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Monatsarchive: Juni 1998
Beim Fußball singt es sich nochmal so schön – Musikwissenschaftler erforschen das Stadion-Phänomen
Von Bernd Berke
Als Borussia Dortmund am 7. Dezember 1996 beim 1. FC Köln antrat, gewannen die Westfalen nicht nur auf dem grünen Rasen (3:1), sondern auch sängerisch: 25 verschiedene Lieder stimmten die Dortmunder Fans im Lauf des Spiels an, die Domstädter brachten es nur auf 14 – schon damals ein abstiegsverdächtiger Wert. Von wegen sangesfrohe Rheinländer!
Woher wir das wissen? Vom Fachmann. Der Kölner Musikwissenschaftler Guido Brink (Jahrgang 1968) untersucht das Phänomen der Fußball-Fangesänge seit Jahren. Jetzt haben er und der Würzburger Musikprofessor Reinhard Kopiez die Resultate im Buch zusammengefaßt. Es kommt gerade recht zur Fußball-WM.
Vier bis neun Takte sind genug
Brink zur WR: „Im Grunde müßte man bei jedem Spiel einer Liga-Saison reinhören.“ Doch pro Begegnung wären zwei Wissenschaftler im Einsatz, um dann wochenlang ihre Erkenntnisse auszuwerten.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Leibesübungen, Musik & Konzert
Verschlagwortet mit Fangesänge, Fußball, Guido Brink, Reinhard Kopiez
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Chiffren der Leiblichkeit – Rosemarie Trockels Paare
Von Bernd Berke
Düren. „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei“, heißt es schon in der Bibel. Daß der junge Mann alsbald sein Elternhaus verlassen und „einem Weibe anhangen“ werde, ist gleichfalls in der Heiligen Schrift überliefert. Mit Freuden und Leiden der Paarwelt haben sich seitdem Heerscharen von Künstlern befaßt.
Letztgültige Auskunft ist auf diesem Gebiet natürlich nie zu erhoffen. Drum ist’s ja ein ewiges Thema. Mit ihrer Ausstellung „Paare“ reiht sich denn auch die 1952 in Schwerte geborene documenta-Teilnehmerin Rosemarie Trockel (die in Düren just den mit 25 000 DM dotierten Preis der Günther-Peill-Stiftung erhält), in die Phalanx der Fragenden ein. Doch sie fragt so nachdrücklich wie nur wenige.
Der Mensch als kuschelndes, kosendes Wesen
Die ausgestellten Fotografien und Zeichnungen sowie ein Videofilm zeigen immer wieder Paare, Paare, Paare; meist in der landläufigen Version weiblich – männlich, im Einzelfalle gleichgeschlechtlich.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Düren, Leopold-Hoesch-Museum, Paare, Rosemarie Trockel
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In Mülheim mag man’s gern monströs: Dea Loher erhält für „Adam Geist“ den Dramatikerpreis
Von Bernd Berke
Mülheim/Ruhr. In Mülheim mag man’s gern monströs: Die sechsköpfige Jury des Dramatikerwettbewerbs „stücke 98″ plagte sich am Ende nur noch mit den zwei längsten und sperrigsten von acht Beiträgen herum. Zuvor hatte man alles halbwegs Bekömmliche aussortiert. Gewogen und zu leicht befunden.
Gegen 1 Uhr nachts stiegen die imaginären Rauchzeichen auf, und Moderatorin Sigrid Löffler konnte das Resultat verkünden: Dea Lohers fast fünfstündige Passionsgeschichte „Adam Geist“ wurde mit fünf Jury-Stimmen gekürt, Elfriede Jelineks fünfeinhalbstündiges „Sportstück“ kam mit einem Votum auf Rang zwei. Da half es wenig, daß Frau Jelinek in der Publikumsgunst an den Abstimmungsurnen ganz vorn lag.
Die Jurorin Ursula Rühle (Dramaturgin in Köln) hatte vielleicht das entscheidende Stichwort in die Debatte geworfen, als sie sich generell für Stücke aussprach, die „das Theater überfordern“.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Theater
Verschlagwortet mit Adam Geist, Albert Ostermaier, Dea Loher, Dramatikerpreis, Mülheim, Schauspiel Hannover, stücke 98, Tatar Titus
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Der geile Drang des Menschen – Jürgen Kruse inszeniert Goethes „Urfaust“ in Bochum
Von Bernd Berke
Bochum. Mephisto meint es ehrlich mit der Gottverleugnung. Muß er Worte wie „heilig“ oder „beten“ aussprechen, so beginnt er zu krächzen und die Silben herauszuwürgen, daß er einem fast leidtut. Wenn dann in Jürgen Kruses Bochumer „Urfaust“-Inszenierung jene Zeilen der Rolling Stones erklingen, welche „Sympathie mit dem Teufel“ bedeuten, so summt man eben leise mit. Mh, mh, mh.
Goethes erst 1887 in der Abschrift eines Hoffräuleins entdeckter „Urfaust“ enthält bereits die meisten Hauptmotive des „Faust I“, freilich in roherer, noch nicht klassisch geglätteter Form: Einmal geistert in Bochum eine gravitätische Figur daher (es mag der alte, saturierte Geheimrat Goethe sein) und hält dem noch so ungeschlachten Faust angewidert den Mund zu.
Es fehlt noch die finale Rettung
Es fehlen im „Urfaust“ noch der „Prolog im Himmel“ sowie der ausdrückliche Teufelspakt, und wenn am Ende Gretchen „gerichtet“ ist, widerruft noch keine göttliche Stimme von oben: „gerettet“.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Theater
Verschlagwortet mit Bochum, Goethe, Jürgen Kruse, Sabine Orléans, Urfaust, Wolfram Koch
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