Schlagwort-Archive: Krimis

Bye-bye, Sabine – ein Nachruf auf die Dortmunder Krimiautorin Sabine Deitmer

Die Krimiautorin Sabine Deitmer, die jetzt mit 72 Jahren gestorben ist. (Foto: Klauspeter Sachau / Literaturhaus Dortmund)

Die Dortmunder Krimiautorin Sabine Deitmer, die jetzt mit 72 Jahren gestorben ist. (Foto: Klauspeter Sachau / Literaturhaus Dortmund)

Die eloquente, couragierte und warmherzige Schriftstellerin Sabine Deitmer gab der deutschsprachigen Kriminalliteratur wichtige Impulse. Nicht nur, weil sie den Spielraum des Komischen in diesem Genre erweiterte, sondern auch, weil sie das Verhältnis zwischen Opfern und Tätern neu auslotete, ebenso wie die Diskrepanz zwischen männlichem Blick und weiblicher Sicht auf kriminelle patriarchalische Strukturen.

Sabine Deitmer, die am 11. Januar mit 72 Jahren gestorben ist, lud ich das erste Mal Ende der 80er-Jahre ins soziokulturelle Zentrum Ruhrwerkstatt nach Oberhausen ein. Damals war sie mit ihren überaus erfolgreichen Kurzgeschichten auf Lesereise. „Bye-bye, Bruno – Wie Frauen morden“, Stories, in denen angesichts körperlicher wie struktureller Gewalt jeweils ein männliches Auslaufmodell von aufbegehrenden Frauen einfallsreich und quasi in Notwehr entsorgt wurde.

Problembären wie Bruno

Veröffentlicht unter Frauen & Männer, Krimi & Kriminalität, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

„Meine Figuren sollen nicht lange leiden“ – Interview mit der Krimiautorin Ingrid Noll

Von Bernd Berke

Ingrid Noll (63) ist die mit Abstand erfolgreichste Krimi-Autorin Deutschlands. Mit Büchern wie „Der Hahn ist tot“, „Die Apothekerin“ und „Kalt ist der Abendhauch“ stand sie jeweils Monate lang auf den Bestsellerlisten. Auch ihr neuer Roman „Röslein rot“ (Diogenes, 39 DM) schaffte wieder den Sprung auf Platz zwei – gleich hinter Donna Leons „Sanft entschlafen“. Ein famoser Doppelerfolg für den Züricher Diogenes-Verlag, der beide Krimi-Ladies unter Vertrag hat. Die WR traf Ingrid Noll auf der Frankfurter Buchmesse.

Sie haben erst im Alter von 55 Jahren mit dem professionellen Schreiben begonnen und erzielen Spitzenauflagen. Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis?

Ingrid Noll: Ich habe einfach Spaß am Schreiben. Das teilt sich den Lesern offenbar mit.

Haben andere Autoren denn keinen Spaß an ihrer Tätigkeit?

Noll: Viele quälen sich fürchterlich und haben Angst vor dem leeren Blatt Papier. Das Gefühl kenne ich überhaupt nicht. Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich eben nicht.

Warum werden in Ihren Büchern eigentlich so viele Männer zur Strecke gebracht?

Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für „Meine Figuren sollen nicht lange leiden“ – Interview mit der Krimiautorin Ingrid Noll

Das Ekel von Datteln und andere Übeltäter – Gespräch mit dem Dortmunder „grafit“-Verleger Rutger Booß

Von Bernd Berke

Tatort: Dortmund. Mit dem Umzug aus dem Vorort Wellinghofen ins Stadtzentrum unterstreicht Rutger Booß den Anspruch, daß sein „grafit“-Verlag bis zum Jahr 2000 das führende Haus für deutschsprachige Krimis werden soll. Die WR sprach mit ihm über seinen Job und über die Krimi-Szene.

Wann und wie sind Sie Verleger geworden?

Rutger Booß: In der Buchbranche arbeite ich schon seit 1974 – zunächst als Lektor beim Dortmunder „Weltkreis“-Verlag, dann in der Zentrale einer linken Buchhandelskette und bei Pahl-Rugenstein in Köln. Als dort die Sparte Belletristik eingestellt wurde, stand ich plötzlich mit 45 Jahren ohne Arbeitsplatz da. In dieser Not habe ich mit meinem bißchen Geld meinem Ex-Arbeitgeber ein paar Autorenrechte abgekauft und mich selbständig gemacht. Das war ein großes Risiko, aber auch eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt. Jedenfalls ist so im Mai 1989 der „grafit“-Verlag entstanden.

