Warum Demos eigentlich Fake sind

Nicht die Berliner Demo vom letzten Samstag, aber eine Corona-Demo in Düsseldorf vom 20. Juni, in deren Randbereich der Fotografierende unfreiwillig geraten ist. (Foto: Bernd Berke)

Gastautor Jo Wüllner, Journalist und Medienentwickler aus der Revierstadt Herten (Homepage: wuellnermedien.de), mit knappen Anmerkungen zur Berliner Corona-Demo vom vergangenen Wochenende – und zu Demos generell:

  • 20.000 haben am Wochenende in Berlin demonstriert. Tausende von Fotos auf Facebook, Dutzende von Artikeln. Empörung, Flüche, Verdammnis von „Aufgeklärteren“ (?) über die Demonstranten allerorten. Also im Kern wenig anderes, als das, was die Demonstranten auf die Straße gebracht hat. Gewisse Gefühle.
  • In Berlin waren 20.000 aus einem geographischen Umfeld, in dem etwa 10 Millionen leben. Macht 2 Promille des Einzugsgebietes. Wer würde sich darum scheren, wenn bei einer Abstimmung 2 von 1000 etwas wollen?
  • Demos sind Fake-Events. Demos suggerieren Bedeutsamkeit, weil an einem Ort sich Menschen konzentrieren. Das Konzentrat wird mit Relevanz verwechselt. Ein Effekt von Wahrnehmungsverzerrung. Bei ALLEN Demos, gleich aus welche Ecke oder mit welcher Absicht.
  • Demos in einer Mediengesellschaft werden dramatisch überschätzt, weil ihre Wirkung auf einer „Verabredung“ zwischen Demonstranten und Medien beruhen. Die einen liefern die Bilder, die anderen machen sie.
  • Demos werden aufgewertet, weil es Gegendemos gibt. Gegendemos gehören mit den Demos zu den überschätztesten sozialen Ereignissen. Was die Teilnehmer einer Gegendemo keinesfalls wahrhaben dürfen.
  • Demos gehören zum Demokratiebetrieb. Wie sie bewertet werden, hängt von den Beobachtern ab. Wenn die Beobachter nicht beobachten, sondern sich erregen, fördert das nicht den Demokratiebetrieb.

Nachsatz eines wahrhaft Coolen:
„Protestbewegungen behaupten nicht notwendigerweise eigenes Wissen. Sie resultieren aus dem Umschlag von Nichtwissen in Ungeduld.“
(Niklas Luhmann: Beobachtungen der Moderne, S. 202)

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