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Monatsarchive: November 2025
Zauber des Zufalls: Christoph Biermanns erhellendes Fußballbuch „Die Tabelle lügt immer“
Was hat Christoph Biermann, gewiss einer unserer besten Fußballexperten, da im Sinn: Will er diesen Sport vollends entmystifizieren? Sollen wir denn nicht mehr in den üblichen, im Sog der Medien und Netzwerke abschnurrenden Narrativen übers Kicken reden? Nun, jedenfalls hält Biermann hartnäckig dafür, das Leistungsniveau der Fußballteams von den Resultaten zu trennen und endlich die gewichtige Rolle des Zufalls anzuerkennen.
Es gebe, so Biermann, eigentlich keine Torschüsse, in denen nicht das Rauschen des Zufalls vernehmbar sei. Kein Schuss sei zu 100 Prozent wiederholbar, somit sei auch das Ergebnis nicht vorhersehbar – und wenn man noch so viel Technik zur Spielanalyse einsetzt. Das sekundengenaue Tracking, die „Datafizierung“ des Fußballs, beispielsweise die Berechnung der „expected goals“, all das könne letztlich vieles nicht schlüssig erklären, z.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Leibesübungen
Verschlagwortet mit Christoph Biermann, Die Tabelle lügt immer, Über die Macht des Zufalls im Fußball
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Kulturauftrag vorbildlich erfüllt: Die Tage Alter Musik in Herne und ihre Verdienste im Salieri-Gedenkjahr

Antonio Salieri auf einer um 1815 entstandenen Lithografie.
Ohne die „Tage Alter Musik“ in Herne wäre der 200. Todestag Antonio Salieris in Deutschland sang- und klanglos vorüber gegangen. Mit einer konzertanten Aufführung seiner Oper „La Grotta di Trofonio“ erinnerte das vom WDR und der Stadt Herne getragene Festival an den 1825 gestorbenen einflussreichen Komponisten, der für die Nachwelt nur noch als angeblicher Rivale Mozarts in Erinnerung geblieben ist.
Wer sich mit Salieris Musik befasst, wird immer wieder überrascht: Zwar bleibt sein melodischer Ausdruckswille hinter dem Mozarts zurück; auch den dichten, von Überraschungen sprühenden Satz des Salzburgers sucht man bei Salieri vergebens. Aber der formale Erfindungsreichtum und der souveräne Umgang mit den konventionellen Formen der italienischen Oper belegen Salieris Meisterschaft ebenso wie die farbige Instrumentationskunst.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Festivals, Musik & Konzert, Oper & Ballett
Verschlagwortet mit Antonio Salieri, Elisabeth Freyhoff, Giambattista Casti, Glück, Grotta Trofonio, Herne, Jan Petryka, Jonas Müller, Jorge Navarro Colorado, Legnago, Maria Hegele, Münchner Hofkapelle, Nikolay Borchev, Rüdiger Lotter, Tage Alter Musik, Trophonius, WDR
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Der neue Faschismus und seine Zerstörungslust
Kevin Roberts, Vordenker der Agenda zum Umbau der US-Gesellschaft in einen autoritär-faschistischen Staat, hat kurz vor der Wahl von Donald Trump unmissverständlich formuliert, dass es nicht darum geht, die Institutionen der liberalen Demokratie zu reformieren, sondern sie zu zerstören: „Dekadent und wurzellos dienen diese Institutionen einzig als Zufluchtsort für unsere korrupte Elite. Damit Amerika wieder aufblühen kann, dürfen sie nicht reformiert werden; sie müssen verbrannt werden.“
Beängstigend für Anhänger der freiheitlichen Demokratie ist nicht allein die provokative Attitüde dieser Aussagen, sondern auch, dass sie offen die Sehnsucht nach Destruktion und den Wunsch ausdrücken, die liberale Gegenwart in den Orkus der Geschichte zu verbannen, um eine Reise in die schöngeredete Vergangenheit anzutreten. Diese „Zerstörungslust“, so Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrer Bestandsaufnahme zur Genese der weltweit um sich greifenden Demokratieverachtung, sei aber „keineswegs nur nihilistisch, sie ist schöpferisch und will aus alten Steinen ein neues Gebilde zusammensetzen, das ewig währt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Politik und so
Verschlagwortet mit autoritär, Carolin Amlinger, Donald Trump, Faschismus, Kevin Roberts, libertär, Oliver Nachtwey, Zerstörungslust
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Dortmunder Jugendoper: Ein Zoo am Lager Buchenwald

Der Zoo, in Emine Güners Bühne ein trostloser Ort für den Pavian (Cosima Büsing), das Murmeltier (Wendy Krikken) und den Bären (Franz Schilling). (Foto: Björn Hickmann)
In einem Zoo lebt ein Nashorn. In einer Winternacht stirbt es plötzlich. Was war geschehen?
