Manchmal sind die Alternativen im Leben bestürzend gering: „Konstellationen“ von Nick Payne im Dortmunder Schauspiel

Was das real gelebte Leben nicht kann, kann das Theater: verschiedene Möglichkeiten des Kennenlernens und des Zusammenlebens durchspielen, alles noch einmal auf Anfang setzen, Dinge geschehen lassen oder eben auch nicht. In seinem Stück „Konstellationen“ wählt der britische Autor Nick Payne einen solchen Ansatz. Das deutschsprachige Ergebnis seiner dramatischen Bemühungen hatte nun im Studio des Dortmunder Schauspiels mit dem Titel „Konstellationen“ in der Regie von Péter Sanyó Premiere.

Louisa Stroux, Frank Genser (Foto: Birgit Hupfeld / Theater Dortmund)

Ob es sich wirklich um Konstellationen (Mehrzahl) oder doch nur um eine Konstellation handelt, wäre allerdings schon zu fragen. Denn eigentlich wird die Geschichte von Roland und Marianne – er Imker, sie Quantenphysikerin – linear durcherzählt. Zwar gibt es kritische Momente in ihrer beider Leben (Fremdgehen, Besäufnisse, Krankheit usw.), doch danach geht es immer auf dem gemeinsamen Gleis weiter – so lange es weitergeht.

Tumor

Schließlich nämlich hat Marianne einen inoperablen Tumor im Kopf und bemüht sich, wir machen das jetzt ganz kurz, um Sterbehilfe. Angst vor dem Tod habe sie nicht, befindet sie, Angst vor dem Sterben schon. Da stellt sich dann die Frage,wann man es hinter sich bringt: So schnell wie möglich, oder erst in ein, zwei Monaten, oder wenn der Anruf kommt? Zumindest macht der Schluß klar, daß die Alternativen im Leben manchmal doch bestürzend gering sind.

Heftig flackernde Neonröhren

Frank Genser, Louisa Stroux (Foto: Birgit Hupfeld / Theater Dortmund)

Frank Genser und Louisa Stroux geben das ungleiche Paar mit Leidenschaft auf nahezu nackter Bühne, die ihre Strukturierung lediglich durch eine Reihe von deckenhängenden Neonröhren erhält, welche entweder durch selektives Leuchten Spielräume abzirkeln oder aber heftig flackernd Handlungsbrüche markieren (Bühne: Daina Kasperowitsch).

Intensives Schauspiel

Gemessen an seinem analytischen Anspruch vermag „Konstellationen“ indes nicht gänzlich zu überzeugen. Um als Tragödie zu funktionieren, fehlen dieser traurigen Alltagsgeschichte, die in einer Stunde 10 Minuten erzählt ist, die dramatischen Weitungen. Was aber auf jeden Fall bleibt ist das Erlebnis intensiven Schauspiels, das schon für sich genommen den Theaterbesuch lohnt.

  • Termine: 9., 21., 29. Februar, 4., 19. März.
  • www.theaterdo.de
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