Tagesarchive: 3. Januar 2005

Eine Liebe zum Versteinern – „Die Brautjungfer“ von Claude Chabrol

Von Bernd Berke

Claude Chabrol demaskiert nicht mehr das gehobene Bürgertum. Dies sind offenbar erledigte Fälle! Mit seinem neuen Film „Die Brautjungfer“ (Buchvorlage Ruth Rendell) blickt Frankreichs Kunstkino-Veteran vielmehr hinab in mythische Abgründe. Gäbe es hier einen Fluss, so müsste er antikisch Styx oder Acheron heißen und stracks in Richtung Unterwelt strömen.

Auf der saft- und kraftlosen Hochzeit seiner Schwester (ein Jüngelchen als Ehemann, die Feier nahe am Fiasko) verliebt sich der 25-jährige Philippe just in eine Brautjungfer. Damit hält endgültig das Untergründige Einzug in diese provinzielle, ohnehin schon wie ausgestorben daliegende Welt. Die junge, doch meist überaus ermüdet wirkendeFrau gibt sich selbst den Namen Senta – nach jener Figur in Richard Wagners „Der fliegende Holländer“. Flugs im Opernführer vergewissert: Senta war ganz entschieden eine Entrückte, sie wollte treu sein bis in den Tod und stürzte sich am Ende vom Felsen ins Meer.

Nicht so recht von dieser Welt

Auch diese Brautjungfer ist eher ein Phantom, nicht so recht von dieser Welt. In ihren Augen glimmt so etwas wie Todessehnsucht. In wacheren Momenten behauptet sie, auf dem Sprung zur Schauspiel-Karriere zu sein. Bei Woody Allen habe sie schon mal reingeschnuppert. Dreiste Lüge? Es wäre überprüfbar.

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