Hier steppt (nicht nur) der Bär: Robert Wilson inszeniert Kiplings „Dschungelbuch“ in Düsseldorf als Musical

Die Tiere sind los: Düsseldorfer Szene aus „Das Dschungelbuch“ (Foto: Lucie Jansch)

Schließ Deine Augen und spitz Deine Ohren, dann hörst Du die Geräusche des Dschungels: das Brüllen des Tigers, das Zischen der Schlange, das Heulen der Wölfe und das Keckern der Hyäne. Nun öffne sie wieder und Du siehst einen zauberhaften Urwald aus Licht und Farben, den Robert Wilson gemeinsam mit seinem Team auf die Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses gebracht hat.

Die Inszenierung folgt dabei der unverwechselbaren Bildsprache, die Robert Wilson kreiert und die inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist: Üppig wuchernde Vegetation und ausladende Schlingpflanzen sind dabei seine Sache nicht, er konzentriert sich ganz auf die Figuren, die sehr stilisiert und dabei witzig charakterisiert jede ihre unverwechselbare Eigenheit leben.

Die Kostüme spiegeln auch ein Stück Popkultur wieder und die Bezüge zu Hollywood sind offensichtlich – teilweise spielt die Handlung sogar an einem Filmset. So bezieht sich Wilson nicht nur auf Rudyard Kiplings Romanvorlage des Dschungelbuchs, sondern auch die Rezeptionsgeschichte des Stoffes im Film wird ihm hier zum Bühnenmaterial.

Lichtzauber und höchst originelle Musikmischung

Farbenfroh und bunt wird der Dschungel dabei besonders durch Licht, das auch die Stimmung der Szenen untermalt. Das Herzstück des Düsseldorfer Dschungelbuchs bildet aber die Musik des Duos CocoRosie: Rock, Folk, Gospel, Rap, Pop und Jazz mischen sich in ihrer großartigen Kreation aufs Originellste. Wir sitzen also eigentlich in einem Musical, mehr noch in einer Revue, die Szenen durch einzelne Songs gegliedert und von den Tieren als kultige Nummern dargeboten.

Wie in Hollywood… (Foto: Lucie Jansch)

Überhaupt die Tiere: Jedes einzelne von ihnen spielt und singt grandios, mit untrüglichem Showtalent gesegnet. Toll, was das Ensemble hier leistet und mit welcher Spielfreude es sich in die Physis der Tiere hineinversetzt. Allen voran entertaint Georgios Tsivanoglou als Baloo der Bär wie ein ganz Großer des Showgeschäfts, was vom Publikum dann auch öfter mit Szenenapplaus bedacht wird. Aber auch die Wölfe (Ron Iyamu und Judith Bohle) machen Spaß und André Kaczmarczyk als schwarzer Panther Bagheera gibt sich als glitzernde Drag Queen mit scharfen Krallen. Elefantös fungiert Rosa Enskat als Erzählerin und Mowgli wird von Cennet Rüya Voß als kindlicher Draufgänger gegeben.

In der Menschenwelt fühlt sich Mowgli zwar nicht so wohl, zumal Wilson dessen Mutter Messua (Tabea Bettin) als puritanische Siedlerin mit hochgeschlossenem Kleid und eckigen Bewegungen inszeniert. Doch von den Menschen bekommt Mowgli das Feuer und das ermöglicht ihm, seinen Widersacher, den Tiger Shere Khan (gut gebrüllt, Sebastian Tessenow) letztendlich zu besiegen.

Nach 90 Minuten Spielfilmlänge ist das Dschungelfieber dann auch schon wieder vorbei: Ein Stück für die ganze Familie, aber kein spezielles Kinderstück, dazu ist es vielleicht zu hintergründig. Doch wer coole Songs liebt und amerikanisches Musical, der ist hier richtig: Welcome to the jungle!

Karten und Termine: www.dhaus.de

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