ARD: Alle talken nur noch über Islamismus

Was ist nur in die ARD gefahren? Nach der Sommerpause talken sie dort jetzt alle über Themen rund um den Islamischen Staat (wahlweise IS oder ISIS). Gibt es denn da keine Koordination, keinerlei Absprachen?

Am Montag sprach Frank Plasberg mit seinen Gästen über Waffenlieferungen ins Krisengebiet. Am späten Dienstagababend ging’s in „Menschen bei Maischberger“ ums kernig formulierte Thema: „Angst vor Gotteskriegern: Bedroht dieser Islam auch uns?“ Und schon am morgigen Donnerstag lädt Reinhold Beckmann zur nächsten einschlägigen Gesprächsrunde. Titel: „IS-Terror: Wer sind die islamistischen Fanatiker?“

Etwas mehr Vielfalt, bitte!

Gewiss, die Gästelisten sind nicht identisch, wenn auch teilweise artverwandt. Seltsam jedoch, dass gleich drei Talkmaster in derselben ARD-Programmwoche dasselbe Themenfeld beackern. Ein bisschen mehr Vielfalt dürfte es schon sein! Nur gut, dass Günther Jauch und Anne Will noch in Urlaub weilen, sonst hätten sie sich vielleicht auch noch auf Dschihad und Islamismus konzentriert.

Hatte ihre SEndung zeitweise nicht mehr im Griff: Sandra Maischberger. (Foto: WDR/Peter Rigaud)

Hatte ihre Sendung zeitweise nicht mehr im Griff: Sandra Maischberger. (Foto: WDR/Peter Rigaud)

Ganz ehrlich: Mag das Thema auch noch so dringlich sein, mehrere längliche Sendungen so kurz hintereinander möchte ich mir dazu nicht antun. Darum habe ich es vorerst beim Maischberger-Talk belassen.

Kleinlaute Alice Schwarzer

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Sendung war von Anfang an verkorkst. Nach Monaten tauchte erstmals wieder Alice Schwarzer (die seit vielen Jahren vor dem Islamismus warnt) in einer Talkshow auf. Sandra Maischberger befragte sie erst einmal zu ihrer Selbstanzeige in Sachen Steuerhinterziehung. So kleinlaut und zerknirscht hat sich Frau Schwarzer bisher noch selten gegeben. Vielleicht wirkt es ja strafmildernd…

Anschließend war eine scharfe Themen-Kehrtwende zum Islamismus nötig. Danach redeten zeitweise alle Beteiligten wild durcheinander.

Selbstzufriedener Funktionär

Ziemlich unangenehm tat sich Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime) hervor, ein selbstzufriedener Funktionärstyp, der immer schon vor dem Terror gewarnt haben will und darauf pocht, dass das alles überhaupt nichts mit Religion zu tun habe. Doch seine Distanzierungen vom Terror klingen stets etwas verwaschen. Und wenn Mazyek den Dschihad (Heiliger Krieg) mal wieder lediglich als Kampf gegen den inneren Schweinehund definiert, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Die Gegenposition nahm der Journalist Oliver Jeges ein, nach dessen Auffassung die Terrormilizen des „Islamischen Staats“ sehr wohl aus dem Koran schöpfen, den sie allerdings politisch missbrauchen.

Lautstarkes Durcheinander

Die weiteren Gesprächsteilnehmer, darunter der „Spiegel“-Korrespondent Christoph Reuter (der bisher nicht gekannte Gefahren heraufziehen sieht, wenn Isis-Kämpfer nach Deutschland zurückkehren), suchten sich gleichfalls Gehör zu verschaffen, was manchmal ziemlich schwer war. Übrigens hatte Frau Schwarzer substanziell recht wenig beizutragen. Dass sie 1979 im Iran war, hilft heute nicht mehr weiter.

Jedenfalls ging es zwischen den Fronten lautstark hin und her, so dass Sandra Maischberger streckenweise die Übersicht und die Oberherrschaft verlor. Welch eine konfuse Sendung.

Die einzigen stilleren Minuten gebührten einer Berliner Mutter, die ihren Sohn an den Islamismus verloren hat. Der vormals unauffällige, „ganz normale deutsche Junge“ hatte sich binnen zwei Jahren völlig radikalisiert und wurde in Pakistan erschossen.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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