Tagesarchive: 13. Juli 2011

Zum Tod des Malers Norbert Tadeusz

Der 1940 in Dortmund geborene Maler Norbert Tadeusz ist tot. Der Schüler von Gerhard Hoehme und Meisterschüler von Joseph Beuys ist am Montag in seinem Düsseldorfer Atelier gestorben. Tadeusz besuchte anfangs die Dortmunder Werkkunstschule, studierte von 1961-1965 an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er später (1981-1988) als Professor wirkte. Um eine ungefähre Vorstellung von seiner Kunst zu geben, hier ein Rückblick auf seine letzte größere Ausstellung im Ruhrgebiet, die 2009 im Museum Bochum zu sehen war:

Dem Werk von Norbert Tadeusz kann man sich von vielen Seiten her nähern. Wollte man den physischen Zugang betonen, so würde man sich wohl bevorzugt seinen Fleisch-Bildern widmen. Deren immer wieder obsessiv durchmessene Bandbreite reicht vom prall ausgekosteten Frauenakt bis zum tierischen Kadaver im Schlachthaus. Begehren und Blut. Vital und letal.

Doch es gibt nicht nur diese (bestürzend) sinnliche, sondern auch eine übersinnliche, traumverlorene Dimension dieses Schaffens, die sich geisterhaft in allgegenwärtigen Schatten zeigt. Diesen Aspekt fasst nun das Museum Bochum in den Blick.

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Oliver Storz ist tot

So, nun setze ich mich völlig bewusst der Gefahr aus, dass sie sagen, der habe aber auch zu jedem bisschen bewegter Luft etwas zu schreiben. Mache ich mit Bewusstsein und verspreche eine Weile des verweilenden Schweigens danach. Aber gerade las ich, dass Oliver Storz tot sei. Zu meiner Schande, ich erinnerte mich nicht einmal daran, dass er noch lebte, bedauere umso mehr, dass ihm das nun nicht mehr beschieden ist. Denn dieser Oliver Storz, der 82 Jahre alt wurde, begleitete mich durch Teile der Kindheit und Jugend. Gut machte der frühere Kollege (er war bei der Stuttgarter Zeitung) das, denn vieles blieb mir in Erinnerung.

Er erfand für meinen Lieblingsdarsteller Hansjörg Felmy den Essener „Tatort“-Kommissar Haferkamp, er gab dem Fernsehspiel unverwechselbares Genre-Gesicht. Und er ließ Dietmar Schönherr und Wolfgang Völz unvergleichlich das „Raumschiff Orion“ durch die Galaxis lenken, ebenso unvergleichliche Abenteuer bestehen, um dann den Rücksturz zur Erde anzutreten.

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Kultur und Infrastruktur

Wer es besser weiß, der möge mich ohne jede Hemmung korrigieren – das gilt übrigens stets und ständig, wer ist denn schon von Irrtümern verschont? Aber hat irgendwer einmal davon gelesen, dass ernst zu nehmende Menschen aus dem noch ernster zu nehmenden Bereich der Betriebs- oder Volkswirtschaft einen Straßenbau angezweifelt hätten, weil dieser sich womöglich nicht rechnen könnte – oder gar ein Minus gebären könnte?

Ich weiß, niemand käme auf solch eine ungeheuerliche Idee. Hingegen geht so etwas pfeilschnell, wenn Theater oder Orchester oder Museen nicht das einspielen, was der ernst zu nehmende Betriebs- oder Volkswirt errechnet hat. Oder wenig ernst zu nehmende Politiker.

Im kulturell noch immer beseelten Hagen war vor gar nicht allzu langer Zeit das Theater (wie vielerorts) flink zur Disposition gestellt, wenige Hände hoben sich für Bestandspläne, wenige Stimmen waren so vorlaut, Schließungsgedanken ins Reich der Absurdität zu debattieren.

Im wesentlich kleineren Unna entspinnen sich Auseinandersetzungen um die Finanzausstattung des internationalen Lichtkunstzentrums, deren Niveau an provinzieller Qualität schneller zulegt als „The Biggest Loser“ im Mob-TV abnehmen könnte.

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