Tagesarchive: 2. Dezember 2009

Botho Strauß‘ Notate „Vom Aufenthalt“

„Wo warst du in deinen Tagen? Hast du eine Höhle oder eine Säule bewohnt? Im Letztlicht oder Lechzlicht gestanden?“

Fürwahr ein hoher Ton, nah am Rande des Strapaziösen. Keine leichte Kostprobe aus dem neuen Buch von Botho Strauß, das aber ungleich vielstimmiger instrumentiert ist und auch das Alltägliche nicht beiseite lässt.

„Vom Aufenthalt“ heißt der Band. Er enthält Hunderte von Notaten, die (oft unwirsch, vielfach elegisch) von der als heillos diagnostizierten Gegenwart wegführen sollen und gerade deshalb treffsicher ins Zentrum heutiger Zeitwirrnis zielen. Strauß sucht ein Menschenbild für ungewisse Zukunft zu entwerfen, aus dem Vorhandenen zu erspüren. Diese Anstrengung kommt zwar gelegentlich hochmögend, doch kaum einmal tönend prophetisch daher, wie manche gewiss wieder argwöhnen werden. Sondern? Zuweilen leicht wie ein Lufthauch.

Die Grundhaltung, die der Autor einnimmt und anempfiehlt, ist ein hellsichtig bewusstes Zögern und Zaudern. Die heilsame Weile, das Warten nach all dem übermäßigen Geschehen, also: Aufenthalt – wie auf einer Heimreise mit dem Zug. Endlich eine andere Zeitfülle!

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