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Monatsarchive: September 2005
Das Ende der Vorurteile – Kinofilm „Unkenrufe“ nach der Erzählung von Günter Grass
Von Bernd Berke
Fürs „Buch zum Film“ hat Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein Vorwort geschrieben. Er ist also wohl gnädig einverstanden mit der Adaption seiner 1992 erschienenen Erzählung „Unkenrufe“.
Leicht kann die Umsetzung nicht gewesen sein, denn Grass hat vielfach mit indirekter Rede und erzählerischen Mutmaßungen gearbeitet. Das alles musste fürs Kino konkretisiert, auf Figuren verteilt, zugespitzt oder ausgelassen werden. Daran gemessen, ist der Film des polnischen Regisseurs Robert Glinski passabel geraten. Und er bebildert getreulich manche sinnliche Grass-Spezialitat: von lukullischen Genüssen bis zum pittoresken Rikscha-Dienst mitten in Danzig, der auf die Kalkutta-Aufenthalte des Autors zurückgeht.
1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer: Der Bochumer Kunsthistoriker Alexander Reschke forscht in seiner (und Grass‘) Geburtsstadt Danzig, die bekanntlich seit1945 Gdansk heißt und zu Polen gehört, nach einem besonderen Grabstein.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kino, Literatur
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In der Dauer liegt die Kraft – Dortmunds neuer Konzerthaus-Chef Benedikt Stampa ab heute im Amt
Von Bernd Berke
Dortmund. Heute ist sein offizieller Dienstantritt: Benedikt Stampa (39) bestimmt ab sofort die Geschicke des Dortmunder Konzerthauses. Und er stellt sich auf eine langfristige Arbeit in Westfalen ein: „Ich bin kein Job-Hopper“, versicherte er gestern.
In Hamburg, wo er bislang Chef der altehrwürdigen Laeisz-Musikhalle gewesen ist, habe er ein gewachsenes, stabiles Musikleben vorgefunden.Das im Herbst 2002 eröffnete Dortmunder Konzerthaus sei hingegen noch relativ jung, spiele aber national schon in der ersten Liga mit. Die Akustik sei jedenfalls besser als in Hamburg.
Benedikt Stampa, der vorerst einen Fünfjahresvertrag hat und seit zwei Monaten in der Dortmunder Gartenstadt („sehr urban“) wohnt: „Hier ist das Konzertpublikum so neugierig und aufgeschlossen, wie ich es noch nirgendwo sonst erlebt habe.“ Überhaupt befinde sich „diese vitalisierte Stadt“ spürbar im Aufbruch zu neuen Ufern.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Amtsübernahme, Benedikt Stampe, Dortmund, Intendant, Konzerthaus
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Nichts zu verlieren – neue CD der Kölner Band „Erdmöbel“
Von Bernd Berke
Besser kann’s kaum anfangen: Schon der Titelsong ist eingängig, die Harmonie zum Refrain erinnert wahrlich an die Beatles. Wer schafft das?
Immer noch ein Geheimtipp: Die Band heißt „Erdmöbel“ (also: Sarg) und kommt aus Köln. „Für die nicht wissen wie“ ist das sechste Album seit 1996. Musikalisch geben sie jeder Platte eine andere Grundfarbe – von Elektronik-Rock über Chanson bis zum 60er Jahre-Sound. Textlich bewegen sie sich auf einem Niveau, das bei uns sonst kaum erreicht wird. Wenn ein Vergleich sein muss: Sven Regeners lakonische Poesie für „Element of Crime“, das wäre in etwa die gleiche Liga.
Der Gründer und Songschreiber von „Erdmöbel“ heißt Markus Berges. Er singt unverkennbar. Sehr entspannt, lässig und zuweilen träge bis zur Trance.… Weiterlesen
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Kulturmensch und Journalist: Johann Wohlgemuth gestorben
Er war ein Kulturmensch und Journalist aus der guten alten Garde: Johann Wohlgemuth, langjähriger Leiter der WR-Kulturredaktion, ist mit 73 Jahren gestorben.
Vor allem die Bühnenlandschaft der Region verdankt ihm sehr viel. Als in den 1980er Jahren das Dortmunder Theater in seiner Existenz bedroht war, stritt er höchst fachkundig und mit Erfolg für den Erhalt des Hauses.
