Ernest Borgnine starb mit 95: Er konnte mit Nuancen Charaktere prägen

Wirklich nicht mit äußeren Erscheinungsmerkmalen gesegnet, die gemeinhin Hollywood-Stars glamourös erscheinen lassen, als Darsteller eher mal auf polternde, aber auch tapsig-liebenswerte Eigenschaften abonniert, der Kerl, dem man gern Zuverlässigkeit und Loyalität zuordnen würde, und er war stets von einem außergewöhnlichen Wiedererkennungswert: Ernest Borgnine, der sein bewegtes Leben als Sohn italienischer Eltern mit Namen Ermes Effron Borgnino begann, hat es mit 95 Jahren abgeschlossen und hinterlässt viel mehr Lücken, als man auf den ersten Blick meinen könnte, denn er war ein ganz großartiger Darsteller – im wahrsten Wortsinne.

1953 spielte er nicht nur seine erste nennenswerte Rolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“, sondern blieb als tiefböser Seargent „Fatso“ Judson stets auf künstlerischer Augenhöhe mit Montgomery Clift oder Burt Lancaster, was für den damaligen Anfänger Borgnine keineswegs einfach gewesen sein mag. Kein Wunder, dass er mal gerade drei Jahre später für die Darstellung des Metzgers „Marty“ im gleichnamigen Film den Oscar in Händen hielt. Es war wohl kein Zufall, dass der Co-Produzent Burt Lancaster hieß. Ob er diese Rollen oder einen warmherzig-harten Kerl in „The Wild Bunch“ (Sam Peckinpah) oder den handfesten „Trucker“ Cobb im „Der Flug des Phoenix“ gab, immer war der rumpelige Zupacker mit der Zahnlücke, die sein einnehmendes Lachen freilegte, genau die Nuance anders, die seine Rolle von ihm erwünschte. Der „Phoenix“ wurde im übrigen von Robert Aldrich in Szene gesetzt, dessen ausgemachter Lieblingsdarsteller er war.

Und selbst so zeitgeistigen Streifen wie „Höllenfahrt der Poseidon“ (da war er der bullige Großstadtcop „Mike Rogo“, der mit stets verliebten Augen hinter seiner Frau „Linda“ schützend durch den durchgekenterten Ozean-Liner krabbelte) gab seine Art zu spielen cineastischen Mehrwert und gleichberechtigte Aufmerksamkeit neben Gene Hackman. Dabei gelang es ihm fast (das fast sage ich nur, weil es selbst in seinem Leben mal ein Fehlgriff gab) immer, sich und sein unverwechselbares Gesicht als Unikat zu bewahren – daher meine Vorliebe dafür, solche Menschen wie Ernest Borgnine Darsteller zu nennen.

Auch bei kleineren Aufgaben unterhielt er sein Publikum prächtig. So als Gast bei Tim Allens „Hör mal, wer da hämmert“ neben dem silberblickenden Jack Elam oder als Synchronstimme des „Meerjungfraumannes“ im „Spongebob“ – er blieb zwar nicht der ernsthafte Darsteller, der er sein konnte, aber hatte selbst viel Spaß und vermochte ihn auch noch im hohen Alter zu verbreiten.
Ermes Effron Borgnino hat meine Kinoerfahrungen eindeutig bereichert.

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