Vertrug das exotische Tier die Kälte nicht? Hatte es Heimweh? Das fragen sich ein Murmeltier und der kürzlich erst neu angekommene Bär. Oder hat das Nashorn „sein Horn zu tief in Angelegenheiten gesteckt, die es nichts angehen“, wie der Vater einer Pavian-Familie mutmaßt?
Den Zoo, den Komponist Edzard Locher und sein Librettist Daniel C. Schindler als Schauplatz für ihre Oper für junges Publikum ab Zwölf gewählt haben, den gab es wirklich. Er lag direkt am Zaun des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Oper & Ballett
Verschlagwortet mit Cosima Büsing, Daniel Schindler, Dortmund, Edzard Locher, Emine Güner, Franz Schilling, Jens Raschke, Junge Oper, Nashorn, Olivia Lee-Gundermann, Stephan Rumphorst, Sven Pollkötter, Wendy Krikken
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Berg & Klammern, Bus & Eile
Bisher: Herr Scherl, Held unserer Erzählung, will seit Tagen eine nötige social-media-Pause machen, er kommt aber nicht dazu, weil immer was dazwischen kommt (für dieses »zu – zwi« müßt man (=ich) mal was erfinden. Nà, heut nicht mehr). Zu Anfang dieser Aufzeichnungen weilt er nach einem Arzt-(genauer: Ärztin-)besuch (nur was abholen, da muß man sich ja wegen jedem Mist selber materialisieren) wie immer in der Eisdiele seiner Wahl, wo er, wie immer, zeichner- und soziologische Studien betreibt.
Klar, Wohlstand usw usf, wie immer. Faules Künstlerpack – nix arbeiten, aber immer Pause machen und rauchen und immer Kaffee saufen. Oder noch Schlimmeres! Jaja… (ja – ich weiß, was »jaja« heißt, deswegen schreib ichs ja hin)… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Literatur, Philosophie, Sprache, Unterwegs, Wahnwitz, Warenwelt & Werbung
Verschlagwortet mit Aquarelle, Aufzeichnungen, Bäcker, Brot, Bus, Butterbrot, Dackeln, Döner, Eisdiele, Geld, Greenpeace, kichern, Klammern, Knilch, Künstler, Pause, pfeifen, Schuhe, Stammkneipe, Wurscht, zeichnen
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Was nach „Babylon Berlin“ geschah: Volker Kutschers „Westend“
Berlin 1973. Die geteilte Stadt ist Hotspot des Kalten Krieges. Nirgendwo sonst auf der Welt vermischen sich ideologische und politische Gegensätze zu solch einer undurchdringlichen Melange aus Verschwörung und Intrige, Spionage und Illusion.
Im Westteil der von hohen Mauern geteilten Stadt lebt ein ehemaliger Kriminalkommissar in einem Seniorenheim. Er ist jetzt 74 Jahre alt, ein einsamer, verbitterter Mann. Am liebsten möchte er die Vergangenheit einfach vergessen, nie wieder daran erinnert werden, dass er einst bei der Berliner Polizei mit Mord und Totschlag zu tun hatte, sich gegen die Nachstellungen der Nazis wehren musste und irgendwann seinen eigenen Tod inszenierte, einfach abtauchte und sich in Amerika ein neues Leben erfand. Von seiner Frau wurde er für tot erklärt, damit sie wieder heiraten, sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen und sich um das Kind ihres den Nazis hinterher laufenden Ziehsohnes kümmern konnte, das er mit einer von den völkischen Massenmördern umgebrachten Jüdin gezeugt hatte.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Babylon Berlin, Gereon Rath, Volker Kutscher, Westend
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