Bei aller kulturellen Weltoffenheit war Johann Wohlgemuth doch zutiefst in Dortmund und hier besonders im Ortsteil Mengede verwurzelt. So hat er denn auch in den ganz großen Zeiten des Bochumer Schauspiels (unter Peymann und Zadek) die anderen Bühnen nie gering geachtet. Das galt natürlich vor allem für Dortmund. Aber auch das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel lag ihm speziell am Herzen.
Schroffe „Verrisse“ waren überhaupt nicht seine Sache.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Johann Wohlgemuth, Kulturredaktion, Nachruf, Westfälische Rundschau, WR
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Fußball im edlen Frack – Experiment der RuhrTriennale: Oratorium „Die Tiefe des Raumes“ in Bochum
Von Bernd Berke
Bochum. Wer wollte bestreiten, dass der Fußball rituelle und mythische, ja quasi religiöse und liturgische Anteile hat? Da liegt es vielleicht doch nahe, diesem phänomenalen Sport ein ehrwürdiges Oratorium zu widmen. Die RuhrTriennale probiert’s mit der in Bochum uraufgeführten Kreation „Die Tiefe des Raumes“.
Wenn hier die Mannschaftsaufstellung verkündet wird, klingt es fast, als riefen Posaunen zum Jüngsten Gericht. Der mit blauweißen bzw. schwarzgelben Schals angetretene, zuweilen ausgelassen tobende TriennaleChor (48 Damen und Herren verkörpern 60 000 Fans) antwortet auf die Vorgabe „Oliver“ mit Donnerhall: „Kaaaaahn“! Dazu lässt Dirigent Steven Sloane die sturmstarken Bochumer Symphoniker zu apokalyptischer Klangmacht anwachsen.
Das Spiel mit der komischen Fallhöhe
Es darf gefeixt werden. Derlei komische Fallhöhe zwischen Thema und Instrumentierung wird sich an diesem Abend häufig ergeben.… Weiterlesen
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Das Beste vom Osten – Kunst vor der „Wende“ aus vielen Ländern in Hagen
Von Bernd Berke
Hagen. Was bleibt von Osteuropas Kunst aus kommunistischen Zeiten? Diese Frage erwägt jetzt ein vielfältiges Ausstellungs-Projekt im Hagener Osthaus-Museum.
Es geht dabei keineswegs um den grauslichen Sozialistischen Realismus, der die „Errungenschaften der Arbeiterklasse“ in heroisch-kitschigen Bildern pries. In den Blick rücken vielmehr allerlei Arten der widerständigen oder zumindest inoffiziellen und auf Autonomie beharrenden Kunst, die zwischen 1945 und 1985 im Osten entstanden ist.
Die letzte Hagener Schau des scheidenden Museumsdirektors Michael Fehr hat eine windungsreiche Vorgeschichte. Vor wenigen Jahren entstand eine „Fast Art Map“, also eine Landkarte osteuropäischer Kunst aus 22 ehedem sozialistischen Ländern einschließlich der DDR. Datenbasis waren die Vorlieben von just 22 Kunstkritikern, die jeweils ihre heimischen Favoriten benannten – insgesamt 226 Werke.
Aus der Befragung hat sich folglich eine Art Kanon oder Bestenliste ergeben.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Kunst & Museen, Politik und so
Verschlagwortet mit East Art Museum, Hagen, Michael Fehr, Ostblock, Osteuropa, Osthaus-Museum
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Ein Don Juan zieht Bilanz – Jim Jarmuschs Film „Broken Flowers“ mit Bill Murray
Von Bernd Berke
Das muss Don erst einmal verkraften: Erst verlässt ihn die junge Geliebte (Julie Delpy). Am selben Tag kommt ein anonymer, auffällig rosaroter Brief von einer angeblichen „Ex“. Die kündigt an, dass sein jetzt 19jähriger Sohn ihn besuchen werde, von dem Don in all der Zeit gar nichts gewusst hat.
So beginnt Jim Jarmuschs neuer Film „Broken Flowers“. Wer Wim Wenders‘ „Don’t Come Knocking“ gesehen hat, wird verblüfft sein, denn es gibt dort eine Entsprechung, als hätten sich beide Regisseure telepathisch verständigt.
