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Wie der Mensch entschwindet – Die Leidens-Bilder des Tom Wood in Schloß Cappenberg

Von Bernd Berke

Selm-Cappenberg. Man fühlt sich seltsam verunsichert, wenn man die Bilder des Briten Tom Wood betrachtet. Genau das ist beabsichtigt.

Wood (Jahrgang 1955) spürt dem universellen Schmerz nach, der aus der fragilen Identität des Menschen herrührt. So jedenfalls beschreibt er selbst seinen künstlerischen Antrieb.

Eine der großformatigen Arbeiten, die jetzt als Deutschland-Premiere im Cappenberger Schloß gezeigt werden, ist in Los Angeles entstanden, und zwar kurz vor dem letzten größeren kalifornischen Erdbeben. Als Wood wieder daheim in Halifax (West Yorkshire / England) war und die schlimmen Nachrichten aus den USA vernahm, überarbeitete er das Bild. Ein einsamer Mensch wird jetzt geradezu von blauen Farbwogen überflutet; Sinnbild einer allzeit brüchigen, jederzeit bedrohten Existenz. „Corpus“ heißt die Ausstellung, und man denkt vielleicht auch an „Corpus Christi“, mithin ans überzeitliche Leid.

Immer wieder solche Szenen: Menschenfiguren werden verschluckt, verschlungen oder zumindest gefährlich eingehüllt von diffusen Farb-Erscheinungen. Flüchtige Wesen vergehen in weiten Wüsteneien, entschwinden in Rauch oder Nebel, verschwimmen in den Wassern. Die untröstlichsten Werke schuf Wood nach dem Tod seiner Mutter, den er als vollkommen sinnlos empfunden hat. Nun richten umherirrende Gestalten den leeren Blick nur noch nach innen, auf verzweifelter Suche nach einem Ausweg.

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