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Westfalens Weltdichterin: Annette von Droste-Hülshoffs Gesamtwerk liegt jetzt in 28 Bänden vor

Von Bernd Berke

Münster. Um Westfalens große Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) sind häufig politische Scharmützel ausgefochten worden. Im „Kulturkampf“ (um 1875) wollten Bismarcks Preußen ihr Werk als nationales Sprachdenkmal für ihre Zwecke vereinnahmen. Die katholischen Widersacher hielten dagegen und betonten konservativ-religiöse Aspekte ihrer Lyrik und Prosa.

Heute haben feministisch inspirierte Deutungen die Oberhand gewonnen, die im Erdenwallen der Droste ein exemplarisch unterdrücktes Frauenleben erkennen wollen, das sich auch zwischen den Zeilen mitteile. Tatsächlich hat die patriarchalische Familie der Dichterin zeitlebens manche Schwierigkeiten bereitet und der Droste 1845 sogar ein striktes Schreibverbot erteilt.

Sie war nicht nur ein braves Fräulein

Gestern wurde, nach über 20 Jahren Detail-Arbeit, in Münster ein Mammut-Unternehmen der Literaturwissenschaft präsentiert: Die 28 Bände der historisch-kritischen Droste-Ausgabe sind komplett fertig!

Jetzt kann also auf festerer Basis über ihr Leben und Wirken spekuliert werden. Denn nun liegen ihre Texte endlich in weitgehend authentischer Gestalt vor. Der machtvolle Grundstein für viele weitere Forschungen ist damit gelegt. Herausgeber Prof. Winfried Woesler (Uni Osnabrück) glaubt, dass sich das Bild der Droste im Lichte der Neuausgabe anders darstellt als bisher: „Bisher hat man sie oft als biedermeierliches westfälisches Adelsfräulein oder gar als Spökenkiekerin gesehen.“

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