Bei Wenders begibt sich Sam Shepard alias Howard auf die Suche nach einem vor 25 Jahren gezeugten Sohn und dessen einst geliebter Mutter (Shepards Frau Jessica Lange, die auch bei Jarmusch mitwirkt). Nun also abermals eine Geschichte von später Reue eines treulosen Vaters, auch darstellerisch auf Augenhöhe mit Wenders: Jarmusch schickt den famosen Bill Murray („Lost in Translation“) auf eine ähnliche Spurensuche.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Bill Murray, Broken Flowers, Jessica Lange, Jim Jarmusch, Julie Delpy, Tilda Swinton
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Im Kosmos der Farben und Formen – Vier Museen würdigen Fritz Winter
Von Bernd Berke
Cappenberg/Hamm/Ahlen. Es grenzt an ein biographisches Wunder: Da ist jemand in den 1920er Jahren Grubenelektriker auf der Ahlener Zeche „Westfalen“ und notiert: „Keinen Strahl Sonne – so ist im Augenblick mein Leben.“ Dann aber bewirbt er sich als Kunstschüler beim berühmten Bauhaus in Dessau. Mit Erfolg. Kein Geringerer als Paul Klee ist der Fürsprecher.
Der erstaunliche Mann heißt Fritz Winter und wird später zu den prägenden Gestalten der abstrakten westdeutschen Nachkriegskunst gehören. Am 22. September 1905, also vor fast 100 Jahren, wurde Winter in Bönen (Kreis Unna) geboren. Es wäre fahrlässig, würde man dieses Datum in Westfalen nicht museal begehen. Nun geschieht’s massiv: Vier Häuser in Cappenberg (Schloss), Hamm (Lübcke-Museum) und Ahlen (Kunstmuseum, Fritz-Winter-Haus) zeigen insgesamt rund 300 Arbeiten aus allen Werkphasen.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Ahlen, Bauhaus, Cappenberg, Fritz Winter, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, Paul Klee
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Wer die Berggeister stört – Alpendrama „Steine und Herzen“ bei der RuhrTriennale
Von Bernd Berke
Duisburg. Der Mann mit dem klingenden Namen Ambrosius Nektarine ist ein asketischer Fanatiker des Wissens. Den Schweizer Bergen will er ihre Geheimnisse entreißen und dazu muss er hinauf. Um Hexen und Drachen, die der landläufige (von den alten Machthabern wohlweislich genährte) Aberglaube dort droben wähnt, mag er sich nicht scheren. Und auch nicht um die Liebe. Diese Haltung muss doch ins Verderben führen!
Mit dem in Duisburg uraufgeführten Alpendrama „Steine und Heizen“ versucht sich der Burgtheater-Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf erstmals als Autor. Sein Stück über Anfänge des Alpinismus begibt sich in die Zeit der Französischen Revolution. Es wetterleuchten die Fanale der Aufklärung, doch es dämmert auch rabiates Jakobinertum herauf – und eilfertige Anpassung an kommende Verhältnisse. Zudem zeigen sich bereits die Schattenseiten wissbegieriger Rationalität.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Duisburg, Ernst C. Sigrist, Hans-Michael Rehberg, Kraftzentrale, RuhrTriennale, Steine und Herzen, Sven-Eric Bechtolf
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Ganz leise am Mythos vorbei – zweiteilige Kasseler Erinnerungs-Schau „50 Jahre documenta“
Von Bernd Berke
Kassel. Seit 1955 blüht in Kassel die Kunst. Buchstäblich. Denn die allererste „documenta“, die Arnold Bode damals aus der Taufe hob, war ein Anhängsel der Bundesgartenschau. Ein halbes Jahrhundert ist diese folgenreiche Premiere nun her. Da gilt es, der wechselvollen Historie zu gedenken. Aber wie soll man die bislang elf Ausgaben der Weltkunstschau übergreifend darstellen?
Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Jede documenta war ja – schon einzeln für sich betrachtet – ein immenses, widersprüchliches, schier uferloses Ereignis. Über 2000 (!) Künstler waren auf mindestens einer documenta vertreten.
Der in Bochum geborene Kurator Michael Glasmeier, eigens von einer Findungskommission bestellt, hat denn auch für die Schau „5O Jahre documenta“ erst gar nicht den Versuch einer Gesamt-Perspektive unternommen, sondern ist seinen Vorlieben gefolgt – mit rund 200 Arbeiten von 80 Künstlern.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit 50 Jahre documenta, documenta, Fridericianum, Kassel, Michael Glasmeier
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