Tagesarchive: 16. November 2016

Stufe für Stufe zum eigenen Schreiben: Andreas Maiers Bildungsroman „Der Kreis“

Und wieder einmal tauchen wir mit Andreas Maier („Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“) in den kleinen Kosmos von Friedberg/Wetterau ein; so, wie er damals wohl gewesen ist, in Maiers Kindheits- und Jugendtagen.

Diesmal setzt die ruhige, ausgesprochen unaufgeregte Reflexion in der kleinen Bücherklause der Mutter ein, in der der Junge schon als Grundschüler so manche Stunden zugebracht hat, anfangs noch gar nichts recht begreifend, aber bereits lesend, lesend, lesend. So gut es eben ging.

42547Ohne Anführungszeichen geht es hier nicht: „Irgendwie“ hat die Mutter sich mit „Geistigem“ umgeben und den Vater mit erlesenen Fremdworten mit „Logie“- und „Ismus“-Anhängen gequält. Ihre Welt, die sich Jahre später als eng begrenzt erweisen wird, kreiste vor allem um „Theo Düschadeng“. Nanu? So versteht es jedenfalls der kleine Junge. Gemeint ist Teilhard de Chardin.

Wir erleben Stück für Stück und gleichsam Zeile für Zeile, wie sich derlei Nebel vor dem geheimnisvollen Geistesleben lichtet, wie immer mehr – zunächst allerkleinste – Erkenntnisse Raum greifen, wie also der Kreis (oder auch, siehe Titelbild des Buches, die Endlosschleife) des Gewussten sich nach und nach erweitert. Insofern ist „Der Kreis“ ein knapp gehaltener Bildungsroman, auf Neudeutsch könnte man von einer Coming-of-Age-Story sprechen. Die Hauptperson ist in allen Dingen erst einmal Novize.

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