Im Gartenglück schwelgen: Kat Menschiks Bilderbuch „Der goldene Grubber“

Seit Zeitschriften übers Landleben erstaunlich reüssieren, riskieren auch Buchverlage wieder öfter einschlägige Publikationen. In diesen Zusammenhang gehört letztlich wohl auch „Der goldene Grubber“, höchst ansprechend gestaltet von der Zeichnerin und Illustratorin Kat Menschik.

Grubber? Aber ja. Gemeint ist das unentbehrliche Gerät zum Umgraben hoffentlich fruchtbaren Bodens. Frau Menschik, vielfach tätig für die FAZ und zumal deren Sonntagszeitung, aber auch für ambitionierte Buchprojekte, stellt hier das an Leib und Seele selbst erfahrene Gartenglück quasi in Form einer Graphic Novel dar, also als gezeichneten „Roman“. Oder sagen wir Erzählung.

Auch Schattenseiten werden nicht verschwiegen. Der bezeichnende Untertitel lautet „Von Grossen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr“. Perfektionisten werden auf diesem Felde immer mal wieder enttäuscht. Macht nichts. Unverdrossen auf ein Neues.

grubberIch bin so ziemlich das Gegenteil von einem Gartenexperten, doch hat dieses (von der Stiftung Buchkunst gepriesene) Buch mich rasch überzeugt und angesteckt. Im Inneren gibt es ein paar vielfarbige Seiten, doch das Gros der Bilder ist in dezentem Grünton gehalten und wird hauptsächlich von Versalien und Schreibschrift durchzogen; mal schön ordentlich, mal lustvoll wuchernd und mäandernd.

Vor lauter Euphorie hat man leider eine Paginierung (Seitenzahlen) „vergessen“, die beim Wiederauffinden von Lieblingsstellen helfen könnte. Aber was soll’s. Dann blättert man halt auf rund 300 Seiten ein wenig hin und her. Vergnügen bereitet es allemal.

Die Zeichnerin schwelgt in allerlei pflanzlichen Formen und tierischem Gewimmel, das sich im Umfeld des Gartens wie von selbst regt. Kat Menschiks freimütig eingestandener „Blumenkaufrausch“ (angeblich ein Muss: Phlox, Cosmea & etliche andere) erfasst nicht nur Frühblüher und Stauden, sondern auch Gemüse, Kräuter und Obstbäume, ja eigentlich alles, was gedeihen kann.

Vorwiegend an Wochenenden tobt sich Kat Menschik auf – man mag es kaum glauben – weitläufigen 4000 Quadratmetern Gartenfläche in Brandenburg aus, und zwar offenbar nahezu im Alleingang. Dabei kommt es schon mal vor, dass an einem Tag 11 Schubkarren mit Gartenabfällen weggeschafft werden müssen. Oder es gilt, 500 Krokus-Zwiebeln einzeln einzupflanzen…

Doch Erschöpfung und Genuss halten einander mindestens die Waage. Ist es auch manchmal beschwerlich, so sind es doch meist lohnende Mühen. Seite um Seite erfährt man, allen Widrigkeiten zum Trotz, dass im Garten das wahre Glück zu haben sei. Unkraut hin, Maulwürfe her.

Unterwegs fallen etliche praktische Hinweise aus dem Erfahrungsschatz der Gärtnerin und ihrer Freundinnen an. Schon mal über tote Fische als Tomatendünger nachgedacht? Schon mal erwogen, wie man ohne infernalischen Gestank (Brennnesselsud) die Blattlausplage bekämpfen kann? Schon mal Unmengen von Pflanztöpfen aus Zeitungspapier gebastelt?

In Kat Menschiks Gartenkosmos kommen einem die ungemein gefräßigen Nacktschnecken wie Horrorwesen vor. Dennoch: Keinesfalls, so die Autorin, solle man so barbarisch sein und diese Tiere mit Salz berieseln (dann lösen sie sich auf), sondern als milderes, leidlich wirksames Mittel Schneckenlinsen wählen. Ferner findet man Hinweise zur richtigen Ausrüstung ebenso wie Erwägungen zum Vogelhaus- und Baumhausbau, zum Gelingen ländlicher Festivitäten, zur Pilzsuche und überhaupt zu giftigen Pflanzen.

Gewiss: Der Frühling ist – wie man sich schon denken kann – die größte Offenbarung im gärtnerischen Jahreskreis. Doch auch alle anderen Zeiten haben ihre eigenen Reize, wie es sie in dieser Form hauptsächlich in Europa gibt. Ganz nebenbei gerät so die Hommage ans Wachsen und Blühen auch zum Loblied auf unsere Breiten. Warum nicht?

Schon Voltaire hatte im „Candide“ gegen all das kriegerische Weltweh die Rückzugs-Formel geprägt: „Il faut cultiver notre jardin“ – Wir müssen unseren Garten bestellen. Weise oder töricht? Jedenfalls ist’s eine Ur-Versuchung, wahrscheinlich schon seit dem Paradiesgarten.

Pat Menschik: „Der goldene Grubber“. Verlag Galiani, Berlin. 304 Seiten, Spezialformat 21 x 21 cm. Durchgehend illustriert. 34,99 Euro.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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Ein Kommentar zu Im Gartenglück schwelgen: Kat Menschiks Bilderbuch „Der goldene Grubber“

  1. gerd herholz sagt:

    Da habe ich doch noch ein schönes Weihnachtsbuch für meine im Garten wühlmausende Gattin gefunden. Dank. Und hier ein kleiner Bericht zu Menschik auf rbb:
    http://www.ardmediathek.de/tv/Brandenburg-aktuell/K%C3%BCnstlerportr%C3%A4t-Illustratorin-Kat-Mensc/rbb-Fernsehen/Video?documentId=20396824&bcastId=3822126

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