Tagesarchive: 15. Mai 1993

Leergepumptes Herzensbett – Jeanette Wintersons schwülstiger Liebesroman „Auf den Körper geschrieben“

Von Bernd Berke

Lassen wir Jeanette Winterson und ihre Übersetzerin für sich selbst sprechen.

Seite 89: „Sie wölbt ihren Körper wie eine Katze, die sich streckt. Sie drückt mir ihre Muschel ins Gesicht wie ein Füllen am Gatter.“ Hei!

Seite 100: „Sie küßte mich, und in ihrem Kuß lag die Komplexität der Leidenschaft… Ich war schüchtern wie ein ungezähmtes Fohlen.“ Mh!

Seite 124: „Ein Schatz war uns in die Hände gefallen, und der Schatz waren wir selbst füreinander.“ Aha!

Seite 138: „Ich will kein Kissen, ich will dein lebendiges, atmendes Fleisch.“ Ja, wer würde da schon ein Kissen vorziehen?

Seite 160: „Die körperliche Erinnerung tappt durch die Tür herein, die der Geist zu versiegeln trachtete.“ Wie bitte?

Seite 227: „In dem leergepumpten, ausgetrockneten Bett meines Herzens…“ Man sieht sie direkt vor sich, diese Schlafstatt. Vermutlich eine Luftmatratze.

Genug der Zitate. Man könnte sie, in ähnlicher Stilblüten-Güte, seitenweise fortsetzen.

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