Auch in Bochum wird jetzt gemurmelt – Übernahme einer Kult-Inszenierung der Berliner Volksbühne

Ensemble-Szene aus „Murmel Murmel". (Foto: © Thomas Aurin)

Ensemble-Szene aus „Murmel Murmel“. (Foto: © Thomas Aurin)

An der Berliner Volksbühne war vieles Kult, vor allem aber das im Jahre 2012 von Herbert Fritsch inszenierte „Stück“ mit dem Titel „Murmel Murmel“. Touristen und neugierige Theatergänger stürmten die Kassen. „Ausverkauft“ hieß es. Nun haben die Menschen im Ruhrgebiet das Vergnügen, diese Produktion zu sehen.

Es gibt tatsächlich eine Textvorlage für diese Kreation aus dem Jahr 1974: Dieter Roth, der Extremkünstler in allen Bereichen, war Impulsgeber für den Regisseur, der zunächst als Schauspieler arbeitete und erst spät seine Schritte ins Regie-Genre vorantrieb und das mit sofort großem Erfolg, u.a. am Oberhausener Stadttheater. Das weltweit gezeigte Produkt ist eine neunzig Minuten währende Vorstellung mit 11 Schauspieler*innen in bunten Kostümen. Sie sprechen nur ein Wort: „Murmel“, in x Varianten.

Man muss die agierenden Schauspieler erwähnen: Florian Anderer, Matthias Buss, Werner Eng, Jonas Hien, Simon Jensen, Wolfram Koch, Annika Meier, Anne Ratte-Polle, Bastian Reiber, Stefan Staudinger, Axel Wandtke und Ingo Günther. Ihre Leistung ist mit körperlichem Spiel nur unzureichend beschrieben. Es handelt sich um eine höchst alberne Mixtur aus Slapstick, Akrobatik, Ausdruckstanz und Musiktheater. Und das Tolle ist: Es ist sinnfrei, blödsinnig, nervig, aufreibend und präzise gekonnt.

Eine Galanummer bietet der u.a. aus dem Frankfurter „Tatort“ bekannte Schauspieler Wolfram Koch, der sich mit Fäden und einem Mikro mit Kabel verheddert, immer wieder auf neue Art, mit aufgerissenem Mund. Die Spieler*innen springen in den Orchestergraben, fallen, stürzen, immer wieder. Wie oft kann man einen Gag wiederholen, bis er lau wird? Oft – wie man hier sehen kann. Derweil wird das Bühnenbild (Wände in allen Farbschattierungen) hin und her geschoben, heruntergelassen und in 3D-Anmutung eingesetzt.

Der Musiker Ingo Günther unterstützt, kommentiert und begleitet das Ganze mit seinem Marimbaphon. Steve Reich hätte seine Freude daran. Das Ganze ist erfrischend und manchmal meint man, in dem Gemurmel auch andere Vokabeln zu hören. Das bohrt sich in die Vorstellungskraft des Publikums, das am Ende selbst einen Murmel-Chor bildet.

Weitere Termine: 8. und 29. Dezember 2018. Infos: www.schauspielhausbochum.de

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