Der traumhaft richtige Tonfall der Sheryl Crow – Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle 2

Von Bernd Berke

Dortmund. Auch mit jetzt kürzeren Haaren sieht die Rockmusikerin Sheryl Crow so verdämmt gut aus, daß man ihr statt einer Kritik am liebsten allerlei Komplimente darreichen würde. Aber so geht’s natürlich nicht.

Nüchtern also: In der nicht ganz ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle 2 lieferte sie mit ihrer Band ein hörenswertes Konzert, dem freilich die geschliffene Dramaturgie fehlte. Auf Länge gesehen, schien der Mix aus ihren drei bisherigen Alben („Tuesday Night Music Club“, „Sheryl Crow“, „The Globe Sessions“), trotz etlicher starker Titel, von Monotonie bedroht. Vielleicht lag’s nur an der Reihenfolge. Jedenfalls vermißte man ein wenig die Wechselspiele harter und sanfter Songs, jene Steig- und Fallhöhen der Gefühle, die einen mitreißen.

Sheryl Crow, aus einer Kleinstadt in Missouri stammend, geht offenbar am liebsten immer die gleiche Straße entlang. Die allerdings wurde einst von Bob Dylan gepflastert (der ihr seinen Song „Mississippi“ überließ) und hat sich noch stets als Königsweg erwiesen. Damit ist die Ex- Background-Sängerin Michael Jacksons (die längst selbst in höhere Grammypreis- und Verkaufsregionen vorgedrungen ist) von Grund auf gut unterwegs.

Auch trifft ihre Stimme traumhaft den richtigen Tonfall – etwas aufgerauht, nicht gefällig, aber eingängig. Und wo sind die jüngeren Männer aus der Garde der Sänger/Songwriter die solchen Frauen-ebenbürtig wären: Suzanne Vega, Michelle Shocked, Shawn Colvin – oder eben Sheryl Crow? Ihre Kompositionen wie „Leaving Las Vegas“, „My Favourite Mistake“, „It don’t Hurt“ oder der Hit „All I Wanna Do“ gehören zum besten Bestand der 90er.

Mit ein paar Brocken Deutsch gerüstet („Guten Abend – Danke schön“), verzichtet Sheryl Crow auf Anbiederung beim Publikum, sie legt alle Energie in den musikalischen Vortrag. Ausgesprochen kraftvoll gibt sich die allzeit grundsolide InstrumentalBasis: zwei Gitarren, Baß, Keyboards/Synthesizer, dazu ganz apart elektrisch verstärkte Violine und Cello. Aus dieser Gruppierung könnte man mitunter mehr differenzierte Varianten herausholen.

Manche Titel fräsen sich zum Schluß in scheppernde Krach-Orgien hinein. Andere, in denen man geradezu schwelgt, brechen unvermittelt ab, als habe Sheryl Crow die Lust verloren. Dabei klingen doch die Anfänge der Songs und die Verläufe meist so wunderschön entspannt…

Dem Gemäkel zum Trotz: Wer nicht da war, hat etwas versäumt. Sheryl Crow ist zwar kein Rockgenie (wer wäre das heute auch schon?); sie gehört aber zu den wenigen, die diese Musik lebendig halten. Wer bietet mehr?

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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