Ottmar Hörl: Haufenweise Kunst-Stoff

Es juckt mich schon lange, einmal über den Künstler Ottmar Hörl zu schreiben. Nur gleich frisch heraus mit meiner Meinung: Seine auffälligen Aktionen langweilen durch penetrante Wiederholungsträchtigkeit. Auch halte ich sie weder für gedankenreich noch für gedankenstiftend.

Jetzt ist der Hansdampf wieder zugange, diesmal auf dem Marktplatz zu Wittenberg, wo er gleich 800 Plastik-Figuren des einstmals ortsansässigen Martin Luther aufstellen lässt. Wenig einfallsreicher Titel der Aktion: „Martin Luther – Hier stehe ich.“ Er kann eben nicht anders. Bis zum 12. September sollen die grünen, roten, blauen und schwarzen Reformatoren in Wittenberg zu sehen sein, anschließend werden sie für 250 Euro pro Stück verkauft (signiert je 500 Euro, ab 2011 dann 700 Euro).

Der Süddeutschen Zeitung (SZ) ist dieses einfältige Brimborium heute sogar ein Aufmacherbild auf der Titelseite wert. Nun ja, `s’ist Sauregurkenzeit. Und ein Fotomotiv geben Hörls Installationen allemal her. Noch stark untertrieben ist die SZ-Bildzeile: „Hörl besitzt viel Erfahrung mit serieller Kunst.“

Das kann man wohl sagen. Im Grunde geht er seit Jahren mit einer einzigen Hauptidee hausieren. Grundmuster: Man nehme eine Stadt, dazu in rascher Assoziation eine passende Klischeefigur, reproduziere diese vielhundertfach in Kunststoff, stelle die multiplen Objekte just am Ort der Legende auf, warte möglichst einen plakativen Anlass (Großveranstaltung, Jubiläum) ab und gebe dem vermeintlichen Genius loci kräftig Zucker. Bloß nicht zu subtil werden. Fertig ist die Chose. So geht es immer, immer wieder.

Wir blicken zurück und nennen nur die spektakulärsten Beispiele:

2000 Berlin: Unter den Linden versammelt Hörl 10 000 – na, was wohl? Richtig: Bären (schmerzlicher Titelgag: „Berlin-Baerlin“).

2003 Nürnberg: Hörl postiert 7000 figürlich nachempfundene Dürer-Hasen auf dem Hauptmarkt.

2004 Athen: Zu den Olympischen Spielen bringt Hörl 10 200 Eulen in die griechische Hauptstadt. Abgründig vordergründiger Hintergedanke: „Eulen nach Athen tragen“.

2005 Bayreuth: Hörl lässt 800 Neufundländer aufstellen, denn dies war die Lieblings-Hunderasse des Festspiel-Präzeptors Richard Wagner. Aha.

2005 Rottweil: 500 Rottweiler.

2007 Wiesbaden: 3000 „hessische Löwen“ vor der Staatskanzlei.

2009 Krakau: 1500 Hermeline. Warum? Na, weil in der polnischen Stadt doch Leonardo da Vincis Gemälde „Dame mit dem Hermelin“ hängt…

2009 Straubing: 1200 Gartenzwerge, die jeweils die rechte Hand zum Hitlergruß heben. Fürwahr eine preiswerte, um nicht zu sagen billige Provokation. Der flexible Hörl hat aber auch einen „Sponti-Zwerg“ im Angebot, welcher den Stinkefinger zeigt.

2010 Mülheim: Auch in der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet lässt sich Hörl seriell nicht lumpen. Vor dem Aquarius Wassermuseum tummeln sich 300 Seelöwen.

Genug! Wahrlich genug!

Der veritable Professor Ottmar Hörl, der gar als Präsident der Nürnberger Kunstakademie firmiert, bietet in seinem Online-Shop noch etliche weitere Aktionsfiguren feil: Mops, Pinguin, Erdmännchen, Ratte, Rabe, Steckenpferd oder gestiefelter Kater gefällig? Kein Problem, alle Tierchen sind vorhanden.

Viel Kunststoff also. Und die Kunst?

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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2 Kommentare zu Ottmar Hörl: Haufenweise Kunst-Stoff

  1. Bernd Berke sagt:

    Na, dann verraten Sie mir doch einmal, was Hörls Oeuvre nach Ihrer Ansicht auszeichnet.

  2. Thomas Zeuner sagt:

    Schade! Kunstkritik auf niedrigstem Niveau.
    Setzen Sie sich doch bitte ersteinmal mit Hörl auseinander, bevor Sie hier eine so flache Berichterstattung bringen.

    Danke

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