Tagesarchive: 29. März 2004

Ein Glimmen in den Ascheresten der Gefühle – Eric-Emmanuel Schmitts Zweipersonenstück „Enigma“ in Dortmund

Von Bernd Berke

Dortmund. Der Dichter-Titan Abel Znorko lebt seit vielen Jahren als Eremit auf einer Insel in Polarnähe. Nähert sich jemand seiner Behausung, greift er zum Gewehr und feuert. Kein schöner Zug des Nobelpreisträgers.

Reales Vorbild könnte J. D. Salinger („Der Fänger im Roggen“) sein, dem man nachsagt, es mit ungebetenen Gästen ähnlich rabiat zu halten.

Dabei hat Znorko dem vermeintlichen Journalisten Erik Larsen doch schriftlich ein Interview genehmigt. Und nun empfängt er ihn mit solchen Salven. Dann aber lässt er ihn herankommen; freilich nur, um ihn eisgrau abweisend zu behandeln. Eric-EmmanuelSchmitts Erfolgsstück „Enigma“ ergeht sich fortan in dialogischen Sinn-Wendungen, die das Gesagte und für wahr Gehaltene immer wieder umstoßen.

Wenn alle Fassaden abgetragen sind, bleiben zwei verflucht einsame Männer zurück, deren Gespräche um eine bestürzend abwesende Frau kreisten. Znorko, der sich von ihr getrennt hatte, um gerade in dieser Distanz die reine Liebe zu wahren, wollte ihr brieflich verbunden bleiben. Larsen hingegen hat mit ihr gelebt. Die ferne und die nahe Liebe, gleichermaßen fruchtlos. Ob in den Ascheresten der Gefühle noch etwas glimmt?

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