Tagesarchive: 12. September 2003

Die Gewalt und der Kunstanspruch – Gaspar Noés hirnzermarternder Film „Irreversibel“

Von Bernd Berke

Bei der Festspiel-Vorführung in Cannes gab es mehrere Ohnmachts-Anfälle, rund 200 Menschen verließen vorzeitig das Kino. Die Briten wollen den knallhartenStreifen allenfalls gekürzt für den Videomarkt freigeben.

Soll man ins Kino gehen, wenn ein Film lange Passagen enthält, bei denen man am liebsten davonlaufen würde? Eigentlich nicht. Doch Gaspar Noés Opus „Irreversibel“ (also: unumkehrbar) trägt den Kunstvorbehalt wie einen Schild vor sich her.

Raserei rückwärts in Zeittunnel

Knapp gesagt, geht es um Rache für eine Vergewaltigung. Doch Noé dreht den Stoff wüst durch den Wolf. Erzählt wird rückwärts, so dass man die wahnsinnigen Folgehandlungen schon vor den Anlässen kennt und stets verunsichert bleibt. Zudem trudelt die Kamera häufig im bösen Rausch. Schwindlig wird einem in diesem Tunnel der umgekehrt rasenden Zeit. Doch es kommt noch viel schlimmer.

Erste Szene: Ein fies verkommener Greis (sitzt er im Knast?) berichtet, dass er einst mit seiner Tochter geschlafen habe. Irgendwann erwähnt er das Lokal „Rectum“. Sofort segelt die Kamera los und irrt durch eine chaotische Verhaftungsszene mit viel Blaulicht. Was geht da vor?

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