem im Schwerter Kunstverein und im Ruhrtalmuseum, gewürdigt.

Bernd Gutzeit, 1936 in Dortmund geboren, stammte aus einer musisch-künstlerischen Familie. In Schwerte besuchte er das Friedrich-Bährens-Gymnasium, und noch bevor er an der Werkkunstschule in Dortmund sein erstes Semester absolvierte, reihte er sich in die Phalanx der Kinomaler ein, die damals noch auf großflächigen Transparenten den Inhalt des Films in eindringlichen Bildern und Portraits darstellten. „Da habe ich einen ganz schönen Schuss mitbekommen“, blickte er einst zurück.

Später unterrichtete er musisches Gestalten am Dortmunder Fritz-Henßler-Haus, war als Kunsterzieher tätig und gab als Dozent für Grafik und Grundlehre an der Werkkunstschule Dortmund sein Wissen weiter. In Schwerte hatte Gutzeit mit Ehefrau Anne, selbst Grafikerin, für viele Jahrzehnte seine Heimat gefunden.

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(Der Nachruf ist in ähnlicher Form auch in RN und WR erschienen).

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Ein Kommentar zu Die Kunst, den Kern zu treffen: Zum Tod des Karikaturisten Bernd Gutzeit

  1. Bernd Berke sagt:

    Zitat aus einer Pressemitteilung der Stadt Dortmund vom 28. August 2019: „Eine umfangreiche Sammlung von fast 1.500 Original-Federzeichnungen des 2015 verstorbenen WR-Zeichners Bernd Gutzeit wurde jetzt von seiner Witwe dem Institut für Zeitungsforschung übergeben, ermöglicht durch den Verein zur Förderung der Zeitungsforschung in Dortmund e.V.

    Bernd Gutzeit, geboren 1936, lebte, studierte, lehrte und arbeitete in Dortmund und Schwerte. Der Grafiker war an der Werkkunstschule Dortmund als Dozent und am Fritz-Henßler-Haus als Referent für Musisches Gestalten tätig. Seit 1968 war er einer der letzten bei einer deutschen Tageszeitung festangestellten Karikaturisten und prägte die Seite 2 der Westfälischen Rundschau in Dortmund. Seine Zeichnungen dokumentieren die kritische Sicht auf fast drei Jahrzehnte deutscher und internationaler Geschichte und waren bereits in zahlreichen Ausstellungen in NRW zu sehen.

    Im Institut für Zeitungsforschung sollen die Karikaturen inhaltlich erschlossen und dauerhaft aufbewahrt werden. Eine Auswahl kann auch in Ausstellungen gezeigt werden. Die Federzeichnungen sind eine wertvolle Ergänzung der Institutsbestände, die neben Zeitungen, Zeitschriften, Frühdrucken und Plakaten auch eine Karikaturensammlung und die Nachlässe bedeutender Pressezeichner der Weimarer Republik umfasst. Mit den Zeichnungen von Bernd Gutzeit konnte das Institut das Werk jetzt eines für die Dortmunder Pressegeschichte wichtigen Journalisten des 20. Jahrhunderts übernehmen.“

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