Wie kam es eigentlich zu dem Namen „grafit“?

Booß: Den hat der Krimiautor Werner Schmitz erfunden. Der hatte beobachtet, daß die meisten Kleinverlage pompös-bombastische Namen tragen, die großen und erfolgreichen aber meist ganz kurze und griffige, höchstens zweisilbige. Leute, die nur unseren Namen kennen, stellen sich jetzt einen viel größeren Verlag vor.

Veröffentlicht unter Buchmarkt, Krimi & Kriminalität | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Das Ekel von Datteln und andere Übeltäter – Gespräch mit dem Dortmunder „grafit“-Verleger Rutger Booß

„Starkes Stück Mord“: Revier ist Krimiland – Autoren aus ganz Deutschland kommen zur „Criminale“

Von Bernd Berke

Im Westen. Früher war das Ruhrgebiet vor allem Schauplatz sozialkritischer Literatur, heute ist es Krimiland. Nur folgerichtig. daß sich rund 80 literarische Mord-Spezialisten aus ganz Deutschland diesmal im Revier treffen.

Erstmals hat die Autorenvereinigung „Das Syndikat“ nicht öde Büchereien als Tagungs- und Lesungsorte ausgesucht. Auf Einladung des Sponsors IBA (Internationale Bauausstellung Emscherpark) kommt man vom 25. bis 28. Mai zur „Criminale ’94“ in Zechen und Industriehallen zusammen.

Autor und Mitorganisator Walter Wehner: „Es herrscht dort eine Atmosphäre, bei der man literarisch kaum noch etwas bieten müßte. Dreht man nur das Licht aus, ist es schon wie im Krimi.“ Sein Kollege Reinhard Junge befindet gar, das Ruhrgebiet entfalte womöglich die größten kriminellen Aktivitäten in ganz Europa. Woran er wohl dabei denkt?

Natürlich soll in Bochum, Gelsenkirchen, Essen und Duisburg das Grusel-Ambiente den Autoren nicht die Worte rauben. Literarische Qualität darf’s schon zusätzlich sein. Der Abend „Ein starkes Stück Mord“ bleibt dem Revierkrimi vorbehalten. Diesen Begriff hören Regionalmatadoren wie Leo P. Ard oder Reinhard Junge übrigens nicht gern. Man spreche ja auch bei Edgar Wallace nicht von London-Krimis.

Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für „Starkes Stück Mord“: Revier ist Krimiland – Autoren aus ganz Deutschland kommen zur „Criminale“

In der kleinen Messekoje spürt „Grafit“ den Trend zum Krimi – Verlag aus Dortmund-Hörde auf dem Frankfurter Büchermarkt

Von Bernd Berke

Wie ist das eigentlich – als Kleinverlag unter 8403 Ausstellern der Frankfurter Buchmesse um Aufmerksamkeit zu buhlen? Nun, unter Umständen gar nicht so schlimm.

Rutger Booß, Gründer und Eigner des Grafit-Verlages in Dortmund-Hörde, der sich vor allem auf Revier-Krimis und Hotelführer spezialisiert hat, ist mit dem Messeverlauf zufrieden. Zwar sagt er: „Eine Teilnähme ist so kostspielig, daß sie sich für uns kaum rechnet.“ Doch die Kontakte, die hier geknüpft werden können, sind im Grunde nicht bezahlbar. Allein in der Zeit, als die WR den Stand besuchte, wurden gleich mehrere Projekte angeregt, darunter eine Krimi-Nacht der VHS in Bottrop mit Beteiligung von Grafit-Autoren.

Seit etwa dreieinhalb Jahren gibt es den Verlag. Inzwischen kann Booß samt zwei Mitarbeitern davon leben. Und es stellen sich auch größere Erfolge ein. So hat der Deutsche Taschenbuchverlag (dtv) mehrfach wegen Lizenzen angeklopft, und kürzlich hat Grafit dem ZDF die Verfilmungsrechte an einem Münsterland-Krimi verkaufen können. Allmählich, so scheint es, weiß man auch außerhalb des Ruhrgebiets mit dem Namen Grafit etwas anfangen. Doch nach wie vor verkaufen die Dortmunder den Löwenanteil des Programms rund um Ruhr und Emscher.

Veröffentlicht unter Buchmarkt, Krimi & Kriminalität | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für In der kleinen Messekoje spürt „Grafit“ den Trend zum Krimi – Verlag aus Dortmund-Hörde auf dem Frankfurter Büchermarkt