Lorne Greene starb vor 25 Jahren und blieb der ewige Ben Cartwright in „Bonanza“

Nein, mir fällt nichts Gescheites ein dazu, dass 9/11 sich mal wieder jährt, ja ich hielt und halte das, was seinerzeit jede und jeden aufregte und anrührte, ebenso für schlimm, Menschen verachtend und terroristisch.

Nein, mir fällt dennoch nichts Gescheites dazu ein, denn schlimm, Menschen verachtend und terroristisch ist ziemlich Vieles auf dem Planeten, alles davon jährt sich pro Jahr einmal und niemand denkt daran, warum auch, schließlich haben wir uns daran gewöhnt, dass Schlimmes, Menschenverachtendes und Terroristisches zum Alltag gehört – oder?

Statt dessen geriet ich heute Morgen ins Schmunzeln, als ich meine erklärte WDR-Lieblingssendung „Zeitzeichen“ hörte, während ich den Weg zur Arbeit absolvierte. „Zeitzeichen“ beschäftige sich mit dem 25. Todestag eines gewissen Lorne Greene, dem „Pa“ meiner einstigen erklärten Lieblingssendung im TV, dem Ober-Cartwright von der „Ponderosa“ aus der legendären US-Serie „Bonanza“, deren klassische Titelmelodie mir sofort durch den Kopf schoss und immer noch drin randaliert.

Jeden Ausstrahlungssamstag hockte ich bereits auf dem heimischen Sofa und erwartete mit Spannung die vier Schrot-und-Korn-Kerle, wie sie mit entschlossenen Mienen auf ihren Pferden durch die Pampa hoppelten und schließlich, anscheinend durch Selbstzündung, der Landkartenausschnitt dramatisch in Flammen aufging. Dann ging’s los: Lorne Greene (Pa), Pernell Roberts (Adam), Dan Blocker (Hoss) und Michael Landon (Joseph, auch Little Joe genannt) galoppierten für Weltgerechtigkeit. Die Männer-WG wurde komplettiert durch den wackeren Hop Sing, einen stimmfistelden Koch mit Migrationshintergrund, dessen Unfähigkeit, ein gescheites „R“ von sich zu geben, auf chinesische Herkunft schließen ließ.

Lorne Greene, der eigentlich Lion Hyman Green hieß, in d e r Rolle seines Lebens. Er schuf sie, lebte sie und spielte sie, wie er zugab, indem er seinen eigenen Vater darzustellen versuchte. Streng, sonore Stimme (während des 2. Weltkrieges war er „The Voice of Canada“) und am Ende immer gütig zum kleinen Joe, sorgte er schnappend befehlend dafür, dass „Joseph“ seine Füße vom Tisch nahm und sogar der urgewaltige Hoss sparsam aus den blauen Augen schaute, wenn „Pa“ es krachen ließ.

Von 1959 bis 1973 war er, der eher mal durch seine Stimme (seine deutsche war die des großen Synchronsprechers Friedrich Schütter) bekannt war, denn durch seine Art der Darstellung, Ben Cartwright. Auch danach blieb er Ben Cartwright, ob er nun den Chef im „Kampfstern Galactica“ gab oder den besorgten Vater in „Erdbeben“ und immer wollte er eigentlich wieder seine drei Söhne zurück haben. Dan Blocker starb 1972 überraschend als erster der Familie, was bald darauf auch zur Einstellung der Serie führte. Ein Wiederaufguss der „Bonanza“ (so heißen auch Goldadern) stand kurz bevor, dann starb auch Lorne Greene. Er wurde auf dem „Holy Cross Cemetery“ in Culver City beigesetzt. Sein Grabstein nennt seinen Namen, aber auch den von Ben Cartwright. In direkter Nachbarschaft liegt Michael Landon, sein „Sohn Joseph“, der 1991 starb.

Das Amerika, das von diesen Romantikern vorgelebt wurde, verblasste im Laufe der Jahre immer mehr und wurde ersetzt von den USA, die in Vietnam Krieg führten, die Salvador Allende wegschafften, die bis auf den Tag es den Menschen schwer machen, naiv begeistert von den Staaten zu sein. Daher wahrscheinlich auch meine Freude, heute Morgen nichts von 9/11 (nur der guten Ordnung halber, das ist der 11. September, der Tag, an dem die Twin Towers in New York einstürzten) gehört zu haben, dafür aber an Lorne Green erinnert wurde und mir die Anfangsmelodie von „Bonanza“ noch immer durch den Kopf schießt.

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2 Kommentare zu Lorne Greene starb vor 25 Jahren und blieb der ewige Ben Cartwright in „Bonanza“

  1. Harry sagt:

    „Bonanza“ war ein Teil meiner Jugend…….

  2. Michaela sagt:

    Darf ich ein bisschen besserwissern? Er hieß ursprünglich Lyon Himan (auf seinen Schulzeugnissen Hyman, so heißt es; seine Mutter nannte ihn „Chaim“) Green (ursprünglich Grinovsky).

    Übrigens ist Pernell Roberts (Adam) seit 2010 auch tot.

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