Tagesarchive: 20. Oktober 2013

Oben und unten, drunter und drüber – „Das Ungeheuer“ von Terézia Mora

Darius Kopp war „der einzige Mann auf dem Kontinent“, die Hauptfigur in Terézia Moras vorangegangenem Roman. Liest man nun die Fortsetzung „Das Ungeheuer“, so wünscht man sich inständig, er wäre – zumindest in der Fiktion – einfach der einzige Mann geblieben und niemand müsse sich die Mühe machen, ihn auf seinen weiteren, von Selbstmitleid geprägten Wegen zu begleiten.

Im „einzigen Mann“ beginnt die komplizierte Liebe zwischen dem IT-Experten Darius und der dolmetschenden Gelegenheitskellnerin Flora, einer gebürtigen Ungarin. „Das Ungeheuer“ nun beginnt mit einem Schock. Flora hat Selbstmord begangen. Darius fühlt sich in dem, was er Trauer nennt, gefangen. Er hat Aufzeichnungen Floras in ihrer Muttersprache gefunden und lässt diese übersetzen. Doch erst nach einem Jahr selbstgewählter Klausur in seiner Wohnung wagt er sich an die Lektüre, während er Flora auf ihren Vergangenheitswegen hinterher reist. Vor sich selbst rechtfertigt er den Aufwand dieser Reise mit dem Vorwand, einen Ort zu finden, an dem er Floras Asche beisetzen kann. Doch ihn treibt eher Unverständnis und ein diffuses Schuldgefühl sowie absolutes Unvermögen, mit seinem Leben weiterzumachen.

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