Monatsarchive: Oktober 2005

Von Luxus, Lust und Melancholie – Düsseldorfer Kunstsammlung NRW wartet mit famoser Matisse-Ausstellung auf

Von Bernd Berke

Düsseldorf. Picasso ist in Deutschland leichter zu zeigen. Denn das Werk von Henri Matisse (1869-1954) wurde hierzulande häufig als bloß „bürgerlich dekorativ“ abqualifiziert. Das Urteil war wohl auch durch nationale Rivalitäten mit Frankreich getrübt. Jedenfalls haben sich hiesige Museen bis in jüngere Zeit mit Ankäufen zurückgehalten.

Umso erstaunlicher ist, was Düsseldorf nun aufbietet: Die Kunstsammlung NRW hat eine immense Fülle von Matisse-Werken zusammengetragen – dank guter Kontakte zu den großen Museen der Welt. Sollte der Ansturm dem Anlass entsprechen, so könnte das Haus gar logistische Probleme bekommen.

Wie bei Schauen dieses Formats üblich, will man nicht nur imposant anhäufen und gängige Meinungen bestärken, sondern just „Legenden“ in Frage stellen, die sich um Matisse ranken. Der Franzose, so behaupten die Ausstellungsmacher, sei längst nicht nur der schwelgerische Prophet eines „Goldenen Zeitalters“ und eines kunstvoll schönen Gleichgewichts gewesen. Nein, sein Werk zeuge vielfach auch von Instabilität und Gebrochenheit.

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Menschen in einem Zufluchtsraum – Dieter Giesing inszeniert „Die Zeit und das Zimmer“ von Botho Strauß in Bochum

Von Bernd Berke

Bochum. Damit hatte der Kulturbetrieb nicht gerechnet: Letzten Freitag machte sich der angeblich so weltenthobene Schriftsteller Botho Strauß in der FAZ Gedanken über eine mögliche schwarz-grüne Zukunft der Republik: Auch dabei zog er allerdings ganz große Grundlinien und begab sich nicht etwa in die „Niederungen“ der Tagespolitik.

Sein 1989 uraufgeführtes Stück „Die Zeit und das Zimmer“, jetzt von Dieter Giesing in Bochum imzeniert, scheint zwar weit jenseits des Alltags ins Ungefähre zu schweben. Doch das Traumspiel in der Spät-Nachfolge eines Strindberg geht aus schmerzlich genauen Beobachtungen des Mittelschicht-Lebens hervor.

Das leere weiße Zimmer im wundersam wechselnden Dämmerlicht, das Karl-Emst Hermann gebaut hat, bedeutet als Zufluchtsraum zugleich die jetzige Welt in all ihrer Mobilität und Haltlosigkeit. Es ist Schauplatz flüchtiger Menschen-Passagen. Wie Geistererscheinungen gleiten die Figuren zueinander und aneinander vorbei. Wen sie gestern oder vorhin geliebt haben und warum, das haben sie schon nieder vergessen. Jede Begegnung trägt hier schon das Vergehen in sich.

Dasein als Durchgangsstation

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Musik ist wie ein Wunder der Natur – Gespräch mit dem Cellisten Mischa Maisky vor seinem Gastspiel in Dortmund

Von Bernd Berke

Dortmund. Am 7. November wird er im Dortmunder Konzerthaus auftreten: Mischa Maisky (57), der als einer der weltbesten Cellisten gilt. Die WR erreichte ihn telefonisch in Brüssel.

Hat er schon einmal in Dortmund gespielt? „Moment, da muss ich meinen Computer einschalten“, sagt Maisky in dem auf Englisch geführten Gespräch. Insgesamt 2705 eigene Konzerte (!) verzeichnet sein PC am Tag unseres Telefonats. Tatsächlich kommt auch Dortmund vor. Doch das Konzerthaus hat Maisky noch nicht so genau kennen gelernt. Hier hatte er am Oktober 2003 lediglich einen Kurzauftritt bei der Gala zum „Echo Klassik“-Preis.

Nun freue er sich aufs „beautiful Konzerthaus, wie ich mich auf jedes Konzert freue.“ Doch gerade der 7. November sei für ihn ein ganz besonderer Tag: „Es ist praktisch mein zweites Geburtsdaturn. Am 7. November 1972 bin ich nach meiner sowjetisshen Haft (siehe Info-Anhang, d. Red.) in Wien eingetroffen. Danach habe ich mich in Israel niedergelassen. Der 7. November bedeutet für mich also immer noch die neue Freiheit von damals.“

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